Auf politischer Ebene wurde Nachhaltigkeit mit dem 1987 erschienen Brundtlandbericht und 1992 auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro als weltweite Handlungsmaxime etabliert. Nachhaltigkeit bedeutet hierbei eine politische und gesellschaftliche Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Möglichkeit der Bedürfnisbefriedigung zukünftiger Generationen zu gefährden. Zentrale Punkte sind dabei die Bekämpfung der Armut sowie der Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen.
In den Unternehmen wird die Integration von Umweltschutz und sozialen Zielen häufig kritisch gesehen und oft stellen sie aus Sicht des Managements nur zu vermeidende Kostenfaktoren dar. Falls diese Ziele derzeit auf Unternehmensebene verfolgt werden, geschieht dies meist mit separaten Managementsystemen, die wenig mit den allgemeinen Managementsystemen der Unternehmung verbunden sind. Die Balanced Scorecard bietet jedoch eine Möglichkeit zur Integration dieser Aspekte.
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die Balanced Scorecard als Konzept des nachhaltigen Managements vorzustellen und kritisch zu würdigen. In einer Fallstudie wird eine Sustainability Balanced Scorecard (SBSC) erstellt.
Hierzu wird in Kapitel 2 Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung erläutert und im Kapitel 3 die Entwicklung einer Sustainability Balanced Scorecard aufgezeigt. Diese theoretischen Ausführungen werden in Kapitel 4 mit der Gestaltung einer SBSC für die BMW AG an einem Fallbeispiel angewendet. Eine Zusammenfassung und ein Ausblick in Kapitel 5 schließen diese Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung
2.1 Begriff der Nachhaltigkeit
2.2 Drei Säulen unternehmerischer Nachhaltigkeit
2.3 Kriterien zur Bewertung der Nachhaltigkeit
2.4 Nachhaltigkeitsorientierte Wettbewerbsstrategien
3 Entwicklung einer Sustainability Balanced Scorecard (SBSC)
3.1 Grundzüge der Balanced Scorecard (BSC)
3.1.1 Konzept der BSC
3.1.2 Eignung der BSC für das Nachhaltigkeitsmanagement
3.1.3 Übersicht nachhaltiger BSC-Konzepte
3.2 Aufbau der Sustainability Balanced Scorecard
3.2.1 Rahmenbedingungen der SBSC
3.2.2 Integration von Nachhaltigkeit in die vier Perspektiven
3.2.3 Erweiterung um eine Nicht-Markt Perspektive
3.2.4 Kritische Würdigung der SBSC
4 Gestaltung einer SBSC für die BMW AG
4.1 Methode der Datenerhebung
4.2 Informationen zur BMW AG
4.3 Nachhaltigkeitsstrategie der BMW AG
4.3.1 Konzeptioneller Ansatz
4.3.2 Nachhaltigkeit durch Produktverantwortung
4.3.3 Nachhaltigkeit durch Umweltschutz
4.3.4 Nachhaltigkeit bei Mitarbeitern und Gesellschaft
4.4 Formulierungsprozess der SBSC
4.4.1 Auswahl der strategischen Geschäftseinheit
4.4.2 Ermittlung der Umwelt- und Sozialexponiertheit
4.4.3 Strategische Relevanz der Nachhaltigkeitsaspekte
4.4.4 Integration der Nachhaltigkeitsaspekte in die SBSC-Perspektiven
4.4.5 Darstellung der SBSC als Strategy Map
4.5 Kritische Würdigung des Fallbeispiels
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die Balanced Scorecard als Instrument eines nachhaltigen Managements vorzustellen und deren Eignung kritisch zu würdigen. Im Kern steht dabei die Entwicklung einer "Sustainability Balanced Scorecard" (SBSC) und deren beispielhafte Anwendung auf die Automobilsparte der BMW AG, um zu zeigen, wie ökologische und soziale Ziele in die Unternehmensstrategie integriert werden können.
- Grundlagen der unternehmerischen Nachhaltigkeit und deren Bewertungskriterien
- Konzept und Aufbau einer Sustainability Balanced Scorecard (SBSC)
- Methodik der SBSC-Formulierung (Datenerhebung und Strategieintegration)
- Fallbeispiel: Gestaltung einer SBSC für die BMW AG
- Kritische Reflexion der Möglichkeiten und Grenzen dieses Managementsystems
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Konzept der BSC
Anfang der neunziger Jahre entwickelten Richard Kaplan und David Norton das Konzept der Balanced Scorecard23. Seit der Auflage ihres grundlegenden Buchs „Balanced Scorecard“ 1996 in den USA hat dieses Konzept weltweit nicht nur Einzug in die Unternehmen gehalten, sondern ist auch auf großes Echo in Wissenschaft und Beratung gestoßen24. Die Balanced Scorecard ist ein Kennzahlensystem zur Leistungsmessung (performance measurement) und auch ein Managementsystem.
