Auswirkungen der Leasingbilanzierung nach IFRS16 auf den Jahresabschluss von Leasingnehmern


Hausarbeit, 2020

17 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Leasingbilanzierung beim Leasingnehmer nach IFRS 16
2.1 Zielsetzung und Anwendungsbereich
2.2 Feststellung eines Leasingverhältnisses
2.3 Bilanzierung beim Leasingnehmer

3. Auswirkungen auf den Jahresabschluss von Leasingnehmer
3.1 Auswirkungen auf Jahresabschlussgrößen
3.1.1 Bilanz
3.1.2 Gewinn- und Verlustrechnung
3.1.3 Kapitalflussrechnung
3.2 Auswirkungen auf Konzernabschlusskennzahlen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Online Literaturverzeichnis

Abbildungverzeichnis

Abb. 1 Prüfschema zur Identifikation von Leasingverhältnissen

Abb. 2 Auswirkungen auf die Bilanz des Leasingnehmers durch IFRS 16

Abb. 3 Eigenkapitalreduktionseffekt induziert durch die Implementierung von IFRS 16

Abb. 4 Aufwandsprofil eines Leasinverhältnisses

Abb. 5 Auswirkungen auf die GuV des Leasingnehmers durch IFRS 16

Abb. 6 Auswirkungen der Umstellung

1. Einleitung

Im Vergleich zu anderen Finanzierungsformen oder traditionellen Käufen ist Leasing sehr attraktiv, insbesondere aufgrund seiner hohen Flexibilität durch verschiedene Änderungsoptionen.1 In den letzten Jahren ist Leasing zu einer immer beliebteren Finanzierungsoption geworden, beispielsweise für Privatkunden für den Kauf von Fahrzeugen. Im Gegensatz dazu bestehen seit langem Leasingbeziehungen zwischen Unternehmern und Geschäftsleuten. Bisher gab es jedoch Probleme bei der Bilanzierung von Unternehmensleasingverträgen nach den International Accounting Standards (IAS) 17. Nach IAS 17 dürfen Unternehmen Vermögenswerte und Schulden aus Leasingverhältnissen nicht in der Bilanz ausweisen, sondern nur in den Mietkosten. Diese Tatsache steht häufig im Widerspruch zu den Interessen der Nutzer von Jahresabschlüssen.2 Demnach werden 85% fast aller Leasingverhältnisse (ca. 3,3 Mrd. USD nur bei börsennotierten Unternehmen) nicht bilanziell erfasst, sondern nur als Referenz im Anhang.3 Der frühere Vorsitzende des International Accounting Standards Board, Sir David Tweedie (David Tweedie), hat 2008 klar auf dieses Problem hingewiesen: ”One of my great ambitions before I die is to fly in an aircraft that is on an airline's balance sheet.”4 Mit diesen Worten begann er, einen neuen Leasingstandard zu entwickeln, der den damals geltenden IAS 17 ersetzen sollte. Er entdeckte die Tatsache, dass die meisten Fluggesellschaften nur Maschinen mieten und diese Maschinen nicht in der Bilanz der Fluggesellschaft erscheinen. Nach fast achtjähriger Arbeit wurde der International Financial Reporting Standards (IFRS 16) im Januar 2016 endgültig veröffentlicht. Der Standard ist für das am 1. Januar 2019 beginnende Geschäftsjahr verbindlich und ersetzt den Standard IAS 17.5 Ab dem Geschäftsjahr 2019 wird der neue Leasingstandard viele Bilanzen verändern. Versucht wird, den Personen, die an Jahresabschlüssen interessiert sind, Vermögenswerte, Finanzen und Einkommen besser verständlich zu machen. Insbesondere ändert sich die Ansicht des Leasingnehmer.6

1.1 Problemstellung

Leasingverhältnisse und vor allem die Bilanzierung werden immer komplizierter. Daher sind im Prozess immer strengerer IFRS-Standards, insbesondere im Bereich Leasing, professionelles Expertenwissen unerlässlich.7 Die Bedeutung des Leasing nimmt ebenfalls zu, sodass Leasingtransaktionen im Laufe der Jahre zu einem immer wichtigeren Bestandteil der Investitions- und Finanzierungspolitik des Unternehmens geworden sind.8 So übertraf das deutsche Leasing im Jahr 2019 die gesamtwirtschaftlichen Investitionsausgaben um 13,01%. Auf europäischer Ebene stieg das Leasing zwischen 2018 und 2019 sogar um 6,08% auf 414,9 Milliarden Euro.9 Die Umstellung auf IFRS 16 wird voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf Bilanzierende und Abschlussadressaten haben. Andere Unternehmen mit “Off-balance-Leasingverhältnissen” haben den Stakeholdern bereits mitgeteilt, dass IFRS 16 erhebliche Auswirkungen auf den Konzernabschluss haben könnte.10

1.2 Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es, die Standards und Auswirkungen der Änderung vom alten IFRS 17 zum neuen IFRS 16 vorzustellen. In der Praxis sind die alten Regelungen des IFRS 17 bereits bekannt, weshalb in dieser Arbeit der Fokus nur auf IFRS 16 liegen wird.

1.3 Aufbau der Arbeit

Nach der Einleitung in dem erstem Kapitel schafft Kapitel zwei eine kürze Übersicht über Leasingbilanzierung beim Leasingnehmer nach IFRS 16. Kapitel drei, der Kern dieser Arbeit, erläutert die Auswirkungen der Leasingbilanzierung nach IFRS 16 auf den Jahresabschluss von Leasingnehmern. Abschließend befasst sich Kapitel vier mit der Fazit der Arbeit.

2. Leasingbilanzierung nach IFRS 16

Im Gegensatz zur Bilanzierung des wirtschaftlichen Eigentums an (physischen) Ressourcen (Risiko- und Ertragsmodell) nach IAS 17 basiert IFRS 16 auf dem Recht zur Nutzung des Leasinggegenstandes (Recht zur Nutzung des Modells).11 Die Grundidee ist, dass das Leasingverhältnis aus wirtschaftlicher Sicht den Erwerb des Rechts zur Nutzung von durch Schulden finanzierten Vermögenswerten darstellt.12 Neben dem bestehenden prinzipienbasierten Standard IAS 17 ersetzt IFRS 16 auch die ergänzenden Erläuterungen IFRIC 4, SIC 15 und SIC 27 für den Einzelfall.13

2.1 Zielsetzung und Anwendungsbereich

IFRS 16 legt die Grundsätze der Bestätigung, Bewertung, Offenlegung und anderer Informationen fest, um sicherzustellen, dass Leasingnehmer und Leasinggeber alle relevanten Informationen über die Auswirkungen des Leasingverhältnisses bereitstellen.14 Auf diese Weise sollten Nutzer von Abschlüssen beurteilen können, wie sich die Leasingbeziehung auf Vermögenswerte, Finanz- und Gewinnbedingungen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen auswirkt.15 Grundsätzlich gilt IFRS 16 für alle Leasingverhältnisse. Dies umfasst auch Service- und Lieferverträge, die eingebettete Leasingverträge enthalten.16 Gemäß IFRS 16.3 sind Forschungsverträge für nicht erneuerbare Ressourcen, biologische Vermögenswerte, reine Dienstleistungsverträge, Lizenzvereinbarungen für geistiges Eigentum und Lizenzvereinbarungen für immaterielle Vermögenswerte gemäß IAS 38 nicht enthalten.17 Für die Zwecke von IFRS 16 bezieht sich Leasing auf einen Vertrag zur Übertragung des Rechts zur Nutzung eines bestimmten Vermögenswerts. Die Nutzung ist zeitlich begrenzt und wird dafür vergütet. Der wichtige Unterschied liegt in der neuen Definition von "Nutzungsrecht".18

2.2 Feststellung eines Leasingverhältnisses

Die erste Anforderung besteht darin, zu prüfen, ob der Vermögenswert eindeutig identifiziert werden kann und es abgegrenzt warden kann. Vermögenswerte sind keine obligatorische Identifizierung. Diese sind im Vertrag eindeutig gekennzeichnet oder implizit gekennzeichnet warden können, wenn für Mieter verfügbar gemacht werden.19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Prüfschema zur Identifikation von Leasingverhältnissen.

