Die grundlegenden Ergebnisse aus Steven Felds Ethnographie, der Einfluss tierlicher und umweltbedingter Klangmuster auf Verhalten und Leben der Kultur der Kaluli, Klangkonzepte wie Soundscape sowie mögliche Forschungsansätze der Human-Animal-Studies in Bezug auf Steven Felds Publikationen werden im Folgenden ausgearbeitet.
Die Human-Animal-Studies sind ein neu entstandenes interdisziplinäres Forschungsfeld, das sich etwa seit Anfang der 1990er Jahre etablierte. Der Strömung können verschiedene Forschungsdisziplinen wie die Soziologie, Kulturwissenschaft oder auch Anthropologie zugeordnet werden. Aufgrund dieser enthält es, den einzelnen Teildisziplinen entsprechend, unterschiedliche Fragestellungen. Die grundlegende Fragestellung der Human-Animal Studies begründet sich jedoch darauf, das Verhältnis von Tier-Mensch-Beziehungen zu erfassen und zu verstehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Steven Felds Ethnographie Sound and Sentiment
2.1 Klangliche Dimensionen im Regenwald
2.1.1 Tier- und Umweltgeräusche
2.1.2 Orientierung im Regenwald durch Vogellaute
2.2 Musikalische Praktiken der Kaluli
2.2.1 Muni Bird
2.2.2 Kaluli Song
3. Klangkonzepte
3.1 Murray Schafers Soundscape
3.1.1 Schizophonie
3.1.2 Soundscape-Komposition
3.2 Acoustemology
4. Anwendung der Human-Animal-Studies auf Steven Felds Forschungsergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potential der Human-Animal Studies in Bezug auf die ethnographischen Forschungsergebnisse von Steven Feld über das Volk der Kaluli, um die komplexe und aktive Mensch-Tier-Beziehung in dieser Kultur zu beleuchten.
- Ethnographie der Kaluli nach Steven Feld
- Rolle von tierlichen Klangmustern und Vogellauten
- Konzepte der Soundscape und Acoustemology
- Analyse musikalischen Verhaltens als Ausdruck der Mensch-Tier-Beziehung
- Forschungspotentiale der Human-Animal Studies im Kontext indigener Kulturen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Tier- und Umweltgeräusche
Feld geht davon aus, dass im Regenwald mehrere Klangstrukturen vorherrschen, die sich anhand ihrer Klangtextur unterscheiden. Diese werden von den Kaluli unterschiedlich benannt. Muster deren Klang „[…] ‚around’, and ‚in the air’ […]“ ist werden als Elab bezeichnet und charakterisieren sich durch eine „buzzing quality“. Zudem wird Elab noch in verschiedene Unterkategorien wie i und e differenziert. Bäume und Büsche, die sich im Wind bewegen und deren Klangursprung nicht zugeordnet werden kann werden als ii-elab gekennzeichnet. Klänge von Fliegen, Bienen, Zikaden oder anderen Insekten deren Klangursprung „visually evident“ ist werden als ee-elab beschrieben. Weiter existieren zahlreiche andere spezifische Benennungen einzelner Klänge wie „[…] ti the sounds of rain sprinkling […]“ oder „[…] dege for dried leaves dropping from breadfruit trees at the end of season […]“ . Die für die Kaluli jedoch wichtigsten Klänge des Regenwaldes stellen Vogelgeräusche dar, da diese in ihrer Kultur mehrere wichtige Rollen einnehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert den Kontext der Feldforschung Steven Felds bei den Kaluli und führt in das interdisziplinäre Forschungsfeld der Human-Animal Studies ein.
2. Steven Felds Ethnographie Sound and Sentiment: Dieses Kapitel analysiert die klangliche Umgebung des Regenwaldes sowie die spezifischen musikalischen Praktiken der Kaluli und deren Verbindung zu spirituellen Vorstellungen.
3. Klangkonzepte: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Soundscape nach Murray Schafer sowie das Konzept der Acoustemology nach Steven Feld erläutert.
4. Anwendung der Human-Animal-Studies auf Steven Felds Forschungsergebnisse: Das Abschlusskapitel überträgt die erarbeiteten Konzepte auf die Human-Animal Studies und zeigt auf, wie Tiere bei den Kaluli als aktive Akteure in das menschliche Leben integriert sind.
Schlüsselwörter
Human-Animal Studies, Steven Feld, Kaluli, Soundscape, Acoustemology, Ethnomusikologie, Regenwald, Vogelgeräusche, Sound and Sentiment, Mensch-Tier-Beziehung, Musikalische Praktiken, Muni Bird, Gisalo, Klangökologie, Papua Neuguinea
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung der Mensch-Tier-Beziehung bei dem indigenen Volk der Kaluli im Regenwald von Papua-Neuguinea, basierend auf den ethnographischen Aufzeichnungen von Steven Feld.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Ethnomusikologie, die Klangökologie (Soundscape), die Anthropologie sowie die interdisziplinäre Strömung der Human-Animal Studies.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, das Potential der Human-Animal Studies zur Analyse der Kaluli-Kultur zu ergründen und die besondere Rolle von Tieren als aktive Akteure im kulturellen und sozialen Kontext der Kaluli herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf Literaturrecherche, der Auswertung ethnographischer Feldforschungsergebnisse (insbesondere Steven Felds „Sound and Sentiment“) und der Anwendung musikwissenschaftlicher Konzepte basiert.
Was sind die Schwerpunkte des Hauptteils?
Im Hauptteil werden die Bedeutung der Umweltklänge und Vogellaute für die Orientierung und Spiritualität der Kaluli, die musikalischen Formen (wie Gisalo) sowie die theoretischen Konzepte Soundscape und Acoustemology detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Human-Animal Studies, Acoustemology, Soundscape, Steven Feld, Kaluli, Musikalische Praktiken und Ethnomusikologie definieren.
Inwiefern beeinflussen Vögel die räumliche Orientierung der Kaluli?
Da die Kaluli keine technischen Hilfsmittel zur Navigation im dichten Regenwald nutzen, verwenden sie ihr umfangreiches ornithologisches Wissen, um bestimmte Vogelarten und deren Rufe räumlich zuzuordnen und sich so im Lebensraum zu orientieren.
Was bedeutet der Begriff „Acoustemology“ im Kontext der Kaluli?
Acoustemology, ein von Steven Feld geprägter Begriff aus „Akustik“ und „Epistemologie“, beschreibt eine lokal erworbene, kollektiv geteilte akustische Weltanschauung, bei der die Klangkulisse eines Ortes die Kultur der dort lebenden Menschen maßgeblich prägt.
Warum ist die „Muni-Taube“ für die Kaluli von so großer Bedeutung?
Der Ruf der Muni-Taube wird im Glauben der Kaluli als Sprechen der Toten interpretiert; die Melodielinie des Vogels findet sich zudem in der rituellen Praxis des „Weeping“ wieder, die Gefühle von Trauer und Verlust ausdrückt.
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- Justus Reim (Author), 2019, Potential der Human-Animal-Studies in Steven Felds Publikationen über die Kaluli, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1129313