Das Essen und Trinken in der pflegerischen Tätigkeit. Unterrichtsentwurf mit Schwerpunkt auf die Arbeit im Alten- und Pflegeheim


Unterrichtsentwurf, 2004
53 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Institutionelle Rahmenbedingungen
1.1 Organisatorische Voraussetzung
1.2 Räumlichkeiten
1.3 Medienausstattung

2 Bedingungsanalyse
2.1 Ausgangsbedingungen der Klasse
2.2 Ausgangsbedingungen des Lehrenden
2.2.1 Das Thema betreffend
2.2.2 Kontakt zur Klasse
2.2.3 Unterrichtserfahrung

3. Sachanalyse

4. Didaktische Analyse nach W. Klafki
4.1 Exemplarische Bedeutung
4.2 Gegenwartsbedeutung
4.3 Zukunftsbedeutung
4.4 Bezug zur Fachdidaktik
4.5 Didaktische Reduktion
4.6 Lernziele
4.7 Ergebnissicherung
4.8 Zugangs- und Darstellungsmöglichkeiten

5. Geplanter Unterrichtsverlauf schriftlich

6. Tatsächlicher Unterrichtsverlauf/ Eigene Reflexion

7. Die Reflexion/ Evaluation meiner Mentorin

8. Literaturnachweis

9. Anhang

1. Institutionelle Rahmenbedingungen

Der Unterricht findet am XXX in Y an der dortigen Altenpflegeschule statt. Das XXX ist eine gemeinnützige Einrichtung mit verschiedensten Aus- und Weiterbildungseinrichtungen in ganz Deutschland. Das Leitbild ist gewerkschaftlich geprägt. Das XXX berät, qualifiziert, bildet aus, betreut, beschäftigt und vermittelt. Somit und durch innovative Bildungskonzepte trägt das Unternehmen zum Erhalt und Ausbau der individuellen Qualifikationen der Kunden und unter anderem Arbeitsplatzsicherung, Humanisierung der Arbeitswelt und Resozialisierung bei. Damit unterstützt das XXX die aktive Arbeitsmarktpolitik. Laut Leitbild stehen die Kunden im Vordergrund, so entsteht eine freundliche Lern- und Arbeitsatmosphäre. Die Mitarbeiter gelten als Leistungsträger und Repräsentanten des Unternehmens. Das XXX fördert, erwartet aber auch Engagement, Flexibilität, Kritikfähigkeit, Lernen aus Erfahrung sowie Qualitätsbewusstsein. Der respektvolle und der menschliche Umgang untereinander wird groß geschrieben. Durch Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter fördert das XXX die Stärkung der Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz. Die Kommunikationsstruktur ist offen, transparent und wertschätzend. Der Informationsaustausch sowie die unternehmensweite Zusammenarbeit werden gefördert (XXX, o.J.)

An dieser Schule wird auch eine Ausbildung zum Heilerzieher und Arbeitspädagogen angeboten. Zu den Ausbildungen zum Heilerzieher und Arbeitspädagogen, kann ich wenig sagen, da diese als getrennt zu erachten sind. Es gibt eigene Klassenräume und die für diese Ausbildung benötigten Lehrer. Auch bei Ausfall einer Lehrperson in den anderen Fachrichtungen, wird kein „artfremdes“ Lehrpersonal als Vertretung herangezogen.

In der Altenpflege stehen pro Kurs 25 Ausbildungsplätze zu Verfügung. Zurzeit befinden sich fünf Kurse in der Ausbildung zur Altenpflege.

1.1 Organisatorische Voraussetzung

Die theoretische Ausbildung erfolgt in Blockunterrichten, die von der Dauer kürzestens zwei Wochen und längstens sechs Wochen lang sind. Ausnahme ist der Einführungsblock, der acht Wochen beträgt. Einzelne oder wöchentliche Schultage finden in der Regel nicht statt. Jede Klasse hat einen Klassenlehrer, der außer für die Stundenplangestaltung für die ganze Planung und Organisation während der dreijährigen Ausbildung des Kurses zuständig ist.

Die Klasse ist der erste Kurs, der nach der neuen Altenpflegeausbildungsverordnung des Bundes ausgebildet wird. D.h. unter anderem das der Unterricht nach Lernfeldern eingeteilt ist.