Quelle: In Anlehnung an Küting, K./Tesche, T. (2011): Die Bilanzierung von Leasingverhältnissen im Jahresabschluss des Leasingnehmers im historischen Zeitablauf, S1103.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Lieferant während der Laufzeit des Leasingverhältnisses keine wesentlichen Handelsrechte hat und die Vermögenswerte physisch trennbar sein müssen.20 Infolgedessen ist beispielsweise der Prozentsatz des Kabeltzeugs kein identifizierter Vermögenswert. Im Gegenteil, Kabel in Leitungen mit derselben Leitungskapazität können die Anforderungen erfüllen.21

Die zweite Anforderung besteht darin, zu prüfen, ob das Veräußerungsrecht übertragen wird. Erhält der Kunde / Leasingnehmer grundsätzlich alle wirtschaftlichen Vorteile im Zusammenhang mit der Nutzung des Vermögenswerts während der Vertragslaufzeit, so liegt das Veräußerungsrecht beim Kunden / Leasingnehmer.22 Darüber hinaus muss der Kunde / Leasingnehmer das Recht haben, Art und Zweck der Nutzung von Vermögenswerten zu bestimmen.23 Dies schließt vom Vermieter vereinbarte Beschränkungen nicht unbedingt aus. Also z. B. beim Fahrzeugleasing kann die Anzahl der zurückgelegten Kilometer begrenzt werden, solange der Mieter von dieser Einschränkung profitieren und die Art der Nutzung bestimmen kann.24

2.3 Bilanzierung beim Leasingnehmer

Nach IFRS 16 - Abweichend von den Vorschriften vor IAS 17 - müssen die Leasingnehmer die Leasingverbindlichkeit passivieren und das Nutzungsrecht an dem Mietobjekt aktivieren.25 Zur Vereinfachung gewährt IFRS 16 zwei Ausnahmen, die ausgewogen sein können und in der Regel bleiben. Sie wird während des gesamten Zeitraums linear als Aufwand erfasst.26 Zum einen kurzfristige Leasingverträge mit einer Laufzeit von höchstens 12 Monaten, zum anderen Leasingverträge für geringwertige Vermögenswerte.27 Bei der Umstellung von IAS 17 auf IFRS 16 für Operating-Leasingverhältnisse kann der Leasingnehmer zwischen zwei Umtauschoptionen wählen. Zum einen kann eine vollständig rückwirkende Anwendung verwendet werden, bei der die Eigenkapitalkomponente zu Beginn des ersten angezeigten Vergleichszeitraums angepasst wird, als ob immer eine neue Rechnungslegungsmethode angewendet würde. Im Gegenteil, für die modifizierte retrospektive Erstanwendung kann man zu Beginn des Berichtszeitraums der Erstanwendung eine kumulative Anpassungsbuchung auf den Anfangswert der Ertragsrücklage vornehmen.28 Die Bewertungsmethode für RoU-Vermögenswerte ähnelt anderen nicht finanziellen Vermögenswerten (z. B. Sachanlagen), und die Bewertungsmethode für Leasingverbindlichkeiten ähnelt anderen finanziellen Verbindlichkeiten.29

Der Anfangswert der Leasingverbindlichkeit ist der Barwert der nicht bezahlten Leasingzahlung, der mit dem internen Zinssatz des Leasingvertrags abgezinst wird.30 Wenn er nicht ermittelt werden kann, wird er mit dem inkrementellen Fremdkapitalzinssatz des Leasingnehmers abgezinst.31 Die Grundlaufzeit des Leasingverhältnisses ist nicht kündbar. Dies ist die Grundlage der Laufzeit. Nur wenn vollständig festgelegt ist, dass die Option zur Verlängerung der Leasingdauer verwendet wird, kann der Zeitpunkt, zu dem die Option zur Verlängerung der Leasingdauer implementiert werden kann, umgesetzt werden. Ebenso wird nur dann berücksichtigt, für welchen Zeitraum die Kündigungsoption ausgeübt werden kann, wenn hinreichend sicher ist, dass die Kündigungsoption nicht genutzt wird.32 Variable Leasingzahlungen werden nur berücksichtigt, wenn sie auf einem Index (z. B. Lebenshaltungskostenindex) oder auf Tarifen (z. B. Euribor für 3 Monate) basieren.33 Anschließend wird die Leasingverbindlichkeit nach der tatsächlichen Zinsmethode zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet, die den Rückstellungen für finanzielle Verbindlichkeiten entsprechen, und die laufenden Leasingzahlungen werden in Zins- und Rückzahlungsteile unterteilt.34 Darüber hinaus kann es zu Vertragsänderungen kommen, sodass die Leasingverbindlichkeit neu bewertet werden muss.35 Die Bewertung des Nutzungsrechts basiert auf der Leasingverbindlichkeit, der Zahlung vor Beginn des Zeitraums abzüglich der erhaltenen Anreizzahlungen, den Anschaffungskosten und den vertraglichen landwirtschaftlichen Verpflichtungen.36 Daher wird das Nutzungsrecht in der Regel linear nach den Anforderungen von IAS 16 Sachanlagen nach dem Anschaffungskostenmodell abgeschrieben und bei Bedarf um Wertminderungen bereinigt.37

[...]


