China im Koreakrieg. Ausgangslage, Beweggründe und globale Politik


Seminararbeit, 2013

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Chinas politische Situation vor Oktober
2.1. Politische Beziehung zu Korea vor dem Kriegsausbruch
2.2. Innenpolitik der Kommunistischen Partei Chinas

3. Chinas Beweggründe für den Kriegseintritt
3.1. Chinas Sicht
3.1.1. Verletzter Nationalstolz
3.1.2. Wirtschaftliche Interessen
3.1.3. Brüderliche Pflichtgefühle für Nordkorea
3.1.4. Wiedereinführung der alten Machtstellung Chinas als Reich der Mitte
3.1.5. Vereinter Kampf gegen den Imperialismus und Anstreben einer Vorbildfunktion als kommunistischer Staat
3.1.6. Schutz der jungen Republik vor feindlichen Angriffen
3.2. Sicht des Westens

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Korea am 24. Oktober 1950

1. Einleitung

Seit die Siegermächte nach dem zweiten Weltkrieg das vormals unter japanischer Kolonialherrschaft stehende Korea auf unbestimmte Zeit in zwei Regierungsbezirke geteilt hatten, die jeweils von Amerika und der Sowjetunion verwaltet worden sind, haben sich beide Hälften der Halbinsel mehr und mehr politisch voneinander entfernt.1 Nach dem Ausbruch des Kalten Krieges verschlechterte sich dieser Zustand weiter, bis es im Juni 1950 zum Ausbruch des Koreakrieges kam, der den kalten Krieg heiß werden ließ.2

Im Koreakrieg ging es also nicht nur um die Gewinnung von Ländereien bzw. die Vereinigung der beiden geteilten Koreas3, sondern der Koreakrieg war auch ein Krieg zwischen zwei Ideologien, deren Vertreter als mächtigste Staaten der damaligen Welt, beide im Besitz von Atomwaffen, die Welt in Atem hielten.

Mit dem Eintritt Chinas in das Kriegsgeschehen wendete sich das Blatt zugunsten der kommunistischen Mächte. Wäre China damals nicht seinem ‚kleinen Bruder‘ Nordkorea zu Hilfe geeilt, so sehe die politische Machtverteilung in Ostasien heutzutage wahrscheinlich ganz anders aus. Somit hatte Pekings Entscheidung, sowohl für China als auch für den Rest der Welt, weitreichende Konsequenzen zur Folge.4

Um Verständnis darüber zu erlangen, wie es zu Chinas Entschluss kam, in den Koreakrieg einzuschreiten, möchte ich zuerst Chinas politische Lage vor dem Kriegsausbruch im Sommer 1950 erläutern, welche die Rahmenbedingungen für Chinas spätere Handlungen liefert. Dabei werde ich mich auf Chinas innerstaatliche Politik unter der Leitung der Kommunistischen Partei Chinas, sowie auf die außenpolitischen Beziehungen zu Korea beschränken.

Anschließend werde ich die aus der chinesischen Sicht wichtigsten Beweggründe analysieren, welche für Peking höchstwahrscheinlich die ausschlaggebende Rolle dabei gespielt haben, Nordkorea trotz damit verbundener Risiken militärische Unterstützung zukommen zu lassen.

2. Chinas politische Situation vor Oktober 1950

2.1. Politische Beziehung zu Korea vor dem Kriegsausbruch

China hatte seit jeher großen Einfluss auf Korea ausgeübt und war bis 1850 Koreas wichtigster Kontakt mit der Außenwelt.5

Seit dem 5. Jahrhundert hatte Korea jährliche Tributzahlungen an China geleistet um im Gegenzug auf dessen Stärke und Unterstützung bei Drohungen feindlicher Übergriffe zählen zu können.6

Nach dem Sieg Japans über China und der darauffolgenden Annexion von Korea durch die Japaner, sah sich China Ende des 19. Jahrhunderts gezwungen, Korea als unabhängigen Staat anzuerkennen, womit die traditionelle Beziehung zwischen den beiden Staaten endete.7

