Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)

Personale Identität - Vom Gedankenexperiment zur naturalistischen Sichtweise

Title: Personale Identität - Vom Gedankenexperiment zur naturalistischen Sichtweise

Thesis (M.A.) , 2004 , 171 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: M.A. Claudia Hoppe (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Unser Interesse an einem klaren Personenbegriff bzw. -konzept ist primär moralischer und rechtlicher Art und entsteht aus Problemen bei der Zuschreibung von Verantwortung und Schuldfähigkeit. Kann eine Person für eine frühere Handlung verantwortlich gemacht werden, und wenn ja, wie begründet man die Entscheidung, dass es sich um die gleiche und nicht etwa um eine andere Person handelt? Einem anderen wichtigen Aspekt des Themas personale Identität begegnen wir in der Abtreibungs- und Euthanasiedebatte, nämlich wann ein Wesen als Person zu betrachten ist, und was die Bedingungen dafür sind.
Wir berühren somit, wenn wir über personale Identität sprechen, im Grunde drei Themen:

1. Was ist eine Person?
Welche Wesen zählen zur Klasse der Personen?

2. Was ist Identität?

Hier können wir noch einmal unterscheiden zwischen:

2a. Identität im sozialpsychologischen Sinn; dabei wird das Thema unter einem praktischen Aspekt behandelt, nämlich unter der Frage, wie sich die konkrete Identität (im Sinne von Wesen, Eigenart, Charakter, Biografie) einer einzelnen Person durch Sozialisation u.a. konstituiert.

Und

2b. Identität der Person als metaphysisches Problem: Wie kann etwas, obwohl es sich verändert, dennoch über die Zeit hinweg das gleiche bleiben? Man muss bei der Behandlung des Themas personale Identität genau darauf achten, diese drei Fragestellungen nicht zu vermischen, obwohl sie natürlich zweifelsohne in Zusammenhang miteinander stehen.
Der Argumentationsweg meiner Arbeit wird in drei Phasen verlaufen: Zuerst werde ich die Debatte über die personale Identität in der analytischen Metaphysik am Beispiel ausgewählter Gedankenexperimente eingehender darstellen (Frage 2b). Über diese Betrachtungen gelange ich zu einigen zentralen Fragen aus dem Bereich der Philosophie des Geistes, auf die ich in Kapitel 3 eingehen werde. In Kapitel 4 sollen dann stärker empirische Ansätze zur Klärung des Personenbegriffes (Frage 1 und 2a) thematisiert werden. Im abschließenden Kapitel 5 werde ich zu meiner eigenen Beurteilung der Thematik gelangen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gedankenexperimente – personale Identität als metaphysisches Problem

2.1 Die Debatte über die personale Identität in der analytischen Metaphysik – ein kurzes Resümee

2.2 Bernard Williams: "Das Selbst und die Zukunft"

2.2.1 Ein Körpertausch zweier Personen – oder doch nicht?

2.2.2 Bernard Williams: Gedankenexperiment aus der Innenperspektive – ein Appell an das 'Cartesianische Ego' des Lesers

2.3 John Perry: "Kann das Ich sich teilen?"

2.3.1 Ein weiteres Gedankenexperiment

2.3.2 Personale Identität als logisches und sprachphilosophisches Problem

2.4 Robert Nozick: "Personale Identität in der Zeit"

2.4.1 Die Theorie des direkten Nachfolgers

2.4.2 Das Paradox zweier gleichberechtigter Nachfolger

2.5 Christine M. Korsgaard: "Personale Identität und die Einheit des Handelns: Eine Kantianische Antwort auf Parfit"

2.5.1 Die Person als Handlungssubjekt

2.5.2 Wie frei bin ich außerhalb paternalistischer Übergriffe? Ein Exkurs in die Moralphilosophie

2.6 Abschließende Worte

3 Philosophie des Geistes

3.1 Überleitung: Innenperspektive (erste Person-Perspektive)

