Lernen in der tiergestützten Pädagogik mit Pferden

Welche Lernprozesse lassen sich durch die tiergestützte Pädagogik mit Pferden initiieren und wie lässt sich diese zu verschiedenen pädagogischen Perspektiven in Bezug setzen?


Bachelorarbeit, 2021

83 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

I. Inhalt

I. Inhalt

II. Abkürzungsverzeichnis

0. Einleitung

1. Tiergestützte Pädagogik mit dem Pferd
1.1 Angrenzende Begriffe
1.2 Die Mensch-Pferd-Beziehung und Interaktion
1.3 Voraussetzungen Pferde, Pädagogen und Teilnehmer
1.4 Wirkungsweise und Ziele tiergestützter Pädagogik
1.5 Zusammenfassung

2. Pädagogische Perspektiven
2.1 Handlungsfeldorientierte Perspektive: Erlebnispädagogik
2.1.1 Merkmale der Erlebnispädagogik
2.1.2 Lernen in der Erlebnispädagogik
2.1.3 Ziele in der Erlebnispädagogik
2.2 Lerntheoretische Perspektive: Das Lerndreieck nach Knud Illeris
2.3 Didaktische Perspektive: Identitätstheoretische Didaktik
2.4 Zusammenfassung

3. Verortung der tiergestützten Pädagogik mit Pferden in ausgewählte pädagogische Perspektiven
3.1 Verortung in die Erlebnispädagogik
3.2 Verortung in das Lerndreieck nach Knud Illeris
3.3. Verortung in die identitätstheoretische Didaktik
3.4 Mögliche Lernprozesse

4. Fazit und Ausblick

III. Quellenverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

0. Einleitung

Laut einer Online-Befragung aus dem Jahr 2014, initiiert von der Fachzeitschrift „Kindergar­ten heute“, liegt „das Tier als Co- Pädagoge [...] voll im Trend“ (Beetz 2012, S. 12, zit. nach Strunz 2020, S. 25). Das hat sich bis heute nicht verändert und gewinnt sogar immer mehr an Bedeutung und Beliebtheit (vgl. Strunz/Waschulewski 2020, S. 15; Strunz 2020, S. 25).

Die heutigen gesellschaftlichen Veränderungen hin zu einer Konsumgesellschaft, die immer mehr durch Medien und Technologien beherrscht ist, führen mehr und mehr zu einer Ab­wendung und Entfremdung von der Natur und den darin befindlichen Tieren. Die heutige jüngere Generation schreibt ihr weniger Bedeutung zu, weil die Berührungspunkte z. B. im Alltag zu ihr verloren gegangen sind. Diesen Tendenzen will die tiergestützte Pädagogik, bei der in pädagogischen Settings Tiere als Co-Pädagogen eingesetzt werden, entgegenwirken. Kindern und Jugendlichen sollen dadurch wieder Naturerfahrungen ermöglicht, die Beson­derheit einer Mensch-Tier-Beziehung aufgezeigt werden und sie sollen die Möglichkeit be­kommen, eine solche Beziehung aufbauen zu können. Heute sehen viele Familien Haustiere aufgrund von Zeit- und Platzmangel als Zusatzbelastung in ihrem Alltag. Um den Kindern und Jugendlichen die Begegnung mit ihnen dennoch zu ermöglichen, werden Tiere heute oft in (Ganztages-)Schulen oder Kitas gehalten (vgl. Strunz 2020, S. 25f.).

Doch welche Wirkungen haben Tiere auf Kinder? Was können Kinder durch den Umgang mit Tieren lernen? Und welche Ziele können mit dem Einsatz von Tieren in pädagogischen Maßnahmen verfolgt werden? Diese und weitere Fragen sollen in dieser Bachelorarbeit be­antwortet werden.

Oft wird der Einsatz von Tieren eher der Therapie zugeschrieben. Dieser Ansatz ist in die­sem Bereich beispielweise durch die Reittherapie und die Hippotherapie bekannter, als er es in der Pädagogik ist (vgl. ebd., S. 25). Doch sollte der tiergestützten Pädagogik durchaus ebenfalls Beachtung beigemessen werden, da sich durch sie vielerlei Möglichkeiten in die­sem Bereich auftun können. Diese sollen ebenfalls in der vorliegenden Bachelorarbeit in den Blick genommen werden.

Das große Interesse, mich in meiner Bachelorarbeit mit der tiergestützten Pädagogik mit Pferden zu beschäftigen, entstand während meines Praktikums, das ich auf einem erlebnis­pädagogisch orientierten Reiterhof für Menschen mit Benachteiligungen absolviert habe. Dort habe ich Menschen mit geistigen, körperlichen, seelischen und emotionalen Beeinträch­tigungen kennengelernt und durfte mit ihnen ein halbes Jahr arbeiten und sie begleiten. Da­bei fiel mir häufig die besondere und innige Beziehung zwischen den Teilnehmern und den Therapiepferden auf, die sie mühelos und oft sehr schnell aufbauen konnten. Die Teilnehmer vertrauten den Pferden oft bedingungslos, konnten sich ihnen schnell öffnen und legten mit deren Hilfe Unsicherheiten und Ängste nach und nach ab.

Im Laufe meines weiteren Studiums beschäftigte mich die Frage, wie es eben zu diesen Veränderungen in der Persönlichkeit der Teilnehmern kommt und darüber hinaus, wie und wodurch diese Lernprozesse, die ich beobachten konnte, durch die Arbeit mit den Pferden ausgelöst werden können. Einige Teilnehmer der Reittherapie zeigten Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten, die sich aber im Laufe der Therapie verbesserten. Die Reitthe­rapie half den Teilnehmern besser mit ihrer Beeinträchtigung umzugehen.

Diese positiven Erfahrungen, die ich in der Reit- und Hippotherapie machen durfte, will ich nun auf die Pädagogik übertragen, in der die tiergestützte Pädagogik mit Pferden eher als Randerscheinung auftritt und ihr nicht so viel Bedeutung beigemessen wird, wie es in der Therapie der Fall ist. Mein Erkenntnisinteresse besteht darin, durch die Bachelorarbeit her­auszufinden, wie die tiergestützte Pädagogik mit Pferden mithilfe von pädagogischen Per­spektiven im pädagogischen Spektrum verortet werden kann und welche Lernprozesse durch diese pädagogische Handlungsform ausgelöst werden können.

Aus diesen Überlegungen ergab sich folgende Fragestellung:

Welche Lernprozesse lassen sich durch die tiergestützte Pädagogik mit Pferden initiieren und wie lässt sich diese zu verschiedenen pädagogischen Perspektiven in Bezug setzen?

Die vorhandene Literatur und die Internetquellen zum Thema tiergestützte Pädagogik mit Pferden zeigen die zahlreichen Möglichkeiten, Einsatzbereiche, Chancen und Ziele dieser pädagogischen Methode auf. Betont wird oft die besondere Wirkung der Tiere auf die Men­schen, da Tiere jeden Menschen vorurteils- und wertfrei annehmen und jeden so akzeptieren und annehmen wie er ist (vgl. Saumweber 2001, S. 90).

