Im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung mit dem schier unbegrenzten Zuwachs an Nutzern in den sozialen Medien haben sich die Vertriebs- und Kommunikationskanäle in den vergangenen Jahren, wie auch das Informations-, Kommunikations- und Kaufverhalten des Kunden, deutlich geändert. Im Online-Bereich wurde dadurch ein regelrechter Kampf um den Kunden ausgelöst. Unternehmen können diesen Wettbewerb nur bestehen, sofern sie Mittel und Wege kennen, um auf die digitale Transformation zu reagieren, sich anzupassen und die Kunden dort zu erreichen, wo sie sich tatsächlich aufhalten. Einige Handels-Unternehmen greifen dabei auf die Methode der künstlichen Verknappung zurück, mit der sie ihre Produkte künstlich limitieren, um die Nachfrage nach diesen zu erhöhen. Die künstliche Verknappung stellt ein effektives Mittel dar, um einerseits die wahrgenommene Attraktivität des Produktes bei Konsumenten zu erhöhen und andererseits Verkäufe zu steigern. Die vorliegende Arbeit zeigt verschiedene Inszenierungs-Möglichkeiten limitierter Angebote auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Arbeit
1.1 Relevanz und Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Definition und Arten von Knappheit
2.2 Kommunikation von Knappheitsbotschaften
2.2.1 Mengenbezogene Knappheitsbotschaften
2.2.2 Zeitbezogene Knappheitsbotschaften
2.2.3 Limited Editions als Knappheitsbotschaft
2.3 Erklärungsansätze für die Wirkung von Knappheit
2.3.1 Reaktanz-Theorie
2.3.2 Commodity-Theorie
2.3.3 Need-for-Uniqueness-Theorie
2.3.4 Knappheit als heuristischer Reiz
2.4. Kriterien für die Inszenierung von Knappheit im Online-Bereich
2.4.1 Grad des Produktzugangs
2.4.2 Kommunikation und -distribution
2.4.3 Produktdarstellung
3. Methodisches Vorgehen
3.1 Begründung der Methodenwahl
3.2 Erschließung des Untersuchungsmaterials
3.3 Ableitung der Typisierungsdimensionen
3.4 Zusammenfassung der Typenkonstruktion
4. Typen und Modell der Knappheits-Inszenierung im Online-Bereich
4.1 Eindimensionale Knappheits-Inszenierung
4.2 Zweidimensionale Knappheits-Inszenierung
4.3 Mehrdimensionale Knappheits-Inszenierung
4.4 Modell für die Zuordnung und Analyse limitierter Online-Angebote
5. Diskussion und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit entwickelt ein theoretisch fundiertes Modell zur Analyse von Inszenierungsmöglichkeiten limitierter Online-Angebote, um die Forschungsfrage zu beantworten, welche Inszenierungsstrategien sich im Rahmen dieser Angebote ableiten lassen und wie diese das Konsumentenverhalten beeinflussen.
- Theoretische Einordnung von Knappheitsarten und Kommunikationsbotschaften.
- Analyse der Wirkungsmechanismen von Knappheit (Reaktanz, Commodity-Theorie, Need-for-Uniqueness).
- Konstruktion einer Typologie für Knappheits-Inszenierung im Online-Handel.
- Untersuchung von Inszenierungsstrategien führender deutscher Onlineshops.
- Modellentwicklung zur systematischen Einordnung und Analyse limitierter Angebote.
Auszug aus dem Buch
1.1 Relevanz und Problemstellung
Der griechische Philosoph Aristoteles erkannte schon früh, dass Seltenheit mehr Wert besitzt, als etwas, dass reichlich vorhanden ist: „What is rare is a greater good than what is plentiful“ (Aristoteles, o.J., zitiert nach Baumeister, Bushman, 2016, S. 268). Er beschrieb damit das grundlegende Knappheitsprinzip, das seit jeher zum menschlichen Handeln gehört. Besonders in der Konsumwelt stellt das Knappheitsprinzip ein allgegenwärtiges Phänomen dar. Viele Anbieter machen sich dieses Prinzip zu Nutze, indem sie ihre Produkte oder Dienstleistungen verknappen, um sie besonders und wertvoll darstellen zu lassen. In der Marketingpraxis wird diese Vorgehensweise als künstliche bzw. inszenierte Knappheit bezeichnet, da sie sich von Anbieterseite aus erzeugen und gestalten lässt (vgl. Pick, Kenning, 2012, S. 47; vgl. Kastner, 2018, S. 235).
So stoßen Konsumenten während eines aufmerksamen Einkaufs nicht selten auf Angebote, die in Limited Editions angeboten werden oder nur begrenzt erhältlich bzw. nur für eine kurze Zeit erhältlich sind. Viele Online-Shopping-Portale nutzen häufig Signale, um auf die begrenzte Verfügbarkeit von Produkten und einen drohenden Ausverkauf hinzuweisen. Drüber hinaus lassen sich Knappheitssignale in diversen TV-Verkaufssendungen finden, in denen angepriesene Produkte durchweg mit verbleibenden Stückzahlen oder Informationen über Knappe Vorräte beworben werden (vgl. Lynn, 1991, S. 43). Derartige Hinweise über die Knappheit eines Produkts dienen teilweise zur rein informationellen Feststellung gegenüber verbleibenden Verkaufseinheiten. Auf der anderen Seite scheinen Begrenzungen des Angebots und die dadurch signalisierte Knappheit bedeutende Auswirkungen auf die Attraktivität und Beliebtheit der Produkte zu haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in die Arbeit: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Knappheitsinszenierung im Marketing und definiert die Forschungsziele sowie den Aufbau der vorliegenden Studie.
2. Theoretische Grundlagen: Hier erfolgt eine Einordnung der Knappheit im wirtschaftlichen Kontext sowie die Analyse von Kommunikationsbotschaften und psychologischen Wirkungsmodellen.
3. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel begründet die Wahl der typologischen Analyse und beschreibt das methodische Vorgehen zur Erschließung und Strukturierung des Untersuchungsmaterials.
4. Typen und Modell der Knappheits-Inszenierung im Online-Bereich: Auf Basis der Untersuchung werden eindimensionale, zweidimensionale und mehrdimensionale Inszenierungstypen differenziert und in ein Gesamtmodell überführt.
5. Diskussion und Ausblick: Dieses Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Arbeit, ordnet sie in den theoretischen Kontext ein und gibt einen Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Knappheitsinszenierung, Online-Handel, Limited Editions, Konsumentenverhalten, Reaktanz-Theorie, Commodity-Theorie, Need-for-Uniqueness, Knappheitsbotschaften, Verkaufsförderung, digitale Vermarktungsstrategien, Markenimage, Exklusivität, Produktknappheit, Typologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Online-Händler das Prinzip der Knappheit nutzen, um ihre Produkte attraktiver zu gestalten, und entwickelt dazu ein systematisches Analysemodell.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die psychologische Wirkung von Knappheit, die Kommunikation solcher Botschaften und die spezifische Gestaltung dieser Inszenierungen im Online-Handel.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, welche Inszenierungsmöglichkeiten sich im Rahmen von limitierten Online-Angeboten ableiten und systematisch typisieren lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine typologische Analyse nach Mayring angewendet, um verschiedene Inszenierungsstrategien aus einer qualitativen Datenbasis zu extrahieren und zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, methodisches Vorgehen sowie die Typenbildung und Modellierung der Knappheits-Inszenierung (eindimensional, zweidimensional, mehrdimensional).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Knappheitsinszenierung, Online-Handel, Limited Editions, Konsumentenverhalten und verschiedene psychologische Theorien wie die Reaktanz-Theorie.
Was unterscheidet eine eindimensionale von einer zweidimensionalen Inszenierung?
Bei der eindimensionalen Inszenierung wird Knappheit lediglich auf der Angebotspräsentation vermittelt, während bei der zweidimensionalen Variante zusätzlich der Produktzugang (z.B. durch Club-Mitgliedschaften) eingeschränkt wird.
Was versteht man unter mehrdimensionaler Knappheits-Inszenierung im Kontext dieser Arbeit?
Dieser Typ nutzt sämtliche Dimensionen einschließlich viraler Kommunikation und "Hype"-Generierung, oft unter Einbeziehung externer Communities und Multiplikatoren.
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- Nam Ho (Author), 2019, Die Kunst der Verknappung. Vermarktungsstrategien von limitierten Konsumgütern in digitalen Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128215