Die Haltung des deutschen Episkopats zur Judenverfolgung im Dritten Reich


Seminararbeit, 2006

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DIE NATIONALSOZIALISTISCHE JUDENPOLITIK – PHASEN DER VERFOLGUNG UND VERNICHTUNG

3. FALLENGELASSEN – Die Jahre 1933 und 1934

4. DIE „NÜRNBERGER GESETZE“ UND DIE AUSSPRACHE KIRCHLICHER LOYALITÄT IM JAHR

5. FAZIT

6. QUELLEN UND LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

„Wäre das Christentum in Deutschland und im ganzen Abendland lebendiger gewesen, dann hätte es ein Drittes Reich mit all seinen Verfallserscheinungen nicht gegeben.“[1]

Das von Jesuiten Max Pribilla für die Zeitschrift Stimmen der Zeit nach der Kapitulation Deutschlands niedergeschriebene Urteil, steht im Widerspruch zum den direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gemachten Äußerungen der obersten Kirchenmänner da. Es ist zwar zu hinterfragen inwiefern die stärkere Religiosität der Menschen Hitler gehindert hätte an die Macht zu kommen, doch eines ist sicher: das deutsche Episkopat als Vertreter des Katholizismus und damit Propagierter des Gebots der Nächstenliebe wäre durchaus in der Lage die Bevölkerung zum breiten Protest gegen die Judenhetze zu mobilisieren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten sie sich zu befreien von jeglicher Schuld während der Naziherrschaft und präsentierten sich in der Öffentlichkeit und in internen Kreisen selbst als oppositionelle Kraft während der Jahre 1933 - 1945. Selbstkritik blieb ihnen gänzlich fremd. So heißt es im Hirtenbrief, den die bayerischen Kirchenmänner am 28. Juni 1945 als Antwort auf ein Loblied des Papstes Pius XII.[2] geschrieben haben:

„Die deutschen Bischöfe haben, wie ihr selber wisst, von Anfang an vor den Irrlehren und Irrwegen des Nationalsozialismus ernstlich gewarnt und immer wieder hingewiesen auf die unglücklichen Folgen, die der Kampf gegen Glaube, Christentum und Kirche, gegen Recht, Freiheit und Wahrheit mit sich bringen muss.“[3]

Der von Pribilla verwendete Begriff Verfallserscheinungen impliziert auch auf das von Dritten Reich verfolgte Ziel der Judenvernichtung, dessen Realisierung mit der Verfolgungsphase (1933 bis 1939)[4] – verbunden mit Ausgrenzung, Entrechtung, Entzug der wirtschaftlichen Grundlage und Druck zur Emigration- ihren Anfang nahm.

Die vorliegende Hausarbeit soll mit Hilfe auserwählter Literatur und Quellen das Verhalten des deutschen Episkopats während dieser ersten Phase kritisch untersuchen. Anhand der Reaktion auserwählter Repräsentanten des deutschen Episkopats auf die zentralen Maßnahmen der Nationalsozialisten gegen den jüdischen Teil der Bevölkerung bis zum Jahr 1936 soll gezeigt werden, dass die gerne verwendete Apologetik der Kirchenleute und die damit zusammenhängende Propagierung der Unschuld, nicht auf das tatsächliche Handeln basieren kann. Primär soll dafür das Handeln des Münchener Kardinals Faulhaber durch die Analyse auserwählter Quellen in Betracht gezogen werden. Er gilt als eine der markantesten Persönlichkeiten im deutschen Episkopat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und gerade aus diesem Grunde soll sein Unwille, den Nationalsozialisten die Stirn zu bieten und sein Ignorieren der innerkirchlichen Stimmen gegen das Regime gezeigt werden.

2. Die nationalsozialistische Judenpolitik – Phasen der Verfolgung und Vernichtung 1933 - 1945

Die Vernichtung der Juden war eines der primären Ziele der Nationalsozialisten. Geprägt von den Ideen Adolf Hitlers, die er in seinem gemeinsam mit Rudolf Heß verfassten zweibändigen Pamphlet „Mein Kampf“ äußerte, war die Eliminierung der Juden Kern ihrer Ideologie. Schon 1919 hat Hitler in einem Brief geschrieben, dass das letzte Ziel des Antisemitismus „unverrückbar die Entfernung der Juden überhaupt“[5] sein müsse. Hitler favorisierte die planmäßige, durch Gesetze untermauerte Bekämpfung der Juden[6], um dieser einen „legalen“ Charakter zu verleihen. Die antijüdischen Maßnahmen, die kontinuierlich verschärft wurden, werden in vier Phasen der Entwicklung des vom Nazi-Staat und seinen Anhänger durchgeführten Terrors gegen die Juden untergliedert.[7]

Die erste Phase erstreckte sich auf den Zeitraum 1933 bis 1935. Diese war durch einzelne Ausführungsbestimmungen, die auf der Grundlage der Notverordnungen und des Ermächtigungsgesetzes basierten, gekennzeichnet. Die zweite Phase dehnte sich von 1935 bis 1938 aus. Die planmäßige gesetzliche Bekämpfung der Juden erreichte hier ihren Höhepunkt in den so genannten „Nürnberger Gesetzen“ vom 15. September 1935.