Heutzutage ist eine Vielzahl verschiedener Begriffe aus unterschiedlichen Quellen vorhan­den, die alle Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede in ihrer Bedeutung und Verwendung aufweisen und sich dazu noch in weitere Unterbegriffe unterteilen lassen. Zu diesen Begrif­fen zählen unter anderem die tiergestützte Intervention, tiergestützte Pädagogik, tiergestütz­te Therapie, tiergestützte Förderung und tiergestützte Aktivität (vgl. Otterstedt 2019). Der Begriff tiergestützte Intervention wird häufig genannt, da er als Überbegriff für mehrere Maß­nahmen (sportlicher, medizinischer und auch psychologischer Art) verstanden werden kann. Oft werden in der Literatur die Voraussetzungen und die Ausbildung, die ein Pferd in diesem Bereich der Pädagogik mitbringen sollte, beschrieben. Dazu kommen meist die Vor­aussetzungen, die Pädagogen in dieser Arbeit mitbringen sollten und für welche Personen­gruppen die tiergestützte Pädagogik geeignet ist (vgl. Otterstedt 2019).

Die Bachelorarbeit ist rein literaturanalytisch verfasst worden. Die Inhalte der Kapitel in der Arbeit bauen aufeinander auf und wurden auch in dieser Reihenfolge bearbeitet. So entstand eine logische und nachvollziehbare Struktur, die die Auseinandersetzung mit der Fragestel­lung am Ende der Arbeit vereinfacht hat.

Die vorliegende Bachelorarbeit besteht aus vier Teilen. Im ersten Kapitel werden zuerst die Grundlagen der tiergestützten Pädagogik mit Pferden abgebildet. Danach werden die für die Arbeit relevanten, an die tiergestützte Pädagogik angrenzenden, Begriffe definiert und er­klärt, im nächsten Schritt die Mensch-Tier-Beziehung und ihre Interaktion miteinander be­schrieben. Daraufhin wird auf die Voraussetzungen, die Pferde, Pädagogen und Teilnehmer für eine gelingende tiergestützte Arbeit mitbringen sollten sowie auf die Wirkungen und Ziele, die die tiergestützte Arbeit birgt, eingegangen.

Das zweite Kapitel soll die drei pädagogische Perspektiven, die handlungsfeldorientierte, die lerntheoretische und die didaktische Perspektive mit ihren jeweiligen Konzepten thematisie­ren. Die handlungsfeldorientierte Perspektive wird durch die Erlebnispädagogik beschrieben, die lerntheoretische Perspektive soll anhand des Lerndreiecks von Knud Illeris dargestellt werden, während die didaktische Perspektive durch die identitätstheoretische Didaktik be­leuchtet wird.

Im dritten Kapitel sollen die bisher gewonnenen Erkenntnisse genutzt werden, um die tierge­stützte Pädagogik mithilfe der pädagogischen Perspektiven in das pädagogische Spektrum zu verorten. Der Ausgangspunkt ist dabei immer die tiergestützte Pädagogik mit Pferden. Dies geschieht in Form einer Analyse der vorhandenen Überschneidungen und Übereinst­immungen der Erkenntnisse aus den Kapiteln 1 und 2. Die genannten Überschneidungen, die in die Kategorien Grundlagen, Ziele, Menschenbilder, Wirkungsweisen und Vorgehens­und Handlungsweisen eingeordnet werden, sollen dabei beschrieben und argumentiert wer­den. Um die Argumentation zu stützen, werden Erfahrungen in Form von Fallbeispielen aus der Praxis hinzugefügt. In einem zweiten Schritt soll auf die möglichen Lernprozesse einge­gangen werden, die die tiergestützte Pädagogik mit Pferden auslösen kann. Die Forschungs­frage soll also auf Basis der hier gewonnenen Erkenntnisse beantwortet werden. Selbstver­ständlich geht es nicht um die Vollständigkeit aller Erkenntnisse; sie sollen lediglich in einem einer Bachelorarbeit angemessenen Rahmen dargelegt werden. Die drei pädagogischen Perspektiven und die tiergestützte Pädagogik wurden vor dieser Arbeit noch nicht miteinan­der in Beziehung gesetzt. Die gewählte Forschungsfrage wurde demnach noch nicht beant­wortet und die Themen der Arbeit wurden in vorliegender Konstellation noch nicht bearbeitet. Im vierten Kapitel werden die analysierten Überschneidungen in einem Fazit zusammenge­fasst und darüber hinaus ein Ausblick über zukünftige Entwicklungen gegeben.

Aus Gründen des vereinfachten Leseflusses wird ausschließlich die männliche Form ge­wählt. Personen männlichen wie weiblichen Geschlechts sind darin gleichermaßen miteinbe­zogen.

1. Tiergestützte Pädagogik mit dem Pferd

Im folgenden 1. Kapitel wird zunächst die tiergestützte Pädagogik mit dem Pferd als Haupt­thema dieser Arbeit definiert und ein kurzer Überblick über ihre Merkmale, Einsatzgebiete und Ziele gegeben. Danach werden die Begriffe genannt und definiert, die mit der tierge­stützten Pädagogik in Beziehung stehen. Ziel dieses Unterkapitels soll es sein, die Gemein­samkeiten und Unterschiede feststellen zu können, die zwischen den Begriffen vorliegen. Darauffolgend soll die besondere Beziehung, die zwischen Menschen und Pferden in päda­gogischen Settings entstehen kann anhand drei ausgewählter Konzepte erklärt werden. Da­ran anschließend wird auf die Voraussetzungen, die Pädagogen, Teilnehmer und Pferde mitbringen sollten, eingegangen, um eine Maßnahme der tiergestützten Pädagogik durchfüh­ren zu können. In einem letzten Schritt werden die Wirkungsweise, die Merkmale und die Ziele der tiergestützten Pädagogik mit Pferden beschrieben, also was Pferde bei Menschen auslösen können und wie sie etwas bewirken können. Die Beschreibung der Wirkung der tiergestützten Pädagogik soll einen Erklärungsversuch für die förderliche Wirkung der Tiere auf den Menschen in pädagogischen Settings darstellen. Daran anschließend wird beschrie­ben, was die Arbeit mit dem Pferd für den Menschen so bedeutend und besonders macht. Am Ende des Kapitels soll eine Zusammenfassung Überblick über die dargelegten Themen verschaffen.

Die tiergestützte Pädagogik mit Pferden (kurz: TGP, auch Pferdgestützte Pädagogik) hebt sich in der vorliegenden Bachelorarbeit für die Autorin insofern hervor, als dass sie mehr als eine bewusst geplante pädagogische (tiergestützte) Intervention darstellt. Meist spielen nicht nur intentionale Aspekte bei der Arbeit mit Tieren eine Rolle. Diese nicht im Vorhin einplan­baren Intentionen haben trotzdem mit Lernen zu tun und können dieses herbeiführen. Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit das Hauptaugenmerk auf der tiergestützten Pädagogik und nicht auf der tiergestützten Intervention (TGI) liegen. Lernen ist nicht immer planbar und vorhersagbar und es kann dabei nicht nur von einer reinen „Einflussnahme“ auf den Teil­nehmer durch den Pädagogen ausgegangen werden.

Somit werden in dieser Arbeit unter dem Begriff der tiergestützten Pädagogik nur die päda­gogisch argumentierbaren Maßnahmen gefasst, bei denen es um das Erreichen individueller Lern- und Entwicklungsfortschritte der Teilnehmer geht (vgl. Strunz/Waschulewski 2020, S. 18). Der Begriff der tiergestützten Intervention steht hier als Sammel- und Oberbegriff für andere Maßnahmen, die nicht allein pädagogischer Art sind und in ihrer Zielsetzung anders ausgerichtet sind. In diesem Zusammenhang zu nennende Bereiche sind z. B. Sport, Medi­zin und Psychologie (s. Kapitel 1.1).