1 Vgl. Kirsch/Dollereder/Wätjen, Modifikationen von Leasingverhältnissen gemäß IFRS 16, Heft20, 2018, S. 1298.

2 Vgl. EY, Der neue Standard zu Leasingverhältnissen, 2016, S. 2.

3 Vgl. Godek, 2018, IFRS oder HGB - Eine Entscheidungshilfe, S. 121.

4 Tweedie, Empire Club Speech, 2008, S. 5.

5 Vgl. Kirsch/Dollereder/Wätjen, Modifikationen von Leasingverhältnissen gemäß IFRS 16, Heft20, 2018, S. 1298.

6 Vgl. EY, Der neue Standard zu Leasingverhältnissen, 2016, S. 2.

7 Vgl. Küting (2013), IFRS Rechnungslegung, S. 73.

8 Vgl. Kümpel, T./Becker, M. (2010): (Internationale) Leasingbilanzierung im Wandel, S. 456.

9 Vgl. Leaseurope (2020): Annual Survey 2019, S. 2.

10 Vgl. Kingfisher (2016): Annual Report and Accounts, S. 91.

11 Vgl. International Accounting Standards Board (2016), S. 66.

12 Vgl. Bardens, (2016), IFRS 16: Flugzeuge jetzt „on balance“(Teil 1), in: KoR, Jg. 16, S. 385.

13 Vgl. IFRS 16.IN3, C21.

14 Vgl. Deloitte, IASPLUS, IFRS 16.

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. Ganssauge, (2016) Erste Praxiserfahrungen mit den neuen Vorschriften nach IFRS 16, WPg Online, S. 735.

17 Vgl. Deloitte, IASPLUS, IFRS 16.

18 Vgl. Deloitte, IFRS 16 - Auswirkungen des neuen Leasingstandards, 2017, S. 2.

19 Vgl. IFRS 16.B13.

20 Vgl. IFRS 16.B14-B20.

21 Vgl. Gruber, (2016), Leasingnehmerbilanzierung nach IFRS16 aus bilanzpolitischer Sicht, S. 443.

22 Vgl. IFRS 16.B21-B23.

23 Vgl. IFRS 16.B24-B30.

24 Vgl. Gruber, (2016), Leasingnehmerbilanzierung nach IFRS16 aus bilanzpolitischer Sicht, S. 443.

25 Vgl. IFRS 16.IN10.

26 Vgl. Katjüter, P., Meinhövel, M. (2016): Bilanzierung von Leasingverhältnissen nach IFRS 16, S. 427.

27 Vgl. IFRS 16.5.

28 Vgl. Bardens, (2016), IFRS 16: Flugzeuge jetzt „on balance“(Teil 1), in: KoR, Jg. 16, S. 392.

29 Vgl. IFRS 16.IN11.

30 Vgl. International Accounting Standards Board, IASB, (2016), S. 67.

31 Vgl. IFRS 16.26.

32 Vgl. Gruber, T./Hartmann-Wendels, T. (2016b): Leasing-Bilanzierung nach IFRS 16

33 Vgl. Bardens, A./Kroner, M./Meurer, H. (2016a): IFRS 16: Flugzeuge jetzt „on balance“?, in: KoR, Jg. 16 (2016), S. 390.

34 Vgl. Katjüter, P., Meinhövel, M. (2016): Bilanzierung von Leasingverhältnissen nach IFRS 16, S. 428.

35 Vgl. Katjüter, P., Meinhövel, M. (2016): Bilanzierung von Leasingverhältnissen nach IFRS 16, S. 428.

36 Vgl. IFRS 16.23-24.

37 Vgl. IFRS 16.29-33.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen der Leasingbilanzierung nach IFRS16 auf den Jahresabschluss von Leasingnehmern
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,3
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V1128256
ISBN (eBook)
9783346499691
ISBN (Buch)
9783346499707
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilanzanalyse, Bilanz, Leasing, Auswirkungen, IFRS, Kapital
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Auswirkungen der Leasingbilanzierung nach IFRS16 auf den Jahresabschluss von Leasingnehmern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128256

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