In meiner Studienarbeit möchte ich mich mit dem Zusammenhang zwischen Gewalt und der Entstehung von Psychosen auseinander setzen. Hierzu möchte ich zunächst darauf eingehen, was Gewalt ist und dies in Bezug zu dem Thema stellen. Mir geht es in dieser Arbeit nicht um körperliche Misshandlungen, denen durch das Gesetz Grenzen gesetzt werden, sondern um Familiensysteme, in denen durch die persönliche Dynamik der Eltern mit den Kindern die Entstehung von Psychosen begünstigt werden.
Eine nähere Erläuterung dafür, dass auch solche Dynamiken eine Gewalteinwirkung für das Kind bedeuten, möchte ich im ersten Kapitel näher ausführen. Diese Bedeutung der Gewalt möchte ich dann in Beziehung zu den folgenden verschiedenen Erklärungsansätzen von Psychosen setzen. Die verschiedenen Erklärungsansätze von Salvador Minuchin; Bateson, Jackson, Laing, Lidz, Wynne; Jay Haley; Selvini Palazzoli u.a. sowie Bert Hellinger und Robert Langlotz werde ich kurz und exemplarisch darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Gedanken
2. Kontext zwischen Gewalt und der Entstehung von Psychosen in Familien
2.1 Allgemeines zu Gewalt und der Zusammenhang von Gewalt und Psychose
2.2 Das Modell der psychosomatischen Familie nach Salvador Minuchin
2.2.1 Verstrickung
2.2.2 Überfürsorglichkeit
2.2.3 Starre Familien
2.2.4 Konfliktvermeidung
2.3 Hypothesen zur Entstehung von Schizophrenie nach Bateson, Jackson, Lidz, Wynne u.a.
2.3.1 double bind Situation
2.3.2 Pseudo Gemeinschaft
2.4 Zur Entstehung von Schizophrenie nach Jay Haley
2.5 Zur Entstehung der Schizophrenie nach Selvini Palazzoli, Cirillo, Selvini, Sorrentino
2.5.1 Imbroglio (betrügerische Verwicklung)
2.5.2 Anstiftung
2.5.3 Das sechsstufige Prozessmodell
2.5.3.1 Das Patt zwischen den Eltern
2.5.3.2 Das Kind wird in das Spiel des Elternpaares miteinbezogen
2.5.3.3 Das ungewöhnliche Verhalten des Kindes
2.5.3.4 Die Kehrtwendung des vermeintlichen Verbündeten
2.5.3.5 Ausbruch der Psychose
2.5.3.6 Strategien auf der Grundlage des Symptoms
2.6 Erfahrungen in Familienaufstellungen von Bert Hellinger und Robert Langlotz
2.6.1 Identifizierung
2.6.2 Für die anderen etwas tragen
2.6.3 Übernahme von Schuld
2.6.4 Ausklammerung Frühergeborener
2.7 Virginia Satir
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen familiärer Dynamik und der Entstehung von Psychosen, wobei ein besonderer Fokus auf dem Verständnis von Gewalt innerhalb von Familiensystemen liegt. Ziel ist es, verschiedene systemische Erklärungsansätze darzustellen und kritisch zu beleuchten, inwiefern spezifische Interaktionsmuster der Eltern als eine Form von (subtiler) Gewalt für das Kind wirken und deren Entwicklung einschränken können.
- Analyse systemischer Familiendynamiken als Kontext für die Entstehung von Psychosen.
- Definition und Differenzierung von Gewalt im familiären und strukturellen Kontext.
- Darstellung theoretischer Erklärungsmodelle (u.a. Minuchin, Palo Alto Gruppe, Mailänder Schule).
- Untersuchung der Rolle von Macht, Identifizierung und Schuldübertragung in Familien.
Auszug aus dem Buch
2.3.1 double bind Situation
Ich möchte hier zunächst die allgemeinen Merkmale der double bind Situation zitieren:
• „Das Individuum ist in eine intensive Beziehung verstrickt; d.h., in eine Beziehung, in der es ihm als lebenswichtig erscheint, ganz genau zu unterscheiden, welche Art von Botschaft ihm übermittelt wird, damit es entsprechend reagieren kann“ (Bateson;1969;19).
• „Das Individuum ist in einer Situation gefangen, in der die andere Person in der Beziehung zwei Arten von Botschaft ausdrückt, von denen die eine die andere aufhebt“ (Bateson;1969;19).
• „Und das Individuum ist nicht in der Lage, sich mit den geäußerten Botschaften kritisch auseinander zusetzen, um seine Entscheidung, auf welche Botschaft es reagieren soll, zu korrigieren, d.h. es kann keine metakommunikative Feststellung treffen“, (Bateson;1969;19).