Die tiergestützte Pädagogik kann als eine der Unterkategorien der Besonderen Pädagogik, die eine der vier Hauptrichtungen von Pädagogik darstellt, gesehen werden. Sie findet einer­seits in Institutionen wie der Schule statt andererseits auch in außerschulischen Bildungsset­tings (vgl. Waschulewski/Ignatowicz 2013, S. 9).

Eine allgemeine Definition zur TGP hat die International Association of Human Animal Inter­action Organizations (IAHAIO) im Jahre 2014 festgelegt:

„Tiergestützte Pädagogik (TGP) ist eine zielgerichtete, geplante und strukturierte Intervention, die von professionellen Pädagogen oder gleich qualifizierten Personen angeleitet und/oder durchgeführt wird. [.] Der Fokus der Aktivitäten liegt auf akademischen Zielen, auf pro­sozialen Fertigkeiten und kognitiven Funktionen. Fortschritte der Schüler werden gemessen und dokumentiert [.]“ (Beetz/Riedel/Wohlfarth 2018, S. 238).

Vernooij und Schneider (2010) verstehen den Begriff der tiergestützten Pädagogik als Ober­begriff für die tiergestützte Förderung und die tiergestützte Didaktik und definieren die TGP dementsprechend folgendermaßen:

„Unter tiergestützter Pädagogik werden Interventionen im Zusammenhang mit Tieren subs u - miert, welche auf der Basis eines (individuellen) Förderplans oder auf der Basis konkreter Lernziele vorhandene Ressourcen des Kindes stärken, weniger gut ausgebildete Fähigkeiten, insbesondere im emotionalen und sozialen Bereich, fördern und unterstützen sowie die Kom­petenzen eines Kindes insgesamt verbessern sollen [.]. Ziele der tiergestützten Pädagogik sind

- die Unterstützung von Entwicklungsfortschritten,
- die Initiierung von Lernprozessen in unterschiedlichen Bereichen“ (Strunz/Waschulewski 2020, S. 18).

Durch die tiergestützte Förderung sollen laut Vernooij (2015) die vorhandenen Ressourcen des Teilnehmers aktiviert werden und die Verbesserung der nicht gänzlich ausgebildeten Fähigkeiten mithilfe eines Tieres gefördert werden. Die tiergestützte Didaktik wird im schuli­schen und unterrichtlichen Kontext eingesetzt, um mithilfe eines Tieres, Lehr- und Lernpro­zesse anzuregen und demnach auch zu unterstützen (vgl. Strunz/Waschulewski 2020, S. 20f.).

Eine weitere Definition der tiergestützten Pädagogik, in der es mehr um die Beziehung des Menschen zum Tier geht, stammt vom Institut für Soziales Lernen und lautet:

„Im Rahmen tiergestützter Pädagogik geht es zuerst um eine Beziehungsanbahnung zwischen Mensch und Tier. Das Tier stellt für die Kinder und Jugendlichen, beziehungsweise für die Erwachsenen, einen authentischen Partner dar, der viele Bedürfnisse befriedigt und den Menschen in seinem Menschsein nicht bewertet. [.]“ (Gloning 2005, S. 60, zit. nach Schmidt 2012, S. 48).

Tiergestützte Pädagogik zeigt sich in der Praxis am häufigsten in der pädagogisch orientier­ten Haltung von Tieren (z. B. Kaninchen oder Meerschweinchen) in Schulen in und außer­halb des Unterrichts und in der Integration eines Schulhundes in Lehr- und Lernkonzepte sowie in Angeboten des Schulsozialarbeiters. Hunde oder Kleintiere werden beispielsweise auch für die Förderung von Sozial- oder Lesekompetenzen eingesetzt (vgl. Beetz 2018, S. 238f.; Wesenberg 2020, S. 134). Pferde werden dahingehend weitaus seltener, im Kinder­garten oder in der schulischen Ganztagesbetreuung als sportliche Aktivität eingesetzt. Klein­tiere und Hunde werden im Feld der tiergestützten Pädagogik nicht nur in schulischen Set­tings eingesetzt sondern auch in Kindertageseinrichtungen, in der offenen Kinder- und Ju­gendarbeit, sprich auf Kinder- und Jugendbauernhöfen, auf Aktivspielplätzen und Jugend­farmen und in der stationären Kinder- und Jugendarbeit (vgl. Wesenberg 2020, S. 128, 141, 145).

Es kann gesagt werden, dass der Einsatz von Tieren nachhaltiges Lernen fördert (vgl. Beetz 2018, S. 240) und ebenso kann durch die TGP eine Bildung zur nachhaltigen Entwicklung angeregt werden (vgl. Strunz/Waschulewski 2020, S. 2).

Im schulischen Kontext können durch die Anwesenheit von Tieren die Beziehungen zwi­schen Schülern sowie zwischen Schülern und Lehrern positiv beeinflusst werden und insge­samt wird das Klassenklima freundlicher und entspannter. Aggressives Verhalten und Ausei­nandersetzungen gehen zurück und schüchterne Kinder treten leichter mit einem Tier als mit Lehrpersonen und Klassenkameraden in Kontakt und öffnen sich diesen schneller (vgl. Beetz 2003, S. 76; Schwarzkopf/Olbrich 2003, S. 260). Die tiergestützte Pädagogik zeichnet sich darüber hinaus auch dadurch aus, dass sie in jedem Alter, bei jedem Menschen, egal ob gesund oder in irgendeiner Form beeinträchtigt, eingesetzt werden kann, da die Beziehung und die verschiedenen Beziehungsformen zwischen Mensch und Tier im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht und das Besondere an ihr darstellt. Diese besondere Beziehung kann bei Men­schen jeden Alters beobachtet und für die Arbeit eingesetzt werden (vgl. Strunz/Waschulewski 2020, S. 2).

Welche angrenzenden Begriffe zur TGP mit Pferden vorliegen, soll im nächsten Abschnitt dargestellt werden.

1.1 Angrenzende Begriffe

Zunächst sollen die verschiedenen Definitionen, Merkmale und Ziele der unterschiedlichen Teilbereiche der tiergestützten Intervention in Abgrenzung zur oben genannten tiergestützten Pädagogik dargestellt werden. Dabei gestaltet es sich jedoch schwer, für die Begriffe in der Arbeit mit Tieren konkrete Definitionen zu finden, da die pädagogischen oder therapeuti­schen Felder, in denen Tiere eingesetzt werden, sich als sehr heterogen und unterschiedlich erweisen. Es gibt heute noch keine rechtlichen Vorgaben, weswegen eine große Zahl an Begriffen, Definitionen und Vorgehensweisen besteht (vgl. Beetz/Turner/Wohlfarth 2018, S. 18).

Der Begriff der tiergestützten Intervention wurde erstmals von der amerikanischen Organisa­tion „Delta Society“ (später: „Pet Partners“), die in den 70er Jahren in Portland, USA gegrün­det wurde und die Wissenschaft, Forschung und die praktische Umsetzung in diesem Gebiet fördern wollte, definiert (vgl. Strunz/Waschulewski 2020, S. 13). Diese unterschied hier die tiergestützte Therapie und die tiergestützte Aktivität, wobei erstere einen zielgerichteten Ein­satz mit Tieren in einem professionellen Kontext und letztere einen nicht zielgerichteten Ein­satz mit Tieren durchgeführt von Ehrenamtlichen darstellt. Mit der Zeit wurden die zwei Be­griffe noch um die tiergestützte Pädagogik erweitert, um kenntlich zu machen, dass die Ar­beit mit Tieren auch außerhalb des therapeutischen Kontexts eingesetzt werden kann (vgl. Beetz/Turner/Wohlfarth 2018, S. 18).

In Abbildung 1 (s. Seite 12) werden die Bereiche/Kategorien des therapeutischen Reitens dargestellt, wie sie vom Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten e.V. (DKThR) festgelegt wurden: Pädagogik, Sport, Medizin, Psychologie. Es liegen zwar Überschneidun­gen und Ähnlichkeiten vor, jedoch verfügt jeder Teilbereich auch über individuelle Ziele und Einwirkungsweisen (vgl. Debuse 2015, S. 21). Zwei dieser Teilbereiche des therapeutischen Reitens in Anlehnung an das DKThR, Hippotherapie und pferdgestützte Heilpädagogik, die aufgrund ihrer Relevanz für die Arbeit an dieser Stelle hervorgehoben werden, sollen im Fol­genden näher betrachtet und definiert werden. Für die Vollständigkeit werden auch die für diese Arbeit weniger relevanten Teilbereiche der einzelnen Kategorien kurz genannt, ohne genauer darauf einzugehen.

Anmerkung der Redaktion: Diese Abbildung wurde aus urheberrechtlichen Gründen entfernt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Bereiche des Therapeutischen Reitens. Pferdgestützte Therapie, Förderung und Sport

Therapeutisches Reiten/Reittherapie>

Therapeutisches Reiten wird als Oberbegriff für die zwei folgenden Begriffe verwendet und soll als Hilfe zur Lebensbewältigung der Klienten dienen (vgl. Strunz/Waschulewski 2020, S. 2). Es entwickelte sich in den 70er Jahren anfangs unorganisiert und ehrenamtlich durch die Initiative von Elterngruppen beeinträchtigter Kinder und Reiterhöfe zu einem qualitativ hochwertigen Angebot mit therapeutischen und pädagogischen Fachmethoden (vgl. Otterstedt 2019, S. 1). Solche Maßnahmen werden von Personen mit therapeutischer Ausbildung durchgeführt (vgl. Gäng 2015, S. 21). Als Ziele des therapeutischen Reitens können die Stärkung des Selbstbewusstseins und des Selbstvertrauens, der Wiederaufbau von Vertrauen, die Förderung der Wahrnehmung, das Kennenlernen von Grenzen, soziales Training und die Verbesserung von Konzentration und Ausdauer genannt werden (vgl. Laug 2017, S. 23).

Hippotherapie

Die Hippotherapie stellt laut Abbildung 1 (s. oben), einen Teilbereich des therapeutischen Reitens dar und untersteht hierbei der Kategorie Medizin.

Der Begriff „Hippotherapie“ stammt aus dem Griechischen und leitet sich aus den Wörtern „hippos“ für Pferd und „therapeuein“ für behandeln ab. Eine Form der frühen Hippotherapie wurde das erste Mal in der Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Behandlung von beinamputierten Soldaten eingesetzt. Als Hauptauslöser der Verbreitung der Hippotherapie zählt jedoch die dänische Reiterin Lis Hartel, die trotz ihrer Polioerkrankung die Einzel- Silbermedaille im Dressurreiten bei den Olympischen Spielen in den Jahren 1952 und 1956 gewann. Sie bezeichnete die Hippotherapie als einen der wichtigsten Bestandteile ihrer Re­habilitation (vgl. Debuse 2015, S. 20). Später gründete Lis Hartel ein Zentrum für Reitthera­pie, mithilfe dieses sie sich für das Pferd in der Therapie und Rehabilitation einsetzte (vgl. Jackson 2014, Reuter 2010, The Olympic Movement 2015, zit. nach Debuse 2015, S. 20). Im Jahr 1970 wurde das „Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten e.V.“ (DKThR) gegründet. Es stellte den ersten landesweiten Fachverband für therapeutisches Reiten dar und sieht es als seine Aufgabe, das therapuetische Reiten allgemein bekannter zu machen (vgl. Wesenberg 2020, S. 124). Innerhalb des DKThR können seit 1976 Aus- und Weiterbildungen in allen Teilbereichen des therapeutischen Reitens absolviert werden. Im Laufe der Zeit entstanden auch in anderen Ländern derartige Verbände (vgl. Debuse 2015, S. 20f.).

Jedoch wird Hippotherapie in verschiedenen Ländern unterschiedlich definiert. In mehreren Ländern wird sie als „theraupeutische Maßnahme[n] mit Hilfe des Pferdes für Menschen mit Behinderung“ (Debuse 2015, S. 21) verstanden. Unter anderem in Amerika gehört die Hippotherapie zu den medizinischen Anwendungen und wird demnach von Physio­therapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden ausgeführt.

Im deutschsprachigen Raum stellt sie einen Teilbereich des „Therapeutischen Reitens“ dar und wird folgendermaßen definiert:

„Die Hippotherapie [ist] eine physiotherapuetische Einzelbehandlung mit und auf dem Pferd. Sie wird von Physiotherapeuten [sowie von Ärzten] mit Spezialausbildung durchgeführt und nutzt die einzigartigen dreidimensionalen Bewegungsimpulse des Pferdes, um beim Klienten auf dem Pferderücken, Bewegungsantworten und/oder Haltungsfunktionen zu stimulieren [...]“ (Debuse 2015, S. 22).

Es kann gesagt werden, dass die Hippotherapie ein geeignetes Mittel darstellt, die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit der Menschen zu fördern und ihre Lebensqualität dadurch zu steigern. Die Bewegung und die Lebensqualität bedingen sich laut dem Weltverband für Physiotherapie gegenseitig und sollen mithilfe der Physiotherapie beide gleichermaßen gefördert werden. Die Hippotherapie stellt hierfür einen ganzheitlichen Ansatz bereit, der die Gesundheit und das Wohlergehen eines Menschen positiv beeinflussen vermag (vgl. Weltverband für Physiotherapie 2014, zit. nach Debuse 2015, S. 22f.).

Die Vorgehensweise in der Hippotherapie wird als personenzentriert beschrieben, was bedeuet, dass Klient und Therapeut auf der gleichen Stufe stehen und keine Hierarche vorliegt. Das Bild verschiebt sich vom unselbstständigen und vom Therapeuten abhängigen Patienten zum selbstständigen und eigenverantwortlichen Klienten, welcher sich aktiv in seine Therapie einbringen kann und mitentscheiden darf (vgl. Debuse 2015, S. 29). Die 13 Aufgabe des Therapeuten als Experte ist es, den Klienten während der Therapie zu begleiten und zu motivieren (vgl. Hüter-Becker 2003, S. 2121, zit. nach Debuse 2015, S. 29). Ebenfalls liegt der Fokus der personenzentrierten Rehabilitation auf dem „ganzen“ Menschen, mit all seinen Fähigkeiten, Erfahrungen, Bedürfnissen, Wünschen und Erwartungen. Der Therapeut sollte die Lebenswelt des Klienten ganzheitlich erfassen und nicht nur die vorliegenden Krankheitsbilder oder Symptome (vgl. Debuse 2015, S. 30f.).