Während Korea noch immer von Japan besetzt war, begannen sich Anfang der 1920er Jahre etwa zeitgleich sowohl in Korea als auch in China kommunistische Strömungen zu entwickelten. Zu dieser Zeit waren viele Teile Chinas ebenfalls von ausländischen Mächten besetzt.8

Seit der Aufteilung Koreas in zwei Besatzungszonen Ende des zweiten Weltkrieges, war China darum bemüht, eine freundlich gesinnte Beziehung mit Nordkorea zu pflegen und seinen Einfluss im von der Sowjetunion regierten Nordkorea zu vergrößern. So kam es 1940 in Nordchina zur Bildungen mehrerer kommunistischer, sino-koreanischer Organisation, allen voran eine Zweigstelle der koreanischen Freiwilligenarmee unter der Leitung von Yenan, welche enge Beziehungen zur Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) führte.9

Zhou Enlai, der Premierminister der Volksrepublik China, beschrieb die Beziehung zwischen China und Korea metaphorisch als die Beziehung zwischen „Lippen und Zähnen“. Damit meinte er die strategische Wichtigkeit Koreas als militärische Pufferzone, welche äußere Angriffe auffangen könne und so als Schutzwall für China diene.10

2.2. Innenpolitik der Kommunistischen Partei Chinas

Als die Kommunistische Partei Chinas mit Mao Zedong als Führungsoberhaupt am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China ausrief, übertrugen sich mit der Führungsmacht auch zahlreiche Probleme auf ihre Schultern. Eine katastrophale Wirtschaftslage, Inflation, Epidemien, Aufstände und Unruhen, sowie die Angriffe der Kuomintang auf das Festland stellten die junge Regierung vor große Herausforderungen.11 Durch Missernten und Überflutungen fehlte es der Bevölkerung an ausreichend Nahrungsmitteln, sodass ca. 40 Millionen Menschen an Hungersnot litten.12

Die vordringlichste Aufgabe der neuen Regierung bestand darin, die Wirtschaft Chinas wieder aufzubauen, was Mao u.a. durch Kürzungen von Militärausgaben, Abrüstung und Verwendung von Soldaten als billige Arbeitskräfte auf dem Land, anstrebte.13

Den geeigneten Ort zur Verwirklichung seiner Wirtschaftspläne sah Mao in der Mandschurei. Dabei hatte er das Glück, sich der materiellen Unterstützung durch die Sowjetunion zu erfreuen.14

Gleichzeitig war China mit der Planung zur Rückeroberung der Insel Taiwan, auf welche sich die vormalige Regierungspartei Kuomintang geflüchtet hatte, und weiterer von Mao als „verlorene Territorien“ bezeichneten Ländereien, beschäftigt.15 Trotz des offiziellen Sieges der KPCh über die Kuomintang sah sich China weiterhin mit Widerständen und Auseinandersetzung von allen Seiten des eigenen Landes konfrontiert. Die „Befreiung“ dieser Länder umfasste ein weiteres primäres Ziel Maos.16

Diese heimischen Probleme gaben zweifellos gewisse Rahmenbedingungen vor, welche China bei der Erwägungen über einen Einstieg in den Koreakrieg beeinflusst haben.

3. Chinas Beweggründe für den Kriegseintritt

Nach neuesten Erkenntnissen durch die Öffnung der geheimen Archive der Sowjetunion im Jahre 1990 kann davon ausgegangen werden, dass es Präsident Kim Sung Il war, der nach wiederholten Gesuchen zuerst den Führer der Sowjetunion Josef Stalin und anschließend auch den Präsidenten der jungen Volksrepublik China Mao Zedong davon überzeugt hatte, dass Nordkorea bereit für einen Krieg zur Einigung der beiden Koreas sei17. In chinesischen Zeitungen wurde der Kriegsausbruch jedoch zu Propaganda-Zwecken so dargestellt, als wären südkoreanische Truppen zuerst in Nordkorea eingefallen und Nordkorea müsse sich gegen diese bösen Mächte verteidigen.18

Somit überquerten die Nordkoreanischen Truppen mit der Zustimmung ihrer beiden Verbündeten am 25. Juni 1950 die Grenze am 38. Breitengrad und nahmen in nur kurzer Zeit die für diesen Überraschungsangriff unvorbereitete Südhälfte Koreas fast komplett ein.19

