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Mephisto - Eine Karriere

Title: Mephisto - Eine Karriere

Seminar Paper , 2008 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Bruno Desse (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Geschichte von Mephisto ist die einer beispiellosen Karriere. Die Karriere eines der berühmtesten Romane der Nachkriegszeit, mit seiner bedeutungsschwangeren Aufladung eines deutschen Künstlerdiskurses durch eines der düstersten Kapitel der jüngsten Geschichte sowie deutlichen Bezügen zu realen Personen. Die Karriere des Protagonisten Hendrik Höfgen, der in der Rolle von Mephisto seinen endgültigen Durchbruch erzielt, damit aber auch ein für allemal selbst mit dem Teufel paktiert. Die Karriere eines gefeierten Films, durch den auch der Hauptdarsteller Klaus Maria Brandauer ironischerweise internationale Bekanntheit erlangte. Die Karriere von Gustaf Gründgens, die in ihrer Art in Deutschland gewiss einzigartig ist. Aber auch nicht zuletzt die Karriere von „Mephisto“ selbst: dieses personifizierte Prinzip des Bösen, des Gegenspielers, aber auch des Verführers und Paktierers ist mindestens so alt wie die Menschheit.

Diese Untersuchung möchte sonach einerseits den charakteristischen Werdegang eines Künstlers beleuchten, der immensen Erfolg hat, doch dafür auch einen hohen Preis zahlt. Die Persönlichkeit, die Klaus Mann in seinem Roman Mephisto zeichnet, ist dabei zunächst ein Typus: des Opportunisten, des Erfolgsmenschen, des Karrieristen. Anhand dieser Typik soll ein Lebens- und Künstlerdiskurs im Verhältnis von Mitläufern, Mächtigen und Migranten während des Dritten Reiches und seiner Entstehungszeit aufgezeigt werden. In diesem Spannungsfeld kondensiert der Roman in literarischer Form die gesellschaftliche Verantwortung des Einzelnen, seine eingenommene bzw. aufgezwungene Stellung innerhalb einer bestimmten Machtkonstellation, sein Vermögen und seinen Willen, „die Dinge zum Guten zu wenden.“ Die Thematik des Paktes, also dem Aufbau und der Fruchtbarmachung blutbefleckter Beziehungen, die weit über der reinen Duldung des Machtapparates anzusiedeln ist und damit der – inneren wie äußeren – Emigration diametral entgegensteht, nimmt dabei einen zentralen Aspekt ein.
Andererseits geht dieser Themenkomplex weit über das literarische Spiel hinaus. Damit ist keineswegs ein platter Hinweis auf den Realitätsbezug, den (auto)biographischen oder gesellschaftlichen Einschlag usw. in der Literatur gemeint. Vielmehr erreicht das Verhältnis von Wirklichkeitsbrechung und Fiktionalität im und mit Mephisto eine einzigartige Qualität.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Mitläufer, Mächtige und Migranten im Nationalsozialismus

3. Goethe, Gründgens, Göring, Mann: ein faustsches Who’s Who

4. Des Pudels Kern: Wirklichkeitsbrechung und Fiktionalität

5. Schlusswort

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht den Roman „Mephisto“ von Klaus Mann unter dem Aspekt des charakteristischen Werdegangs eines Künstlers, der für seinen Erfolg gesellschaftliche Kompromisse eingeht. Dabei analysiert der Autor die Verschränkung von literarischer Fiktion und historischer Realität sowie das Spannungsfeld zwischen Opportunismus, Macht und moralischer Verantwortung während des Nationalsozialismus.

  • Die Analyse des Künstler-Typus zwischen Opportunismus und Erfolg
  • Die Verflechtung von Mitläufern, Mächtigen und Migranten
  • Die Rolle des faustischen Paktes im Roman
  • Das Verhältnis von Wirklichkeitsbrechung und Fiktionalität
  • Die Auswirkungen der filmischen Adaption auf die Wahrnehmung des Stoffes

Auszug aus dem Buch

3. Goethe, Gründgens, Göring, Mann: ein faustsches Who’s Who

Bei der Betrachtung obiger Machtkonstellationen fällt einerseits auf, dass es gar nicht so einfach zu klären ist, wer denn nun eigentlich „Mephisto“ ist. Und andererseits, dass die Verquickung von realen und fiktionalen Sachverhalten und Personen ein ziemliches Dickicht bildet.

Auf den ersten Blick scheint alles ziemlich einfach: Hendrik Höfgen spielt den Mephisto. Unverkennbar besitzt er außerdem typische Charaktereigenschaften des Teufels: seine Überheblichkeit. Seinen Schalk. Seine Nonchalance gegenüber fremden Schicksalen und schlechter Gestellten. Seine Skrupellosigkeit. Seine aalglatte Art. Sein Talent zu verführen. „Er ist ganz gewissenlos“, „die Inkarnation des Bösen“, der Mephisto ist „seine“ Rolle, und nicht umsonst wird er vom „Ministerpräsidenten“ auch meistens Mephisto genannt.