Diese Situation soll zwischen dem Präschizophrenen und seiner Mutter bestehen aber auch in normalen Beziehungen vorkommen. Das Kind ist in dieser Situation gefangen, es kann reagieren wie es will, es ist immer „falsch“ und wird dafür bestraft (vgl.:Bateson;a.a.O.;26/27). Das Kind bekommt also eine Doppelbotschaft mit der es nicht umgehen kann, der es aber ausgeliefert ist, weil es von den Eltern abhängig ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Gedanken: Einführung in die Thematik der Studienarbeit, Definition der zentralen Fragestellung und kurze Vorstellung der gewählten Erklärungsansätze.
2. Kontext zwischen Gewalt und der Entstehung von Psychosen in Familien: Theoretische Herleitung des Gewaltbegriffs und Darstellung diverser systemischer Modelle zur Genese von Psychosen.
2.1 Allgemeines zu Gewalt und der Zusammenhang von Gewalt und Psychose: Untersuchung der Beziehung zwischen Macht, Gewalt und strukturellen gesellschaftlichen Faktoren im Kontext der Psychiatrie.
2.2 Das Modell der psychosomatischen Familie nach Salvador Minuchin: Vorstellung der vier Merkmale (Verstrickung, Überfürsorglichkeit, Starre, Konfliktvermeidung) und deren Gewalteffekt auf das Kind.
2.3 Hypothesen zur Entstehung von Schizophrenie nach Bateson, Jackson, Lidz, Wynne u.a.: Analyse der Palo Alto Forschung zu Kommunikationsmustern wie Double Bind und Pseudo-Gemeinschaft.
2.4 Zur Entstehung von Schizophrenie nach Jay Haley: Betrachtung von Kommunikationsformen und paradoxen Beziehungen in der Familie nach Jay Haley.
2.5 Zur Entstehung der Schizophrenie nach Selvini Palazzoli, Cirillo, Selvini, Sorrentino: Erläuterung des Mailänder Prozessmodells, insbesondere des Imbroglio und der Spielmetapher.
2.6 Erfahrungen in Familienaufstellungen von Bert Hellinger und Robert Langlotz: Beschreibung praktischer Dynamiken wie Identifizierung und Schuldübernahme in der Aufstellungsarbeit.
2.7 Virginia Satir: Kurze Erwähnung des Konzepts von Virginia Satir hinsichtlich der Abhängigkeit des Kindes vom Familiensystem.
3. Schlussbetrachtung: Synthese der dargestellten Ansätze und kritische Würdigung des systemischen Ansatzes zur Reduzierung von Gewalt.
Schlüsselwörter
Psychose, Schizophrenie, Gewalt, Machtmissbrauch, Systemische Familientherapie, Familiendynamik, Double Bind, Konfliktvermeidung, Kommunikation, Familienaufstellung, Identifizierung, Schuldübertragung, Symptomträger, Strukturelle Gewalt, Persönliche Dynamik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der familiären Interaktionsdynamik und der Entstehung von Psychosen, wobei das Handeln der Eltern gegenüber den Kindern unter dem Aspekt von Gewalt analysiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf systemischen Erklärungsmodellen, der Differenzierung von Gewaltbegriffen sowie der Analyse, wie familiäre Strukturen psychische Prozesse beeinflussen können.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass bestimmte Familiendynamiken – auch ohne explizite körperliche Misshandlung – als eine Form von Gewalt wahrgenommen werden können, die zur Entstehung von Psychosen beitragen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse verschiedener systemischer Ansätze, ergänzt durch die Reflexion von Erfahrungen aus Familienaufstellungen und einem Experteninterview.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Theorien, darunter Minuchins Modell der psychosomatischen Familie, Batesons Double-Bind-Hypothese, Haleys Kommunikationstheorie sowie das Prozessmodell der Mailänder Schule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Psychose, Familiendynamik, systemische Therapie, Gewalt, Machtmissbrauch und Identifizierung.
Was unterscheidet das „Imbroglio“ von anderen Dynamiken?
Beim Imbroglio erweckt ein Elternteil gegenüber dem Kind den Anschein einer Bevorzugung, nutzt dies jedoch strategisch gegen den anderen Partner, was eine besonders betrügerische Verwicklung darstellt.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen bewusster und unbewusster Gewalt für den Autor eine Rolle?
Der Autor argumentiert, dass die Auswirkung auf die Entwicklung des Kindes ausschlaggebend ist; daher ist es für die Definition von Gewalt als entwicklungseinschränkender Faktor unerheblich, ob Eltern unbewusst oder bewusst handeln.
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- Alexander Thomas (Author), 2000, Kontext zwischen Gewalt und der Entstehung von Psychosen in Familien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128