Dank militärischer Unterstützung durch amerikanische Truppen gelang es Südkorea, die nordkoreanischen Streitkräfte bis zum 38. Breitengrad zurückzudrängen. Nachdem die US Truppen am 7.Oktober 1950 jedoch aller Warnungen zum Trotz den 38. Breitengrad überquerten und sich daran machten Nordkorea einzunehmen, sah China sich gezwungen etwas zu unter- nehmen.20

Abbildung 1 Abb. 1: Korea im 24.Oktober 1950; Quelle: Stueck 1995: 87

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als die feindlichen Streitkräfte sich dem Yalu Fluss, welcher Nordkorea von der Mandschurei abgrenzt, unaufhaltsam näherten, entschloss sich Peking auf das Hilfegesuch Kim Il Sungs einzugehen.21 So begann die von Mao entsandte 200.000 Mann starke chinesische Volksfreiwilligen-Armee, angeführt von General Peng Dehuai, am 25. Oktober mit der Rückeroberung der Nordhälfte Koreas. Am Ende desselben Jahres hatte sie die gegnerischen Truppen bis an die ehemalige Grenze der beiden Koreas zurückgedrängt.22

Mit dem Kriegseintritt ging China mehrere strategische Risiken ein, wie etwa die Gefahr, dass Amerika in China zu einem Vergeltungsschlag ansetzen könnte, was das ohnehin geschwächte Land kaum verkraftet hätte.23 China war gerade dabei, sich langsam wirtschaftlich zu erholen, weitere militärische Auseinandersetzungen bedeuteten noch mehr Druck auf die Wirtschaft.

Darüber hinaus war China gerade mit der ‚Befreiung‘ Taiwans beschäftigt. Zu diesem Zeitpunkt im Koreakrieg mitzuwirken, bedeutete, dass China seinen Befreiungsakt auf unbestimmte Zeit verschieben müsse. Je nachdem, wie groß die Verluste durch den Krieg auf Seiten von China ausfallen würden, bestünde sogar die Gefahr, das Ziel ganz aufgeben zu müssen.24

China war sich bewusst, dass es ohne Unterstützung von außen zu schwach war, um einer Weltmacht wie der USA erfolgreich die Stirn zu bieten. Auf der anderen Seite war es jedoch fraglich, inwieweit sich Mao von der Sowjetunion Unterstützung bei einem möglichen Kriegseintritt erhoffen konnte.25

Warum China sich dennoch für den Kriegseintritt entschieden hat, soll im Folgenden analysiert werden.

3.1. Chinas Sicht

3.1.1. Verletzter Nationalstolz

China hatte seit dem Eindringen westlicher Mächte und damit einhergehenden Auseinandersetzungen über Jahre hinweg eine Verbitterung und einen Hass gegenüber den westlichen Mächten aufgebaut.26 Amerikas Verhalten trug in keiner Weise zu einer Besänftigung dieses Hasses bei, sondern verschlimmerte diesen noch.

Im Oktober 1950 brachte Zhou Enlai seine Entrüstung darüber zum Ausdruck, dass Amerika sich nicht an seine Abmachungen gehalten hatte und Chinas wiederholte Warnungen nicht ernst nehme. Beispielsweise hatte Peking auf seine Warnung hin von Amerikas Präsident Harry S. Truman die offizielle Antwort erhalten, dass die UN Truppen wie besprochen 49 Meilen vor der mandschurischen Grenze Halt machen würden. Dieses Versprechen wurde vom eigenmächtigen Handeln des Oberbefehlshabers der US Truppen Lügen gestraft, als dieser Anfang Oktober 1950 die US Luftwaffe anordnete, Bomben über der Mandschurei abzuwerfen.27

Mao war nicht länger bereit, sich diese ständigen ‚Provokationen’ ohne Gegenwehr bieten zu lassen und fühlte sich von Amerikas Verhalten zunehmend herausgefordert.28

Er war überzeugt davon, dass Amerika bei einem erfolgreichen Sieg über Korea „noch arroganter“ werden und beginnen würde, auch China zu bedrohen.29 Die Chance, der größten Weltmacht der Welt einen Denkzettel verpassen zu können, war ohne Zweifel sehr verlockend für China.30