Aber wer schließt dann den Pakt? Bzw. wer schließt ihn mit wem? Es darf ja schließlich ernsthaft bezweifelt werden, ob wirklich „der Schauspieler die Macht verführt“. Ist es nicht vielmehr der Schauspieler, der einen Bund mit dem Teufel eingeht? Doch wer ist dieser Teufel? Ist es das System als Ganzes, das Böse, das „so stark ist“? Eine durchaus nachvollziehbare Sichtweise. Die Tötungs- und Terrormaschinerie des Nationalsozialismus als „Inkorporation des Bösen“ zu sehen, als Teufel, der die erblindete Menschheit in einer aberwitzigen Todesfuge unaufhörlich Gräber ausheben lässt, fällt leichter, als die letzten Endes eher klägliche Figur Höfgens dafür zu halten.

Da wäre dann noch der Ministerpräsident. Er hat vom Höllenfürsten die Verschlagenheit, die Unberechenbarkeit, die Leutseligkeit, die so merkwürdig mit Misanthropie gepaart ist, den undurchdringlichen, pathetischen Nimbus. Er ist es auch schließlich, der den Pakt mit Höfgen besiegelt.

Es handelt sich wohl letzten Endes um eine Mischung. Der Ministerpräsident ist es, der als Teufel den Pakt mit dem Schauspieler beschließt; doch er ist nur der personifizierte Vertreter des Bösen. Er stattet den Verdammten mit den Vorteilen aus, den jener durch den Verkauf seiner Seele gewinnt: Ruhm, Einfluss, Popularität. Doch die Insignien seiner Macht sind ihm durch das nationalsozialistische Regime als Ganzes verliehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Der Autor führt in die Thematik der „Mephisto“-Karriere ein und erläutert die Ambivalenz zwischen literarischer Figur und historischer Vorlage.

2. Mitläufer, Mächtige und Migranten im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel untersucht Klaus Manns Kritik am Opportunismus von Künstlern im Dritten Reich anhand des Romans und realhistorischer Bezüge.

3. Goethe, Gründgens, Göring, Mann: ein faustsches Who’s Who: Es wird analysiert, wer die Rolle des Mephisto im Pakt einnimmt und wie das Geflecht aus realen Personen und fiktiven Rollen konstituiert ist.

4. Des Pudels Kern: Wirklichkeitsbrechung und Fiktionalität: Der Autor beleuchtet den Wechsel von der literarischen Ebene zur filmischen Umsetzung und deren Einfluss auf die medientheoretische Wirkung.

5. Schlusswort: Eine abschließende Betrachtung der anhaltenden Relevanz von „Mephisto“ als kritischer Beitrag zur gesellschaftlichen Verantwortung des Einzelnen.

Schlüsselwörter

Mephisto, Klaus Mann, Gustaf Gründgens, Hendrik Höfgen, Nationalsozialismus, Karriere, Opportunismus, Fiktionalität, Wirklichkeitsbrechung, Pakt, Macht, Künstlertum, Emigration, Literaturanalyse, Schlüsselroman

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Roman „Mephisto“ von Klaus Mann und analysiert, wie dieser den Werdegang eines opportunistischen Künstlers während der Zeit des Nationalsozialismus darstellt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Machtstrukturen im Dritten Reich, die gesellschaftliche Verantwortung von Künstlern, der Pakt mit dem „Bösen“ sowie das komplexe Verhältnis zwischen Fiktion und Wirklichkeit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den „Mephisto“-Stoff hinsichtlich der Verschränkung von Charakter-Typik, politischem System und persönlicher Lebensführung aufzuschlüsseln und die „Schlüsselroman“-Problematik zu reflektieren.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine textanalytische Herangehensweise, ergänzt durch die Einbeziehung historischer Kontexte, biografischer Bezüge zu Klaus Mann und Gustaf Gründgens sowie medientheoretische Reflexionen zur Filmrezeption.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Rollen- und Machtkonstellationen im Roman, die Auseinandersetzung mit der Schlüsseldebatte und die Untersuchung der Wirklichkeitsbrechung durch den Vergleich von Buch, Film und Realität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Mephisto, Klaus Mann, Gustaf Gründgens, Nationalsozialismus, Opportunismus, Wirklichkeitsbrechung und Fiktionalität.

Inwieweit spielt die Figur des Gustaf Gründgens eine Rolle für die Analyse?

Gründgens dient als reale Bezugsperson für die Romanfigur Hendrik Höfgen. Der Autor analysiert die Schwierigkeit, die literarische Figur von der historischen Person sauber zu trennen.

Welche Bedeutung hat das „Schlusswort“ für den Gesamtkontext?

Das Schlusswort resümiert die Bedeutung des Romans als beispielloses Dokument über die moralischen Abgründe und die gesellschaftliche Verantwortung in einer totalitären Zeit.

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Details

Title
Mephisto - Eine Karriere
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Deutsche Literatur)
Course
Faust-Dichtungen des 20. Jahrhunderts
Grade
1,3
Author
Bruno Desse (Author)
Publication Year
2008
Pages
22
Catalog Number
V112876
ISBN (eBook)
9783640125548
ISBN (Book)
9783640126408
Language
German
Tags
Mephisto Eine Karriere Faust-Dichtungen Jahrhunderts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bruno Desse (Author), 2008, Mephisto - Eine Karriere, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112876
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