Das Thema Essen und Trinken ist im Lernfeld 1.3, Personen- und situationsbezogene Pflege alter Menschen, verankert. Dort wiederum wird dieses Fach als Unterstützung bei der Ernährung aufgeführt. Die Unterpunkte/ Unterrichtsinhalte beziehen sich auf den Ernährungszustand, die orale Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme und Hilfe bei der Nahrungsaufnahme.

Das Lernfeld 1.3 ist im ersten Schuljahr mit 50 Stunden veranschlagt. Von denen ich für meinen Unterricht mit Absprache meiner Mentorin und des Schulleiters fünf Doppelstunden zur Verfügung erhielt. Da der Unterricht Lernfeldbezogen sein soll, wurden zwei aufeinander folgende Tage als Projekttage ausgewiesen, die ich in einen Theorie- und einen Praxisteil unterteilte und in diesen Teilen Gruppenarbeiten und einem Rollenspiel in meine Planung mit einbezogen wurden.

Der Unterricht soll am 27. und 28 Mai 2004 stattfinden. Am 27. Mai werden mir zwei Doppelstunden und am 28. Mai drei Doppelstunden zur Verfügung gestellt.

Ein Curriculum ist derzeit nicht vorhanden.

Als Lehrmaterial wird u.a. das Buch Altenpflege in Ausbildung und Praxis verwendet, dieses zur Nachbereitung benutzt werden kann.

1.2 Räumlichkeiten

Die Schule befindet sich in Y auf einem alten Gutshof, der für Schulungszwecke in den 80er Jahren umgebaut worden ist. Da dieser Hof abseits auf einem Berg und am Waldrand gelegen ist, sind keinerlei akustischen Störrungen, wie z.B. durch Auto- oder Zugverkehr vorhanden.

Für die Altenpflege stehen drei Klassenräume, ein Demoraum und ein großer gemeinschaftlicher Schulsaal, zur Verfügung. Zwei der drei Klassenräume befinden sich im ersten Stock im linken Seitenflügel, der dritte im zweiten Stock etwas abseits. Der Demoraum befindet sich im Dachgeschoss. Die Klassenräume der anderen Schulen befinden sich alle im zweiten Stock. Die Büroräume für den Schulleiter und den hauptamtlich Lehrenden, das Sekretariat und der Lehreraufenthaltsraum befindet sich in dem linken Seitenflügel des zweiten Stocks.

Der Klassenraum, in dem ich unterrichten werde, befindet sich im ersten Stock links (Hörsaal 2). Der Raum ist mit zwei Türen, und einer Fensterfront ausgestattet. Da der Raum außer den Fenstern und Türen keine Lüftungsmöglichkeiten hat, ist die Luft in diesem Raum ziemlich schnell „verbraucht“. Im Gang sind drei Hängetische an der Wand angebracht, die sehr gut von den Schülern für Gruppenarbeiten genutzt werden können. Der Klassenraum ist ca. 7,20 x 8,20 m groß. Die Sitzordnung ist die U- Form, die klassische Hufeisenform. Die Tische sind Trapezförmig, diese Tischform schränkt die Umstellung der Tische auf eine bessere Sitzordnung enorm ein. Das Lehrerpult steht in der Mitte vorne. Im hinteren Teil des Klassenraumes, an der Wand, steht eine große Schrankwand, die die Schüler für ihre persönlichen Gegenstände (Tassen, Kaffee, Milch, etc.) nutzen.

In dem Raum ist auf der linken Seiten der Wand in einer Höhe von ca. 1,70 m eine Metallleiste angebracht, an der man mit Hilfe von Magneten Plakate, Collagen oder ähnliches aufhängen kann. Die Tafel ist zwei – flügelig, die Flügel sind seitlich ausklappbar. Ein Tageslichtprojektor steht in jedem Klassenraum zur Verfügung. Leider ist die Leinwand, die mit einer Schnur herunterziehbar ist, direkt vor der Tafel platziert, sodass beide Medien nur schlecht oder gar nicht parallel nutzbar sind. Alternative Projektionsflächen, sind durch die Sitzordnung und die große Schrankwand, nicht möglich.

Der Raum, besser gesagt die Fenster, befinden sich zum Pausenhof hin, da die Pausen im 45 Minuten Rhythmus sind, diese aber individuell handhabbar sind, könnte es dadurch zu einer erhöhten Geräuschkulisse im Pausenhof kommen und dadurch zu Ablenkungen führen, dies aber Erfahrungsgemäß selten der Fall ist.