Eine weitere wichtige Komponente der Hippotherapie stellt das Erlebnis des Bewegtwerdens durch das Pferd dar. Dies hat besonders auf Menschen mit Bewegungsdefiziten eine enorme Wirkung. Hierbei kann eine weitere Facette der Hippotherapie genannt werden, die sich wissenschaftlich schwerlich belegen lässt: Die besondere Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Die Menschen schätzen an den Pferden ihre Akzeptanz, das Getragenwerden und ihre Interaktion mit ihnen (vgl. Debuse 2015, S. 32) (s. Kapitel 1.2). So wird die Hippotherapie vorranig bei Menschen mit Erkrankungen sowie Störungen des Bewegungs­und Stützapparates und des peripheren Nervensystems eingesetzt (vgl. Meyners 1992, S. 134).

Wie oben in der Definition beschrieben, gehen durch den Schritt des Pferdes dreidimensionale Bewegungsimpulse (gleichzeitig vor-zurück, links-rechts, hoch-runter) auf den Menschen über. Diese werden vor allem in der Bewegung des Beckens während des Reitens sichtbar. Das Becken bewegt sich dabei nahezu identisch wie beim normalen Gehen (vgl. Dvorakova et al. 2003, Riede 1986, Schirm/Riede 1998, zit. nach Debuse 2015, S. 46). Während der Hippotherapie erfährt der Klient also eine gangtypische Beckenbewegung, ohne dabei selbst laufen zu müssen oder Kraft aufzuwenden und der Rumpf des Klienten wird ohne Anstrengung trainiert (vgl. Debuse 2015, S. 46).

Zu den positiven physischen Effekten der Hippotherapie im motorischen Bereich kommen die psychischen Auswirkungen: Die Klienten erleben die Hippotherapie als motivierend und empfinden dabei Freude und Spaß (vgl. ebd., S. 48). Darüberhinaus bescheren ihnen die Hippotherapie und die daraus entstehenden physischen Verbesserungen Erfolgserlebnisse und steigern ihr Selbstwertgefühl (vgl. Debuse et al. 2009, zit. nach Debuse 2015, S. 48).

Heilpädagogisches Reiten

Das heilpädagogische Reiten gehört laut Abbildung 1 (s. Seite 12) wie der Name schon sagt zum Bereich der Pädagogik. Der Begriff „Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren“ (HPR/HPV) umfasst alle pädagogischen, rehabilitativen und soziointegrativen Angebote mithilfe des Pferdes, die bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung durchgeführt werden. Beim HPR geht es um die individuelle Förderung des Klienten durch das Medium Pferd. Die Entwicklung, das Verhalten und das Befinden dieser sollen positiv beeinflusst und verändert werden (vgl. Gäng 2015, S. 17). HPR wird hauptsächlich bei Personen mit Verhaltensauffälligkeiten, Lernbehinderungen und geistiger Behinderung eingesetzt (vgl. Mehls, S. 1992, S. 135). Wie auch bei der Hippotherapie soll der Klient beim HPR ganzheitlich, also körperlich, geistig, emotional und sozial angesprochen werden. Dazu gehört allen voran der Aufbau einer Beziehung zum Pferd und damit verknüpft das Führen und Pflegen des Pferdes, das Getragenwerden und das Reiten an sich. Reitpädagoge und Klient nehmen einander gegenüber eine respektvolle sowie wertschätzende Haltung ein, in die ebenso das Therapiepferd miteinbezogen wird (vgl. Gäng 2015, S. 25).

Daraus ergibt sich folgende Definition:

„Unter dem Begriff Heilpädagogisches Reiten (HPR) werden pädagogische, heilpädagogische und sozio-integrative sowie psychologische, therapeutische und rehabilitative Einflussnahmen mit Hilfe des Pferdes zugunsten von Menschen mit Beeinträchtigungen verstanden“ (Gäng 2015, S. 26).

Ziele der heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd sind, „die Bewegungs-, Wahrnehmungs-, Kontakt-, und Handlungsfähigkeit zu fördern“ (Gäng 2015, S. 27). Es werden die Möglichkeiten der Klienten in den Blick genommen, nicht die Defizite (vgl. ebd., S.27).

Die Heilpädagogik stellt eine wissenschaftliche Disziplin der Pädagogik dar und ihr Grundgedanke ist die Ganzheitlickeit. Heutzutage wird der Begriff nicht mehr im medizinischen Sinne als „Heilung durch Erziehung und Therapie“ verstanden, sondern als Ganzwerdung und Integration. In dieser Disziplin steht der ganze Mensch mit all seinen Fähigkeiten, Ressourcen, Problemen und mit seinem Umfeld im Vordergrund, welche zur Bearbeitung von Problemstellungen beachtet und miteinbezogen werden. Da die Heilpädagogik eine Handlungswissenschaft darstellt, besteht ihre Aufgabe darin, Konzepte für die heilpädagogische Praxis zu entwerfen, die in diesem Feld angewendet werden können (vgl. ebd., S. 31f.).

Zum Bereich der Pädagogik gehören laut DKThR in Abbildung 1 (s. Seite 12) ebenso die pferdgestützte Traumapädagogik und die pferdgestützte Pädagogik, die in Kapitel 1 näher betrachtet wurde.

Durch die Beschreibungen der beiden Bereiche Pädagogik und Medizin/Therapie werden ihre Überschneidungen und Gemeinsamkeiten deutlich. Für ein professionelles Handeln in der Praxis und in der Ausbildung von Fachkräften sollte jeweils darauf geachtet werden, dass die Grenze zwischen Pädagogik und Therapie eindeutig bestehen bleibt (vgl. Hölscher- Regener 2015, S. 265).

Die weiteren Kategorien laut dem DKThR stellen die Kategorie Sport, bestehend aus dem Teilbereich Reiten als Sport für Menschen mit Behinderung und die Kategorie Psychologie dar, die die Pferdgestützte Psychotherapie und die Pferdgestützte Ergotherapie umfasst.

Die folgenden Begriffsdefinitionen stammen von der International Association of Human Animal Interaction Organizations (IAHAIO). Dieser Dachverband wurde 1990 in Toronto ge­gründet und umfasst heute ca. neunzig Mitgliedsorganisationen, die alle von ihm koordiniert werden. Die IAHAIO versteht es als ihre Aufgabe, das Fachgebiet der „Mensch-Tier­Interaktion“ durch die Entwicklung der Forschung, Bildung und Praxis zu fördern. Sie gibt den Praktikern sowie den Forschern die Möglichkeit, sich auf gemeinsamen internationalen Kongressen zu beraten und auszutauschen. Die folgenden Definitionen wurden von einer Arbeitsgruppe erarbeitet, die dadurch international gültige fachsprachliche Bezeichnungen erstellen wollte. Diese wurden schließlich 2014 im „IAHAIO Weissbuch“ veröffentlicht (Beetz/Turner/Wohlfarth 2018, S.15-19). Diese Definitionen beziehen sich nicht spezifisch auf das Medium Pferd, wie es bei den obigen Definitionen der Fall war, sondern allgemein auf die Arbeit mit Tieren. Es wird auf die Tiergestützte Intervention (TGI), die Tiergestützte Therapie (TGT) und auf die Tiergestützte Aktivität (TGA) eingegangen.

