Durch die Veröffentlichung der Arbeit von Richard Thaler und Cass Sunstein haben die Erkenntnisse der Verhaltensökonomie in der Verbraucherpolitik international an Bedeutung gewonnen. Dabei soll das Instrument Nudging, den Paternalismus und Liberalismus miteinander verbinden. Vor allem Großbritannien, Australien und die USA, haben das Instrument bereits vielseitig eingesetzt. In diesem Zusammenhang stellen sich folgende Fragen: Auf welche Instrumente kann die Verbraucherpolitik zurückgreifen? Was kann das Instrument Nudging zur Verbraucherpolitik beitragen? Ziel dieser Arbeit ist es, diese Fragen zu klären.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 BEGRIFFSBESTIMMUNG: VERBRAUCHERPOLITIK
3 INSTRUMENTE DER VERBRAUCHERPOLITIK
3.1 ALLGEMEINER ÜBERBLICK ÜBER DIE INSTRUMENTE
3.2. DAS INSTRUMENT „VERBRAUCHERINFORMATION“
3.3 DAS INSTRUMENT „VERBRAUCHERBILDUNG“
3.4 DAS INSTRUMENT „NUDGING“
4 SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das breite Spektrum verbraucherpolitischer Instrumente, die zwischen staatlichem Schutz und der gezielten Erziehung der Verbraucher angesiedelt sind, um komplexe Marktmechanismen und Informationsasymmetrien auszugleichen.
- Definition und theoretische Einordnung der Verbraucherpolitik
- Analyse klassischer Instrumente wie Information und Bildung
- Untersuchung des verhaltensökonomischen Ansatzes des "Nudging"
- Diskussion über das Spannungsfeld zwischen Freiheit und staatlicher Steuerung
- Notwendigkeit einer evidenzbasierten Instrumentenforschung
Auszug aus dem Buch
3.4 Das Instrument „Nudging“
Das Konzept des libertären Paternalismus gewinnt in der Politik weltweit an Bedeutung. In Deutschland steht die Diskussion darüber jedoch noch am Anfang (vgl. Reisch und Sandrini 2015, S. 22). Der libertäre Paternalismus beruft sich auf verhaltensökonomische Erkenntnisse und greift damit auf typische Heuristiken und kognitive Neigungen von Menschen zurück. So geht er aufgrund von empirischen Daten davon aus, dass Menschen systematische Entscheidungsfehler machen. Durch die getroffenen Fehlentscheidungen schaden sie sich, z. B. durch Übergewicht oder Schulden, selbst. Dies kann durch geeignete Interventionen verhindert werden. Die eingesetzten Maßnahmen sollen Menschen, Unternehmen, Institutionen usw. zu rational besseren Entscheidungen verhelfen. Somit sollen sie sich für die beispielsweise gesündere oder nachhaltigere Alternative entscheiden, also diejenige Option wählen, welche den größten wohlfahrtssteigernden Nutzen hervorruft. Dabei sind zwei Regeln zu beachten.
Erstens sollten sie die Möglichkeit haben, frei zu entscheiden, welche Alternativen sie wählen. Zweitens sollte die Entscheidung ohne Zwang, Verbote oder Strafen hervorgebracht werden. Auf der einen Seite ist das Konzept durch einen paternalistischen Ansatz geprägt, da eine gewisse Bevormundung gegeben ist. Auf der anderen Seite besteht eine individuelle Entscheidungsfreiheit. Nudging wird das entsprechende Instrument genannt. Den Menschen soll bei ihrer Entscheidung ein sanfter Stupser in eine bestimmte Richtung, gegeben werden. Maßgeblich wurde der Begriff Nudge durch Thaler und Sunstein geprägt, welche im Jahr 2008 das Buch Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt veröffentlichten (vgl. Kerber 2014, S. 2; vgl. Reisch und Sandrini 2015, S. 19 ff.; Reisch und Sunstein 2017, S. 344; vgl. Thaler und Sunstein 2008, S. 345 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Relevanz der Verbraucherpolitik ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, verschiedene Instrumente von Schutz bis Nudging zu untersuchen.
2 BEGRIFFSBESTIMMUNG: VERBRAUCHERPOLITIK: Dieses Kapitel definiert Verbraucherpolitik als staatliche Intervention zur Abmilderung von Ungleichgewichten zwischen Produzenten und Konsumenten.
3 INSTRUMENTE DER VERBRAUCHERPOLITIK: Dieser Abschnitt bietet einen systematischen Überblick über weiche und harte Instrumente und diskutiert deren Wirksamkeit.
3.1 ALLGEMEINER ÜBERBLICK ÜBER DIE INSTRUMENTE: Hier werden Regulierungsbereiche und die Notwendigkeit einer Mischung aus Selbstbindung und staatlichen Maßnahmen analysiert.
3.2. DAS INSTRUMENT „VERBRAUCHERINFORMATION“: Dieses Kapitel befasst sich mit der systematischen Bereitstellung objektiver Informationen zur Reduzierung von Informationsasymmetrien.
3.3 DAS INSTRUMENT „VERBRAUCHERBILDUNG“: Der Fokus liegt hier auf der Befähigung von Verbrauchern zu kompetentem, selbstständigem Handeln im Alltag.
3.4 DAS INSTRUMENT „NUDGING“: Hier wird das Konzept des libertären Paternalismus vorgestellt, das durch sanfte Anreize zu rationaleren Entscheidungen verhelfen soll.
4 SCHLUSSBETRACHTUNG: Das Fazit fasst die Instrumentenvielfalt zusammen und mahnt eine kritische Auseinandersetzung mit der staatlichen Steuerung durch Nudging an.
Schlüsselwörter
Verbraucherpolitik, Verbraucherschutz, Verbraucherbildung, Nudging, libertärer Paternalismus, Informationsasymmetrie, Verhaltensökonomie, Marktregulierung, Verbraucherinformation, Konsumenteninteresse, Instrumentenforschung, Entscheidungsfreiheit, staatliche Intervention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Instrumente, mit denen der Staat Verbraucherpolitik betreibt, um das Verhältnis zwischen Konsumenten und Unternehmen zu regulieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den drei Instrumenten Verbraucherinformation, Verbraucherbildung und dem verhaltensökonomischen Ansatz des Nudgings.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Instrumente der Verbraucherpolitik im Spannungsfeld zwischen gesetzlichem Schutz und der Erziehung zur Mündigkeit zu beleuchten und deren Anwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Ausarbeitung, die auf einer Literaturanalyse und der Auswertung bestehender Konzepte der Verbraucherwissenschaften basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung, einen Überblick über die Instrumentenbereiche und eine detaillierte Beschreibung von Information, Bildung und Nudging inklusive deren Kritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Verbraucherpolitik, Nudging, libertärer Paternalismus, Verbraucherbildung und Informationsasymmetrie.
Wie wird Nudging von den Autoren definiert?
Nudging bezeichnet Maßnahmen, die das Verhalten von Menschen in vorhersagbarer Weise verändern, ohne dabei Zwang oder Verbote anzuwenden, sondern durch sanfte Anstöße.
Welche Kritik wird am Nudging geäußert?
Kritiker bemängeln die mögliche Bevormundung der Bürger durch den Staat und hinterfragen, ob der Staat tatsächlich die "richtigen" Entscheidungen für den Einzelnen kennen kann.
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- Anonym (Author), 2017, Nudging. Instrumente der Verbraucherpolitik zwischen gesetzlichem Schutz und Verbrauchererziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128159