1.3 Medienausstattung

Wie oben schon erwähnt, stehen in jedem Lehrsaal, ein Tageslichtprojektor und eine Tafel zur Verfügung. Die Tafeln haben vier Flügel und sind in der Höhe verschiebbar. Weiterhin stehen zwei Fernseher mit je einem Videogerät zur Verfügung. Eine Videokamera, die zur Aufzeichnung von z.B. Rollenspielen, etc. genutzt werden kann ist ebenfalls vorhanden. Leider sind keine Beamer, oder ähnliches vorhanden.

2 Bedingungsanalyse

2.1 Ausgangsbedingungen der Klasse

Die Auszubildenden haben am 01. 04. 2004 die Ausbildung zur Altenpflege begonnen, und befinden sich momentan im ersten Ausbildungsblock. Die Dauer dieses Blockes ist auf acht Wochen festgesetzt.

Die Größe der Klasse ist recht überschaubar, mit 17 weiblichen und drei männlichen Schülern beträgt die Teilnehmerzahl 20 Personen. Die zwei jüngsten Auszubildenden sind 18 Jahre alt und die älteste Auszubildende ist 54 Jahre alt. Somit beträgt das Durchschnittsalter 34,7 Jahre. Zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr sind es neun Auszubildende, ab dem 31. Lebensjahr sind es elf Auszubildende (siehe Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Die schulischen Abschlüsse der Auszubildenden setzen sich aus acht Hauptschulabschlüssen, sieben mittlere Reifen, drei Abiturienten und zwei Fachhochschulreifen zusammen. Die acht Auszubildenden, die den Hauptschulabschluss gemacht haben, haben alle eine abgeschlossene Ausbildung vorzuweisen und sie haben alle eine kürzere oder längere Zeit in Pflegeberufen als Pflegehelfer oder als Altenpflegehelfer gearbeitet (siehe Abb. 2, 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2

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Abb. 3

Die Nationalität ist überwiegend deutsch, mit 19 Auszubildenden, wobei darunter eine Russlanddeutsche ist. Ein Klassenmitglied ist Engländerin, die schon seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Die Russlanddeutsche ist seit einem Jahr in Deutschland und hat einen Sprachkurs erfolgreich belegt. Sie versteht die deutsche Sprache sehr gut, aber Schwierigkeiten in der Schrift und in der Sprache wurden bereits festgestellt. Bei Fremdwörtern und Fachausdrücken (insbesondere Latein) können Verständigungsprobleme auftreten. M. E. werden die Verständigungsprobleme bei Fremd- und Fachwörtern sich aber nicht nur auf diese Auszubildende beziehen, sondern wegen des hohen Durchschnittsalters, auf fast die ganze Klasse ausweiten.

Zum Ausbildungsbeginn haben neun Auszubildenden eine mehrjährige Tätigkeit im Pflegebereich, hauptsächlich in Altenheimen oder ambulanter Pflege, vorzuweisen. Zehn Auszubildenden haben ein mindesten zweiwöchiges oder auch längeres Praktikum in einem Heim, einer Sozialstation oder im Krankenhaus, das von der Altenpflegeschule verlangt wird absolviert. Eine Auszubildende wiederholt wegen der schlechten schulischen Leistung und vieler Krankheitstage das erste Ausbildungsjahr (siehe Abb. 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4

Da ich für meinen Unterrichtskomplex insgesamt fünf Doppelstunden zur Verfügung habe, und der Unterricht in der letzten Woche des Blockunterrichts stattfand, lag es nahe an zwei aufeinander folgende Tage zu unterrichten. Zum Zeitpunkt des Unterrichtstages befindet sich die Klasse in der letzten Woche des Blockunterrichtes und ist dementsprechend froh in die Praxis entlassen zu werden um ihr theoretisch erlerntes Wissen zu erproben.

Trotz der Heterogenität der Klasse hat sich im Laufe des ersten Blockes eine positive Klassendynamik herauskristallisiert. Nach der Phase des Kennenlernens und sich einander Austauschens bildeten sich bereits nach den ersten Unterrichtswochen Lerngruppen, die keine Unterscheidungen zwischen „jung und alt“ machten. Die Kommunikation im Unterricht war meist themenbezogen und auf eine überraschende Weise sehr effektiv, da die älteren Klassenkolleginnen bereits viel Erfahrung von der Pflege älterer Menschen „mitbrachten“ und dies den jüngeren Kollegen auf eine natürliche Weise zu Vermitteln versuchten.

