Bearbeitung der Einsendeaufgaben zum Studienbrief „Begriff und Probleme des Friedens: Beiträge der Politikwissenschaft“


Ausarbeitung, 2007

11 Seiten, Note: 2,0

Irmgard Richter (Autor)


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Inhaltsübersicht

Bearbeitung der Aufgabenstellungen:

1. „Kriege hat es schon immer gegeben, Krieg ist so etwas wie ein Naturzustand.“ Nehmen Sie zu dieser Aussage kritisch Stellung; beziehen Sie dabei die Ausführungen des Kurses zum Kriegs-Begriff mit ein.

2. Warum erscheint, sozialwissenschaftlich, die Aussage wesentlich plausibler: Konflikt gehört zur Natur menschlichen Zusammenlebens. Gehen Sie bei Ihrer Beantwortung auf die Grundbegriffe der Konflikt-Analyse ein, wie sie der Kurs darlegt.

3. Vor dem Hintergrund eines solchen Konflikt-Verständnisses wird deutlich, dass Frieden der Vorbereitung bedarf, dass er, wie man klassisch sagt, gestiftet werden muss. Verdeutlichen Sie, dass Friedens-Stiftung 1.ein aktiver Vorgang ist und 2. ein politischer Vorgang. Berücksichtigen und erläutern Sie bei Ihren Ausführungen auch die Unterscheidung zwischen positivem und negativem Frieden.

4. Das so genannte realistische Forschungsprogramm (Paradigma), auch als realistische Schule oder Groß-Theorie bezeichnet, hält Friedens-Stiftung und -Wahrung im internationalen System für besonders schwierig. Dieser Sicht zufolge ist das internationale System von Anarchie geprägt, und dies führe zum so genannten Sicherheits-Dilemma. Erläutern Sie jeweils, was im fachlich-spezifischen Sinne des Realismus unter Anarchie bzw. unter Sicherheits-Dilemma zu verstehen ist. Verdeutlichen Sie den Zusammenhang zwischen Anarchie und Sicherheits-Dilemma.

5. Diskutieren Sie, wie weit durch internationale Institutionen – wie die UNO oder vertraglich basierte zwischenstaatliche Kooperation – der Zustand der Anarchie geändert oder gar überwunden werden kann. Referenzen

1. „Kriege hat es schon immer gegeben, Krieg ist so etwas wie ein Naturzustand.“ Nehmen Sie zu dieser Aussage kritisch Stellung; beziehen Sie dabei die Ausführungen des Kurses zum Kriegs-Begriff mit ein.

Zum Begriff des Krieges ist vorauszuschicken: Die Formen des Krieges haben sich im Verlaufe der Geschichte gewandelt; und der Begriff „Krieg“ kann unterschiedlich weit oder eng definiert werden. Trotz aller völkerrechtlichen Klärungsversuche bleibt in politischer Hinsicht die Ungewissheit darüber, was das Wesen des Krieges ausmacht, und wo er seine Grenzen findet, bestehen (Meyers 2006a, S. 19). Im Völkerrecht ist man im Interesse größerer Eindeutigkeit zur Verwendung der Begriffe des internationalen bewaffneten Konflikts bzw. des nicht internationalen bewaffneten Konflikts übergegangen; der Kriegsbegriff wird im völkerrechtlichen Sinne als überholt, in seiner appellativen Funktion aber als weiter funktionsfähig angesehen (Röben 2004).

Altertum, Mittelalter und Neuzeit gleichermaßen erschien der Krieg als Grundtatbestand menschlichen Konfliktverhaltens; nach Clausewitz als „Akt der Gewalt, um dem Gegner den eigenen Willen aufzuzwingen“ (Meyers 2006a, S. 17). Die These, Kriege habe es schon immer gegeben, Krieg sei so etwas wie ein Naturzustand, ist in Literatur, Wissenschaft und Medien immer wieder vertreten worden und hat bis in unsere Zeit hinein einen starken Einfluss auch auf die öffentliche Meinung. Vor ca. 140 Jahren schilderte z.B. der russische Schriftsteller Tolstoi den Krieg in seinem Roman „Krieg und Frieden“ als einen Ausbruch gewaltiger naturhafter Kräfte (Meyers 2006a, S. 16). Als epidemisches Phänomen, also als eine im Geschichtsverlauf immer wieder ausbrechende Krankheit der Menschheit beschrieb der britischen Meteorologe und Friedensforscher Richardson das Phänomen „Krieg“ ca. 100 Jahre später (Meyers 2006a, S. 16).

Zwar lassen die Auswirkungen des technologischen „Fortschritts“ in der Waffentechnik und die Totalisierung des Krieges (Aufhebung der Grenzen zwischen Militär- und Zivilwesen) wenig Hoffnung auf eine bald bevorstehende Abschaffung der Institution Krieg. Jedoch gibt es gleichzeitig Entwicklungen hin zu einer „Zivilisierung des Konflikts“, d.h. zu Zurückdrängung und Aufhebung von Gewalt im Prozess der Konfliktaustragung (Meyers 2006a, S. 33). Wie Meyers ausführt, hat Norbert Elias in seinem Werk „Über den Prozess der Zivilisation“ nachgewiesen, dass der Fortschritt der Zivilisation und die Entwicklung des modernen wissenschaftlichen Denkens Hand in Hand gehen. Beide, so Meyers mit Bezug auf Elias, bedürfen eines erhöhten Vermögens der Menschen, sich im Denken von sich selbst zu distanzieren und dabei die Möglichkeit einer größeren Selbstkontrolle der Äußerung eigener, ursprünglich spontan-unreflektierter Affekte zu entwickeln. In zwischengesellschaftlichen Beziehungen begünstigt der Prozess der Zivilisation, wie z.B. Senghaas aufgezeigt hat, die Einhegung und Überwindung der Gewaltanwendung (Meyers 2006a, S. 34).

Konkreten Niederschlag findet der Prozess der Zivilisation und der Zivilisierung von Konflikt z.B. in der Einrichtung der Vereinten Nationen, deren Charta die Legitimität der Drohung mit Gewalt und der Gewaltanwendung in internationalen Beziehungen stark einschränkt, und in internationalen Übereinkommen. Auch die Entwicklung gewaltfreier Ansätze zur Austragung von Konflikten in innergesellschaftlichen Beziehungen reflektiert Prozesse der Zivilisierung. Beispiele sind die von Gandhi organisierte gewaltfreie Aktion für die Unabhängigkeit Indiens und die amerikanische Bürgerrechtsbewegung unter Führung von Martin Luther King.

Als weitere Überlegung möchte ich noch hinzufügen: Der uralte Menschheitstraum vom Fliegen verwirklichte sich erst nach Tausenden von Jahren. Die Legende von Dädalus und Ikarus und das tragische Scheitern des nach einem misslungenen Gleitflugversuch gnadenlos verspotteten „Schneiders von Ulm“ geben einen Eindruck davon, wie viele Versuche erforderlich waren, bis das für unmöglich Gehaltene Wirklichkeit wurde. Die Pädagogin Barbara Zahn sieht in dem langen Weg hin zu der Erfüllung des Menschheitstraums vom Fliegen eine Chiffre dafür, dass die Vorstellung „eine andere Welt ist möglich“ – insbesondere die Vorstellung von einer Welt ohne Krieg – realistisch ist (Zahn 2006). Sie zitiert Martin Luther King mit den Worten: „Wir haben gelernt, wie Fische zu schwimmen, wie Vögel zu fliegen. Wir müssen lernen, wie Menschen zusammen zu leben.“

2. Warum erscheint, sozialwissenschaftlich, die Aussage wesentlich plausibler: Konflikt gehört zur Natur menschlichen Zusammenlebens. Gehen Sie bei Ihrer Beantwortung auf die Grundbegriffe der Konflikt-Analyse ein, wie sie der Kurs darlegt.

Konflikte sind der Ausdruck widerstreitender individueller und/ oder gesellschaftlicher Interessen. Die Bewältigung unvermeidlicher Konflikte ist eine Grundvoraussetzung jeglicher sozialen Ordnung (Meyers 2006a, S. 21). Politik kann verstanden werden als die verbindliche Regelung gesellschaftlicher Wertkonflikte – Meyers zitiert in diesem Zusammenhang die Definition Harold Lasswells: „Politics is about who gets what, when and how“.

Arten von Konflikt werden nach verschiedenen Kriterien unterschieden, z.B. als gegenständliche und nicht-gegenständliche Konflikte (unterschieden dadurch, ob konkrete, gegenständliche Ziele oder aggressive Impulse im Vordergrund stehen), und nach unterschiedlichen Konfliktebenen. Konflikte können auf der internationalen, innergesellschaftlichen oder inter- und intrapersonalen Ebene auftreten (Meyers 2006a, S. 21-22)

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Details

Titel
Bearbeitung der Einsendeaufgaben zum Studienbrief „Begriff und Probleme des Friedens: Beiträge der Politikwissenschaft“
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Friedenswissenschaftliche Weiterbildungsstudiengänge IF/Master of Peace Studies)
Veranstaltung
Begriff und Probleme des Friedens: Beiträge der Politikwissenschaft
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V112928
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Einsendearbeit (Fernstudiengang)
Schlagworte
Bearbeitung, Einsendeaufgaben, Studienbrief, Probleme, Friedens, Beiträge, Politikwissenschaft“, Begriff, Probleme, Friedens, Beiträge, Politikwissenschaft
Arbeit zitieren
Irmgard Richter (Autor), 2007, Bearbeitung der Einsendeaufgaben zum Studienbrief „Begriff und Probleme des Friedens: Beiträge der Politikwissenschaft“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112928

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