„Eine Tiergestützte Intervention ist der Oberbegriff für alle zielgerichteten und strukturierten Interven­tionen, die bewusst Tiere in Gesundheitsfürsorge, Pädagogik und Soziale Arbeit einbeziehen und integrieren, um psychische, kognitive und soziale Verbesserungen bei Menschen zu erreichen. [...]“ (Beetz/Turner/Wohlfarth 2018, S. 19).

Tiergestützte Therapie ist eine zielgerichtete, geplante und strukturierte therapeutische Intervention, die von professionell im Gesundheitswesen, der Pädagogik oder der Sozialen Arbeit ausgebildeten Personen im Rahmen ihrer Praxis angeleitet oder durchgeführt wird. Fortschritte im Rahmen der Inter­vention werden gemessen und professionell dokumentiert. [.] TGT strebt die Verbesserung physi­scher, kognitiver, verhaltensbezogener und/oder sozi-emotionaler Funktionen bei individuellen Klien­ten an. [.]“ (Beetz/Turner/Wohlfarth 2018, S. 19).

„[ Tiergestützte Aktivitäten ] sind geplante und zielorientierte informelle Interaktionen/Besuche, die von Mensch-Tier-Teams mit motivationalen erzieherischen/bildenden oder entspannungs- und erholungs­fördernden Zielsetzungen durchgeführt werden. [.]“ (Beetz/Turner/Wohlfarth 2018, S. 20).

Die oben genannten Begriffe Hippotherapie und heilpädagogisches Reiten, die zum thera­peutischen Reiten gezählt werden, sowie die tiergestützte Therapie grenzen sich insofern von der tiergestützten Pädagogik ab, indem sie im Gegensatz zur TGP einer Heilsabsicht zugrunde liegen. Der Klient soll durch solche eher therapeutischen Maßnahmen körperlich, psychisch oder geistig gefördert werden und das Ziel ist eine Verbesserung („Heilung“) der 16 Beeinträchtigung und eine gesteigerte Lebensqualität. Dies kann durch eine verbesserte Bewegungs-, Handlungs- oder Wahrnehmungsfähigkeit geschehen. Die Hippotherapie, das HPR und die tiergestützte Therapie legen ihren Fokus also auf Menschen mit Behinderun­gen, während die TGP eher mit gesunden Menschen oder mit Menschen mit Lerndefiziten arbeitet.

Im folgenden Kapitel soll auf die besondere Wirkung, die Pferde und Tiere allgemein auf den Menschen haben, eingegangen werden.

1.2 Die Mensch-Pferd-Beziehung und Interaktion

Die Biophilie-Hypothese

Der Begriff Biophilie setzt sich aus dem griechischen Wort „bios“, was so viel wie „das Leben betreffend“ bedeutet und aus „philie“, was mit „Neigung, Vorliebe“ übersetzt werden kann zusammen (vgl. Vernooij/Schneider 2008, S. 5, zit. nach Schmidt 2012, S. 55). In dieser Hy­pothese des Evolutions- und Soziobiologen Edward O. Wilson aus dem Jahre 1984 wird an­genommen, dass der Mensch evolutionär bedingt und über einen enorm langen Zeitraum hinweg mit Tieren zusammengelebt hat, immer noch zusammen lebt und er aufgrund dessen eine tiefe Verbundenheit mit der Vielfalt der Natur und den sich darin befindenden Lebewe­sen und Lebensprozessen aufgebaut hat. Es ist ein natürliches, angeborenes Bedürfnis und eine Neigung des Menschen mit anderen Lebewesen in Kontakt zu treten, oder sich in Land­schaften und Ökosystemen, die Leben ermöglichen, aufzuhalten (vgl. Olbrich 2003, S. 70f.). Für Kellert (2015) ist Biophilie „eine psychische, emotionale und kognitive Hinwendung zum Leben und zur Natur“ (Olbrich 2003, S. 70). Außerdem kann gesagt werden, dass der Mensch, um erfüllt und zufrieden zu leben, die Vielfalt der Natur- und Tierwelt benötigt und der Umgang mit Tieren seine gesunde Entwicklung fördert (vgl. Wesenberg 2020, S. 24).

Das Konzept der Du-Evidenz

„Mit Du-Evidenz bezeichnet man die Tatsache, dass zwischen Menschen und höheren Tie­ren Beziehungen möglich sind, die denen entsprechen, die Menschen unter sich bzw. Tiere unter sich kennen“ (Greiffenhagen/Buck-Werner 2007, S. 22, zit. nach Schmidt 2012, S. 52). Unter der Du-Evidenz im Hinblick auf die Mensch-Tier-Interaktion wird die Fähigkeit eines Menschen verstanden, das Tier als gleichberechtigtes Gegenüber, als „Du“ wahrzunehmen. Dieses Tier wird dadurch von „irgendeinem Tier“ zu etwas Besonderem für den Menschen und erhält eine emotionale Wichtigkeit, indem der Mensch ihm einen Namen gibt und es als Vertrauten und Gefährten wahrnimmt. Es erhält dadurch einen individuellen Charakter, wird respektiert und ihm werden als eigenständiges Subjekt Eigenschaften, Bedürfnisse und Rechte zugeschrieben und auch eingeräumt (vgl. Schmidt 2012, S. 52). Die Du-Evidenz stellt eine Voraussetzung für eine gelingende und sich aufbauende Beziehung zwischen Mensch und Tier dar. Damit eine Du-Evidenz entstehen kann, brauchen Menschen und Tiere Ähnlichkeiten im Verhalten und in der Kommunikation, damit sie überhaupt in Beziehung treten können (vgl. Wesenberg 2020, S. 25).

Bindungstheorie

Die Bindungstheorie, welche in den 1950er Jahren von John Bowlby entwickelt wurde, bezog sich damals nur auf die Bindung von Kindern an ihre Mutter (vgl. Wesenberg 2020, S. 26). Bindungen sind für die Entwicklung einer gesunden menschlichen Psyche und Persönlichkeit von großer Bedeutung. Auf der Grundlage von Bindungserfahrungen, die in der Kindheit ge­macht wurden, können im weiteren Leben Emotionen und Empathie entwickelt sowie regu­liert werden (vgl. Beetz 2003, S. 77). Erst in den letzten Jahren ging man der Frage nach, ob eine Bindung auch zwischen Menschen und Tieren entstehen kann. Es wurde deutlich, dass nicht alle Beziehungen zwischen Mensch und Tier eine Bindung darstellen, es aber durchaus möglich ist, vor allem wenn diese Beziehung nicht kurzfristig, sondern von Dauer ist. Laut Beetz (2006, 2009) stellen Tiere für den Menschen durchaus Bindungsobjekte dar, genauso umgekehrt. Wie auch bei einer zwischenmenschlichen Bindung, kann es bei einer Bindung zwischen Mensch und Tier zu Gefühlen wie Sicherheit und sozialer Unterstützung kommen (vgl. Wesenberg 2020, S. 27). Eine positive Bindung zu einem Tier kann auf soziale Situatio­nen mit anderen Menschen übertragen werden und positive Effekte initiieren: Tiere fördern die Empathiefähigkeit des Menschen, die soziale und emotionale Entwicklung von Kindern und die Authentizität des Menschen aufgrund der stets ehrlichen und unverfälschten Rück­meldung des Tieres. Tiere stellen einen sicheren Beziehungspartner und eine zuverlässige Bindungsfigur dar, die nicht wertet und bedingungslos akzeptiert (vgl. Beetz 2003, S. 81f.).

In diesem Zusammenhang ist auch die Beziehung zwischen Mensch und Pferd genauer zu betrachten. Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd hat eine lange Geschichte und ihre Entwicklung ist über hunderttausende von Jahren miteinander verbunden. Welche große Bedeutung Pferde schon für unsere Vorfahren hatten, zeigen Höhlenmalereien sowie Schmuckstücke und Gebrauchsgegenstände, die mit Pferdemotiven verziert waren. Als das Pferd vor ungefähr 6000 Jahren domestiziert wurde, konnten die Menschen seine Eigen­schaften wie Stärke, Arbeitswille und Zuverlässigkeit verwenden und es als Reit-, Zug-, und Nutztier einsetzen. Erst nach der Domestizierung der Pferde wurde das Rad erfunden und kann somit auf die damals neue Erscheinung, das Pferd als Zugtier einzusetzen, zurückge­führt werden (vgl. Budiansky 1997, zit. nach Debuse 2015, S. 19).

Beim Einsatz von Pferden in pädagogischen Maßnahmen ist zu beachten, dass Pferde vie­len Menschen fremder sind, als z. B. Haustiere, wie Hunde, Katzen oder Kaninchen. Diese lassen sich ebenso aufgrund ihrer Größe viel leichter in (Bildungs-)Settings integrieren. Pfer­de hingegen sind meist nicht im alltäglichen Umfeld der Teilnehmer zugegen und brauchen mehr Aufwand in der Pflege und viel Platz, der ihren Bedürfnissen nach Bewegung ent­spricht und der Kontakt zu anderen Pferden zulässt (vgl. Zink 2018, S. 153).

Trotzdem werden Pferde in den meisten Kulturen aufgrund ihres edlen Wesens und ihrer imposanten Erscheinung (vgl. Graf 2020, S. 145) hochgeschätzt und spielen auch heute noch eine wichtige Rolle im Alltag vieler Völker. Ihnen werden Eigenschaften wie Würde, Anmut, Stolz, Freiheit und Stärke zugeschrieben (vgl. Zink 2018, S. 153).

Das angeborene Bedürfnis jedes Menschen, sich mit Menschen und Tieren auseinanderzu­setzen und in Kontakt mit ihnen zu treten, kommt in der Arbeit mit Pferden deutlich zum Aus­druck und bildet die Grundlage dieser (s. Kapitel 1.2). Dazu kommt, dass Pferde als sehr verlässlich und zugänglich gelten und dadurch gut in erzieherische Prozesse miteinbezogen werden können. Sie gehen auf den Menschen von sich aus zu und verhalten sich ihm ge­genüber interessiert, rücksichtsvoll und einfühlsam (vgl. Gäng 2015, S. 58).

Pferde verhalten sich von vornherein vorurteilsfrei gegenüber dem Menschen, akzeptieren ihn so wie er ist und selbst eine bisher fremde Herde reagiert beim ersten Kontakt auf den Menschen mit Interesse; sei es durch Annähern oder Weglaufen (vgl. Laug 2011, S. 30).

Pferde sind Fluchttiere und reagieren demnach sehr sensibel und aufmerksam auf Sinnes­reize akustischer oder visueller Art. Wenn der Reiz neu oder ungewohnt für das Pferd ist, wird er als bedrohlich eingestuft und das Pferd flüchtet vor dem Reiz. Deswegen ist es wich­tig, dass das Pferd langsam an verschiedene Reize ohne Druck gewöhnt und beim Zeigen des gewünschten Verhaltens belohnt wird. Damit das gelingt, muss es sich in seiner Umge­bung sicher fühlen und vom Menschen Schutz und Orientierung erhalten. Außerdem ist es hilfreich für den Lernprozess des Pferdes eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Mensch und Pferd aufzubauen (vgl. Urmoneit 2018, S. 118f.).

Pferde sind jedoch nicht nur Fluchttiere sondern auch Herdentiere sowie Beutetiere und be­sitzen demnach das grundlegende Bedürfnis nach sozialen Kontakten und den Umgang mit Artgenossen. Sie leben, wie die Menschen, in einer komplexen sozialen Struktur. Die kleins­te Einheit dieser Beziehungsnetzwerke ist für den Menschen ihre Familie und für Pferde ihre Herde. Die Herde bietet den Pferden als Fluchttier Schutz, indem sie sich innerhalb dieser bewachen und sich gegenseitig gegenüber Feinden verteidigen können (vgl. Langewisch 2001, S. 90). Pferde besitzen in ihrer Herdenstruktur eine sehr differenzierte und ausgepräg­te Kommunikation, um sich untereinander verständigen zu können. Pferde verfügen über sehr wenig verbale Laute und kommunizieren somit meist nonverbal, da sie sich dadurch besser vor potenziellen Gefahren und Jägern schützen können. Sie entwickelten so eine feine Wahrnehmung ihrer Umgebung und eine hohe Fähigkeit zur visuellen Kommunikation (vgl. Zink 2018, S. 154f.).

Durch die Domestikation ist es den Hauspferden möglich geworden, auch die Signale und Hinweise der nicht artgleichen Menschen an ihrer Mimik und Gestik zu deuten. Pferde haben sich also im Laufe der Jahre ein Grundverständnis über die emotionalen Ausdrücke der Menschen angeeignet (vgl. ebd., S. 156). Sie können die Stimmung, in der sich ein Mensch befindet, deuten und auch spiegeln. Dadurch sind sie wiederum in der Lage, die wahre Per­sönlichkeit, die der Mensch evtl. zu verbergen versucht, zu erspüren (vgl. Schmidt 2012, S. 57). Pferde wiederum zeigen dem Menschen ihre Gefühle wie Angst, Ungeduld oder Unruhe deutlich durch veränderte Körperhaltung, Mimik oder Laute. Damit gefährliche Situationen oder Missverständnisse vermieden werden können, sind die Menschen dazu angehalten, auf die vielfältigen Ausdrucksformen des Pferds zu reagieren, sich damit auseinanderzusetzen und noch wichtiger, das Pferd aufmerksam zu beobachten und sich in das Tier einzufühlen. Pferde können sich nicht wie Menschen verstellen; sie reagieren immer artgerecht, also ins­tinktiv und intuitiv. Sie sind nicht nachtragend, sie strafen nicht und verzeihen viel (vgl. Gäng 2015, S. 58f.). Um das Verhalten und die Körpersprache des Pferdes zu verstehen, sind laut Zeeb (2001) Fähigkeiten des Menschen wie Geduld, Konsequenz und Einfühlungsvermögen erforderlich (vgl. Graf 2020, S. 145).