3.2 Descartes, Skeptizismus, Dualismus und Realismus

3.3 Idealismus

3.4 Materialismus und Physikalismus

3.5 Empirismus und Rationalismus

3.6 Stellungnahme

3.7 Einordnung der Problematik im Zusammenhang mit der personalen Identität

4 Naturalismus und empirische Erklärungsansätze der personalen Identität

4.1 Vorwort

4.2 Was ist Naturalismus?

4.3 Naturalismus, Apriorismus in der Erkenntnistheorie und Intuition als Mittel zur Erkenntnis

4.4 Kathleen Wilkes' "Real People"

4.4.1 Gedankenexperimente

4.4.2 Die sechs Bedingungen der Personalität von Daniel Dennett

4.4.3 Grenzfälle von Personen: Neugeborene und Föten

4.4.4 Grenzfälle von Personen: Geisteskranke

4.4.5 Einheit und Kontinuität des Bewusstseins

4.4.6 Grenzfälle von Personen: Multiple Persönlichkeiten

4.4.7 Kommissurotomie und zwei Bewusstseine

4.4.8 Über die Begriffe 'Geist' und 'Bewusstsein'

4.5 Dualismus, Geist und Bewusstsein aus Sicht der Neurophysiologie

4.6 Die Person als soziales Wesen in Dialektik mit ihrer Umwelt

4.7 'Person' als normativer Begriff

5 Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht das philosophische Problem der personalen Identität und stellt die Frage, wie ein Mensch über die Zeit hinweg als dieselbe Person identifiziert werden kann. Ziel ist es, die Grenzen klassischer metaphysischer Gedankenexperimente aufzuzeigen und stattdessen einen naturalistischen und empirisch fundierten Erklärungsansatz zu etablieren, der den Menschen als soziales und biologisches Wesen in den Mittelpunkt stellt.

  • Kritische Analyse metaphysischer Gedankenexperimente (z. B. Körpertausch, Gehirnverjüngung).
  • Untersuchung der Bedeutung der ersten Person-Perspektive und der Cartesianischen Intuition.
  • Einordnung in die Philosophie des Geistes und Auseinandersetzung mit dem Dualismus.
  • Befürwortung eines aufgeklärten Naturalismus und Einbeziehung empirischer Wissenschaften.
  • Diskussion der Person als soziales Wesen in Abhängigkeit von ihrer Umwelt.

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Ein Körpertausch zweier Personen – oder doch nicht?

In diesem Szenario spielt Williams die Möglichkeit eines Körpertausches von zwei Personen durch. Der besondere Clou hierbei besteht darin, dass Williams dies nicht nur aus der Außenperspektive (dritte Person-Perspektive) tut, sondern denselben Vorgang auch aus der Innenperspektive (erste Person-Perspektive) schildert, d.h. er versucht darzustellen, wie sich dasselbe Ereignis anfühlt, wenn mir etwas derartiges passieren würde. Williams will damit aufzeigen, wie paradox das von Shoemaker in die Debatte eingebrachte Gedankenexperiment über den Fall 'Brownson' tatsächlich ist, wenn einem ein derartiges Ereignis selbst zustoßen würde. Williams führt hier ein neues Element in die Debatte ein: die Sorge um die eigene Zukunft, d.h. die Sorge darum, was meinem Körper in der Zukunft widerfahren wird (bisher lag der Fokus in der Debatte über die personale Identität eher auf den Erinnerungen einer Person und war damit hauptsächlich an deren Vergangenheit ausgerichtet). Die interessante Frage ist hierbei, ob es sich tatsächlich um die eigene oder nicht doch die Zukunft (irgend)einer anderen Person handelt. Elementarer Bestandteil von Williams' Gedankenexperimentes ist daher die Angst vor einer (möglichen) Folter.

Der gedankliche Versuchsaufbau sieht folgendermaßen aus: Zwei Personen – A und B – haben sich zu einem Versuch bereit erklärt, bei dem sie sich mittels einer neuartigen Maschine einem Körpertausch unterziehen werden (dabei werden die Informationen beider Gehirne entnommen, in der Maschine gespeichert und anschließend in das jeweils andere Gehirn eingespeist). Das bedeutet, dass sich A's Erinnerungen, Charakter und Geschmack hinterher in B's Körper und B's Erinnerungen, Charakter und Geschmack hinterher in A's Körper befinden sollen. Dann werden beide gebeten, sich vor dem Versuch zu entscheiden, welcher der beiden Körper nach dem Versuch gefoltert werden soll, und welcher der beiden Körper eine große Geldsumme erhalten soll, "wobei diese Entscheidung (wenn möglich) aus eigennützigen Gründen zu treffen ist." (Williams, 1978b, 81) Der Versuch wird durchgeführt und hinterher entscheidet das Los, welche der beiden Personen gefoltert wird, und welche das Geld erhält.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Definiert das Interesse am Personenbegriff aus moralischer und rechtlicher Sicht und skizziert die drei zentralen Fragen der Arbeit: Was ist eine Person, was ist Identität und wie konstituiert sich personale Identität.

