"Gender Mainstreaming". Gleichberechtigung, Entwicklung und Freiheit

Eine Analyse des Begriffes "Gender Mainstreaming" anhand der vierten UN-Weltfrauenkonferenz in Peking 1995


Hausarbeit, 2019

16 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie und Formalia
2.1 Organisation der UN-Weltkonferenz
2.2 Gender Mainstreaming / Diversity Management

3. Historischer Abriss
3.1 IFFF- Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit
3.2 „Frauenfriedenszug“ – als Symbol von Zusammenhalt
3.3 Geschichten von Zeitzeugen/innen des „Frauenfriedenzuges“

4. Fazit / Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis
5.1 Internetquellen

1. Einleitung

An der Wende zum einundzwanzigsten Jahrhundert stehen Frauen vor einem globalen Markt, der ein starkes politisches, finanzielles und vor allem handelspolitisches Interesse zeigt. Vor allem die Aspekte der Gleichberechtigung zwischen Männer und Frauenerwerbsarbeit, derer Aufstiegsmöglichkeiten im beruflichen Sinn und die Abschaffung von Diskriminierung und Klassifizierung anhand des Geschlechts, sind seit Jahrzehnten ein aktueller Forschungsgegenstand und oft diskutiertes Themenfeld.

Ich möchte mich in meiner angehenden Arbeit unter dem Titel: Der Friedenszug in Richtung: Gleichberechtigung, Entwicklung und Freiheit. Eine Analyse des Begriffes „Gender Mainstreaming“, anhand der vierten UN-Weltfrauenkonferenz in Peking 1995, mit der Begriffsgeschichte des Gender Mainstreaming, sowie der Gleichstellungspolitik- und den Rechten der Frauen sowie die Auswirkungen auf die Erwerbsarbeit beschäftigen.

Diesbezüglich stelle ich die These auf: Dass, Gender Mainstreaming als Querschnittsthema offizieller Nachhaltigkeitsdokumente deklariert wird. Grund dafür ist die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung und Gleichstellung von Frauen innerhalb der EU Richtlinien seit der vierten UN-Weltfrauenkonferenz in Peking 1995.

Gleich am Anfang meiner Arbeit möchte ich bestimmte Begrifflichkeiten erläutern, welche ich im Verlauf meiner Arbeit kontextualisieren werde und mir zugleich als Ouvertüre für die weiteren Themengebiete dient.

Der weiterführende geschichtliche Teil, bietet mir ebenfalls die Möglichkeit mein Thema auszubreiten und zur eigentlichen Forschungsfrage meiner Arbeit zurückzuführen, und zwar: Was für einen Einfluss hat das Aufkommen von Gender Mainstreaming auf die Geschlechtergeschichte der Arbeit und gibt es einen Gleichstellungsprozess?

In dem letzten Teil der Arbeit, möchte ich in meiner Schlussbetrachtung einen Rückblick auf alle vorgestellten Theorien und Beispiele werfen, sowie auf die genannte Problematik näher eingehen und ihren Zusammenhang, sowie den Ablauf der aktuellen Situation der Gleichstellungs- und Geschlechterpolitik erläutern, um die Idee meines Konzepts zu bekräftigen, was mich hoffentlich zu einem erfolgreichen Resümee meiner Seminararbeit führen wird.

2. Theorie und Formalia

Im folgenden Abschnitt möchte ich mich der Erklärung bestimmter Begriffsdefinitionen widmen um dadurch die Auswirkungen der Gender- und Diversitätsbedeutung hervorbringen. Um dieses umfangreiche Thema einzugrenzen, werde ich mich ausschließlich auf die theoretischen Grundlagen meiner ausgewählten Texte konzentrieren um Ungleichheiten, Veränderungen und vielleicht auch mögliche Parallelen dieser Thematik zu behandeln.

Als Hauptquelle dient mir dabei das Werk von Sabine Schorlemer: Die Vereinten Nationen und neuere Entwicklungen der Frauenrechte, welches 2007 herausgebracht wurde. Es handelt sich dabei um einen Sammelband, in dem zahlreiche Autoren/innen und Wissenschaftler/innen aus den verschiedensten Disziplinen zum Thema, Frauenrechte und deren Position und Entwicklung anhand der vereinigten Nation diskutieren.

Ein besonderes Augenmerk gilt der Frauen- und Gleichstellungspolitik und deren Einflüsse anhand der EU-Basis. Besonders die Frage nach den Grenzen der Klassifikation zwischen Männer- und Frauenerwerbsarbeit, sowie die Ausbreitung dieser Thematik von privaten in die öffentlichen Sphären sollen erläutert werden und folgende Fragen behandeln:

Inwiefern hängt Nachhaltigkeit mit Geschlecht zusammen? Seit wann wird Gender Mainstreaming als ein Kontext des Gleichstellungsprozesses deklariert und inwieweit werden diese Maßnahmen auf globalem Niveau berücksichtigt?

2.1 Organisation der UN-Weltkonferenz

Um Gender Mainstreaming als ein offizielles Nachhaltigkeitsdokument deklarieren zu können, sollte man sich vorher mit dem Prozess seines Entstehens vertraut machen.

Würde man nach dem Artikel des GenderKompetenzZentrums urteilen, der unter dem Titel: Die Geschichte(n) von Gender und Mainstreaming im historischen Archiv der Humboldt-Universität Berlin (juristischen Fakultät) zu finden ist, gibt es keine genaue Geburtsstunde des Gender Mainstreamings, sowie Ort oder Geschichte, nach der man sich orientieren sollte. Es wird viel mehr als ein „Ergebnis verschiedener nationaler und internationaler gleichstellungspolitischer Aktivitäten“1 bezeichnet. Seit den siebziger und achtziger Jahren fällt diese Thematik in die Forschungen der internationalen Gleichstellungs- und Entwicklungspolitik, die sich mit geschlechtsspezifischen Segregationen, besonders von Frauen in Bezug auf Erwerbsarbeit beschäftigen.2

Viele Theoretiker/innen und Wissenschaftler/innen würden diese erste Entstehungsphase des Gender Mainstreamings anhand der dritten Weltfrauenkonferenz 1985 in Nairobi (Kenia) bezeichnen, da die damalige Entwicklungspolitik zum Kritikpunkt wurde und immer mehr „Forderungen nach einer Integration von Frauen in den Mainstream“3 verlangt wurde. Unter Berücksichtigung dieser Forderungen wurde der Begriff „ Gender “ festgehalten und diente nun mehr als ein Meilenstein in Richtung der Gender Mainstream Festschreibung.

Erst zehn Jahre später fand 1995 die vierte Weltfrauenkonferenz in Peking statt, an der 189 Delegationen aus den UN-Mitgliedsländern beteiligt waren. Durch Teilnahme der Mitgliedsstaaten, waren alle Länder verpflichtet, die dort entwickelten und festgehaltenen Strategien und Schlüsse in ihren Ländern zu verankern und auf internationaler Ebene einzuführen. Den Berichten zu Folge, wurde auch damals keine klare Begriffsfestschreibung von Gender Mainstreaming eingefügt, es wurde lediglich erwählt:

„Goverments and other actors should promote an active and visible policy of Mainstreaming a Gender perspective in all politicies and programmes so that before decisions are taken, an analysis is made oft he effects on women and men, respectively.“ 4

Um die festgelegten Stichpunkte und Verordnungen gesetzlich festzuhalten, wurde eine Aktionsplattform errichtet, die für alle Länder zugänglich war. Diese Plattform beinhaltete zwölf Stichpunkte die als Grundlage für die Gleichstellungspolitik zwischen den Geschlechtern dienen sollte.

2.2 Gender Mainstreaming / Diversity Management

Einen Überblick über die rechtlichen und politischen Beschlüsse über das Frauenrecht und das Gender betroffene Feld der UN-Konferenzen, bietet der Sammelband: Die vereinigten Nationen und neuere Entwicklungen der Frauenrechte.