2.2 Ausgangsbedingungen des Lehrenden

2.2.1 Das Thema betreffend

Das Essen und Trinken ist eine existentielle Angelegenheit. Jeder Mensch muss sich im laufe seiner Lebenszeit Nahrung und Flüssigkeit zuführen. In meiner 12-jährigen Berufserfahrung in der Krankenpflege besonders in der Geronto- und der Allgemeinpsychiatrie habe ich viele Menschen mit diversen Krankheiten begleitet, die es nötig machten eine spezielle Kostform anzubieten, und/oder Hilfestellungen beim Essen zu geben. Nicht nur die Überwachung der Kostform oder der Hilfestellung beim Essen ist notwendig, sonder auch die Erfahrung zu machen, das auch in einem Krankenhaus das Essen zu einer Art der Sozialisation, des kommunikativen Aspektes und des allgemeinen Wohlbefindens ein wichtiger Aspekt der zwischenmenschlichen Beziehung zwischen Pflegekraft und Klient ist. Dabei kann Vertrauen aufgebaut werden, aber auch eine Art von Ritualisierung, die dem Klienten Sicherheit geben kann.

Da mir dieses Thema von der Altenpflegeschule vorgeschlagen wurde und ich es dankend annahm, werde ich anhand meiner praktischen Erfahrungen und der durchgeführten Sachanalyse nicht nur die „trockene Theorie“ lehren, sondern werde ich auch versuchen den Unterricht mit vielen praktischen Beispielen etwas aufzulockern.

2.2.2 Kontakt zur Klasse

Ich konnte die Klasse von Beginn ihrer Ausbildung an bis zum Zeitpunkt des Unterrichtes durch Hospitation und eigenen Unterricht kennen lernen. Die zeitweise gemeinsamen Pausen wurden dazu genutzt um sich gegenseitig auszutauschen und näher kennen zu lernen. Ein Problem meinerseits stellte ich dennoch fest. Da ich als Student immer noch die Rolle als „Schüler“ einnehme, fiel es mir zeitweise schwer die Rolle als Praktikant zu wahren. Von vielen Schülern wurde mir das Du angeboten, dass ich aber ablehnte um eine natürliche Distanz zu wahren. Im Gespräch mit meiner Mentorin, die oftmals in den Pausen dabeistand, wurde mir mitgeteilt, das ich meine Rolle als Praktikant vor der Klasse gut ausübe, und das soziale Kontakte nun mal entstehen, aber nach ihrem Erachten würde ich die natürliche Distanz wahren.

2.2.3 Unterrichtserfahrung

Da ich in meinem ersten Praxissemester zu den „Exoten“ zählte, konnte ich dort leider noch keine praktische Erfahrung im Unterricht halten sammeln. Da ich in meiner Ausbildung zum Krankenpfleger Jugend und Auszubildendenvertreter war, habe ich Erfahrungen sammeln können wie es ist vor einer Klasse zu stehen und diesen etwas zu vermitteln. Weiterhin kann ich durch meine Erfahrungen auf einer Suchtstation viel mit Gruppendynamik, Mitarbeiterführung und Einarbeitung von Schülern profitieren.

3. Sachanalyse

Das Essen und Trinken in Rahmen der pflegerischen Tätigkeit, mit Schwerpunkt auf die Arbeit im Alten- und Pflegeheim

Die Sachanalyse soll der Lehrkraft über eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema die erforderlichen Kenntnisse verschaffen. Darüber hinaus machte ich die Erfahrung, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht nur eine Wissenserweiterung darstellt, sondern ich konnte mein vorhandenes Wissen vertiefen und mir neue Aspekte zu dem Thema aneignen.

Die Kultur der Lebensmittel, die jeder gesunden Ernährung zugrunde liegt, befasst sich mit dem gebildeten Umgang mit Speise und Trank, der allein unsere Lebensmittel zu einem Mittel zum Leben macht. Die Gesunde Ernährung umfasst viele Lebenskreise, wie Arbeits- und Freizeitverhalten, Umgang mit Lebensmitteln und Genussmitteln, Eingebundensein in ein intaktes Sozialgefüge, d.h. es betrifft alle Bereiche der Humanökologie und darin Aspekte wie diese:

