Ziel der Arbeit ist es, zu veranschaulichen, wie sich nach Marx der Subjektbegriff des Menschen im Kapitalismus von dem des Menschen im Kommunismus unterscheidet und inwieweit die Aufhebung der Entfremdung zu der Bildung des wahren Menschen führen kann.
Die Arbeit soll vor allem dazu anregen, weiterzudenken und sich mit einem der weit verbreitetsten Phänomene unserer Zeit – der Entfremdung – und ihrer Überwindung auseinanderzusetzen. Um jeden Leser abzuholen, wird im ersten Schritt kurz die Dialektik von Marx skizziert und in einen größeren Kontext eingeordnet. Anschließend soll gezeigt werden, wie die kapitalistische Gesellschaftsordnung für den Denker notwendigerweise den Zustand der Entfremdung hervorbringt. Dabei soll auf die verschiedenen Arten der Entfremdung und die Möglichkeit der Überwindung eingegangen werden. Darauf aufbauend wird die anthropologische Idealvorstellung Marx, die dem wahren Menschen entspricht, skizziert und punktuell mit dem Subjektbegriff des Menschen im Kapitalismus gegenübergestellt. Weil Marx keine detaillierte Beschreibung des wahren Menschen vorlegt, wird darüber hinaus Fromms psychoanalytisches Verständnis von „Produktivität“ integriert. Zuletzt sind einige Schlussfolgerungen in Bezug auf die Fragestellung zu ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE GRUNDLAGEN DES MARXISMUS
2.1 DIE DIALEKTIK BEI MARX
2.2 DER HISTORISCHE MATERIALISMUS
3. DIE ENTFREMDUNG DES MENSCHEN
3.1 DER ENTFREMDUNGSBEGRIFF
3.2 DIE AUFHEBUNG DER ENTFREMDUNG
4. DIE BILDUNG DES WAHREN MENSCHEN
4.1 DIE EINHEIT DES MENSCHEN MIT DER NATUR
4.2 DIE ELEMENTE DER PRODUKTIVEN TÄTIGKEIT
4.3 DIE ENTWICKLUNG NEUER BEDÜRFNISSE
4.4 DIE REALISIERUNG DES GATTUNGSWESENS
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die marxsche Gesellschaftstheorie mit dem Ziel zu veranschaulichen, wie sich der Subjektbegriff des Menschen im Kapitalismus von dem im Kommunismus unterscheidet und wie die Aufhebung der Entfremdung die Bildung des wahren Menschen ermöglicht.
- Grundlagen des Marxismus und die materialistische Geschichtsauffassung
- Die vier Formen der Entfremdung im Kapitalismus
- Die notwendige Transformation der Produktionsverhältnisse
- Die anthropologische Idealvorstellung des "wahren Menschen"
- Produktivität als Selbsterschaffung im Sinne von Marx und Fromm
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Entfremdungsbegriff
Die Entfremdung, also den Zustand des Arbeiters im Kapitalismus, manifestiert sich laut Marx in vier Formen: (1) Die Entfremdung vom eigenen Produkt der Arbeit, (2) Die Entfremdung von der eigenen Tätigkeit und (3) Die Entfremdung vom eigenen Gattungswesen. Diese drei Entwicklungen münden schließlich in (4) Die Entfremdung auf intersubjektiver Ebene.
(1) Die Entfremdung vom eigenen Produkt
Wie bereits skizziert produziert der Arbeiter das Privateigentum der Kapitalisten. Weil das Endprodukt in das Privateigentum der Kapitalisten übergeht, verliert der Hersteller die Verfügungsgewalt über sein Produkt. Die "Verwertung der Sachwelt" (MEW 40, S.511) steht im direkten Zusammenhang mit der "Entwertung der Menschenwelt" (MEW 40, S. 511) und der Arbeiter wird umso ärmer je mehr Reichtum er produziert. Hierbei konsolidiert er sein eigenes Produkt zu einer sachlichen Gewalt über ihn, es tritt ihnen als fremdes Wesen, als eine unabhängige Macht gegenüber (MEW 40, S.511).
(2) Die Entfremdung von der eigenen Tätigkeit
Die Entfremdung des Arbeiters vom eigenen Produkt ist laut Marx nur eine Konsequenz der "Entfremdung [...] in der Tätigkeit der Arbeit selbst" (MEW 40, S.515). Der Produzent kann nicht selbst über seine Arbeit entscheiden, sondern ist dazu gezwungen, die Tätigkeit auszuführen, die der Kapitalist ihm aufträgt, um sein Überleben zu garantieren (MEW 3, S.33). So ist der Fischer in einer naturwüchsigen Gesellschaft dazu gezwungen, Fischer zu sein und der Hirte muss zwangsläufig ein Hirte bleiben, wenn er die Mittel zum Leben nicht verlieren möchte (MEW 3, S.33).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Problemstellung der Entfremdung im Kapitalismus und Darlegung der Zielsetzung, den Subjektbegriff des Menschen bei Marx zu analysieren.
2. DIE GRUNDLAGEN DES MARXISMUS: Skizzierung der dialektischen Methode und des historischen Materialismus als theoretische Basis für das Verständnis von Marx' Gesellschaftskritik.
3. DIE ENTFREMDUNG DES MENSCHEN: Detaillierte Untersuchung der vier Formen der Entfremdung des Arbeiters und deren Auswirkungen auf die menschliche Existenz.
4. DIE BILDUNG DES WAHREN MENSCHEN: Erörterung der anthropologischen Idealvorstellung, der Rolle der produktiven Tätigkeit und der Realisierung des Gattungswesens.
5. FAZIT: Zusammenfassung der Ergebnisse und Reflexion über die Überwindbarkeit der Entfremdung durch eine Transformation der Produktionsverhältnisse.
Schlüsselwörter
Karl Marx, Kapitalismus, Entfremdung, Kommunismus, Historischer Materialismus, Dialektik, Wahres Menschenbild, Gattungswesen, Produktive Tätigkeit, Selbsterschaffung, Erich Fromm, Produktionsverhältnisse, Emanzipation, Humanismus, Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der marxschen Theorie der Entfremdung und der Frage, wie durch deren Überwindung die Bildung des sogenannten "wahren Menschen" ermöglicht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kritik am Kapitalismus, dem Verständnis der Entfremdung, der Bedeutung von Arbeit als Selbstzweck sowie der Rolle des Menschen im Kommunismus.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie sich der Subjektbegriff des Menschen im Kapitalismus von dem im Kommunismus unterscheidet und inwieweit die Aufhebung der Entfremdung zur Bildung des wahren Menschen führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse von Originaltexten von Marx und Engels (MEW) sowie der Interpretation durch Erich Fromm basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen (Dialektik/Materialismus), die Analyse der Entfremdungsformen und die explizite Herleitung der Bedingungen für die Bildung des wahren Menschen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Entfremdung, Gattungswesen, Produktivität, Selbsterschaffung und das Konzept der menschlichen Emanzipation.
Warum unterscheidet Marx zwischen "natürlichen" und "wirklichen, moralischen" Bedürfnissen?
Laut Marx sind natürliche Bedürfnisse rein physisch (Nahrung, Kleidung), während wirkliche, moralische Bedürfnisse geistiger und sozialer Natur sind und durch den jeweiligen Kulturzustand bestimmt werden.
Wie definiert der Autor in Zusammenarbeit mit Fromm den Begriff der "produktiven Arbeit"?
Produktive Arbeit ist nach Fromm jede Tätigkeit, die frei und aus eigenem Antrieb erfolgt, wobei das Individuum seinen Anlagen und Talenten Ausdruck verleiht, anstatt nur aus Angst um das Überleben zu handeln.
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- Anonym (Author), 2021, Die Aufhebung der Entfremdung und die Bildung des wahren Menschen bei Karl Marx, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128389