Sätze, Äußerungen/ Morphologie, Syntax, Semantik und Pragmatik/ Textbegriff, Textsorten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
27 Seiten, Note: sehr gut +

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Text, Satz und Äußerung
2. 1. Textbegriff
a) Definition von Brinker
b) Definition von Heinemann-Viehweger
2. 2. Satz - Äußerung
2. 3. Textsorten

III. Syntax, Morphologie, Semantik, Pragmatik
3.1. Syntax
3.1.1. Syntaktische Operationen und Beziehungen
3.1.2. Grammatikmodelle der Syntax:
3.2. Morphologie
3.3. Semantik
3.3.1. Die traditionelle Semantik
3.3.2. Die strukturelle Semantik
3.3.3. Die generative Semantik
3.3.4. Die praktische (pragmatische) Semantik
3.4. Pragmatik
3.4.1. Sprechakttheorien von Austin und Searle

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Während die Grammatikmodelle der traditionellen und der strukturellen Syntax den Satz als grundlegende Beschreibungseinheit ansahen, führte die Entwicklung der Pragmatik in den siebziger Jahren zu der Erkenntnis dass sprachliche Kommunikation nicht in isolierten Sätzen stattfindet, sondern über die Satzgrenze hinausgeht, wodurch sich die Notwendigkeit einer erweiterten Sprachbeschreibung ergab. Die Größe Text“ ist somit zu einem zentralen Gegenstand von grammatischen Untersuchungen geworden.

In der vorliegenden Arbeit wird deshalb zunächst eine vorsichtige Definition der Begriffe „Text“, „Satz“ und „Äußerung“ versucht, mit dem Ziel, die Größe „Text“ von der Größe „Satz“ abzugrenzen. Anschließend sollen die verschiedenen Textsorten einer Klassifikation zugeordnet werden.

Der zweite große Teil dieser Darstellung soll einen Überblick über die „klassischen“ Arbeitsfelder der Linguistik (Syntax, Morphologie, Semantik und Pragmatik), ihre wissenschaftstheoretische und -historische Herleitung, sowie ihre Arbeitsweisen, Kategorien, Modelle und Methoden geben.

II. Text, Satz und Äußerung

2.1. Textbegriff

Es gibt in der Sprachwissenschaft keine allgemeingültige Definition des Begriffs „Text“. Stattdessen gibt es unterschiedliche Ansätze und Analyseverfahren, die sich teilweise widersprechen oder auch ergänzen.

Da es dennoch Regularitäten gibt, die für alle Texte gelten, erscheint der Versuch einer Begriffsbestimmung zumindest annähernd möglich.

a) Definition von Brinker

Laut Brinker bildet ein Text sowohl eine sprachliche als auch eine kommunikative Einheit[1]

- in sprachlicher Hinsicht:

Text ist eine Folge von sprachlichen Zeichen (signifié / signifiant), für die folgende Bedingungen gelten:

Die Satzfolge muss begrenzt sein. Textbegrenzungssignale können sowohl

- sprachliche ( z.B. Überschriften, Buchtitel, Einleitungs- u. Schlussformeln)
- als auch nichtsprachliche Zeichen ( Intonation, Sprechpausen) sein

Außerdem muss das Kriterium der Kohärenz muss gegeben sein und zwar

- sowohl in grammatischer Hinsicht (z.B. durch Wiederaufnahmesignale, Adverbien, Konjunktionen u.a.)
- als auch thematisch (durch logisch-semantische Relationen, die sich als sogenannter roter Faden durch den Text ziehen)

- in kommunikativer Hinsicht:

bildet eine kohärente Satzfolge nur dann einen Text, wenn sie innerhalb einer Kommunikationssituation eine kommunikative Funktion erfüllt (handlungsorientiert im Sinne der Sprechakttheorie). Mit Hilfe des Textes stellt der Verfasser nämlich eine kommunikative Beziehung zum Leser her, deren Charakter wesentlich von der Textsorte bestimmt ist.

- Der Zweck von Texten wird demzufolge von ihrer kommunikativen Funktion bestimmt, die sich sowohl unter grammatischen als auch unter thematischen Gesichtspunkten auf die Textproduktion auswirkt.

Diese Textdefinition umfasst nicht nur schriftliche sprachliche Gebilde sondern auch mündliche Äußerungen. Allerdings beschränkt Brinker seine Textdefinition auf den monologischen Text, da der für die vorgeschlagene Textdefinition grundlegende Begriff der kommunikativen Funktion primär auf den einzelnen Sprecher bzw. Schreiber bezogen ist, so dass die Anwendung des Textbegriffs auf dialogische Kommunikationen nach Brinkers Ansicht problematisch erscheint.[2]

b) Definition von Heinemann-Viehweger

Während die traditionelle Textdefinition eher von einer statischen Textauffassung ausgeht, verstehen sich Heinemann-Viehweger als Vertreter eines dynamischen Textanalysemodells, das mit dem Begriff Text auch das Gespräch mit einschließt :[3]

„Unter Texten werden Ergebnisse sprachlicher Tätigkeiten sozial handelnder Menschen verstanden, durch die in Abhängigkeit von der kognitiven Bewertung der Handlungsbeteiligten wie auch des Handlungskontextes vom Textproduzenten Wissen unterschiedlicher Art aktualisiert wurde, dass sich in Texten in spezifischer Weise manifestiert und deren mehrdimensionale Struktur konstituiert“.

Hinsichtlich der Textfunktion bedeutet das:

- Texte haben keine Bedeutung, keine Funktion an sich, sondern immer nur relativ zum Kontext und den Interaktionsteilnehmern.
- Texte sind somit auch nicht per se kohärent, der Textzusammenhang wird durch die Handlungsbeteiligten gestiftet und in der Textstruktur manifestiert. Innerhalb des Verstehensprozesses wirken Textinformationen und bereits vorhandenes Wissen eng zusammen.

- Kohärenz ist vom Produzenten intendiert, vom Rezipienten wird sie erwartet und im Prozess des Textverstehens Äußerungsfolgen zugeschrieben.

2.2. Satz - Äußerung

In gleicher Weise muss auch der Begriff „Satz“ nicht nur als eine Kategorie der Syntax gesehen werden, sondern ebenfalls als eine kommunikative Handlung.[4]

- in sprachlicher Hinsicht:

ist der Satz gemäß Brinker die unterste Grenze und zugleich wichtigste Struktureinheit eines Textes, die von einem Verb abhängig ist (Tesnière). Das Verb muss nicht explizit vorhanden sein, es kann auch aus dem Zusammenhang erschlossen werden. Man spricht dann von einem elliptischen Satz. Der Unterschied zwischen einer solchen grammatischen Satzdefinition und einem auf der Interpunktion beruhenden Satzbegriff lässt sich recht gut an dem folgenden Beispiel verdeutlichen:

Der Minister werde sich nicht entschuldigen, aber Fehler bei der Visa-Praxis einräumen.

Von der Interpunktion her gesehen liegt nur ein Satz vor; unter grammatischem Aspekt können wir aber zwei (Teil-) Sätze unterscheiden, wobei der letzte Satz durch die Konjunktion „aber“ angeschlossen ist. Subjekt und Prädikat des letzten Satzes sind nur implizit vorhanden, sie müssen gedanklich aus dem vorergehenden Satz ( „der Minister werde….“) entnommen werden.

- in kommunikativer Hinsicht:

ist der Satz laut Heringer[5] die kürzeste sprachliche Einheit mit deren Äußern wir eine vollständige sprachliche Handlung vollziehen können.

>> etwa der Ausruf “Feuer!”

Hingegen wäre “Feuer” in “Die hat doch kein Feuer” kein Satz, weil man damit keine vollständige sprachliche Handlung machen kann.

Als vollständige sprachliche Handlungen werden hier Handlungen angesehen wie Bestreiten, Antworten, Auffordern, Fragen, Unterstellen usw.

Nach dieser Definition kann ein Satz durchaus aus nur einem Wort bestehen, sofern er das Potential für eine Handlung beinhaltet. Die betreffende Handlung wird jedoch erst durch die Situation erkennbar.

Als Sätze gelten somit auch

Einwortsätze:Feuer!”,Hilfe!”;Igitt!”

Sie bestehen nur aus einem Wort und sind ganz eng an eine spezielle Situation gebunden, die bekannt sein muss.

Sie sind nicht auf alle Wörter übertragbar wie z. B. beim Imperativ , z. B. “Geh!”. Der Imperativ wird daher nicht zu dieser Gruppe gezählt, da er Subjekt und Objekt impliziert und auf alle Verben angewendet werden kann.

Formeln:Guten Appetit!”,“Prost Neujahr !”

Sie sind festgelegt auf ganz spezielle Handlungen, die wir genau kennen.

Kurzsätze:Da!”,ins Kino!”;Heute um elf !”

Es handelt sich hier um unvollständige Sätze, die aufgrund der Sprachökonomie auf ein Minimum reduziert wurden. Sie funktionieren nur im spezifischen Kontext.

Unterscheidung Satz-Äußerung

Der entscheidende Unterschied zwischen Satz und Äußerung besteht laut Heringer darin, dass der Satz als ein Element der Langue anzusehen ist, während die Äußerung als konkrete Realisierung eines Satzes in einem Kommunikationszusammenhang ein Element der Parole darstellt.

Ebenso formuliert auch Götze den Unterschied zwischen beiden Größen wie folgt:[6]

Äußerungen sind kommunikative Einheiten in der Sprache; ihre sprachlichen Realisierungen sind Sätze, die Gegenstand der Syntax (Satzlehre) sind. Texte bestehen nicht aus Wörtern, Wortgruppen oder Sätzen sondern aus Äußerungen. Äußerungen sind kommunikative Einheiten, Sätze dagegen ihre formalen (syntaktischen) Ausprägungen.

[...]


[1] Brinker, Klaus: Linguistische Textanalyse, Berlin 1985, S. 19f

[2] Ders. S.19

[3] Heinemann, Wolfgang / Viehweger, Dieter: Textlinguistik. Eine Einführung., Tübingen 1991, S. 126

[4] Brinker 1985, S. 22f

[5] Heringer, Hans-Jürgen: Wort für Wort. Interpretation und Grammatik; Stuttgart 1978; S. 25

[6] Götze, Lutz: Schüler-Wahrig/ Deutsche Grammatik; Gütersloh, München 2002; S. 30

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Sätze, Äußerungen/ Morphologie, Syntax, Semantik und Pragmatik/ Textbegriff, Textsorten
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Institut für Deutsch als Frendsprache)
Veranstaltung
Funktionelle Grammatik im Deutschen als Fremdsprache
Note
sehr gut +
Autor
Jahr
2005
Seiten
27
Katalognummer
V112854
ISBN (eBook)
9783640130887
ISBN (Buch)
9783640130948
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sätze, Morphologie, Syntax, Semantik, Pragmatik/, Textbegriff, Textsorten, Funktionelle, Grammatik, Deutschen, Fremdsprache
Arbeit zitieren
M.A. Christel Gisch (Autor), 2005, Sätze, Äußerungen/ Morphologie, Syntax, Semantik und Pragmatik/ Textbegriff, Textsorten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112854

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