2 Gedankenexperimente – personale Identität als metaphysisches Problem: Diskutiert einflussreiche Gedankenexperimente (Williams, Perry, Nozick, Korsgaard), um deren Grenzen in der metaphysischen Debatte aufzuzeigen.

3 Philosophie des Geistes: Beleuchtet klassische Positionen wie Dualismus, Materialismus und Idealismus, um die Innenperspektive und die Problematik des Cartesianischen Egos einzuordnen.

4 Naturalismus und empirische Erklärungsansätze der personalen Identität: Plädiert für einen naturalistischen Ansatz und untersucht unter Einbezug von Kathleen Wilkes und Daniel Dennett Bedingungen für Personsein sowie Grenzfälle wie Geisteskrankheit und Multiple Persönlichkeiten.

5 Fazit: Fasst zusammen, dass eine metaphysische Lösung für das Identitätsproblem nicht zielführend ist und Identität stattdessen als empirisch sowie konventionell verhandeltes Konzept verstanden werden sollte.

Schlüsselwörter

Personale Identität, Gedankenexperimente, Naturalismus, Philosophie des Geistes, Erste Person-Perspektive, diachrone Identität, Körperkriterium, Erinnerungskriterium, Cartesianisches Ego, Bewusstsein, soziale Konstruktion, Verantwortung, Handlungssubjekt, empirische Wissenschaften.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das philosophische Problem der personalen Identität, insbesondere die Frage, wie wir bestimmen können, ob eine Person über die Zeit hinweg dieselbe bleibt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit verknüpft analytische Metaphysik, Philosophie des Geistes und Ansätze aus der empirischen Sozialforschung und Neurowissenschaft, um den Begriff der Person neu zu bewerten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass klassische metaphysische Gedankenexperimente keine befriedigenden Antworten auf die Identitätsfrage liefern, und stattdessen eine naturalistische und stärker empirisch orientierte Sichtweise zu begründen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine kritische Analyse philosophischer Debatten durchgeführt, die durch den Vergleich von metaphysischen Ansätzen mit Erkenntnissen aus den Sozialwissenschaften und der Neurophysiologie ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Diskussion bekannter Gedankenexperimente, einen Exkurs in die Philosophie des Geistes und die Argumentation für einen naturalistischen Personenbegriff, der auch soziale und biologische Faktoren berücksichtigt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Personale Identität, Naturalismus, Innenperspektive, Gedankenexperimente, Handlungssubjekt und empirische Bedingungen der Identität.

Warum lehnt die Autorin metaphysische Gedankenexperimente als Lösungsansatz ab?

Sie argumentiert, dass diese Experimente oft auf lebensfremden, hochspekulativen Szenarien basieren, die unsere alltäglichen sprachlichen und semantischen Intuitionen überfordern, ohne einen echten Erkenntnisgewinn für reale Fragen der moralischen Verantwortung zu bieten.

Welche Rolle spielt die soziale Umwelt bei der Identitätsbildung?

Die Autorin vertritt die Auffassung, dass die Person ein soziales Wesen ist, dessen Identität in dialektischer Wechselwirkung mit ihrer Umwelt und durch soziale Konstruktionen entsteht, statt ein isoliertes, in sich ruhendes Cartesianisches Ego zu sein.

Excerpt out of 171 pages  - scroll top

Details

Title
Personale Identität - Vom Gedankenexperiment zur naturalistischen Sichtweise
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Philosophie)
Grade
2,3
Author
M.A. Claudia Hoppe (Author)
Publication Year
2004
Pages
171
Catalog Number
V112805
ISBN (eBook)
9783640132874
ISBN (Book)
9783640134533
Language
German
Tags
Personale Identität Gedankenexperiment Sichtweise
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Claudia Hoppe (Author), 2004, Personale Identität - Vom Gedankenexperiment zur naturalistischen Sichtweise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112805
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  171  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint