Der eschatologische Prozess Jesu Christi nach Jürgen Moltmann


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. crux probat omnia

3. Eschatologie und Geschichte

4. Jesu Auferweckung von den Toten
4. 1. Die Osterzeugen
4. 2. Was bedeutet Auferweckung ?
4. 3. Der Sinn der Auferweckung der Toten

5. Die Bedeutung des Kreuzes des auferweckten Christus
5. 1. Wer war Jesus?
5. 2. Warum musste Jesus leiden und sterben?

6. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Hauptseminars Gott-Bild Jesus Christus – Jesusbilder in der theologischen Reflexion soll in dieser Seminararbeit das Thema Der eschatologische Prozess Jesu Christi nach Jürgen Moltmann bearbeitet werden. Dabei werde ich mich hauptsächlich auf sein Werk Der gekreuzigte Gott. Das Kreuz Christi als Grund und Kritik christlicher Theologie berufen, das 1972 erschienen ist. Um Moltmanns Ansichten über die Auferweckung darzulegen, werde ich wie folgt vorgehen: Das einleitende Kapitel crux probat omnia soll zu Beginn meiner Arbeit die Prägnanz des Kreuzes verdeutlichen. Dann erkläre ich den Zusammenhang zwischen Eschatologie und Geschichte, damit der anschließende Ablauf meiner Arbeit verstanden wird. Zunächst werfen wir einen Blick nach vorn, auf Jesu Auferweckung von den Toten, und anschließend einen Blick zurück auf die Bedeutung des Kreuzes des auferweckten Christus. In dem vierten Kapitel Jesu Auferweckung von den Toten werde ich zuerst auf die Zeugen des Ostergeschehens eingehen und dann die Frage Was bedeutet Auferweckung? stellen. In diesem Kontext ist daraufhinzuweisen, dass Moltmann zwischen der Auferweckung von den Toten und der Auferweckung der Toten unterscheidet, die jedoch stets in Zusammenhang stehen. Im Anschluss werde ich nach dem Sinn der Auferweckung der Toten fragen. Warum werden die Toten auferweckt? Dann folgt das Kapitel über die Bedeutung des Kreuzes des auferweckten Christus, in dem wir herausfinden wollen, wer Jesus war und warum dieser leiden und sterben musste. In meinem Vorgehen halte ich mich an die Gliederung des Buches Der gekreuzigte Gott von Moltmann und übernehme daher auch seine gewählten Überschriften. Um den Rahmen einer Hausarbeit nicht zu sprengen, soll die Frage nach dem Heiligen Geist in Bezug auf das Kreuzesgeschehen bewusst ausgegrenzt werden.

2. crux probat omnia

Das Kreuz ist der Ursprung des christlichen Glaubens. In Anlehnung an Martin Luther stellt für Moltmann das Kreuz alles auf die Probe: crux probat omnia. Das Kreuz ermöglicht es sich mit dem christlichen Glauben in einer Zeit der kirchlichen Krise kritisch auseinanderzusetzen. Nach Meinung von Jan Milič Lochmann habe nämlich das christliche Leben in der heutigen Gesellschaft an Bedeutung verloren und der christliche Glauben befinde sich in einer Identitätskrise. Oft sei unklar was das spezifisch Christliche sei.[1] Die Identität der Kirche bestehe im Kreuz Christi, „also in der Identifikation Gottes mit der Not der Menschen in allen ihren Gestalten und in der entsprechend vielseitigen Identifizierung der Christen mit bedrängten und leidenden Zeitgenossen. Darin liegt zugleich die wahre Relevanz christlichen Glaubens.“[2] Das Kreuz ist der entscheidende Ort, „an dem und in dem alles steht und fällt“[3]. Paul Ricœur geht so weit, dass er behauptet, dass Gott nach Auffassung von Moltmann ausschließlich an Hand des Kreuzes erkennbar sei.[4] Battista Mondin meint, dass Moltmann das Kreuz „als oberstes hermeneutisches Prinzip der gesamten Offenbarung“[5] ansehe und wirft ihm ein „staurologisches Übergewicht“ vor.[6]

3. Eschatologie und Geschichte

Als Christen bekennen wir uns zu unserem Glauben an Jesus Christus, der gekreuzigt und auferweckt wurde. Wer aber ist dieser Jesus Christus? Der Name Jesus beinhaltet einen irdisch-zeitlichen und die Bezeichnung Christus einen ewig-eschatologischen Aspekt.[7] Jesus von Nazareth bezieht sich auf seine Vergangenheit und der eschatologische Titel Christus auf seine Zukunft.[8] Seine Vergangenheit und seine Zukunft gehören untrennbar zusammen. „Seine eigene Geschichtlichkeit entsteht erst aus dem eschatologischen Zusammenhang mit seiner Zukunft (...)“[9]. Moltmann hebt hervor, dass Jesus Christus und Christus Jesus sei. Es gibt weder einen halben Jesus noch halben Christus. „Es handelt sich um ein und dieselbe Person und ihre einmalige Geschichte. Der auferweckte Christus ist der historische und gekreuzigte Jesus und umgekehrt.“[10] Wenn Jesus ausschließlich eine geschichtliche Person wäre, wäre er längst in Vergessenheit geraten, da er durch den Tod am Kreuz gescheitert und seine Botschaft widerlegt wäre. Jesus ist eine geschichtliche und gleichzeitig eine eschatologische Person und wird so „zum Geheimnis und zur Frage“[11]. Wer oder was ist der Gekreuzigte? Aus diesem Grund muss man die Geschichte Jesu Christi vor- und rückwärts betrachten. Man muss sie ontisch-historisch und noetisch-eschatologisch durchleuchten.[12] Die Auferweckung Jesu ist daher auf der einen Seite ein Ausblick nach vorn in die Zukunft Gottes und auf der anderen Seite ein Blick zurück auf das Leben Jesu, sodass „er die Inkarnation des kommenden Gottes in unser Fleisch und in den Tod am Kreuz genannt werden“[13] muss. Jeder Bericht über ein geschichtliches Ereignis oder eine historische Person hat ein Anfang und ein Ende. Um das Geschehen aber wirklich verstehen zu können, muss man es von seinem Ende her neu betrachten. „So verstand die frühe Kirche das Kreuz und das irdische Leben Christi erst im Licht von Ostern.“[14] Um die Person Jesus Christus also ansatzweise verstehen zu können, muss man nach Moltmann sowohl einen Blick nach vorn, eine prospektiv-eschatologische Sicht, als auch nach hinten, eine retrospektive Sicht, einnehmen.[15] Alles Anderes wäre bloße Jesulogie oder bloße Christologie. Reine Jesulogie kann jedoch keine Relevanz für die Gegenwart und die Zukunft der Menschen haben und ausschließliche Christologie verliert „die innere Begründung und Berechtigung des Glaubens“[16]. Jesulogie und Christologie gehören untrennbar zusammen.

4. Jesu Auferweckung von den Toten

In diesem Kapitel wollen wir einen Blick nach vorn auf die Geschichte Jesu werfen und zunächst auf die Osterzeugen eingehen. Im Anschluss fragen wir uns, was Moltmann unter Auferweckung versteht und werden nach ihrem Sinn fragen.

Die moderne Welt, in der wir heute leben, lehnt die Auferstehung Jesu ab , da man sie nicht rational mit Hilfe der Wissenschaft erklären kann. So gibt es verschiedene Erklärungsversuche für die Auferstehung Jesu. Die Betrugshypothese behauptet, dass die Jünger schlichtweg gelogen hätten, die Scheintodhypothese geht davon aus, dass Jesus nur scheinbar tot war, die Verwechselungs-hypothese besagt, dass Simon von Cyrene sich anstelle von Jesus hat töten lassen und die Beseitigungshypothese nimmt an, dass die Jünger die Leiche Jesu aus dem Grab entfernt hätten. All diese Erklärungsversuche sind aber nach Auffassung von Marko Matić absurd. Die einzigen Quellen, die von der Auferstehung Christi berichten, sind die Osterberichte des Neue Testaments.[17] Die Auferstehungstexte sind die am weitesten verbreitetsten ältesten Texte des Christentums.[18]

4.1. Die Osterzeugen

Was sagt uns der Osterglaube? Der Osterglaube basiert auf Augenzeugenberichten der Jünger Jesu, denen er als erste nach seinem Tod erscheint. Diese geben daraufhin die Kunde des auferstandenen Jesus als dem Christus weiter. Seine Jünger erleben seine Kreuzigung, seinen Tod und seine Gottverlassenheit selbst mit und fliehen deswegen vom Kreuzigungsort. Ihr Glaube an Jesus scheint zunächst widerlegt und ihre Hoffnung zerstört zu sein. Sie sind enttäuscht und verzweifelt, da es so aussieht, als hätten sie sich in Jesus geirrt. Durch Jesu Auferweckung von den Toten wird ihr Glaube jedoch wieder bestätigt und sie gewinnen neue Hoffnung. Die äußere Situation der Zeugen des Osterereignisses ist gekennzeichnet durch die allgemein verbreitete apokalyptische Naherwartung des Judentums, das von den Römern regiert wird. Moltmann stellt jedoch klar, dass man den Osterglaube nicht von dieser apokalyptischen Atmosphäre ableiten könne. Die Auferweckung an sich beobachtet niemand.[19] Warum nicht? Warum zeigt Gott den Menschen nicht, wie er seinen Sohn auferweckt? Das wäre doch viel einfacher. Dadurch dass Gott den Menschen die Auferweckung Jesu nicht unmittelbar zeigt, kann sie nur geglaubt werden. Und genau auf diesen Glauben kommt es ihm meiner Meinung nach an.

Moltmann stellt fest, dass im Zusammenhang mit der Auferweckung Jesu im Neuen Testament stets die Rede von sehen sei. Der älteste verwendete griechische Begriff ist sehr wahrscheinlich das Verb ώφθη, was Moltmann mit „ Christus wurde gesehen “, „ Christus erschien/ ließ sich sehen “ oder „ Gott hat ihn sehen lassen[20] wiedergibt. Demzufolge handelt es sich bei diesem Verb um eine Offenbarungsformel, die die Passivität des Menschen, hier der Jünger, und die Aktivität des Erscheinenden bzw. desjenigen, der erscheinen lässt, zum Ausdruck bringt. „Es ist das Sehen von etwas, was einem zu sehen gegeben wird.“[21] Die Jünger sehen Christus, weil Gott es so will. Dieses Sehen war nicht schon vorher möglich, ist nicht wiederholbar und somit auch nicht überprüfbar. Der Mensch kann über diese Art von Sehen nicht verfügen.[22]

Moltmann bezeichnet dieses Sehen als „antizipierendes Sehen“[23]. Das bedeutet, dass dieses Sehen stets in Verbindung mit Handel, sich berufen fühlen und selbst aktiv werden zu denken ist. Es ist wichtig von der Hoffnung Kunde zu tun und sie umzusetzen angesichts einer hoffnungslosen Welt. Auferstehung ist kein abstraktes alleinstehendes Thema im Neuen Testament, sondern hat Folgen und eine Wirkungsgeschichte.[24]

[...]


[1] Vgl. Jan Milič Lochmann/ Hermann Dembowski, Gottes Sein ist im Leiden. Zur trinitarischen Kreuzestheologie Jürgen Moltmanns, in: Michael Welker (Hg.), Diskussion über Jürgen Moltmanns Buch "Der gekreuzigte Gott“, München 1979, 26-38, hier: 26.

[2] Ebd. 26.

[3] Geiko Müller-Fahrenholz, Phantasie für das Reich Gottes. Die Theologie Jürgen Moltmanns. Eine Einführung, Gütersloh 2000, 51.

[4] Vgl. Paul Ricœur, Der gekreuzigte Gott von Jürgen Moltmann, in: Michael Welker (Hg.), Diskussion über Jürgen Moltmanns Buch "Der gekreuzigte Gott“, München 1979, 17-25, hier: 23.

[5] Battista Mondin, Der gekreuzigte Gott, in: Michael Welker (Hg.), Diskussion über Jürgen Moltmanns Buch "Der gekreuzigte Gott“, München 1979, 94-107, hier: 98.

[6] Ebd. 107.

[7] Vgl. Marko Matić, Jürgen Moltmanns Theologie in Auseinandersetzung mit Ernst Bloch (Europäische Hochschulschriften: Reihe 23, Theologie, Band 209) Frankfurt am Main/ Bern/ New York 1983, 119.

[8] Jürgen Moltmann, Der gekreuzigte Gott. Das Kreuz Christi als Grund und Kritik christlicher Theologie, Gütersloh 1972, 151.

[9] Ebd.

[10] Ebd. 147.

[11] Ebd. 149.

[12] Vgl. ebd.

[13] Ebd. 171.

[14] Richard Bauckham, Moltmanns Eschatologie des Kreuzes, in: Michael Welker (Hg.), Diskussion über Jürgen Moltmanns Buch "Der gekreuzigte Gott“, München 1979, 43-53, hier: 46.

[15] Vgl. Bertold Klappert, Die Gottverlassenheit Jesu und der gekreuzigte Gott. Beobachtungen zum Problem einer theologischen crucis in der Christologie der Gegenwart, in: Michael Welker (Hg.), Diskussion über Jürgen Moltmanns Buch "Der gekreuzigte Gott“, München 1979, 57-73, hier: 62f.

[16] Matić, Jürgen Moltmanns Theologie in Auseinandersetzung mit Ernst Bloch (1983) 145.

[17] Vgl. ebd. 100-103.

[18] Vgl. Jürgen Moltmann, Der Weg Jesu Christi. Christologie in messianischen Dimensionen, München 1989, 243.

[19] Vgl. Moltmann, Der gekreuzigte Gott (1972) 153f.

[20] Ebd.

[21] Ebd. 154.

[22] Vgl. ebd.

[23] Ebd.

[24] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der eschatologische Prozess Jesu Christi nach Jürgen Moltmann
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Veranstaltung
Gott-Bild Jesus Christus – Jesusbilder in der theologischen Reflexion
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V112934
ISBN (eBook)
9783640127900
ISBN (Buch)
9783640128174
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prozess, Jesu, Christi, Jürgen, Moltmann, Gott-Bild, Jesus, Christus, Jesusbilder, Reflexion
Arbeit zitieren
Christine Schaffrath (Autor), 2007, Der eschatologische Prozess Jesu Christi nach Jürgen Moltmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112934

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