Analyse von Schulbüchern des Faches Religion zur Darstellung des Islam


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
22 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Interreligiöses Lernen

3 Bezug zum Bildungsplan
3.1 Bildungsplan Grundschule
3.1.1 Katholische Religionslehre
3.2 Bildungsplan Hauptschule Werkrealschule
3.2.1 Evangelische Religionslehre
3.2.2 Katholische Religionslehre

4 Analyse von Schulbüchern
4.1 fragen – suchen – entdecken, Religion in der Grundschule 4
4.1.1 Allgemeines
4.1.2 Medien/Methoden
4.1.3 Religionspädagogischer Ansatz
4.1.4 Beurteilung der Wahrnehmungsmuster und Urteilsstrukturen
4.1.5 Bezug zum Bildungsplan
4.2 Das Kursbuch Religion 1, Ein Arbeitsbuch für den Religionsunterricht im 5./6. Schuljahr
4.2.1 Allgemeines
4.2.2 Medien/Methoden
4.2.3 Religionspädagogischer Ansatz
4.2.4 Beurteilung der Wahrnehmungsmuster und Urteilsstrukturen
4.2.5 Bezug zum Bildungsplan
4.3 Das Kursbuch Religion 2, Ein Arbeitsbuch für den Religionsunterricht im 7./8. Schuljahr
4.3.1 Allgemeines
4.3.2 Medien/Methoden
4.3.3 Religionspädagogischer Ansatz
4.3.4 Beurteilung der Wahrnehmungsmuster und Urteilsstrukturen
4.3.5 Bezug zum Bildungsplan

5 Schluss

1. Einleitung

Der Islam und damit verbunden der Dialog zwischen Christen und Muslimen rückt immer stärker in den Blickpunkt. Auf der einen Seite kann man immer mehr Bemühungen um Dialog und ein friedliches Miteinander beobachten. Dies kann man sowohl auf regionaler Ebene (Bsp.: Ausstellung im Linden-Museum Stuttgart von November 06-März 07, Gesprächsabende in christlichen Kirchengemeinden, Einführung des Modellversuchs „Islamischer Religionsunterricht an deutschen Grundschulen“ in Baden-Württemberg im letzten Schuljahr (2006/07)) als auch auf Bundesebene (Bsp.: Deutsche Islamkonferenz) sehen.

Die andere Seite ist aber die, dass der Islam die Religion ist, gegen die die meisten Vorurteile bestehen. Dies lässt sich zurzeit vermutlich vor allem auf die Terroranschläge im Namen des Dschihad zurückführen. Aufgrund dieser Vorurteile entsteht die Befürchtung, dass die Muslime zu großen Einfluss auf das öffentliche Leben in Deutschland erhalten könnten. Dabei wird aber nicht an die meist friedlichen Anhänger des Islams gedacht, sondern eben nur an die radikalen Gruppierungen, die den Dschihad zu einem Glaubenskampf und zu einem Kampf gegen die westliche Welt gemacht haben. Auch einige Einstellungen, Bräuche und Gewohnheiten der Muslime sind für Nicht-Muslime in Deutschland befremdlich. Dazu zählen z.B. das Verhältnis zwischen Mann und Frau (beispielsweise die patriarchalische Familienstruktur oder das Scheidungsrecht) und die allgemeine Rolle der muslimischen Frau in der Gesellschaft (beispielsweise das Tragen eines Kopftuchs).

Letztendlich ist es aber eine Tatsache, dass 3 %[1] der Bevölkerung von Deutschland Muslime sind. Muslime können uns also in fast allen Bereichen des Alltags begegnen, so auch in der Schule, sei es als Lehrer, als Schüler oder als sonstiger Mitarbeiter.

„Schule und schulische Medien sind in einer solchen Situation verstärkt gefordert, die Voraussetzungen einer vorurteilsfreien Wahrnehmung und eines interkulturellen Miteinander auszuloten, gerade angesichts der Tatsache, dass sich Islam und ‚westliche Moderne’ infolge verstärkter Migration immer stärker in unserem Lande begegnen.“[2] Deshalb ist es wichtig, dass die Schüler zumindest über ein Basiswissen über den Islam verfügen und ihre eventuell vorhandenen Vorurteile abgebaut werden, so dass sie in den Dialog mit Muslimen treten können. Und dieses Basiswissen sollte vor allem im Religionsunterricht erworben werden.

Darum möchte ich in der vorliegenden Arbeit verschiedene deutsche Schulbücher für das Unterrichtsfach Religion hinsichtlich der Darstellung des Islam analysieren. Dabei soll es um verschiedene Fragestellungen gehen, z.B. Wie wird der Islam dargestellt? Werden Vorurteile abgebaut oder noch verstärkt? Wie viel Raum nimmt das Thema Islam innerhalb des Schulbuches ein?

Um diese Fragen zu beantworten soll zunächst geklärt werden, was Interreligiöses Lernen bedeutet. Anschließend werde ich aufzeigen, wie der Bildungsplan für die Grundschule und der Bildungsplan für die Haupt- und Werkrealschule in Baden-Württemberg zum Thema Islam steht und welche Kompetenzen und Inhalte er zu diesem Thema vorschreibt. Abschließend werde ich verschiedene deutsche Schulbücher für das Fach Religion hinsichtlich der Darstellung des Islam nach bestimmten Kriterien analysieren.

In meiner Arbeit werde ich stets nur die männliche Form verwenden. Selbstverständlich ist aber immer auch die weibliche Form gemeint.

2. Interreligiöses Lernen

„I. [= Interreligiöse] Erziehung bezieht sich darauf, dass Begegnung, Verständigung und Kooperation schon früh päd. anzubahnen ist, um Feindbildern vorzubeugen und die verschiedenen Religionen mit ihrem jeweiligen Sinnangebot, in ihren gesch. und gesellschaftlichen Ausprägungen und mit den Menschen, die in ihnen leben, kennen- und achten zu lernen.“[3] Diesen Auftrag heißt es im Religionsunterricht zu erfüllen. Hierfür gibt es verschiedene Ansätze und Modellversuche, die diesem Anspruch gerecht werden wollen. Letztendlich sind sich aber die meisten Wissenschaftler aus diesem Bereich über grundsätzliche Aspekte des interreligiösen Lernens einig, auch wenn es sich dabei um ein komplexes Problem handelt. Im Folgenden werde ich diese grundsätzlichen Aspekte darstellen.

Die Schüler müssen zunächst einmal in ihrer eigenen Religion gefestigt werden und eine religiöse Identität erlangen. Sie sollten die wichtigsten Aspekte ihrer Religion bezüglich Religionsausübung, Glaubensinhalte usw. kennen, damit sie kompetent und glaubwürdig in den Dialog mit Anhängern anderer Religionen treten können. Dieser Dialog kann aber wiederum zu einem besseren Verständnis der eigenen Religion und zu einem neuen Zugang zu ihr führen. Im Dialog und in der Auseinandersetzung mit anderen Religionen können z.B. Fragen auftreten, über die sich der Schüler bisher keine Gedanken gemacht hat. Daraus folgt, dass interreligiöses Lernen aus diesen beiden Polen besteht: Entwicklung der eigenen religiösen Identität und Dialog mit Menschen, die eine andere Religion haben.[4]

Dieser Dialog ist somit eine Bedingung, damit interreligiöses Lernen möglich wird. Manche gehen sogar so weit, den Dialog als Grundform interreligiösen Lernens zu bezeichnen.[5] Der Dialog ist ein Mittel, damit interreligiöses Lernen nicht zur Religionskunde wird. Interreligiöses Lernen meint nämlich nicht eine reine Religionskunde über die Weltreligionen, die lediglich die Grundzüge der Religionen vermittelt und nicht zum kritischen Nachfragen und -denken anregt sowie nicht auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Religionen eingeht. Interreligiöses Lernen ist vielmehr ein Austausch, eine Annäherung der Religionen aufgrund der Gemeinsamkeiten, aber auch der Unterschiede, die toleriert werden müssen. Dafür steht auch das „Inter“. Es grenzt den interreligiösen Ansatz vom multireligiösen ab. Dieser „multireligiöse[..] Ansatz mag allenfalls Vielfalt vorzeigen, bleibt jedoch statisch. Ein interreligiöser ist an der dynamischen Entwicklung von Differenzbewusstsein und Perspektivenwechsel angesichts der Pluralität von Religion und an den Bezügen und Beziehungen zwischen den Religionen interessiert. Als seine Modi gelten Begegnung, Dialog und Konvivenz.“[6]

Damit die Schüler Interesse an der Beschäftigung mit anderen Religionen haben, sollte der Unterricht sich auf ihre Lebenswelt beziehen, indem ihre Fragen, Probleme, Erfahrungen usw. ernst genommen und in den Unterricht mit einbezogen werden.[7] Dies kann geschehen, indem der Lehrer Mitschüler oder Freunde der Schüler in den Unterricht einlädt und sie von ihrer Religion erzählen lässt und anschließend versucht einen Dialog zwischen den Religionen anzuleiten. Dabei ist es wichtig, dass man die Schüler vor dem Dialog dialogfähig macht. Das heißt, dass die Schüler bestimmte Frage- und Argumentationstechniken beherrschen und vor allem über die notwendige Toleranz verfügen, Menschen mit einer anderen Meinung zuzuhören und ihre Meinung zu akzeptieren, so dass nicht versucht wird anderen die eigene Meinung aufzudrängen.

So sollte das Ziel von interreligiösem Lernen sein, Einstellungen bei den Schülern zu fördern oder entstehen zu lassen, die ein Anderssein akzeptieren und tolerieren, vor allem im Bezug auf Religionen, so dass ein friedliches Miteinander der verschiedenen Religionen möglich wird. Dies ist angesichts einer pluralistischen Gesellschaft dringend notwendig. Speziell auf den Islam bezogen ist diese Notwendigkeit in den letzten Jahren durch verstärkte Migration von Muslimen in Deutschland immer deutlicher geworden. Allerdings sollte dabei darauf geachtet werden, dass vorherrschende Konflikte nicht ignoriert oder unterdrückt werden und somit die Illusion entsteht, dass Verständnis füreinander immer möglich sei. Diese Gefahr besteht laut Jäggle vor allem in der Grundschule, in der ein „empirisch festgestellte[s] Harmoniebedürfnis“[8] herrscht.[9]

Schulbücher spielen eine große Rolle beim interreligiösen Lernen, da sie oft „die ‚Lehrer der Lehrer’ und ein maßgeblicher Faktor der Unterrichtsgestaltung“[10] sind. Außerdem können Schulbücher, so Lähnemann, „ein Schlüssel für den internationalen pädagogischen und interreligiösen Dialog sein“[11]. Das heißt, Schulbücher zeigen unter anderem, wie die Religion in dem jeweiligen Land, in dem das Schulbuch herausgegeben wird, wahrgenommen wird und welchen Stand die theologische und pädagogische Wissenschaft dort hat.[12]

3. Bezug zum Bildungsplan

In diesem Kapitel möchte ich mit Hilfe des aktuellen Bildungsplans von Baden-Württemberg für die Grundschule sowie für die Hauptschule und Werkrealschule begründen, warum das Thema Islam ein fester Bestandteil des evangelischen und katholischen Religionsunterrichts ist. Dabei werde ich mich nur auf die Bereiche des Bildungsplans beziehen, die für die nachfolgende Analyse der Schulbücher relevant sind.

3.1 Bildungsplan Grundschule

3.1.1 Katholische Religionslehre

Zu den „Ziele[n] und Aufgaben des katholischen Religionsunterrichts“[13] gehören laut Bildungsplan unter anderem: „Der katholische Religionsunterricht erschließt die religiöse Dimension des Menschseins. Das bedeutet unter anderem:

- […]

- er trägt dazu bei, anderen Religionen und Kulturen achtsam zu begegnen, und verhilft zu einem ethisch verantwortungsvollen Handeln.“[14]

Unter dem Stichpunkt „Kompetenzen“[15] führt der Bildungsplan als „Fachkompetenz“ auf: „Dadurch dass sie Grundzüge ihrer eigenen Religion und Konfession kennen, können sie sich offen mit den Inhalten und Ausdrucksformen anderer Religionen auseinander setzen. Dadurch werden sie befähigt, Achtung und Verständnis gegenüber Menschen mit anderen Lebensdeutungen zu entwickeln.“[16]

[...]


[1] Auswärtiges Amt, Stand Oktober 2006.

[2] Ihtiyar/ Jalil/ Zumbrink 2004, S. 224.

[3] Lähnemann 2001, S. 207.

[4] vgl. Scheilke 2003, S. 111f.

[5] vgl. Scheilke 2003, S. 109.

[6] ebd, S. 109.

[7] vgl. Gress 2003, S. 29.

[8] Jäggle 2002, S. 408.

[9] vgl. ebd, S. 408.

[10] Lähnemann 2004, S. 43.

[11] ebd, S. 43.

[12] vgl. ebd, S. 43.

[13] Bildungsplan Grundschule 2004, S. 32.

[14] ebd, S. 32.

[15] ebd, S. 32f.

[16] Bildungsplan Grundschule 2004, S. 33.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Analyse von Schulbüchern des Faches Religion zur Darstellung des Islam
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Veranstaltung
Interreligiöse Dialoge auf Abrahams Spuren
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V112859
ISBN (eBook)
9783640125500
ISBN (Buch)
9783640126361
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Schulbüchern, Faches, Religion, Darstellung, Islam, Interreligiöse, Dialoge, Abrahams, Spuren
Arbeit zitieren
Silvia Armbruster (Autor), 2007, Analyse von Schulbüchern des Faches Religion zur Darstellung des Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112859

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