Herrschertitel Alexanders des Großen

König der Makedonen, König von Asien, religiöse Titel


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Alexander als König der Makedonen

2. Alexander als hegemón des Korinthischen Bundes

3. „König von Asien“

4. Titeladaptionen in besetzten Provinzen
4.1. Alexander als Pharao
4.2. Babylonische Herrschertitel

5. Religiöse Titel

Fazit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Wohl kaum eine andere Persönlichkeit in der Geschichte hatte einen so groBen Einfluss auf deren Fortgang wie Alexander der GroBe. Sein Tatendrang und Wagemut, sein Hang zum Über- raschenden diente vielen Feldherren bis in die Neuzeit hinein als MaBstab. Dementsprechend früh widmete man sich in der Geschichtsschreibung den militarischen Kampagnen Alexanders, nachdem bereits sein Hofhistoriker Kallisthenes und seine Weggefahrten Ptolemaios und Aris- tobulos die Ereignisse für die Nachwelt niederschrieben.1 Der Fokus lag in der Alexanderfor- schung jedoch lange Zeit auf der Beschreibung des Feldzuges und der Schlachten gegen das Perserreich. Erst die jüngere Forschung bewegte sich weg von der diplomatiegeschichtlichen Betrachtungsweise und erweiterte das Interesse um sozial- und kulturgeschichtliche Punkte. So rückte die Frage nach den administrativen Strukturen in Alexanders Reich in den Fokus, durch HAMMOND 1986 im Speziellen danach, ob Alexander die administrativen Strukturen des Achai- menidenreiches in ein neues „Königtum von Asien“ integriert hat.2 FREDRICKSMEYER griff in seiner Arbeit aus dem Jahre 2000 eben diese Forschungsthese auf und erweiterte sie um Ale- xanders Verhaltnis zu seinen agyptischen und babylonischen Besitztümern.3

Eines der Ziele dieser Arbeit soll es sein, ausgehend von den Ergebnissen FREDRICKSMEY- ERS, die Herrschertitel Alexanders des GroBen zu untersuchen. Dabei steht die Frage im Zent- rum, inwiefern Alexanders Herrschaft in der Folge der Ablösung der Achaimeniden die Schaf- fung eines neuen „Königtums von Asien“ bedeutet und wie sich diese in der Annahme seiner Herrschertitel auBert. Und vollzog sich in der Gewichtung seiner Herrschertitel (also zwischen denen, die er von seinem Vater Philipp erbte und eben diesem neuen Herrschertitel) ein Wan­del? In einem ersten heranführenden Teil soll daher Alexanders Umgang mit diesen Titeln ge- genüber seiner eigenen Hausmacht in Makedonien und seinen griechischen Bundesgenossen untersucht werden. Nach einer etymologischen Betrachtung des makedonischen Königtitels (basileus makedonön), bzw. des Begriffes basileus selbst, sollen die verwendeten Herrschertitel des archón und hegemón Auskunft über Alexanders Verhaltnis zu den griechischen poleis - sowohl auf dem griechischen Festland als auch in Kleinasien - geben. AnschlieBend sollen die Ereignisse um Alexanders Akklamation als „König von Asien“, wie sie allein bei Plutarch zu finden ist4, nachgezeichnet werden. Weitergehend soll untersucht werden, ob sich die Einzig- artigkeit Alexanders Königtums auch titular niederschlagt, wobei sich zunachst auf das Ver- haltnis zu den ursprünglich persischen Herrschertiteln der Achaimeniden beschrankt werden soll. Im Folgenden soll der Blickwinkel auf die Adaption von Herrschertiteln in den besetzten Provinzen des Achaimenidenreiches gerichtet werden. Alexanders Umgang sowohl mit den Ti- teln der Pharaonen, die bereits seine achaimenidischen Vorganger zum Teil angenommen hat- ten, als auch mit den Traditionen in Babylon sollen das Konglomerat an Herrschertiteln kom- plettieren.

Da historiographische Zeugnisse über die Anfange des Titels basileus nicht überliefert sind, soll vor allem auf eine chiotische Inschrift aus dem sechsten Jahrhundert v. Chr. zurückgegrif- fen werden.5 Auch bei der Untersuchung von Alexanders Verhaltnis zu den griechischen poleis in Bezug auf seine Herrschertitel (archon des Thessalischen Bundes und hegemón des Korin- thischen Bundes) stellen Inschriften - auch über seinen Vater Philipp II. - wichtige Quellen dar.6 Im Fall von Athen geben die überlieferten Reden der Alexanderbefürworter und -gegner einen Einblick in die heftige Debatte um dessen Herrschaft, von denen vor allem die des Hy- pereides gegen Demosthenes herangezogen werden soll.7 AuBerungen zur Herrschertitulatur Alexanders liefert vor allem Plutarch, aber auch die literarischen Überlieferungen Arrians und Curtius Rufus‘ stellen für ihre Betrachtung wichtige Quellen dar. Im Zusammenhang mit der Frage nach Alexanders „Königtum von Asien“ soll eine Inschrift im Tempel von Lindos her- angezogen werden8. Für die Lage in Agypten geben vor allem die Hieroglyphen in den Tem- pelinschriften Auskunft9, wahrend es dies in Bezug auf Babylon die erhaltenen Keilschrifttexte sind.10 Gerade bei Letzteren liegt der Vorteil darin, dass sie einen Wechsel weg von der grie- chisch-makedonischen Perspektive erlauben.

1. Alexander als König der Makedonen

Alexanders offensichtlichster Herrschertitel dürfte der des „Königs der Makedonen“ (ba- sileus makedonön) oder kurz: „König“(basileus) sein. Nicht nur verwenden ausnahmslos alle Alexanderhistoriker diese Bezeichnung (Arrian und Diodor den griechischen Begriff basileus, Plutarch das zu seiner Zeit gangige lateinische Pendant rex), auch in der modernen Literatur wird basileus stets als „König“ übersetzt. Doch was genau bedeutet der griechische Titel des basileus ? Und wurde er schon immer als Bezeichnung für einen König verwendet? Der Frage nach dessen etymologischen Ursprung widmete sich DREWS 198311, indem er systematisch die bis dahin verbreitete Meinung dekonstruierte, die poleis der Geometrischen Zeit seien von Kö- nigen regiert worden. Von den vielen Fallstudien soll hier kurz auf die der Stadt Chios einge- gangen werden, der bei Pausanias mehrere Könige zugeschrieben werden, unter ihnen auch der für Homers Ilias als Vorbild dienende Hector. Doch stellt DREWS fest, dass die Übertragung dieser vermeintlichen Könige vom Mythos in die Geschichte einer Prüfung nicht standhalt.12

Wie also sahen die tatsachlichen Umstande um das Amt des basileus im frühen siebten Jahrhundert aus? Auskunft darüber kann eine chiotische Gesetzesinschrift13 geben, welche zwi- schen 575 und 550 v. Chr. entstanden ist. Sie regelt den Umgang mit Bestechungsversuchen innerhalb der polis, und fordert: „Wenn ein (amtierender) Demar|chos oder Basileus sich be- stechen lasst (?), soll er - | -] der Hestia zahlen als Dema|rchos. Eintreiben soll der [- | -] wenn der Demos einberufen ist. | (Bei) Verurteilungen durch Überführen (?) doppelte BuBe [- | -] so hoch wie von [-]“. Trotz der Textlücken aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes der In­schrift ist eindeutig, dass dëmarchos und basileus gleichzeitig ihr Amt innehatten und dass es sich um mehrere dëmarchoi und basileis handelte . Die Erwahnung eines „Rat des Vol|kes“ (dëmosië bolë) unterstützt die Annahme, dass Chios nicht von einem Monarchen, einem ba- sileus regiert wurde, sondern republikanisch geführt wurde.14

Die Untersuchung weiterer poleis lasst DREWS letztlich darauf schlieBen, dass die griechi- sche Bezeichnung basileus im siebten Jahrhundert noch für ein richterliches Amt stand und nicht für das eines Königs. Zwar taucht der Titel auch in Homers Ilias auf, benennt allerdings auch hier eher „a highborn leader who is regularly flanked by other highborn leaders.“15 Der Titel basileus beschreibt also im Kontext archaischer und früh-klassischer poleis ein Amt, das in seinem Rang mit denen eines archons und der prytaneis gleichzustellen ist. Der einzige of- fensichtliche Unterschied des Titels basileus lag in seiner Eignung für ein erbliches Magistrat, da das Wort von Anfang an mit einer hohen Geburt in Verbindung gebracht worden war. Daraus lasst sich also schlieBen, dass der Titel basileus durch die Erblichkeit des Titels diesem eine neue Exklusivitat verliehen, die er bis dahin nicht innehatte.16 Womöglich führte das dazu, dass die ursprüngliche Bedeutung im Kontext eines republikanischen Amtes zu einer Bezeichnung für einen König wurde.

Bezog sich die Untersuchung DREWS zwar auf das Griechenland der Geometrischen Peri­ode (900-700 v. Chr.), so lasst sich durchaus vermuten, dass ahnliche Umstande auch in Make- donien herrschten. Die Tatsache, dass sich die makedonische Herrscherdynastie der Argeaden seit ihrem ersten, bei Herodot aufgeführten König Perdikkas I. (650-620 v. Chr.) immer starker an Griechenland in kultureller und genealogischer Hinsicht annaherte - man versuchte schlieB- lich, seine eigene griechische Abstammung unter Beweis zu stellen -, lasst auch die Adaption des Titels basileus vermuten.17 FÜNDLING zieht es sogar durchaus in Betracht, dass auch die bei Herodot aufgeführte Ahnenliste König Alexanders I. (498-454 v. Chr.) Teil einer mythologi- schen Rückführung des Geschlechts der Argeaden darstellt, wodurch der Beginn deren Herr- schaft um das Jahr 550 gelegen haben dürfte.18 Beschrieb er in der Geometrischen Zeit noch das Amt eines republikanischen Richters, so bedeutete basileus spatestens ab der Amtszeit Phi- lipp II. ausschlieBlich „König“. Die Auspragung dieses Königtums war eine autokratische. Für den basileus makedonön, der in seiner Person den obersten Kriegsherrn, den obersten Richter, sowie die letzte Entscheidungsinstanz über auBenpolitische Fragen vereinte, gab es keine insti- tutionelle Einschrankung, wie sie etwa in Sparta in Form des Ephorats vorhanden war.19 Den- noch - oder gerade deshalb - begegnete Alexanders Vater jedoch seinen einheimischen Adligen stets als „Philippos Amyntou Makedonios“, sozusagen als primus inter pares, auf deren Aner- kennung er, wie auch Alexander, letztlich angewiesen war.

Die Münzen, welche Philipp hatte pragen lassen und die sein Sohn für langere Zeit über- nahm, zeigen diesen Verzicht auf die Betitelung als basileus. Für GRANT lasst er darauf schlie- Ben, dass „in Macedonia the warlord status may have eclipsed any regal recognition.“20 Ale- xander wahrte diese Form der Pragung zunachst, bevor er sich nach dem Sieg bei Issos dazu entschloss, seine eigene Tetradrachme pragen zu lassen.21 Mit dem voranschreitenden Erfolg seines Feldzuges und der allmahlichen Übernahme des achaimenidischen Königtums wuchs also auch sein royales Selbstverstandnis - womöglich, weil er sah, wie uneingeschrankt die Macht des persischen GroBkönigs tatsachlich war. Bezogen auf die Münzpragungen Alexand- ers bedeutete das, dass diese - wie die Analyse aller in der online-Datenbank PELLA registrier- ten Tetradrachmen ergab22 - frühestens ab 329 den Schriftzug „Alexandrou basileus“ aufge- pragt bekamen. Ebenso auffallig ist, dass Alexander zuerst in der Pragestatte Aruad in Phöni- zien den neuen Stempel verwenden lieB und erst ein Jahr vor seinem Tod in der makedonischen Pragestatte Amphipolis den Königstitel erganzen lieB. Die neuen Münzen wurden bis über sei­nen Tod hinaus weitergepragt, in Amphipolis zumindest bis 318.23 Das dauerhafte Hinzufügen des Königstitels auf seinen Münzen zeigt, dass auch Alexanders Auffassung seines Königtums sich nach dem endgültigen Sieg über Darius dauerhaft gewandelt hatte. Wann genau er den Stempelwechsel veranlasst haben mag, lasst sich freilich nicht genau sagen, jedoch dürfte es nicht vor dem Sieg bei Gaugamela im Oktober 331 geschehen sein, da in dessen Folge der persische Staatsschatz Alexander in die Hande fiel - genügend Silber und Gold, das zu frischen Münzen für seine auf Sold wartenden Soldaten ausgepragt werden konnte.

2. Alexander als hegemón des Korinthischen Bundes

Traten Philipp und spater (zunachst) auch Alexander schon ihren eigenen Landsmannern gegenüber nicht titular offensichtlich als basileus gegenüber, so ist es nicht verwunderlich, wenn dieser Titel im Umgang mit den griechischen Bundesgenossen ebenso wenig Verwen- dung fand. Für Philipp war nach seinem Sieg über die Gegner auf der hellenischen Halbinsel klar: einem basileus würden sie sich nicht bedingungslos unterwerfen. Also schloss Philipp zunachst bilaterale Friedensvertrage ab, bei denen er durchaus Milde zeigte. Besonders bei den Verhandlungen mit dem stolzen Athen, seinem gröBten Feind, machte der Makedonenkönig groBe Zugestandnisse, indem er die Innenpolitik ganzlich den Athenern überlieB. Doch nicht überall zeigte sich Philipp von dieser Seite. Neben der territorialen Beschneidung Spartas plat- zierte er zur Kontrolle der einheimischen Stadtvater u.a. in Theben und Korinth makedonische Garnisonen.24 Die Milde Philipps war freilich nicht aus Gutmütigkeit geschehen. Sie war Teil des weitereichenden Plans, die Gunst der Stunde zu nutzen, um ein für allemal auf der griechi- schen Halbinsel den Frieden zu sichern und die Griechen unter seiner Herrschaft gegen den gemeinsamen Feind Persien zu vereinen. Aus diesem Grund lieB Philipp im Frühjahr 337 De- legierte aus allen griechischen Staaten in Korinth zusammenkommen, um ein „dem Ziel einer allgemeinen Friedensordnung verpflichteten [Militarbündnis]“25 zu schlieBen: den Korinthi- schen Bund. Dieser sah die Schaffung eines Bundesrates, dem synhédrion, vor, sowie die Er- nennung eines Bundesfeldherrn, genannt hegemón. Natürlich fiel diese Ehre aufgrund seiner militarischen Übermacht und der bilateralen Bündnisvertrage mit den zuvor im Krieg unterle- genen poleis Philipp selbst zu.26

Jene Inschrift, welche fragmentarisch den Eid des Korinthischen Bundes aus dem Jahre 337 festhalt, erlaubt einen Einblick in den sensiblen Umgang mit Philipps Herrschertitel als ba- sileus 27:

(a) [Eid. Ich schwöre bei Zeus, Ge, Helios, Pose]idon, A[thena, | Ares (und) allen Göttern und Göttinnen:] Ich werde festhalten [am B|ündnis { oder: am | Frieden; oder: am | Vertrag}, und ich werde nicht brechen den V]ertrag, de[r m|it Philipp, dem Makedonen (besteht), und ich werde nich]t die Waffen heben [i|n feindlicher Absicht gegen irgendeinen von denen, die] festhalten an d|[en Eiden (?), weder zu Lande] noch zu Was|[ser, und ich werde nicht die Stadt oder ein Gi]pfelfort besetz|[en oder einen Hafen in krie]gerischer (Absicht) von irgendeinem derer, die a|m Frieden teilnehm]en, mit keinen Mitteln |[und keiner Machenschaft, und ich werde nicht d]ie Königsherrschaft [d]es Ph|[ilipp und seiner Nachkomm]en stürzen und nicht di|[e Verfassungen, welche bestanden] bei einem jeden, als sie d|[ie Eide über de]n Frieden schworen, |[und weder werde ich selbst irgendetwas Versto]Bendes gegen diesen | [Vertrag tun noch] werde ich [es einem and]eren gestatten nach | [meinen Möglichkeiten. Wenn aber einer etwas] Vertragswidriges [tut] ge|[gen den Vertrag, werde ich helfen], so wie (dazu) auff|ordern die rechtswidrig Behan- delten { oder: die Synhedroi}], und ich werde Krieg führen gegen de|[n, der den Allgemei- nen Frieden { oder: diesen Vertrag} über]tritt, so wie | [es beschlieBen wird das gemeinsame Synhed]rion und der Hegemo|[n aufruft, und ich werde nicht des]ertieren [-]

Philipp tritt in diesem Vertrag zunachst lediglich als „Philipp, [der Makedone]“ auf, ohne dass explizit sein Königstitel des basileus vorangestellt wird. Er ist es auch nicht in dieser Funk- tion, der de jure VerstöBe ahndet. Hierfür wurde Philipp vom synhédrion ja zum hegemón er- nannt, wahrend er auBerdem für die Durchführung militarischer Kampagnen den Titel eines strategos autokrator erhielt. Dass Philipp die absolute Kontrolle über die Mitglieder des Ko- rinthischen Bundes genoss, steht auBer Frage. Doch dürfte der Verzicht der Anrede „König“ in der Konstitution des Bundes eine Sache der Ehre gewesen sein. Jedenfalls taucht spater im Text der Inschrift der Begriff der „Königsherrschaft“, im griechischen Original basileia, doch noch auf. Hier erscheint er jedoch nicht allzu scharf wie zu Beginn der Vertragsschrift, zumal er im Zusammenhang mit dem Versprechen gegenüber Philipps Nachkommen steht. Am Ende ist Philipp jedenfalls kein basileus, der über den Korinthischen Bund wie über sein eigenes Kö- nigreich herrscht, sondern der hegemón, der Gefolgschaft für seine Kriegszüge und ein Ende der internen Kriege unter den Griechen fordert.

Auch Alexander sollte diese diplomatische Vorsicht bezüglich seines titularen Auftretens gegenüber den poleis auf dem Festland vorerst übernehmen. Denn als Philipp im Jahr 336 starb und Alexander dessen Nachfolge antrat, regte sich vor allem bei den südgriechischen Mitglieds- staaten des Korinthischen Bundes die Hoffnung, die makedonische Vorherrschaft auf der grie- chischen Halbinsel beenden zu können. Doch wie bereits nach dem Attentat auf Philipp, als Alexander nicht damit zögerte, seinen Anspruch mit aller Gewalt durchzusetzen, handelte er auch hier sofort. So zog er noch im Herbst desselben Jahres mit einer schlagkraftigen Armee von Makedonien aus gen Süden.28 Bereits bei seinem Halt in Thessalien 336 bekraftigte Ale- xander seinen Anspruch auf Philipps Nachfolge bezüglich der Vorherrschaft in Griechenland, indem er sich dort sowohl zum archon des Thessalischen Bundes, ein Titel, den bereits sein Vater Philipp als Herrscher über Thessalien innehatte, als auch zum hegemón des Korinthischen Bundes wahlen lieB.29 Nachdem Alexander also auf diplomatischem Wege den Abfall Thessa- liens verhindert hatte, inkorporierte er zusatzlich noch die Thessalische Reiterei in seine Armee, um das Land enger an sich zu binden.30 Doch noch wahrend sich Alexander in Thessalien auf- hielt, erfuhr er vom Aufbegehren der Thebaner. Der junge König eilte unverzüglich, nachdem er vom Aufstand erfahren hatte, nach Theben, belagerte die Stadt und lieB ihre Mauern gewalt- voll stürmen. Im Anschluss entzog er dem nahezu vollends zerstörten Theben das Privileg einer autonomen polis. Die Antwort Alexanders war also eindeutig: Jede Stadt, die seinen Anspruch als hegemón über Griechenland anzweifeln sollte, würde das gleiche Schicksal widerfahren, würde das Recht auf autonomia und eleutheria entzogen werden.31 Alexander wurde aus die- sem Grund von den übrigen Stadten des Korinthischen Bundes als dessen hegemón anerkannt. Doch wie bereits sein Vater Philipp taucht Alexander einer der attischen Inschrift von 33632, die womöglich als Erneuerung des Bundes fungierte, lediglich mit seinem Namen, nicht jedoch mit dem Titel basileus (makedonön) nennen. Da es sich bei der erhaltenen Inschrift um ein Fragment handelt, lasst sich nicht mit Sicherheit sagen, ob Alexander an anderer Stelle als he- gemón bezeichnet wird.

[...]


1 Kallisthenes' Aufzeichnungen sind der heutigen Forschung allerdings nur indirekt noch in Form des zweifelhaf- ten Alexanderromans (= Ps.-Call.) erhalten, wohingegen die Originaltexte des Ptolemaios und Aristobulos ganz- lich verschollen sind.

2 N. G. L. Hammond, The Kingdom of Asia and the Persian Throne, in: Antichtlon 20 (1986), S. 73-85.

3 Ernst Fredricksmeyer, Alexander the Great and the Kingdom of Asia, in: Albert B. Bosworth/ Elizabeth J. Baynham (Hrsgg.), Alexander the Great in Fact and Fiction, Oxford 2000, S. 136-166.

4 Plut. Alex. 34.1

5 HGIÜ 10.

6 HGIÜ 256; HGIÜ 259; HGIÜ 260; HGIÜ 264; HGIÜ 265.

7 Hyp. 5.7.

8 Eine Übersetzung sowie einen ausführlichen Kommentar liefert Carolyn Higbie in: Dies., The Lindian Chronicle and the Greek Creation of their Past, Oxford 2013, S. 18-49.

9 Hierbei soll auf die Analyse der Inschriften bei Fredricksmeyer zurückgegriffen werden.

10 Eine Einordnung der Keilschrifttexte findet sich bei Robartus van der Spek in: Ders., Darius III, Alexander the Great and Babylonian Scholarship, in: W. Henkelman/ A. Kuhrt (Hrsgg.), A Persian Perspective. Essays in memory of Heleen Sancisi-Werdenburg (= Achaemenid History XIII), Leiden 2003, 289-346.

11 Robert Drews, Basileus. The Evidence for Kingship in Geometric Greece (= Yale Classical Monographs 4), New Haven/ London 1983.

12 Vgl. Drews, Basileus, S. 20-23.

13 HGIÜ 10.

14 Vgl. Drews, Basileus, S. 25.

15 Ebd., S. 129.

16 Vgl. Drews, Basileus, S. 129.

17 Hdt. 8, 139, 1.

18 Vgl. Jörg Fünding, Philipp II. von Makedonien (Gestalten der Antike), Darmstadt 2014, S. 14f.

19 Vgl. Albert Bosworth, Conquest and Empire. The Reign of Alexander the Great, Cambridge 1988, S. 7; vgl. Alexander Demandt, Alexander der Grofie. Leben undLegende, München 2009, S. 354.

20 Vgl. David Grant, In search of the lost testament of Alexander the Great, Leicester 2017, S. 429.

21 Vgl. Pierre Briant, Alexander the Great and his Empire. A short introduction, Princeton 2010, S. 99.

22 Der Datensatz, der über PELLA eingesehen wurde, enthielt alle in der Datenbank erfassten Tetradrachmen, die unter die Autoritat Alexanders fielen; online aufgerufen am 26. September 2018 über <http://numisma- tics.org/pella/maps>.

23 ICGH 0083: Price 322/323/324; Eine Ausnahme stellt eine auf die Zeit zwischen 251 und 176 v. Chr. datierte Tetradrachme dar (IGCH 0888: Price 992). Wahrscheinlich wurde hier der alte Pragestempel erneut verwendet, um diese Münze zu pragen.

24 Vgl. Michele Faraguna, Alexander and the Greeks, in: Joseph Roisman (Hrsg.), Brill's Companion to Alexander the Great, Leiden/ Boston 2003, S. 100.

25 Hans-Ulrich Wiemer, Alexander der Grofie, München 2005, S. 71.

26 Vgl. Ebd.

27 HGIÜ 256

28 Vgl. Demandt, Alexander, S. 91.

29 Vgl. Wiemer, Alexander, S. 83.

30 Vgl. Demandt, Alexander, S. 354.

31 Vgl. Faraguna, Alexander and the Greeks, S. 103.

32 HGIÜ 259.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Herrschertitel Alexanders des Großen
Untertitel
König der Makedonen, König von Asien, religiöse Titel
Hochschule
Universität Mannheim  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar Alexander der Große
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V1129496
ISBN (eBook)
9783346495396
ISBN (Buch)
9783346495402
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alexander, Hegemon, Korinthischer Bund, Pharao, Babylon, Zeus Ammon
Arbeit zitieren
Fabio Freund (Autor:in), 2018, Herrschertitel Alexanders des Großen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1129496

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