- Allgemeine Versorgungslage. Krisenzeiten, Umweltereignisse verstärken einerseits das Sicherheitsbedürfnis (Hamstereinkäufe), andererseits sowohl berechtigte wie auch irrationale Ängste.
- Gesellschaftlich- kultureller Stellenwert der Ernährung, wie ethnologische Besonderheiten, religiös- kultische Bestimmungen, Sozialstatus und Tischsitten.
- Psychologische und soziale Faktoren. Geschmack ist zwar zunächst ein „Ja- Nein- Gefühl“ des Einzelnen. Diese Orientierung ist heute aber weitgehend bestimmt durch Werbung und Modetrends. Große Konzerne der Lebensmittelindustrie beherrschen und verändern Appetitgefühle und Essgewohnheiten, indem sie am Bedürfnis nach Emotionalität anknüpfen. Ein anderer Trend liegt in der Funktionalisierung, wo das Essen zur „Funktionsnahrung“ verkommt.

(L. Juchli, 1997, S. 245).

Das Verlangen nach Flüssigkeit und Nahrung ist für Mensch und Tier eines der existentiellen Bedürfnisse und eine regelmäßige wiederkehrende Aktivität im Ablauf des täglichen Lebens. Die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme stellt nicht nur einen Lebenswichtigen Vorgang, zum Stillen von Durst und Hunger, dar, sondern ist auch ein wichtiger gesellschaftlicher und kommunikativer Ablauf, der dem Wohlbefinden und der Zufriedenheit dient (J. Korevic, 2003, S. 185).

Definitionen:

Hunger: Ist ein physiologisches Verlangen nach Nahrung, der unter anderem durch das Absinken des Blutzuckerspiegels entsteht, und dem Körper zu verstehen gibt, dass er Nährstoffe benötigt.

Durst: Reguliert den Wasserhaushalt im Körper. Das Durstgefühl wir von der Flüssigkeitsausscheidung, sowie von der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit beeinflusst.

Appetit: Basier eher auf dem Gefühl der Lust auf das Essen. Die Lust wird durch optische Reize, Gerüche, die Umgebung und den emotionalen Zustand bestimmt. Appetit kann aber auch unabhängig von Hunger entstehen.

Heißhunger: Ist ein ausgeprägtes Bedürfnis nach einem bestimmten Nahrungsmittel. Er tritt in besonderen Lebenslagen wie z.B., in der Schwangerschaft, nach einem Nahrungsverzicht und bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen z.B. Diabetes mellitus, auf. Der unstillbare Heißhunger auf Süßes kann auch eine Ersatzbefriedigung für mangelnde Zuwendung und Anerkennung sein.

(L. Juchli 1997, S. 246)

Besonderheiten bei älteren Menschen

Essen hat für ältere Menschen einen hohen Stellenwert. Besonders für Senioren, die in stationären Einrichtungen leben, gehört mitunter das Essen zu den Höhepunkten des Tagesablaufs. Im Alter kommt es häufig zu Veränderungen des Ernährungszustandes, dies sich als Mangelernährung und Exsikkose zeigt. Bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, kann der Einsatz von Hilfsmitteln sinnvoll sein. Bei manchen Senioren ist eine ausreichende Ernährung nicht gewährleistet, was unter Umständen eine enterale Ernährung nötig machen kann (A. Lauber, 2003, S. 192).

Eine ausgewogene Kost ist die Hauptvoraussetzung für gesundes Altern. Da der Grundbedarf und die körperlichen Aktivitäten abnehmen, braucht der Mensch im zunehmenden Alter weniger Energie. Der Eiweißbedarf bleibt unverändert. Die Energiemenge ist am besten zu senken, indem weniger Fett konsumiert und der Energiebedarf zu 55- 60% durch leicht verdauliche, nahrungsfaserreiche Kohlenhydrate gesichert wird. Der Mineralstoffbedarf bleibt im Alter unverändert (L. Juchli 1997, S. 600).

83% der älteren Menschen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen zeigen Zeichen einer quantitativen oder qualitativen Mangelernährung. Pflegeheimbewohner die beim Essen und Trinken auf Hilfe angewiesen sind, haben ein elffach erhöhtes Risiko zu eksikkieren. Somit sind ältere, pflegebedürftige Menschen von Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel bedroht. Die Aufgaben des Pflegepersonals ist es, dem alten Menschen die Bedeutung der Nahrungsaufnahme und der Flüssigkeitszufuhr zu erläutern, ihn zum Essen und Trinken zu motivieren und gegebenenfalls Hilfestellung anzubieten.