Die dritte Phase von 1938 bis 1941[8] war vom Judenpogrom am 9. November 1938, von Vertreibungen und ersten Massendeportationen gekennzeichnet. Die vierte Phase in der nationalsozialistischen Judenpolitik war von der „Endlösung der Judenfrage“ bestimmt. Im Zeitraum von 1941 bis 1945 wurde die physische Massenvernichtung der Juden vollbracht.

3. Fallengelassen - Die Jahre 1933 und 1934

Bereits nach den Märzwahlen von 1933 nahmen gezielt gegen Ostjuden gerichtete Gewalttaten zu, als SA-Leute dutzende Bewohner Berlins verhafteten. Mit dem Ersuchen Hitlers an den Reichsinnenminister Frick vom 9. März, die Zuwanderung der Ostjuden abzuwehren, Ostjuden, die sich ohne Aufenthaltserlaubnis in Deutschland befinden, zu entfernen und Ostjuden nicht mehr einzubürgern, beginnt die aktive Politik gegen die Juden.[9] An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Pfarrer von Lutzingen (Bistum Augsburg) nur eine Woche nach der Reichstagswahl vom 5. März vor der Kanzel seiner Pfarrkirche predigte:

„Die schlimmste Rasse sind die Juden, denen die Nationalisten alle Schlechtigkeit beilegen. Diese Rasse ist total verkommen, entartet, ist eine satanische Rasse, der Gegenpol zur nordischen, göttlichen Rasse. Sie müssen ausgerottet werden: Juda verrecke!“ „…im Interesse der Seelsorge, des Gewissens und des Glaubens bin ich zu offener Sprache verpflichtet... Schweigen wäre eine Vernachlässigung meiner Hirtenpflicht und ein Ärgernis für die Kirchentreuen.“[10]

[...]


[1] Vgl. Georg Denzler: Widerstand oder Anpassung. Katholische Kirche und Drittes Reich, München, 1984, S. 133.

[2] Am 2. Juni 1945 nahm der Papst zur jüngsten Vergangenheit der katholischen Kirche in Deutschland Stellung, bei der er der kirchlichen Autorität jegliches Versagen abspricht.

[3] Vgl. Ludwig Volk (Hg.): „Akten Kardinal Faulhabers, Bd. II, Mainz, 1975-1978, S. 1080-1084.

[4] Vgl. Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden. Die Jahre der Verfolgung 1933-1939, München, 1998. und Das Dritte Reich und die Juden. Die Jahre der Vernichtung 1939-1945, München, 2006.

[5] Vgl. Eberhard Jäckel: Hitlers Herrschaft, Stuttgart, 1986, S. 98.

[6] Vgl. Ebenda, S. 91.

[7] Vgl. Vgl. Georg Denzler / Volker Fabricius: Christen und Nationalsozialisten, Frankfurt am

Main, 1995, S. 152ff.

[8] Bereits während des Polenfeldzugs 1939 begannen Massenmorde an jüdischen Zivilisten

hinter der Ostfront. Laut Friedländer findet folglich schon hier die planmäßige Ermordung statt. Am 23. Oktober 1941 verbot Himmler allen Juden im deutschen Einflussbereich die Auswanderung.

[9] Das Gesetzes über den „Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit“ gegen die Ostjuden wird am 14. Juli 1933 erlassen.

[10] Vgl. Franz Xaver Winter: Eine Predigt des Pfarrers Stephan Rugel. Aus den Schriften des Dr. Fritz Gerlich und des Paters Ingbert Naab O.F.M. Cap., München, 1946, S. 243-251.

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Details

Titel
Die Haltung des deutschen Episkopats zur Judenverfolgung im Dritten Reich
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V113016
ISBN (eBook)
9783640125753
ISBN (Buch)
9783640128198
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Episkopats, Judenverfolgung, Drittes Reich
Arbeit zitieren
Bachelor Damir Hajric (Autor), 2006, Die Haltung des deutschen Episkopats zur Judenverfolgung im Dritten Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113016

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