Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Das Motiv brüchiger Beziehungen in Gabriele Wohmanns "Evas Besuch"

Title: Das Motiv brüchiger Beziehungen in Gabriele Wohmanns "Evas Besuch"

Seminar Paper , 2000 , 14 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Carolin Spangenberg (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Ich habe mich an dieser Stelle für ein Vorwort entschieden, um hier einige wichtige
biographischen Lebensdaten und -abschnitte aufzuzeigen, die für die Strukturgebundene
Analyse des ausgewählten Textes nicht von Besonderheit wären, allerdings das
Verständnis meiner Wahl für Gabriele Wohmann und gleichzeitig das der Intention und
Thematik ihrer Texte aufzeigt und vertieft.
Gabriele Wohmann wurde am 21.05.1932 in Darmstadt als Tochter von Luise und Paul
Guyot geboren. Sie studierte Neuere Sprachen, Musikwissenschaften und Philosophie
und nach ihrer Heirat 1953 fand ihr Gelerntes im Schreiben Anklang und seit 1956 ist sie
als ungemein produktive Schriftstellerin tätig.
" Schreiben ist eine Krankheit, Nichtschreiben auch. Das Tun ist ein Zwang, das Nichttun
auch."1
Gabriele Wohmann bezeichnet sich selbst als " Graphomanin" und lebt mit ihrer
Schreibkrankheit, akzeptiert sie als bestimmtes Element ihres sonst normal verlaufenden
Lebens. Sie wehrt sich gegen Gewöhnung, gegen das Sich- Einrichten im Alltag, lebt aber
demgegenüber ganz bewusst in festen Bahnen, braucht Gewissheit und selbst
geschaffenen Rhythmus als Fundament ihrer Arbeit. "Ich bin kein Fabulierer, keine
Person- und Stofferfinder, ich habe den Authentitätstick, also werde ich beim Schreiben
auch immer so ziemlich in meiner eigenen Nähe bleiben."2 Diese Selbstaussage fordert
dazu auf, das Leben der Autorin, ihre Herkunft und Bildung, ihr soziales Umfeld, ihre
Gewohnheiten und Intentionen als Grundsubstanz für ihr Schreiben ernst zu nehmen.
Sie selbst versichert: "Ganz ohne das Ausgehen von eigenen Erfahrungen oder
Empfindungen kann ich überhaupt nicht schreiben. Ich berichte, zwar in einer anderen
Person steckend, von Erfahrungen, die ich gemacht haben könnte."3
Ihre Texte handeln vom Gefühl, zu kurz gekommen zu sein, nicht gelebt zu haben, vom
Aneinander vorbeireden, von Abgrenzungen und Klammern, von Enttäuschungen und
moralischem Druck, der Angst vor Einsamkeit, vom fatalen Tröster Alkohol und all den
Unzulänglichkeiten, die das Durchleben des Alltags begleiten. Sie seziert immer neu knapp und doch detailliert menschliches (Nicht-) Miteinander, ausgehend von kleinen
banalen Begebenheiten, hinter denen persönliche Tragödien stecken können. [...]
1 Siblewski, 1982, S. 8
2 Häntzschel,1982, S. 7
3 Häntzschel, 1982, S. 7

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Hauptteil

Analyse der Kurzgeschichte und Klärung des Themas beziehungsweise der Aufgabenstellung

4. Schlussbemerkung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht Gabriele Wohmanns Kurzgeschichte „Evas Besuch“ im Hinblick auf das Motiv der zwischenmenschlichen Brüchigkeit und analysiert das Unvermögen der Protagonistin zur Kommunikation über existenzielle Probleme, insbesondere die Erblindung ihres Sohnes. Zudem wird der literarische Bezug der Autorin zur „Gruppe 47“ kritisch hinterfragt und eingeordnet.

  • Analyse der zwischenmenschlichen Kommunikationsstörungen und Beziehungsdefizite
  • Untersuchung der psychologischen Ebene hinter dem alltäglichen Miteinander
  • Deutung der Rolle von Sprachstrukturen und Erzähltechniken bei Wohmann
  • Kritische Einordnung der Autorin und ihres Werks in den Kontext der „Gruppe 47“

Auszug aus dem Buch

3. Hauptteil

In „Evas Besuch“ berichtet eine Mutter eines kleinen Jungen, Rudolf in einem protokollartigen Rückblick, über den Kurzaufenthalt ihrer Freundin Eva, die sie ein paar Tage zu Gast hat. Die beiden Frauen verbringen die Tage zusammen, ohne dass die eine das sie gegenwärtig, bedrückende Problem der kürzlichen Erblindung ihres Kindes ansprechen kann. Eva wird von ihrer Gastgeberin in einem Hotel untergebracht, um mit dem blinden Kind nicht konfrontiert zu werden. Täglich nimmt die Mutter sich vor, über ihr Kind zu sprechen. Doch wegen der Angst, bemitleidet zu werden, der Furcht vor Selbstentblößung, aber hauptsächlich wegen Evas Desinteresse und weil sie Eva den Besuch nicht verderben will, verschweigt sie letztendlich ihrer angeblichen Freundin ihr privates Unglück. Gabriele Wohmann möchte damit die zwischenmenschlichen Beziehungen anprangern und ihre Brüchigkeit und gleichzeitig besonders die Fragwürdigkeit darstellen, die hier aufgrund der Angst dem Anderen gegenüber abgewertet zu werden und durch die daraus folgende Nichtkommunikation, entsteht.