Dabei ist es besonders wichtig, dass man anhand der Biografie und der Pflegeanamnese die regional bedingten Essgewohnheiten, Vorlieben oder Abneigungen, sowie Erkenntnisse über das Ess- und Trinkverhalten ermittelt. Gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen und ärztliche Verordnungen müssen hierbei berücksichtigt werden. Altersbedingte körperliche wie auch geistige Schwierigkeiten beim Essen und Trinken sollen fürsorglich begleitet werden, dabei ist die Hilfe zur Selbsthilfe der beste Berater (J. Korevic, 2003, S. 185).

Das Essen in der Gemeinschaft

Anders als im Krankenhaus oder Zuhause findet die Nahrungsaufnahme in Pflegeheimen in der Gemeinschaft statt. Die Einnahme der Mahlzeiten ist an den Ablauf der Einrichtung gebunden, dies zu festen Essenszeiten führt, die sich nicht immer mit den Gewohnheiten älterer Menschen decken. Das Essen im Speisesaal hat einen sozialen Charakter. Die Senioren begegnen ihren Mitbewohnern und Mitarbeitern. Dort erhalten sie die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. Besonders für schwer pflegebedürftige ist das Essen in der Gemeinschaft ein Schritt aus der Isolation. Das gemeinsame Essen führt bei vielen Senioren dazu, dass sie mehr Lust und Freude am Essen haben. Mehr Lust und Freude bedeutet meist auch, dass es ihnen leichter fällt, sowohl mehr zu essen als auch zu trinken. Ältere Menschen, die nicht in der Gemeinschaft essen möchten, weil sie z.B. zittern, sich des häufiger verschlucken oder das Essen aus dem Mund verlieren etc., müssen die Möglichkeiten erhalten, alleine zu essen (A. Lauber, 2003, S. 193).

Die Gestaltung der Esssituation

Das Sprichwort „das Auge isst mit“ sagt schon fast alles darüber aus, worauf bei der Gestaltung des Speiseraums zu achten ist. Neben einem wohnlichen, gemütlichen Ambiente des Speiseraums tragen noch weiter Punkte zu einer ansprechenden Gestaltung bei. Kleine Sitzgruppen, evtl. das Spielen leiser Musik, ansprechendes Essgeschirr. Leichte ansprechende Trinkgefäße, frische, freundliche Servietten und Tischdecken, Tischschmuck der Jahreszeit entsprechend und appetitlich angerichtetes Essen. (A. Lauber, 2003, S. 193).

Essverhalten, Essgewohnheiten

Das Essverhalten ist von vielen Faktoren Beeinflusst, wie z.B.

- Das Essverhalten stabilisiert sich durch wiederkehrendes Auftreten (zeitlich).
- Das Essverhalten ist individuell hochgradig situationsgebunden.
- Das Essverhalten wird sicher durch innere Regulationsvorgänge mit gesteuert.
- Das Essverhalten ist mehr als bloße Nahrungsaufnahme, es ist ein wichtiger Teil des menschlichen Sozialverhaltens, drüber hinaus ist es identifizierbar an Geschmackserfahrungen und eine wiederkehrende Möglichkeit, positive Erinnerungen „zu schmecken“.
- Der „gute Geschmack“ kann zum vorherrschenden Motiv werden, wenngleich er in seiner Qualität kaum neutral im Sinne sensorische Kriterien gefasst werden kann.
- Das Essverhalten ist psychosoziales Verhalten. Daher kann die Ernährungsberatung nicht nur die Nahrungsaufnahme des Menschen zum Gegenstand ihrer Beratung machen, sondern sie muss das individuelle psychosoziale Geschehen um das Essen herum mit ins Auge fassen.

(L. Juchli, 1997, S. 246)

Dehydration/ Exsikkose

Wenn dem Körper Wasser entzogen wird und keine Flüssigkeitszufuhr erfolg, kommt es zu einem Defizit im Wasser-Elektrolythaushalt. Es hat zur Folge, dass der Körper austrocknet. Wasserverlust führt zu einer Verschiebung des gesamten Wasser- und Natriumbestands und zu einer Veränderung des intra- und extrazellulären Volumens.

Der Hauptbestandteil des menschlichen Körpers ist Wasser. Bei einem gesunden erwachsenen Menschen beträgt der Wasseranteil am Körpergewicht etwa 60 – 70%. Der Wasseranteil nimmt mit zunehmendem Alter ab. Der Körper nimmt Wasser sowohl über flüssige als auch über feste Nahrung auf. Das Durstgefühl ist für die Menge der Wasseraufnahme entscheidend. Dieses Durstgefühl lässt bei älteren Menschen nach.

Aus der Pflegeanamnese können die Trinkgewohnheiten vor dem Einzug in ein Pflegeheim ermittelt und in den Pflegeprozess mit integriert werden.

Die selbstständige Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme kann erschwert werden durch eine Fixierung des Klienten (motorische Unruhe), Hemiplegie, Gesichtslähmung, Schluckstörungen, Hörbehinderung, Sehbehinderung, aber auch wenn der Klient das Geforderte nicht mehr umsetzen kann. Weiterhin kann es zu Wasser und Elektrolytverlust auch bei Erbrechen, Diarrhoe, Fieber, Verbrennungen/ Verbrühungen, Laxantienabusus und Diuretikagabe kommen.

Symptome eines Nahrungs- und Flüssigkeitsmangels zeigen sich durch Abmagerung, Gewichtsverlust, trockene Haut, eine trockene Zunge und/oder Lippen. Folgen können allgemeines Unwohlsein, Antriebsarmut, Konzentrationsschwäche, Eintrübung des Bewusstseins mit Verlust der Orientierung, Verwirrtheit, Harnwegsinfekte und Obstipationen sein (J. Korevic, 2003, S. 202 ff).

Pflegerische Zielsetzungen/ Aufgaben

Essen und trinken gehört zu den Elementarbedürfnissen der Menschen, sie dienen der Aufrechterhaltung von Leben und Gesundheit. In der Pflege hat das Essen anreichen viele Dimensionen, die es bewusst wahrzunehmen, zu beeinflussen und zu beachten gilt. Die Gestaltung des Speisesaals und das Aussehen der Speisen beim Anreichen muss in der Pflege einen hohen Stellenwert erlangen. Wie auch die Frage an die Heimbewohner, wie ihre Essgewohnheiten, -menge, -zeiten, und was ihre Lieblingsspeisen und -getränke sind. In einer guten Pflegeplanung ist zu bestimmen, welche Pflegepersonen und zu welchen Zeiten das Essen eingegeben werden soll, denn je schwieriger sich das Essen eingeben bei einem Heimbewohner gestaltet, desto qualifizierter muss das Pflegepersonal sein. Eine wichtige Prophylaxe ist das Essen in der Gemeinschaft, sie wirkt dem sozialen Rückzug entgegen, und die Kontaktaufnahme zu anderen Heimbewohnern wird gefördert. Es soll klar werden, dass eine solche aktivierende Pflege nicht nur Zeit kostet, sonder sie motiviert, fördert und hilft Genesungsprozesse, sowie auch den Prozess der Eingewöhnung in ein Heim zu beschleunigen (vgl. Pflege Heute 03/2000, S. 160- 162). Eine gute Beobachtungsgabe ermöglicht der Pflegeperson das Erkennen und Benennen der vorhandenen Fähigkeiten und der bestehenden Probleme. Mit einem individuell ausgerichteten Pflegeprozessplan werden die Pflegeziele formuliert und die Erhaltung oder Wiederherstellung der Autonomie angestrebt. Dabei sind die pflegerischen Aufgaben die Information des Heimbewohners, die Lagerung, die Vor- und Nachbereitung des benötigten Materials, des Raumes, des Bewohners und der Pflegeperson selbst. Die Durchführung mit der mundgerechten Zubereitung der Nahrung, die Unterstützung bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, der Einsatz spezieller Hilfsmittel und das Anreichen der Nahrung. Zu guter letzt darf die Dokumentation und Evaluation nicht vergessen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Das Essen und Trinken in der pflegerischen Tätigkeit. Unterrichtsentwurf mit Schwerpunkt auf die Arbeit im Alten- und Pflegeheim
Veranstaltung
Didaktik
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
53
Katalognummer
V113020
ISBN (eBook)
9783668283268
ISBN (Buch)
9783668283275
Dateigröße
681 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsstunde, Essen, Trinken, Rahmen, Tätigkeit, Schwerpunkt, Arbeit, Alten-, Pflegeheim, Didaktik
Arbeit zitieren
Michael Hetzel (Autor), 2004, Das Essen und Trinken in der pflegerischen Tätigkeit. Unterrichtsentwurf mit Schwerpunkt auf die Arbeit im Alten- und Pflegeheim, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113020

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