Im folgenden Abschnitt wird zum besseren Verständnis kurz auf die Bedeutung und auf die Besonderheit der Kommunikation zwischen Mensch und Tier eingegangen. Laut Watzlawik, Beavin und Jackson (1969) kann zwischen der verbal-digitalen und der nonverbalen­analogen Kommunikation unterschieden werden. Die digitale Kommunikation umfasst die Wörter, die wir in einem Gespräch benutzen, um Informationen über einen Sachverhalt auszudrücken (Inhaltsaspekt). Diese müssen nicht mit der eigentlich gemeinten Aussage übereinstimmen. Anders ist das bei der analogen Kommunikation; diese zeigt sich nonverbal durch Gestik, Mimik, Körperhaltung und ist immer kongruent zu dem, was ein Mensch verbal ausdrückt und kann somit nicht willentlich verfälscht oder verändert werden. Über die analoge Kommunikation werden Gefühle wie Zuneigung und Ablehnung, Angst, Wut, Trauer, Freude und Stimmungen ausgedrückt (Beziehungsaspekt). Tiere regen die analoge Kommunikation beim Menschen an und nehmen eben (nur) diese analogen Signale wahr und antworten darauf. So ist eine ehrliche, echte und stimmige Kommunikation ohne Doppelbotschaften zwischen Mensch und Tier gegeben, die der Mensch auch auf Kommunikationen mit anderen Menschen übertragen kann (vgl. Olbrich 2003, S. 84-87).

Das Besondere an der Beziehung zu einem Pferd und am Lebewesen Pferd an sich ist die Fähigkeit des Pferdes, den Menschen auf seinem Rücken tragen zu können und auch zu wollen. Diese Bereitschaft des Pferdes erhöht die Zuneigung des Menschen und bestärkt die Beziehung zum Pferd (vgl. Laug 2011, S. 30). Das Pferd kann dadurch „mit allen Sinnen er­fahren“ (Graf 2020, S. 145) werden. Der Reiter empfängt während des Reitens und durch die Bewegung des Pferderückens Signale, die vom Pferd und dessen Körper ausgehen. Das weckt beim Reiter wiederum seelisches Fühlen und Empfinden (vgl. Gäng 2015, S. 59). Rei­ten ist ein besonderes Erlebnis, welches dem Menschen Freiheit schenkt und ihm gänzlich neue und andersartige Bewegungserfahrungen ermöglicht (vgl. Graf 2020, S. 153).

Pferde wecken beim Reiter ebenso Gefühle wie „Respekt, Angst, Bewunderung und Liebe“ (Gäng 2015, S. 59), die als pädagogische Voraussetzungen für Erziehungs- und Lernpro­zesse gelten. So können durch das Reiten und durch den Kontakt zum Pferd positive Sozia­lisationsprozesse ausgelöst werden, da es das Bedürfnis des Menschen nach Zuwendung und Nähe befriedigen kann (vgl. ebd., S. 59).

Pferde interpretieren jede Begegnung, die sie erfahren als Beziehung. Sie treten demnach nur mit solchen Lebewesen in Kontakt, die für sie in der Zukunft bedeutsam werden könnten. Dadurch nehmen die Pferde ihre Klienten und die Beziehung zu ihnen ernst (vgl. Zink 2018, S. 158). Es ist wichtig zu beachten, dass eine intakte Beziehung zum Pferd das Gelingen einer Maßnahme maßgeblich beeinflusst (vgl. ebd., S. 154).

Der nun folgende Abschnitt handelt von den Voraussetzungen, die ein Pferd, ein Pädagoge und ein Teilnehmer in der TGP mitbringen sollten.

1.3 Voraussetzungen Pferde, Pädagogen und Teilnehmer

Voraussetzungen Pferd

Dem Pferd kommt im Beziehungsdreieck neben dem Pädagogen und dem Teilnehmer eine große Bedeutung zu; durch das Pferd können Lernprozesse überhaupt erst in Gang gesetzt werden. Jedoch kann das Pferd den Pädagogen und seine Arbeit nicht ersetzten, da es ihm nicht möglich ist, planvoll zu denken und zu handeln. Deshalb ist der Pädagoge dazu ange­halten, den Teilnehmer durch seine Beziehungs- und Reflexionsfähigkeit, den Kontakt mit dem Pferd zu ermöglichen, ggf. das Verhalten und die „Sprache“ des Pferdes dem Teilneh­mer zu erklären und eine Beziehung zwischen beiden anzubahnen (vgl. Schmidt 2012, S. 93).

Die Pferdeauswahl für den Einsatz in der tiergestützten Pädagogik hängt demnach von un­terschiedlichen Faktoren ab.

Das Pferd sollte gutmütig und ausgeglichen sein, also weder einen zu temperamentvollen noch zu ruhigen Charakter besitzen. Außerdem wirken sich schlechte Erfahrungen mit Men­schen, die das Pferd gemacht hat, oft auch negativ auf den Umgang mit diesem aus. Eigen­arten wie Treten oder Beißen sind in der tiergestützten Pädagogik fehl am Platz und führen nicht zur gewünschten Wirkung zwischen Pferd und Mensch. Dagegen wird ein „waches, leichttrittiges, vorwärtsgehendes, gutmütiges Tier“ (Gäng 2015, S. 60) als ideal angesehen. Trotzdem sollte das Pferd klar und deutlich sein Empfinden zeigen, wenn ihm etwas nicht gefällt und sensibel reagieren, damit der Mensch dadurch in seiner Körpersprache lesen ler­nen kann (vgl. ebd., S. 60). Ängstliche, sehr nervöse, zurückhaltende, vor dem Menschen zurückweichende Pferde sind für den pädagogischen Einsatz wiederum nicht geeignet (vgl. Otterstedt 2019, S. 37).

Grundsätzlich sind alle Pferderassen für den Einsatz in der tiergestützten Pädagogik geeig­net, jedoch sollten sie eine den Teilnehmern entsprechende Größe (ab Stockmaß 1,40 cm bis Großpferd) aufweisen (vgl. Mehls 1992, S. 15). Verschiedene besonders gut geeignete Pferderassen kommen aufgrund der oben genannten gewünschten Eigenschaften, wie Tritt­sicherheit, Arbeitswille und Zuverlässigkeit infrage: z. B. Kleinpferde wie Islandpferde, Fjord­pferde, Haflinger, oder auch Kaltblutrassen wie Freiberger (vgl. Gäng 2015, S. 60). Weitere förderliche Charakterzüge von Pferden für den Einsatz mit Kindern und Jugendlichen stellen Interesse an seiner Umwelt, Neugierde, erhöhte Lernbereitschaft, Freude an der Arbeit und Arbeitswille, Menschenbezogenheit und Vertrautheit dar (vgl. Debuse/Adorf 2015, S. 76).

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Ende der Leseprobe aus 83 Seiten

Details

Titel
Lernen in der tiergestützten Pädagogik mit Pferden
Untertitel
Welche Lernprozesse lassen sich durch die tiergestützte Pädagogik mit Pferden initiieren und wie lässt sich diese zu verschiedenen pädagogischen Perspektiven in Bezug setzen?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg  (Erziehungswissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
83
Katalognummer
V1128048
ISBN (eBook)
9783346496119
ISBN (Buch)
9783346496126
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lernen, pädagogik, lernprozesse, tiergestützte Pädagogik mit Pferden, pädagogische perspektiven, erlebnispädagogik, identitätstheorie, lerndreieck nach knud illeris, hippotherapie, heilpädagogisches reiten, therapeutisches reiten, mensch-pferd-beziehung, voraussetzungen und ziele tiergestützter pädagogik
Arbeit zitieren
Rebecca Walter (Autor:in), 2021, Lernen in der tiergestützten Pädagogik mit Pferden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128048

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