Wenn man anfänglich den Titel „Evas Besuch“ betrachtet, erweckt er den Eindruck, dass es sich hier um eine Erzählung beziehungsweise eine Dokumentation von einem Besuch einer gewissen Eva bei irgendjemanden handelt, dass beschrieben werden könnte, was für Unternehmungen und Unterhaltungen gemacht wurden, wie sich diese gewisse Eva in das Leben des Besuchten integriert hat und wie das Verhältnis aus der Sicht des Erzählers zu Eva war. Einerseits wird dieses „Vorurteil“ in dem gelesenen Text nicht enttäuscht und es ist wirklich eine protokollartige, dokumentisierende Erzählung über den Besuch Evas bei der Ich- Erzählerin.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Dieses Kapitel liefert biographische Eckdaten zu Gabriele Wohmann und beleuchtet ihre Intentionen als Schriftstellerin sowie ihre Arbeitsweise als Beobachterin des Alltags.

2. Einleitung: Hier wird der historische Kontext der Kurzgeschichte in der Nachkriegsliteratur verortet und das Thema des Kommunikationsverlustes sowie der Angst vor dem Sympathieverlust eingeführt.

3. Hauptteil: Dieses Kapitel analysiert detailliert die zwischenmenschliche Nichtkommunikation in „Evas Besuch“, die Erzählstruktur sowie die Rolle der Figuren und Sprachmittel.

4. Schlussbemerkung: Die Autorin zieht ein Fazit zur begrenzten Zugehörigkeit Wohmanns zur „Gruppe 47“ und unterstreicht die zeitgenössische Relevanz ihrer thematischen Schwerpunkte.

Schlüsselwörter

Gabriele Wohmann, Evas Besuch, Kurzgeschichte, Kommunikation, zwischenmenschliche Beziehungen, Gruppe 47, Nachkriegsliteratur, Ich-Erzählerin, Nichtkommunikation, Identität, Alltag, Sprachanalyse, psychologische Erzählweise.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Kurzgeschichte „Evas Besuch“ von Gabriele Wohmann unter dem zentralen Aspekt der Brüchigkeit und Fragwürdigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen Kommunikationsstörungen, die Angst vor Selbstentblößung und Mitleid, das Motiv der Vereinsamung sowie die Frage der Zugehörigkeit der Autorin zur „Gruppe 47“.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen dem vordergründigen Besuchsevent und dem hintergründigen, verschwiegenen Problem der Mutter (die Erblindung ihres Sohnes) aufzudecken und zu interpretieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine strukturbasierte Textanalyse, bei der sowohl inhaltliche Aspekte als auch stilistische und erzähltechnische Mittel (wie der innere Monolog oder Hypotaxen) untersucht werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Analyse der Interaktion zwischen der Erzählerin und Eva, die Rolle des Kindes Rudolf als Auslöser für die Nichtkommunikation sowie die sprachliche Gestaltung des Textes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören neben dem Titel und der Autorin auch Kommunikationsverlust, Sozialkritik, Erzählperspektive, Subjektivität und die „Gruppe 47“.

Warum spielt der Sohn Rudolf eine so zentrale Rolle für die Interpretation?

Rudolf fungiert als das „auslösende Moment“. Die Tatsache, dass die Mutter die Erblindung ihres Sohnes vor der Freundin verheimlicht, verdeutlicht ihre Unfähigkeit zu echter Nähe und die Störung ihrer zwischenmenschlichen Kommunikation.

Wie bewertet die Autorin Wohmanns Bezug zur „Gruppe 47“?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Wohmann nur lose mit der Gruppe assoziiert war. Stilistisch und inhaltlich gehört sie eher zur nächsten Generation von Schriftstellern, die sich mit der Konsumgesellschaft und privaten Nöten statt mit Kriegserlebnissen auseinandersetzten.

Excerpt out of 14 pages  - scroll top

Details

Title
Das Motiv brüchiger Beziehungen in Gabriele Wohmanns "Evas Besuch"
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Philosophische Fakultät)
Course
Die Gruppe 47. Zur Literatur der Nachkriegszeit
Grade
2,0
Author
Carolin Spangenberg (Author)
Publication Year
2000
Pages
14
Catalog Number
V11301
ISBN (eBook)
9783638174992
ISBN (Book)
9783656768371
Language
German
Tags
Gabriele Wohmann Eva´s Besuch Interpretation Kurzgeschichte Berücksichtigung Motivs Brüchigkeit Fragwürdigkeit Beziehungen Bezug Gruppe Literatur Nachkriegszeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Carolin Spangenberg (Author), 2000, Das Motiv brüchiger Beziehungen in Gabriele Wohmanns "Evas Besuch", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11301
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  14  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint