Wie haben sich die Bedeutungen der Macht und der Herrschaft zwischen dem Barock und der Aufklärung verändert? Wie lässt sich der Unterschied zwischen den Macht- und Herrschaftsverhältnissen in der deutschen Literatur der beiden Epochen verdeutlichen?
Das erste Kapitel ist der Definition der beiden Begriffe Macht und Herrschaft gewidmet, die im Laufe der Geschichte verschiedene Bedeutungen aufweisen. Darauf folgt im zweiten Kapitel ein Einblick in die beiden Epochen, nämlich den Barock und die Aufklärung, deren Besonderheiten und den Unterschied zwischen beiden. Im letzten Kapitel werden sowohl das Gedicht „Es ist alles eitel“ von Andreas Gryphius aus der Barockzeit als auch „Kirschblüte bei der Nacht“ von Barthold Heinrich Brockes aus der Aufklärungszeit im Rahmen von Macht- und Herrschaftsverhältnissen analysiert und verglichen.
Nach Imbusch veränderten sich mit Hilfe der Aufklärungsphilosophie und des rationalen Naturrechts sowohl die Macht- als auch die Herrschaftsverhältnisse. Die zunehmende Entpersonalisierung und Formalisierung von Machtverhältnissen führte zu einer Bedeutungsverschiebung von Herrschaft hin zum Staat, der nun als übergreifende Ordnungsinstanz gesehen wurde. In der Literaturforschung und in der Geschichtswissenschaft ist die Definition von Macht und Herrschaft mehrdeutig. Beide Begriffe trugen im Laufe der Geschichte mehrere Bedeutungen und werden in unterschiedlichen Formen verwendet. In diesem Zusammenhang ist es interessant, die Rolle von Macht und Herrschaft zwischen den beiden Epochen, nämlich dem Barock und der Aufklärung, anhand von Beispielen aus der Literatur zu vergleichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Macht und Herrschaft
2.1 Macht
2.2 Herrschaft
3. Die Epochen des Barocks und der Aufklärung
3.1 Deutscher Barock
3.1.1 Leitmotive des Barock
3.1.2 Der Dreißigjährige Krieg
3.1.3 Macht und Herrschaft während des Barock
3.2 Deutsche Aufklärung
3.2.1 Definition der Literaturepoche
3.2.2 Die Französische Revolution
3.2.3 Philosophische Strömungen der Aufklärung
3.2.4 Macht und Herrschaft während der Aufklärung
4. Gedichtanalyse
4.1 Analyse vom Gryphius´ Gedicht „Es ist alles eitel“
4.2 Analyse von Brockes´ Gedicht „Kirschblühte bei der Nacht“
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Auffassungen und Ausprägungen von Macht und Herrschaft in der Literatur zwischen der Barockzeit und der Aufklärung. Dabei wird analysiert, wie sich das Verständnis von gesellschaftlichen Machtstrukturen und der Rolle des Individuums im Epochenwandel gewandelt hat, mit einem besonderen Fokus auf die Reflexion dieser Verhältnisse in exemplarischen Gedichten.
- Definition und Differenzierung der Begriffe Macht und Herrschaft
- Charakteristika der Epochen Barock und Aufklärung und deren machtpolitische Hintergründe
- Bedeutungswandel von absoluter, illegitimer Macht hin zu vernunftgeleiteter Selbstbestimmung
- Analyse der Lyrik von Andreas Gryphius und Barthold Heinrich Brockes als Repräsentation des Epochengeistes
- Gegenüberstellung von Jenseitsorientierung und dem Fokus auf irdische Schönheit und Vernunft
Auszug aus dem Buch
4.1 Analyse vom Gryphius´ Gedicht „Es ist alles eitel“
Gryphius verkörpert in seinem Werk das Idealbild eines Barockdichters, nämlich den Gelehrtendichter, in dessen Werken das gesamte Wissen und die Weisheit der Zeit in einer allgemeingültigen, künstlerischen Form ihre Gestalt fand. Berühmt ist Gryphius bis heute durch seine Sonette, die sich souverän an den strengen Regeln von Opitz (vgl. Opitz 1924) orientierten (vgl. Bock 2011: 2f.). Gryphius Gedichte sind geprägt von dem Eindruck der Vergänglichkeit alles Irdischen; die persönlichen Schicksalsschläge, die er erlitt, und das Erleben der Härten des Dreißigjährigen Krieges trugen entscheidend dazu bei (siehe Unterkapitel 3.2.1). Das folgende Gedicht „Es ist alles eitel“ wurde 1637 geschrieben und soll analysiert werden.