3.1.2. Wirtschaftliche Interessen

China war bestimmt interessiert daran, Korea als Wirtschaftspartner halten zu können. Dass dieser Beweggrund jedoch eher ein geringes Ausmaß hatte, beweisen Chinas später Eingriff ins Kriegsgeschehen, und der Fakt, dass China keinen totalen Sieg angestrebt hatte. Stattdessen hatte China die feindlichen Truppen lediglich bis hinter den 38. Breitengrad zurückgedrängt, wo sie für China selbst in sicherer Entfernung waren. Somit ging es China um die Sicherstellung der problemlosen Weiterführung der heimischen Wirtschaft. Da Mao Chinas wirtschaftliche Zukunft in Nordostchina sah, wollte er keine feindlichen Mächte direkt an der Grenze wissen müssen.31

Chinas Wirtschaftsindustrie befand sich gerade erst im Aufbau und wurde, wie bereits erwähnt, zu großen Teilen durch die Arbeitskraft von Soldaten vorangetrieben. Bei einem US Sieg über Korea sähe sich China aus Sicherheitsgründen gezwungen, unzählige Soldaten an der Grenze zu Nordkorea zu stationieren, welche somit nicht für den Aufbau der Wirtschaft eingesetzt werden könnten.32

Daraus schlussfolgerte Mao, dass es China wirtschaftlich ungemein zurückwerfen würde, sofern es die Niederlassung gegnerischer Truppen direkt vor Chinas Nase tatenlos erdulden würde, und dass China deshalb allein schon zum Schutz der eigenen Interessen verpflichtet sei, Nordkorea zur Hilfe zu eilen.33

3.1.3. Brüderliche Pflichtgefühle für Nordkorea

Da China während dem Bürgerkrieg Koreas tatkräftige Unterstützung erhalten hatte, äußerte Mao Anfang Oktober 1950 das Verlangen, Kim Il Sung nun, da sich die Chance bot, ebenfalls mit militärischer Hilfe zu unterstützen34.

[...]


1 Vgl. Olsen 2003: 79

2 Vgl. Kim 2006: 3

3 Vgl. Yi 1993: 53

4 Vgl. ebd. 51

5 Vgl. Kim 2006: 48

6 Vgl. Zhao 2003: 99

7 Vgl. Yi 1993: 35

8 Vgl ebd. 43

9 Vgl. Stueck 1995: 15, Yi 1993: 47-49

10 Vgl. Kim 2006: 51

11 Vgl. Whiting 1960: 14

12 Vgl. Ebd. 18

13 Vgl. Ebd. 17

14 Vgl. Ebd. 11,19

15 Vgl. Ebd.: 2-3

16 Vgl. Ebd. 20

17 Vgl. Kim 2006: 239

18 Vgl. Whiting 1960: 54

19 Vgl. Stueck 1995: 10

20 Vgl. Yi 1993: 54, 55

21 Vgl. Zhao 2003: 100

22 Vgl. Kim 2006: 240

23 Vgl. Whiting 1960: 50

24 Vgl. Whiting 1960: 49-50

25 Vgl. Yi 1993: 55; Zhao 2003: 100

26 Vgl. Yi 1993 : 58; Whiting 1960: 4-6

27 Vgl. Stueck 1995: 348-350

28 Vgl. Kim 2006: 3

29 Stueck 1995: 65

30 Vgl. Stueck 1995: 6, 348

31 Vgl. Whiting 1960: 18-20

32 Vgl. Stueck 1995: 65

33 Vgl. Ebd. 24

34 Vgl. Ebd. 105

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
China im Koreakrieg. Ausgangslage, Beweggründe und globale Politik
Hochschule
Universität Trier  (Sinologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V1128184
ISBN (eBook)
9783346489128
ISBN (Buch)
9783346489135
Sprache
Deutsch
Schlagworte
china, koreakrieg, ausgangslage, beweggründe, politik
Arbeit zitieren
Julia Hirt (Autor:in), 2013, China im Koreakrieg. Ausgangslage, Beweggründe und globale Politik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128184

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: China im Koreakrieg. Ausgangslage, Beweggründe und globale Politik



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden