Transferwesen im Fußball. Die Einflussnahme der Spielerberater


Hausarbeit, 2020

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung
2.1 Spielerberater
2.2 Spielervermittler
2.3 Vergleich zwischen Spielerberater und Spielervermittler

3. Karriere als Spielerberater
3.1 Altes Lizenzierungssystem
3.2 Neue Regelung und aktuelle Zahlen

4. Aufgabenbereich eines Spielerberaters
4.1 Verhältnis zum Klienten
4.2 Rolle in einem Transfer

5. Entwicklung des Einflusses
5.1 Anfänge der Spielerberater
5.2 Einfluss des Bosman-Urteils
5.3 Einfluss auf dem Transfermarkt
5.4 Das Image eines Spielerberaters

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Eigene Darstellung zum Vergleich Spielervermittler und Spielerberater aus den Quellen

Abbildung 2: Anteil ausländischer Spieler in der 1. Fußball-Bundesliga von 1995/1996 bis 2019/2020

Abbildung 3: Zahlungen der Vereine an Spielervermittler 2015/2016

Abbildung 4: Höhe der gezahlten Spielervermittler-Honorare pro Liga

1. Einleitung

Der Fußball genießt nicht nur in Deutschland, sondern auch in sehr vielen anderen Ländern eine Vormachtstellung. Fußball ist eine einfach zu praktizierende Sportart. Man braucht nur einen Ball, um zu spielen. Diese Seite des Fußballs ist die reine und pure Form des Sports. Auf der anderen Seite gibt es den professionellen Fußball. Wie es so ist, fließt im Profibereich enorm viel Geld. Viele Vereine sind im Besitz von sehr reichen Menschen. Diese Besitzer stellen eine ausgesprochen große Menge an finanziellen Mitteln zur Verfügung, damit ihr Verein konkurrenzfähig sein kann. In den letzten Jahren ist es offensichtlich geworden, wie viel Geld im Fußball fließt. Einen Blick auf die Transferrekorde unterstützt diese Annahme. Im Jahr 2013 fand der erste 100 Millionen Euro Transfer statt, als Gareth Bale von Tottenham Hotspurs zu Real Madrid wechselte. Ab 2016 stieg die Anzahl solcher Transfers stetig an. Seit 2016 wird beinahe jährlich für mindestens einen Spieler mehr als 100 Millionen Euro in Ablösesumme gezahlt. Den vorläufigen Höhepunkt stellen die Einkäufe von Neymar und Kylian Mbappé dar. Der FC Paris-Saint-Germain zahlte 2017 222 Millionen Euro für Neymar. Bei Mbappé wurde ein anderes Modell für die Bezahlung gewählt, da sonst der Verein gegen Regelungen der UEFA verstoßen hätte. Mbappé wurde für die Saison 2017/2018 von seinem Club AS Monaco zunächst nur ausgeliehen. In der Sommertransferperiode 2018 konnte Paris­Saint-Germain ihn schlussendlich für 180 Millionen Euro verpflichten.

Einer der wohl bekanntesten 100 Millionen Transfers ist wahrscheinlich Paul Pogbas Wechsel von Juventus Turin zu Manchester United im Jahr 2016. Manchester United zahlte 105 Millionen Euro für ihn. An dem Transfer wurde sehr lange gearbeitet, weil sich die teilnehmenden Parteien nicht einigen konnten. Eine besonders wichtige Partei in diesem Transfer-Deal war Paul Pogbas Berater Mino Raiola. Es wird berichtet, dass er von den 105 Millionen Euro Ablösesumme eine sehr hohe Summe als Provision für sich ausgehandelt haben soll. Pogba ist nicht sein einziger Klient, denn Mino Raiola berät auch andere Fußballstars wie Zlatan Ibrahimovic, Romelu Lukaku und Henrikh Mkhitaryan. Auch mit diesen Spielern verdient Raiola enorm viel Geld. Raiola ist jedoch nicht der einzige mächtige Spielerberater. Jorge Mendes berät beispielsweise Cristiano Ronaldo und sogar José Mourinho.

Die Szene der Spielerberater hat sich heutzutage sehr geändert, noch vor 30-40 Jahren waren sie kaum benötigt. Über dem Lauf der Zeit nahmen ihre Wichtigkeit und ihr Einfluss allerdings zu. Mit steigendem Einfluss und der Zunahme an Wichtigkeit von Geld im Fußball, gibt es auch für Nicht-Aktive-Spieler und Trainer die Möglichkeit in das Fußball-Business einzusteigen. Die Rolle des Spielerberaters bietet das an.

Diese Arbeit soll darstellen, wie der Einfluss der Berater im Fußball über den Lauf der Zeit zugenommen hat. Zuerst soll der Begriff des Spielerberaters und des Spielervermittlers erklärt werden. Anschließend wird ein Vergleich zwischen den beiden Rollen gezogen, da die Begriffe Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede aufzeigen. Ferner wird ein Überblick über die Karriere eines Spielerberaters dargestellt. Weiter werden die Aufgabenbereiche eines Spielerberaters untersucht und dargestellt. Darunter fällt unter anderem beispielsweise die Beziehung zum Spieler und seine Rolle in einem Transfer. Den letzten Teil des Hauptteils bildet die Entwicklung des Einflusses der Spielerberater. Hier wird ein Blick auf die Anfänge der Spielerberatung, sowie verschiedene Einflüsse, die die Notwendigkeit für Berater erhöht haben, geworfen. Abschließend wird das mediale Image der Spielerberater thematisiert.

2. Begriffserklärung

Im folgenden Abschnitt werden die Begriffe Spielerberater und Spielervermittler erklärt. Anschließend werden die Begriffe auf Übereinstimmungen und Unterschiede verglichen.

2.1 Spielerberater

Der Spielerberater ist im modernen Fußball ein existentieller Partner für den Profifußballer (vgl. CISCHINSKY, 2013, S. 13). Sie unterstützen den Sportler beinahe über ihre komplette Karriere (vgl. EISENBERGER, 2006, S. 46). Die Hauptaufgabe des Spielerberaters ist es den Transfer des Spielers von dem abgebenden Verein zum aufnehmenden Verein zu vermitteln (vgl. POLI et al., 2012, S. 4). Der Aufgabenbereich des Beraters umfasst aber nicht nur die Arbeitsvermittlung des Klienten. Die Aufgaben des Beraters sind äußerst facettenreich (vgl. POLI et al., 2012, S. 4). Mit einer gewissen „Serviceorientiertheit“ wollen, laut PARENSEN in GALLI (2013), Spielerberater mit „strategischem Interesse“ ihr Portfolio erweitern und weiterhin aufrecht halten (S. 658). Zu den klassischen Vermittleraufgaben, wie Transfer- und Vertragsverhandlungen (vgl. BÖLZ, 2015, S. 93), kommen nach PARENSEN in GALLI (2013) auch eher „pragmatischere“ (S. 658f.) Aufgaben dazu. Praktische Aufgaben schließen beispielsweise die Unterstützung bei der Wohnungssuche und Begleitung zu Behördengängen ein (vgl. S. 658f.). Auch gibt es weitere Zusatzdienstleistungen, die zum Beispiel Unterstützung bei der Spielervermarktung, Hilfe bei der Öffentlichkeits- und Pressearbeit, Vermögensverwaltung, juristische Beratung und Hilfe bei der Sponsorenverwaltung einschließt (vgl. ANDRYSIK, 2010, S. 7f). Basierend auf diesen Zusatzdienstleistungen bezeichnet JUNGHEIM (2005) den Spielerberater auch als einen ,Künstleragent‘ (S. 147-150). Der Spielerberater ist ein Vermittler und Manager (vgl. o.D., o.J., Willkommen zu unserem Talentpool). Damit ein Spielerberater erfolgreich arbeiten kann, muss er zu jeder Zeit seriös handeln. Das bedeutet, dass er seine persönlichen Interessen zurückstellt und nur die beste Lösung für den Spieler sucht sowie dessen Interessen optimal vertritt (vgl. STEENBOCK, 2014, S. 32 und S. 36). Ein guter Spielerberater zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Netzwerk, dass er auch regelmäßig pflegt, aus. Des Weiteren sticht ein Berater heraus, wenn er ausgeprägte Kenntnisse über den Fußball vorweisen kann. Diese Kenntnisse sind von Vorteil, wenn es darum geht den Klienten bei einem neuen Verein unterzubringen. Wenn der Berater einen Überblick über Positionsbedarf oder taktische Ausrichtung von anderen Mannschaften hat, kann er dementsprechend schneller reagieren, wenn sein Klient einen neuen Verein suchen will oder Spieler bei anderen Vereinen verkauft werden und somit wieder Bedarf entsteht (vgl. BAIDIN, 2018, S. 49f.). Ein Berater kann mit diesen Kenntnissen und seiner Erfahrung in Verhandlungen vor allem junge Spieler für sich gewinnen, da diese sich in der Fußballwelt noch nicht auskennen und Hilfe brauchen.

2.2 Spielervermittler

Ein Spielervermittler ist eine Person, die regelmäßig ein Entgelt bekommt, wenn sie einen Spieler zu einem Verein transferiert (vgl. FIFA, 2007, ROHR, 2012, S. 3207 und Willkommen zu unserem Talentpool). Er bringt beide Parteien (Spieler und aufnehmender Verein) bei einem Transfer zusammen (vgl. FIFA, 2007, S. 4). Die rundlegende Aufgabe der Spielervermittler ist, dass sie dem Spieler einen neuen Verein suchen und ihn dort unterbringen können. Dazu kommt die Aufgabe des Neuverhandelns bei einer Vertragsverlängerung (vgl. PARENSEN in GALLI, 2013, S. 657). BAIDIN (2018) stellt die Spielervermittler mit „Immobilienmakler“ gleich (S. 26). Wenn ein Spieler wechselwillig ist, kontaktiert sein Verein oder er selbst den Vermittler (vgl. JUNGHEIM, 2005, S. 147 und STEENBOCK, 2014, S. 44). Der Vermittler verhandelt bei den Transfergesprächen mit beiden Vereinen. Anschließend verhandelt er mit dem betroffenen Spieler den Arbeitsvertrag (vgl. PARENSEN in GALLI, 2013, S. 657f.) aus. Auch der Spielervermittler kann mit Marktkenntnissen sein Ansehen erhöhen. Die „Spielervermittlung beruht meistens auf einer systematischen Marktbeobachtung“ (PARENSEN in GALLI, 2013, S. 657). Das heißt, der Vermittler hat jederzeit den Markt im Überblick und kann aktiviert werden sobald ein Spieler oder ein Verein seine Hilfe benötigt.

2.3 Vergleich zwischen Spielerberater und Spielervermittler

Zwar haben die Begriffe Spielerberater und Spielervermittler viele Überschneidungen, vor allem in der vermittelten Tätigkeit, jedoch gibt es auch Unterschiede, die die jeweiligen Begriffe auszeichnen (vgl. HEIDTKE, 2013, S. 70).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unterschiede wie, dass der Spielervermittler ausschließlich vermittelnde Aufgaben hat und außerdem nur für zwei Jahre angestellt werden kann. Im Gegensatz dazu arbeiten Spielerberater deutlich länger mit ihren Spielern, zwar vermitteln sie auch, aber sie bieten auch Zusatzdienstleistungen an. Der Spielerberater ist somit vielseitiger als der Spielervermittler. In Bezug auf die Vergütung, sind auch Unterschiede zu erkennen. Der Spielervermittler bekommt seine Provision erst wenn der Transfer erfolgreich abgeschlossen ist, wohingegen der Spielerberater einen prozentualen Anteil des Gehalts (vgl. BAIDIN, 2018, S. 28) verdient. Auch im Aspekt der Verträge gibt es Unterschiede. Spielerberater können auch ohne einen festen Vertrag einen Spieler betreuen. In Wirklichkeit gibt es keine genau zutreffenden Definitionen für beide Begriffe (vgl. STEENBOCK, 2014, S. 43). Die Begriffe weisen zwar manche Unterschiede auf, jedoch sind sie tatsächlich eng verbunden. Ein Spielerberater ist heutzutage im Grunde auch ein Spielervermittler (vgl. BAIDIN, 2018, S. 28). Aus diesen Gründen werden die Begriffe Spielerberater und Spielervermittler in der restlichen Arbeit gleichgesetzt. Der Begriff Spielerberater wird fortan für beide Begriffe stehen.

3. Karriere als Spielerberater

Die Spielerberaterbranche ist sehr beliebt. Vor allem ist die Vorstellung durch einen Millionen-Transfer eine große Provision zu verdienen sehr verlockend. Grundsätzlich ist ein Studium keine Voraussetzung, um in die Spielerberaterbranche einzusteigen. Hingegen bringen umfassende Sprachkenntnisse einen Vorteil. Als Berater sollte man mindestens Englisch sprechen können. (vgl. POLI et al., 2012, S. 3). Entscheidet man sich jedoch für ein Studium, bieten Studiengänge wie Fußballmanagement, Sportmanagement, Sportökonomie und BWL-Sportmanagement ideale inhaltliche Grundlagen um vorbereitet in den Beruf einzusteigen (vgl. myplayeragent.com). Viele ehemalige Fußballer möchten nach ihrer aktiven Karriere dem Fußball treu bleiben. Die Beratertätigkeit ist eine naheliegende Branche, da ehemalige Spieler vor allem ihre Erfahrung authentisch teilen können. Auch haben sie ein bereits existierendes Netzwerk, auf welches sie zurückgreifen können (vgl. CALMUS, 2014, S. 5-7). Des Weiteren wollen viele Personen ihr Hobby, Fußball, zum Beruf machen und sehen den Einstieg als Spielerberater als eine Chance Teil der Branche zu werden, da es mittlerweile sehr einfach geworden ist sich als Spielerberater zu registrieren (vgl. CALMUS, 2014, S. 5­7). Um Spielerberater/-vermittler zu werden, gab es bis 2015 ein Lizenzierungssystem. Seit dem 1. April 2015 wurden neue Regelungen eingeführt, die nachfolgend genauer erläutert werden.

3.1 Altes Lizenzierungssystem

Das Lizenzierungssystem der FIFA gab den Verbänden vor, eine Lizenz zu vergeben. In Deutschland war zudem eine Prüfung notwendig. Eine natürliche Person, die sich zur Prüfung anmelden wollte, musste folgende Voraussetzungen und Kriterien erfüllen:

- Mindestens zwei Jahre in Deutschland leben
- Oder EU-Bürger mit Wohnsitz in Deutschland (vgl. CALMUS, 2014, S. 4)
- Überweisung von 250€ Teilnehmergebühr
- Abgabe von zwei Passbildern
- Polizeiliches Führungszeugnis (vgl. SCHNEIDER, 30. September 2010)
- Vorweis, dass man keine Position oder ähnliches bei der FIFA hat (FIFA, 2007, S. 10)

Die Person musste sich beim jeweiligen Verband anmelden und einen Multiple-Choice­Test ablegen. Abgefragt wurden die Bestimmungen folgender wesentlicher Bereiche im Fußball:

- Bestimmungen im Transferwesen
- Kenntnisse des Zivilrechts
- Kenntnisse des Obligationsrecht (vgl. FIFA, 2007, S. 10)

Die Prüfungen wurden für den März und September terminiert. Die Durchfallquote für die Prüfungen war verhältnismäßig hoch und belief sich häufig auf 75%-85%, da der Lernstoff sehr umfangreich war (vgl. SCHNEIDER, 30. September 2010). Beim Bestehen der Prüfung wurde dem Teilnehmer ein Kodex der Berufsethik zugeschickt, den er unterschrieben an seinem Verband zurückschicken sollte, damit er offiziell als Vermittler/Berater registriert werden kann (vgl. FIFA, 2007, S. 12). Dieses Verfahren war bis zum 30. März 2015 aktiv bevor es ersetzt wurde.

3.2 Neue Regelung und aktuelle Zahlen

Am 1. April 2015 wurde dieses alte Lizenzierungssystem abgeschafft, da die FIFA sich dazu entschied Spielervermittler den Einstieg in die Branche zu erleichtern, indem sie den Besitz einer Lizenz nicht mehr als Voraussetzung ansah. Somit müssen sich Neulinge nicht mehr einer Prüfung unterziehen (vgl. GRIMMER, 2016, S. 235). Es ist nur noch eine Registrierung beim Verband notwendig. Beim DFB kann sich ein neuer Berater im Vermittlungsregister registrieren beziehungsweise vorregistrieren lassen. Dort müssen die Berater/Vermittler eingetragen sein, wenn es zu einer Transaktion kommt. Der Spieler oder einer der Vereine muss den Berater dort anmelden. Der Verein oder Spieler muss folgende Formulare und Erklärungen an die DFB-Zentralverwaltung und an spielervermittlung@dfb.de versenden:

- Vollständig ausgefülltes Antragsformular mit Unterschrift
- Verbindliche Vermittlererklärung
- Führungszeugnis des Vermittlers (nicht älter als drei Monate)
- Den Vermittlungsvertrag zwischen den Parteien der Transaktion (vgl. DFB, Registrierung, 6. Juli 2017)

Außerdem fällt eine Registrierungsgebühr von 500 Euro an (vgl. DFB, Registrierung, 6. Juli 2017).

Eine andere Art sich registrieren zu lassen ist die Vorregistrierung. In diesem Fall kann sich der Vermittler selbst registrieren. Die Vorregistrierung dient dazu, um im Falle einer Transaktion bereits registriert zu sein und der Verein/Spieler den Berater nicht selbst anmelden muss. Der Berater kann sich jährlich am Ende der Wechselperiode II (Wintertransferperiode) bei der DFB-Zentralverwaltung anmelden, indem er das ausgefüllte Antragsformular, die Vermittlererklärung und ein Führungszeugnis an spielervermittlung@dfb.de versendet (vgl. DFB, Registrierung, 6. Juli 2017). Auch hier fällt eine 500 Euro Anmeldegebühr an. Der Berater ist für ein Spieljahr vorregistriert und Spieler sowohl als auch Vereine können ihn bei Transfers aktivieren. Mithilfe der Vorregistrierung können die Vereine und Spieler auf das Vermittlerregister zurückgreifen, um sich einen Überblick auf aktive Berater/Vermittler zu verschaffen.

Dieses neue System hat zur Folge, dass kein Berater mit einer Lizenz arbeitet. Bis 2015 durften nur Angehörige oder Rechtsanwälte ohne Lizenz die Beratertätigkeit ausüben (vgl. CISCHINSKY, 2013, S. 14). Trotzdem gaben in der CIES-Studie, eine Studie über Spielerberater in den europäischen Topligen (POLI et al, 2012), 23% aller Befragten Spielerberater an, dass sie ihre Karriere ohne Lizenz begonnen hätten. In Deutschland war der Anteil sogar bei 31% (S. 9).