Als Kennzahlensystem entstand die BSC aus Kritik an den bisherigen finanzorientierten, vergangenheitsbezogenen und kurzfristigen Konzepten der Leistungsmessung. Diese traditionellen Konzepte eignen sich zur effizienten Nutzung des Anlagevermögens, jedoch nicht mehr für die Wettbewerbssituation heutiger Unternehmen25. Deshalb wurden in die BSC auch weiche Faktoren, wie das intellektuelle Kapital, das Wissen und die Fähigkeit der Mitarbeiter, effektive betriebliche Prozesse und eine Kundenbindung und –orientierung mit aufgenommen. Um diese Faktoren im Hinblick auf den langfristigen finanziellen Erfolg messen und steuern zu können, schlagen Kaplan und Norton eine an der Unternehmensstrategie ausgerichtete Leistungsmessung in vier Kategorien anhand einer Balanced Scorecard vor. Diese vier Perspektiven sind Finanzen, Kunde, interne Prozesse und Entwicklung. Die Perspektiven werden in eine Ursachen-Wirkungs-Beziehung gesetzt, deren Zielrichtung immer die finanzielle Perspektive ist26. Damit soll jede Strategie letztlich einen wirtschaftlichen Erfolg herbeiführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Nachhaltigkeit ein und erläutert das Ziel der Arbeit, die Balanced Scorecard als integratives Managementinstrument für Nachhaltigkeitsaspekte zu untersuchen.
2 Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Nachhaltigkeit, erläutert das Drei-Säulen-Modell sowie relevante Bewertungskriterien und stellt verschiedene nachhaltigkeitsorientierte Wettbewerbsstrategien vor.
3 Entwicklung einer Sustainability Balanced Scorecard (SBSC): Hier wird das Konzept der klassischen Balanced Scorecard (BSC) erläutert, auf die Eignung für das Nachhaltigkeitsmanagement geprüft und der Aufbau einer SBSC inklusive der möglichen Perspektivenerweiterungen detailliert beschrieben.
4 Gestaltung einer SBSC für die BMW AG: Dieses Kapitel bildet den praktischen Teil, in dem für die BMW AG auf Basis einer Dokumentenanalyse eine SBSC formuliert, die Strategie integriert und die SBSC abschließend kritisch gewürdigt wird.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die theoretischen und praktischen Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Integration von Nachhaltigkeit in allgemeine betriebliche Zielsysteme.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Balanced Scorecard, SBSC, Unternehmensführung, BMW AG, Nachhaltigkeitsstrategie, Öko-Effizienz, Sozio-Effizienz, Stakeholder, Strategy Map, Umweltmanagement, Sozialmanagement, Wertorientiertes Management, Wettbewerbsvorteile, Leistungsmessung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Integration von ökologischen und sozialen Nachhaltigkeitszielen in die klassische Balanced Scorecard, um daraus ein ganzheitliches, strategisches Managementinstrument für Unternehmen zu entwickeln.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Das Dokument deckt die theoretischen Grundlagen der unternehmerischen Nachhaltigkeit, das Konzept der Balanced Scorecard, verschiedene Ansätze zur SBSC-Entwicklung sowie eine konkrete Fallstudie zur BMW AG ab.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, die Eignung der Balanced Scorecard als Konzept für ein nachhaltiges Management vorzustellen und den Prozess der SBSC-Erstellung exemplarisch für ein Großunternehmen durchzuführen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erhebung angewandt?
Für das Fallbeispiel der BMW AG wird die qualitative Methode der Dokumentenanalyse angewandt, bei der Geschäftsberichte und Nachhaltigkeitsberichte ausgewertet wurden.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der SBSC und deren praktische Anwendung durch die Auswahl einer strategischen Geschäftseinheit, die Ermittlung der Umweltexponiertheit sowie die strategische Ausrichtung von Kennzahlen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind die Sustainability Balanced Scorecard (SBSC), nachhaltige Wettbewerbsstrategien, Ursache-Wirkungs-Beziehungen und der Stakeholder-Ansatz.
Warum wurde gerade die BMW AG als Fallbeispiel gewählt?
Die BMW AG wurde gewählt, da sie als Premiumhersteller im Automobilsektor eine hohe ökologische und soziale Exponiertheit aufweist und umfangreiche Informationsgrundlagen in Form von Nachhaltigkeitsberichten bereitstellt.
Wird eine zusätzliche "Nicht-Markt-Perspektive" in die SBSC der BMW AG eingeführt?
Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass für die BMW AG keine zusätzliche Nicht-Markt-Perspektive erforderlich ist, da die relevanten Nachhaltigkeitsaspekte in die bestehenden vier klassischen Perspektiven integriert werden können.
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- Gerhard Bartl (Author), 2008, Nachhaltigkeit und Balanced Scorecard. Gestaltung und Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112840