Anhand von verschiedenen Publikationen der Wissenschaftler/innen von der juristischen Fakultät und Zentrum der internationalen Studien (ZIS) der TU Dresden, schildern die Beteiligten alle relevanten Themenkomplexe in Verbindung mit Frauenrecht. Besonders der erste Aufsatz des Autors Jan Conrady, beschreibt die Konzeption, sowie die Komplexität des Begriffes Gender Mainstreaming. Um den Hintergrund und die Bedeutungsmacht von Gender Mainstreaming so klar wie möglich hervorzuheben, bezieht sich Conrady gleich am Anfang seiner Definition, auf die reinen Begrifflichkeiten von „Gender“ und „Mainstreaming“ und versucht anhand der Übersetzung der Wörter, die Sinnhaftigkeit und Konzeptidee der beiden Diskurse zu erläutern.

Der Begriff „ Mainstream “ beziehungsweise „ Mainstreaming “ hat, wie der Begriff „ Gender “, seine Wurzeln im englischen Wortschatz und bedeutet übersetzt „ sich im Hauptstrom befinden “ bzw. wortwörtlich „ Hauptstrom “ . Der Hauptstrom soll als Symbol eines Themenkomplexes fungieren, der die Diskussion über Geschlecht als eine Einheit behandelt und die Verbindung zur Politik und all ihren Bereichen miteinbezieht.5

Im Gegensatz dazu, verdeutlicht Conrady, dass der Begriff „ Gender “ mit besonderer Vorsicht zu betrachten ist, weil dieser Begriff stark diskutiert wird und viel Spielraum für Debatten bietet. Ins Englische Übersetzt, wird es als Chiffre für das soziale Geschlecht verwendet und nicht für das rein biologische Geschlecht.6 Er verdeutlicht in seinem Artikel, dass es sich beim Begriff „ Gender “ nicht um ein „vorgegebenes Faktum“7 handelt, sondern dass das Geschlecht eine reale und soziokulturelle Größe mit sich bringt und nicht rein nach der biologischen Begebenheit eines Menschen kategorisiert wird. Dadurch, dass das soziale Geschlecht von der Gesellschaft geformt wird, ist es stetig wandelbar und zeigt einen der Hauptunterschiede zwischen diesen beiden Klassifikationen. Conrady zufolge wird das Geschlecht:

„(…) in der Gesellschaft nicht als feststehendes einheitliches Merkmal erweisen, sondern ist den unterschiedlichen Vorstellungen unterworfen.“8

Somit könnte man sagen, dass der Begriff des Gender Mainstreaming als Indikator für eine nachhaltige Entwicklung einer Gesellschaft und die Miteinbeziehung der Frauen und ihrer Rechte in der Geschlechterpolitik fungiert. Die Bandbreite des Mainstreamings soll Platz für „politische, ökonomische, soziale und kulturelle Beschaffenheit“ 9 bietet, die auf globalem Niveau basieren.

Die Politologin Prof. Dr. Claudia von Braunmühl führt den Gender Mainstream Begriff aus einer anderen Perspektive fort, indem sie eine Diskursanalyse durchführt. In ihrem Forschungsartikel: Diverse Gender – Gendered Diversity: Eine- Gewinn- und- Verlust- Rechnung, stellt sie bewusst die Begriffe Gender Mainstreaming und Diversity Management gegenüber, um deren Umsetzungsprozess bezüglich der Frauen und Geschlechterpolitik zu verdeutlichen. Ihrer Ansicht nach, hat der Faktor des Mainstreamings eine „Institutionelle Fassung der auf Geschlecht und Emanzipation zielenden Forderungen der internationalen Frauenbewegung“10 fordert, was heißen würde, es handelt sich dabei um den öffentlichen und gesellschaftlichen Bereich. Hingegen versucht dich Diversity Management als eine der „Leistungsebene globaler Wirtschaftsakteure angesiedeltes Verfahren der Personalpolitik“11 zu repräsentieren und gehört damit nicht in die Sphäre der Öffentlichkeit, sondern kategorisiert sich unter die einzel- unternehmerischen Bereiche und nicht in Richtung der gesamten Gesellschaft.12

Das Thema Diversity Management wird oft von verschiedenem Theoretiker/innen und Autor/innen thematisiert. Der Begriff wird als Bedeutungsträger von Vielfalt gesetzt und in Verbindung mit Management, wird ein konstruktivistisches Modell hervorgebracht, welches große Unternehmen gerne als Etikette verwenden. Dieses Modell ist auch bekannt als ein Win-Win-Ansatz, der „Wertschöpfung durch Wertschätzung“ generieren soll.13

Was genau unter Diversity zu verstehen ist und welcher der wahre Bedeutungsträger dieses Begriffes ist, erläutert Prof. Dr. Claudia von Braunmühl anhand der sechs Kerndimensionen von Diversity und zwar: Alter, Behinderung, Ethnizität, Geschlecht, Religion und sexuelle Orientierung. Dabei handelt es sich um:

„(…) ersichtliche Persönlichkeitsmerkmale wie Rollenverständnis, Wertevorstellung, Denkweisen u. Ä (…) dass jedes Unternehmen ein eigenes spezifisches Verständnis für Diversity entwickelt. Immer aber geht es um die Wertschätzung von Vielfalt und um innerbetrieblichen kulturellen Pluralismus.“14

Diese Eigenschaften ähneln einer Analyse nach, viel mehr der Zielsetzungen des Gender Mainstreaming und seiner Querschnittsaufgabe zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, als dem des Diversity Managements. Trotz allem hat Gender Mainstreaming seine Ansprüche bei Weitem noch nicht erzielt, jedoch bringt es nach Prof. Dr. Brünmuhls Theorie ein viel größeres Potenzial an Verständnis von Gender, als es das Diversity Management jemals zu vermitteln scheint.15

[...]


1 (o.A), GenderKompetenzZentrum (o.D): Die Geschichte(n) von Gender Mainstreaming, URL: http://www.genderkompetenz.info/genderkompetenz-2003-2010/w/files/gkompzpdf/geschichte_gm.pdf, (abgerufen am 25.01.19), S.1

2 Vgl. ebd. S.1

3 Ebd.

4 Ebd. S.3

5 Conrady, Jan: Entwicklung und Bedeutung des Konzepts „Gender Mainstreaming“ in den Vereinigten Nationen, In: Die Vereinten Nationen und neuere Entwicklungen der Frauenrechte, Schorlemer, Sabine (hrsg), 1959 Frankfurt am Main: Wien [u.a.]: Lang; 2007, S.2-3

6 Vgl. ebd. S.2

7 Ebd.

8 Ebd. S.3

9 Von Braunmühl, Claudia: Diverse Gender – Gendered Diversity: Eine Gewinn- und- Verlust- Rechnung, In: Gender und Diversity: Albtraum oder Traumpaar?, Interdisziplinärer Dialog zur „Modernisierung“ von Geschlechter- und Gleichstellungspolitik, (hrsg.) Andresen Sünne, Koreuber Mechthild, Lüdke Dorothea, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2009, S. 54

10 Ebd. S.63

11 Ebd.

12 Vgl. ebd.

13 Vgl. ebd. S.58

14 Ebd.

15 Vgl. Andresen Sünne, Koreuber Mechthild: Gender und Diversity: Albtraum oder Traumpaar?, Eine Einführung, In: Gender und Diversity: Albtraum oder Traumpaar? Interdisziplinärer Dialog zur „Modernisierung“ von Geschlechter- und Gleichstellungspolitik, (hrsg.) Andresen Sünne, Koreuber Mechthild, Lüdke Dorothea, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2009, S.26

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
"Gender Mainstreaming". Gleichberechtigung, Entwicklung und Freiheit
Untertitel
Eine Analyse des Begriffes "Gender Mainstreaming" anhand der vierten UN-Weltfrauenkonferenz in Peking 1995
Hochschule
Universität Wien  (Zeitgeschichte und Medien)
Note
1
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V1128153
ISBN (eBook)
9783346489159
ISBN (Buch)
9783346489166
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gender, mainstreaming, gleichberechtigung, entwicklung, freiheit, eine, analyse, begriffes, un-weltfrauenkonferenz, peking
Arbeit zitieren
Neli Jelinovic (Autor:in), 2019, "Gender Mainstreaming". Gleichberechtigung, Entwicklung und Freiheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128153

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