Die Anzahl an Spielerberater steigt heutzutage weiter an. Im Juli 2017 gab es 756 registrierte Spielerberater in Deutschland bei 1031 Profispielern (So funktioniert das Geschäft der Spielerberater, 2017). Laut Transfermarkt gibt es im Jahr 2020 1194 Spielerberater, die in Deutschland lizenziert beziehungsweise registriert wurden. Auffällig ist, dass in Deutschland der Markt überschwemmt ist, eben weil jede Person Spielerberater werden kann. Für jeden Profifußballer (1., 2. Bundesliga und 3. Liga) gibt es mindestens einen Spielerberater. Andere Länder wie Spanien oder England haben deutlich weniger registrierte Berater.

4. Aufgabenbereich eines Spielerberaters

Im folgenden Abschnitt wird der Aufgabenbereich des Spielerberaters vorgestellt. Zum einem wird das Verhältnis zu seinem Spieler und welche Leistungen er ihm anbietet und zum anderen welche Rolle er in einem Transfer einnimmt, genauer betrachtet.

4.1 Verhältnis zum Klienten

Ein seriöser Berater arbeitet eng mit seinen Spielern zusammen (vgl. BÖLZ, 2015, S. 94). Er ist für den Spieler ein wichtiger Partner, da sie zusammen langfristig arbeiten können (vgl. CISCHINSKY, 2013, S. 13f. und Der jüngste Spielerberater der Bundesliga packt aus!, 7. Juli 2016). Ihre zentrale Aufgabe ist es, wie in 2.1 erwähnt, dem Spieler bei einem Transfer zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass er einen neuen Arbeitsvertag bekommt. In 2.1 wurde überdies erwähnt, dass ein Spielerberater auch Zusatzdienstleistungen anbietet und bei Fragen zum Beispiel bezüglich der Vermögensverwaltung, Öffentlichkeitsarbeit und Sponsoring unterstützend zur Seite steht (vgl. BÖLZ, 2015, S. 94). Auch helfen sie neu transferierten Spielern bei Behördengängen und bei der Wohnungssuche, wenn die Spieler in ein neues Land oder in eine neue Stadt umziehen müssen (PARENSEN in GALLI, 2013, S. 658f.). Wenn ein Spieler Probleme hat ist der Berater zudem eine Anlaufstelle, damit er Lösungen finden kann. Angenommen sein Klient ist in der Mannschaft unzufrieden, dann kann der Berater mit dem Trainer reden und versuchen mögliche Probleme zu lösen (STEENBOCK, 2014, S. 50f). Der Spielerberater wird häufig als „Full-Service-Agentur“ (GRIMMER, 2016, S. 234) oder „Allround-Beratung“ (STEENBOCK, 2014, S. 50f) bezeichnet. Laut der CIES- Studie (POLI et al, 2012), unterstützen 46% der damals befragten Berater ihre Spieler in privaten Angelegenheiten (S. 4). Somit entspricht laut der CIES-Studie das Image eines ,Baby-Sitter‘ nicht ganz der Wahrheit (S. 70), da doch nicht alle Berater ihren Spielern umfassende Zusatzdienstleistungen anbieten.

Das Verhältnis Spieler und Berater basiert auf Vertrauen und Seriosität. Vor allem junge Spieler suchen sich einen Berater, dem sie vertrauen können, da die Spielerberater in der Regelviel Erfahrung mit sich bringen (vgl. STEENBOCK, 2014, S. 32 und S. 36). Spielerberater können sowohl ohne als auch mit Vertrag im Verhältnis zum Spieler stehen. Der Berater wird mit einem Honorar bei der Vertragsverhandlung und mit einer Provision der Transfersummer bezahlt (vgl. CALMUS, 2014, S. 8).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Transferwesen im Fußball. Die Einflussnahme der Spielerberater
Hochschule
Hochschule für angewandtes Management
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V1128707
ISBN (eBook)
9783346493514
ISBN (Buch)
9783346493521
Sprache
Deutsch
Schlagworte
transferwesen, fußball, einflussnahme, spielerberater
Arbeit zitieren
Angelo Petrone (Autor:in), 2020, Transferwesen im Fußball. Die Einflussnahme der Spielerberater, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128707

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