Der Dichter bezieht sich in seinem Werk auf einen Spruch des alttestamentarischen Predigers Kohelet (Prediger): „Nichtigkeit, nur Nichtigkeit, so spricht Kohelet; Nichtigkeit, nur Nichtigkeit. Alles ist Nichtigkeit.“, was auch aus der Kapitelüberschrift „VANITAS, VANITATUM, ET OMNIA VANITAS“ hervorgeht. Das Gedicht ist ein typisches Sonett: Während die ersten beiden Strophen vier Zeilen enthalten, haben die letzten beiden Strophen drei Zeilen (ebd.: 3). Es besteht aus 14 Versen, aufgeteilt in je zwei Quartette (umarmender Reim), sowie zwei Terzette (Schweifreim). Metrisch betrachtet liegt ein sechshebiger Jambus vor, der nach der sechsten Silbe eine Mittelzäsur aufweist. Dieser Alexandriner wird streng und durchgehend nach dem Idealbild der Barocklyrik verwendet. Die Kadenzen richten sich nach dem Reimschema des Gedichts: abba, abba, ccd, eed. Reimen sich also Vers 1 und 4, ist deren Kadenz identisch (weibliche Kadenz). Dasselbe gilt für die Verse 2 und 3 (männliche Kadenz) (vgl. Rhetoriksturm.de). Die beiden ersten Quartette sind im Grunde nur Aussagen von unterschiedlichem Umfang zum Vanitas-Problem. Innerhalb dieser Quartette gibt es eine allgemeine Aussage („Du siehst ... nur Eitelkeit auf Erden.“ (V. 1)), der eine Reihe von Beispielen folgt, die sie stützen. Diese sind als antithetische Paare angeordnet (aufbauen gegenüber niederreißen (V. 2); Städte zu Wieseneinsamkeit (V. 3); Blütezeit zu Zertreten werden (V. 5); Stärke und Trotz versus Asch und Bein (V. 6); Glück zu Unglück (V. 8), was der Gegensatz der Leitmotive des Barock widerspiegelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themen Macht und Herrschaft im Barock und der Aufklärung ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. Definition von Macht und Herrschaft: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Macht- und Herrschaftsbegriffe erörtert und voneinander abgegrenzt.
3. Die Epochen des Barocks und der Aufklärung: Dieses Kapitel beschreibt die historischen und ideengeschichtlichen Kontexte beider Epochen sowie deren Machtstrukturen.
4. Gedichtanalyse: Dieser Teil analysiert zwei repräsentative Gedichte, um die unterschiedliche Darstellung von Macht und Weltsicht in Literatur zu verdeutlichen.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die den Wandel der Machtvorstellungen zwischen Barock und Aufklärung resümiert.
Schlüsselwörter
Macht, Herrschaft, Barock, Aufklärung, Vanitas, Vernunft, Emanzipation, Absolutismus, Literaturgeschichte, Andreas Gryphius, Barthold Heinrich Brockes, Jenseitsorientierung, Gottesgnadentum, Sozialer Wandel, Menschenrechte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Wandel der Macht- und Herrschaftsverständnisse zwischen der deutschen Barockzeit und der Aufklärung anhand historischer, soziologischer und literarischer Perspektiven.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Übergang von absolutistischen und kirchengestützten Herrschaftsformen hin zu einer bürgerlichen, vernunftgeleiteten Ordnung sowie die Repräsentation dieser Konzepte in der Lyrik.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, zu verdeutlichen, wie sich die Konzepte von Macht und Herrschaft zwischen den Epochen verändert haben und wie die Literatur als Spiegelbild dieses Wandels fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus literaturwissenschaftlicher Gedichtanalyse und kulturgeschichtlicher Kontextualisierung, gestützt auf soziologische Theorien zu Macht und Herrschaft.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Im Hauptteil werden zunächst die Begriffsdefinitionen geklärt, dann die historischen Epochen Barock und Aufklärung charakterisiert und schließlich die Gedichte von Gryphius und Brockes im Rahmen der Epochenmotive analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Vernunft, Vanitas, Absolutismus, Emanzipation, Jenseits- und Diesseitsorientierung sowie das Machtverständnis nach Max Weber.
Wie unterscheidet sich das Machtverständnis zwischen Barock und Aufklärung laut der Arbeit?
Während im Barock Macht durch den absoluten Herrscher und Gottesgnadentum geprägt war, verschiebt sich die Autorität in der Aufklärung auf das Individuum und dessen eigene Vernunft.
Welche Rolle spielt die Kirche in den betrachteten Epochen?
Im Barock fungiert die Kirche als mächtige Institution, die in Allianz mit dem Herrscher die Jenseitsorientierung des Volkes steuert; in der Aufklärung verliert dieser institutionelle Zwang an Legitimität zugunsten kritischen Hinterfragens.
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- Nahed Ben Achour (Author), 2020, Macht und Herrschaft zwischen der deutschen Barock- und Aufklärungszeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1129217