Laut einer Online-Befragung aus dem Jahr 2014, initiiert von der Fachzeitschrift "Kindergarten heute", liegt "das Tier als Co- Pädagoge […] voll im Trend". Das hat sich bis heute nicht verändert und gewinnt sogar immer mehr an Bedeutung und Beliebtheit. Die heutigen gesellschaftlichen Veränderungen hin zu einer Konsumgesellschaft, die immer mehr durch Medien und Technologien beherrscht ist, führen mehr und mehr zu einer Abwendung und Entfremdung von der Natur und den darin befindlichen Tieren. Die heutige jüngere Generation schreibt ihr weniger Bedeutung zu, weil die Berührungspunkte zum Beispiel im Alltag zu ihr verloren gegangen sind. Diesen Tendenzen will die tiergestützte Pädagogik, bei der in pädagogischen Settings Tiere als Co-Pädagogen eingesetzt werden, entgegenwirken.
Kindern und Jugendlichen sollen dadurch wieder Naturerfahrungen ermöglicht, die Besonderheit einer Mensch-Tier-Beziehung aufgezeigt werden und sie sollen die Möglichkeit bekommen, eine solche Beziehung aufbauen zu können. Heute sehen viele Familien Haustiere aufgrund von Zeit- und Platzmangel als Zusatzbelastung in ihrem Alltag. Um den Kindern und Jugendlichen die Begegnung mit ihnen dennoch zu ermöglichen, werden Tiere heute oft in (Ganztages-)Schulen oder Kitas gehalten. Doch welche Wirkungen haben Tiere auf Kinder? Was können Kinder durch den Umgang mit Tieren lernen? Und welche Ziele können mit dem Einsatz von Tieren in pädagogischen Maßnahmen verfolgt werden? Diese und weitere Fragen sollen in dieser Bachelorarbeit beantwortet werden.
Oft wird der Einsatz von Tieren eher der Therapie zugeschrieben. Dieser Ansatz ist in diesem Bereich beispielsweise durch die Reittherapie und die Hippotherapie bekannter, als er es in der Pädagogik ist. Doch sollte der tiergestützten Pädagogik durchaus ebenfalls Beachtung beigemessen werden, da sich durch sie vielerlei Möglichkeiten in diesem Bereich auftun können. Diese sollen ebenfalls in der vorliegenden Bachelorarbeit in den Blick genommen werden.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Tiergestützte Pädagogik mit dem Pferd
1.1 Angrenzende Begriffe
1.2 Die Mensch-Pferd-Beziehung und Interaktion
1.3 Voraussetzungen Pferde, Pädagogen und Teilnehmer
1.4 Wirkungsweise und Ziele tiergestützter Pädagogik
1.5 Zusammenfassung
2. Pädagogische Perspektiven
2.1 Handlungsfeldorientierte Perspektive: Erlebnispädagogik
2.1.1 Merkmale der Erlebnispädagogik
2.1.2 Lernen in der Erlebnispädagogik
2.1.3 Ziele in der Erlebnispädagogik
2.2 Lerntheoretische Perspektive: Das Lerndreieck nach Knud Illeris
2.3 Didaktische Perspektive: Identitätstheoretische Didaktik
2.4 Zusammenfassung
3. Verortung der tiergestützten Pädagogik mit Pferden in ausgewählte pädagogische Perspektiven
3.1 Verortung in die Erlebnispädagogik
3.2 Verortung in das Lerndreieck nach Knud Illeris
3.3. Verortung in die identitätstheoretische Didaktik
3.4 Mögliche Lernprozesse
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Möglichkeiten der tiergestützten Pädagogik mit Pferden als eigenständige pädagogische Handlungsform. Das primäre Ziel ist es, diese Methode mithilfe ausgewählter pädagogischer Perspektiven – der Erlebnispädagogik, dem Lerndreieck nach Knud Illeris und der identitätstheoretischen Didaktik – im pädagogischen Spektrum zu verorten und die dabei initiierten Lernprozesse zu analysieren.
- Grundlagen und Definitionen der tiergestützten Pädagogik
- Analyse der Mensch-Pferd-Beziehung und ihrer Wirkung
- Verknüpfung mit erlebnispädagogischen Konzepten
- Lerntheoretische Einordnung durch das Modell von Knud Illeris
- Identitätsbildungsprozesse im Kontext der Arbeit mit Tieren
Auszug aus dem Buch
Die Biophilie-Hypothese
Der Begriff Biophilie setzt sich aus dem griechischen Wort „bios“, was so viel wie „das Leben betreffend“ bedeutet und aus „philie“, was mit „Neigung, Vorliebe“ übersetzt werden kann zusammen (vgl. Vernooij/Schneider 2008, S. 5, zit. nach Schmidt 2012, S. 55). In dieser Hypothese des Evolutions- und Soziobiologen Edward O. Wilson aus dem Jahre 1984 wird angenommen, dass der Mensch evolutionär bedingt und über einen enorm langen Zeitraum hinweg mit Tieren zusammengelebt hat, immer noch zusammen lebt und er aufgrund dessen eine tiefe Verbundenheit mit der Vielfalt der Natur und den sich darin befindenden Lebewesen und Lebensprozessen aufgebaut hat. Es ist ein natürliches, angeborenes Bedürfnis und eine Neigung des Menschen mit anderen Lebewesen in Kontakt zu treten, oder sich in Landschaften und Ökosystemen, die Leben ermöglichen, aufzuhalten (vgl. Olbrich 2003, S. 70f.).
Für Kellert (2015) ist Biophilie „eine psychische, emotionale und kognitive Hinwendung zum Leben und zur Natur“ (Olbrich 2003, S. 70). Außerdem kann gesagt werden, dass der Mensch, um erfüllt und zufrieden zu leben, die Vielfalt der Natur- und Tierwelt benötigt und der Umgang mit Tieren seine gesunde Entwicklung fördert (vgl. Wesenberg 2020, S. 24).
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der tiergestützten Pädagogik mit Pferden ein, begründet das Interesse an der Thematik und umreißt die Forschungsfrage sowie den Aufbau der Arbeit.
1. Tiergestützte Pädagogik mit dem Pferd: Das Kapitel definiert die tiergestützte Pädagogik, grenzt sie von verwandten Begriffen ab und beleuchtet die Voraussetzungen sowie die Wirkungen der Mensch-Pferd-Beziehung.
2. Pädagogische Perspektiven: Hier werden die theoretischen Grundlagen aus der Erlebnispädagogik, dem Lerndreieck nach Knud Illeris und der identitätstheoretischen Didaktik vorgestellt.
3. Verortung der tiergestützten Pädagogik mit Pferden in ausgewählte pädagogische Perspektiven: Die Erkenntnisse aus den ersten beiden Kapiteln werden analysiert, um die tiergestützte Pädagogik mit Pferden theoretisch in die genannten pädagogischen Ansätze einzuordnen und Lernprozesse abzuleiten.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Bedeutung der tiergestützten Pädagogik als pädagogisches Konzept sowie deren zukünftiges Entwicklungspotenzial.
Schlüsselwörter
Tiergestützte Pädagogik, Pferd, Mensch-Pferd-Beziehung, Erlebnispädagogik, Lerndreieck, Knud Illeris, Identitätstheoretische Didaktik, Lernprozesse, Persönlichkeitsentwicklung, Biophilie-Hypothese, Du-Evidenz, Bindungstheorie, Inklusion, Reflexion, Pädagogisches Spektrum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit die tiergestützte Pädagogik mit Pferden als ernstzunehmende pädagogische Methode anerkannt werden kann, indem sie deren theoretische Verortung und Wirkungspotenziale analysiert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die Definition tiergestützter Pädagogik, die theoretische Fundierung durch Erlebnispädagogik und Lerntheorien sowie die psychologischen und sozialen Wirkmechanismen der Arbeit mit Pferden.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die tiergestützte Pädagogik mit Pferden theoretisch im pädagogischen Spektrum zu verorten und zu zeigen, welche spezifischen Lernprozesse durch diese Handlungsform initiiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Bachelorarbeit ist rein literaturanalytisch verfasst; sie stützt sich auf eine systematische Aufarbeitung und Verknüpfung bestehender Fachliteratur und theoretischer pädagogischer Konzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Grundlagen der Methode sowie pädagogische Perspektiven dargelegt und anschließend in einem Analysekapitel miteinander in Bezug gesetzt, ergänzt durch Praxisbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die tiergestützte Pädagogik, das Lerndreieck von Knud Illeris, Erlebnispädagogik, Identitätsbildung sowie die Mensch-Pferd-Beziehung.
Was besagt die Biophilie-Hypothese in diesem Kontext?
Sie postuliert ein angeborenes menschliches Bedürfnis, mit der Natur und anderen Lebewesen in Kontakt zu treten, was als theoretisches Fundament für die Wirksamkeit der Arbeit mit Tieren dient.
Welche Rolle spielt das "Lerndreieck" nach Knud Illeris für die Arbeit?
Es dient dazu, das Lernen in der tiergestützten Pädagogik als ganzheitlichen Vorgang zu beschreiben, der auf den drei Dimensionen Inhalt, Antrieb und Interaktion basiert.
Wie unterscheidet sich die TGP von der Hippotherapie?
Während die Hippotherapie primär als medizinische bzw. therapeutische Anwendung mit physiotherapeutischem Fokus gilt, zielt die TGP eher auf pädagogische Lern- und Entwicklungsfortschritte bei Kindern und Jugendlichen ab.
Warum ist die Reflexion in der tiergestützten Pädagogik so entscheidend?
Reflexion ist notwendig, um die im Kontakt mit dem Tier gemachten Erfahrungen kognitiv zu verarbeiten, in den Alltag zu übertragen und so nachhaltige Bildungsprozesse zu gewährleisten.
- Citar trabajo
- Rebecca Walter (Autor), 2021, Lernen in der tiergestützten Pädagogik mit Pferden, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128048