Sprache ist das wesentliche kommunikationsmittel eines Volkes, das eine gemeinsame
politische und oft religiöse Geschichte hat, innerhalb anerkannter Grenzen lebt und von einer
politischen Instanz regiert wird.
Die Sprache, als Handwerkzeug der Vermittlung von realen und gedanklichen Inhalten
unterliegt gleichfalls einer Geschichte, in der sich Änderungen der Wort- und Begriffsinhalte
vollziehen.
Bereits in der Sprachebene der Gegenwart gibt es Wörter, die in ihrer Inhaltsbedeutung
variieren. Man könnte sicher hundert unterschiedliche Begriffsfüllungen des Begriffs ´Liebe`,
´Gott` oder ´Glauben` erarbeiten.
Kurzum, alleine schon in der inflationären Rhetorik der politischen Wahlkämpfe ergeben dich
etwa bei dem Begriff ´Steuergerechtigkeit` oder ´soziales Netz` nicht nur dialektische,
sondern kontradiktorische Inhaltsfüllungen. Insofern scheint es mir notwendig zu sein, immer
wieder die Nomenklatur der öffentlich und privat gehandelten Begriffe zu hinterfragen und
ihre Inhalte zu definieren.
Hierbei ist noch nicht einmal von den speziellen Gruppensprachen die Rede, die sich etwa
entsprechend der sozialen Schichtung zwischen dem Hochdeutsch der Intellektuellen, der
gebildeten Schichten und etwa der Umgangssprache, gebräuchlich ist. Die Berufssprache des
Schuhmachers unterscheidet sich von der des Bäckers, des Metzgers, des Holzfällers usw.
Innerhalb der Generationen unterscheidet man die Kindersprache vom Halbstarkenjargon bis
zur Erwachsenensprache.
Meine Aufgabe wird es sein, die Kommunikationsschwierigkeiten im Alltag und Schule
darzustellen. Ich werde versuchen, Begriffe aus der Fachsprache zu klären bzw. zu einem
allgemeinen Verständnis zu gelangen, damit gleiche Inhalte mit gleichen Begriffen
ausgedrückt werden. Die Uneinheitlichkeit des Sprachsystems, die sich in sozial und regional
bedingten Sprachbarrieren und in Verschiedenheit des Stils äußert, soll beschrieben werden.
Selbstverständlich ist mir bewußt, daß ich bei diesem Thema nur, um ein Bild zu gebrauchen,
eine Schneise in den Urwald des babylonischen Sprachdschungels schlagen kann, um eine
Lichtung zu schaffen, welche erlaubt, sozusagen die einzelnen phänomenologischen Objekte
zu erklären.
Inhaltsverzeichnis
1. Sprache als Handwerkzeug von verbalen und nonverbalen Inhalten
2. Sprache und Kommunikation
2.1 Die Aufteilung der Sprache in verschiedene Sprechweisen
2.2 Kommunikation als wichtigste Funktion der Sprache
3. Die Notwendigkeit der Normen für die allgemeine Verständigung
4. Komplikationen bei der Kommunikation
4.1 Absichtliche und unabsichtliche Störungen des Kommunikationsverlaufs
4.2 Schichtspezifische Sprachbarrieren
5. Lösungsvorschläge zur Vorbeugung und Behebung diverser Kommunikationsschwierigkeiten
5.1 Die Auswahl des Sprachstils
5.2 ´Chancengleichheit` zur Aufhebung der schichtspezifischen Unterschiede
6. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und Erscheinungsformen von Kommunikationsschwierigkeiten im alltäglichen Leben sowie im schulischen Kontext, um ein besseres Verständnis für die notwendigen Voraussetzungen einer gelungenen Interaktion zu schaffen.
- Sprache als Instrument zur Vermittlung realer und gedanklicher Inhalte
- Die Differenzierung von Sprachformen (Gemeinsprache, Fachsprache, Dialekt)
- Kommunikationsstörungen und deren absichtliche sowie unabsichtliche Ursachen
- Soziologische Aspekte von Sprachbarrieren nach Basil Bernstein
- Strategien zur Verbesserung der Verständigung durch Anpassung des Sprachstils
Auszug aus dem Buch
4.2 Schichtspezifische Sprachbarrieren
„Kommunikationsschwierigkeiten beziehen sich auf alle Probleme, Mißverständnisse und Schwierigkeiten zusammen, die auf der Sprachverwendungsebene entstehen“18. Schon minimale Unterschiede und Andersartigkeit oder nur ein Stocken im Erzählvorgang zweier kommunizierender Partner, stellen eine Sprachbarriere dar. Trotz vielfältiger Kommunikationsstörungen ist das Verständnis möglich, da der Kontext, die grammatischen Funktionen und die Wörter zusätzliche Informationen liefern, die eine Dekodierung des Gesagten ermöglichen19. Mit Sprachbarrieren ist unter anderem gemeint, daß die soziale Schicht und Stellung das sprachliche Vermögen und Verhalten weitgehend festsetzen, was dazu führen kann, daß Gruppen von Menschen in ihren gesamten Möglichkeiten der Kommunikation durch sprachliche Mängel oder Andersartigkeit behindert sein können.
Ein Beispiel für Sprachbarrieren bieten Gastarbeiterfamilien. Die Probleme ergeben sich weniger für die Eltern, da sie vorwiegend mit ihresgleichen arbeiten, sondern für ihre Kinder, die sich die Fremdsprache erst aneignen müssen22. Gründe für die Behinderung der interkulturellen Kommunikation sind zum einen die Überfremdungsangst und der unterschiedliche kulturelle Hintergrund23, d.h. sie erfassen die Wirklichkeit sprachlich und kognitiv teilweise in ganz verschiedener Weise24. Die Sprachnachteile der Gastarbeiter erschweren die kulturelle Integration. Beispielsweise kann schon leichtes Lachen als Reaktion aus etwas Gesagtes als negative Sanktion und Beleidigung aufgefaßt werden, was schließlich zu Sprachhemmungen und Überempfindlichkeit führen kann25.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sprache als Handwerkzeug von verbalen und nonverbalen Inhalten: Einführung in die Sprache als historisch gewachsenes Mittel zur Vermittlung von Inhalten und Definition der Aufgabenstellung.
2. Sprache und Kommunikation: Untersuchung der verschiedenen Sprachformen wie Gemeinsprache oder Fachsprache und Erläuterung der kommunikativen Funktion.
3. Die Notwendigkeit der Normen für die allgemeine Verständigung: Analyse der Rolle von Normen für die Verständigung und der Einflussnahme durch Medien und Gesellschaft.
4. Komplikationen bei der Kommunikation: Erörterung der Störfaktoren in der Interaktion, insbesondere unter Berücksichtigung sozialer Schichtungsunterschiede.
5. Lösungsvorschläge zur Vorbeugung und Behebung diverser Kommunikationsschwierigkeiten: Darstellung von Möglichkeiten zur Stilminderung von Barrieren, wie durch Sprachstilwahl und Chancengleichheit.
6. Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung der wesentlichen Erkenntnisse über die Ursachen und Bewältigungsstrategien von Kommunikationsproblemen.
Schlüsselwörter
Kommunikation, Sprachbarrieren, Soziale Schichtung, Fachsprache, Sprachnormen, Verständigung, Sprachstil, Interkulturelle Kommunikation, Elaborierter Kode, Restringierter Kode, Sprachverwendung, Sprachdefizite, Kommunikationstheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die grundlegenden Mechanismen von Kommunikationsprozessen und untersucht, warum und unter welchen Bedingungen Kommunikationsschwierigkeiten im Alltag und in der Schule auftreten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Einteilung der Sprache, die Funktion der Kommunikation, die Bedeutung sprachlicher Normen, die Ursachen für Kommunikationsstörungen sowie der Einfluss sozialer Schichten auf das Sprachverhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Begriffe der Fachsprache zu klären und ein besseres Verständnis für Kommunikationshürden zu entwickeln, um zu einer erfolgreicheren Interaktion beizutragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung linguistischer und kommunikationswissenschaftlicher Literatur, um phänomenologische Aspekte der Sprachverwendung strukturiert darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Sprache, die Analyse von Kommunikationsstörungen (absichtlich/unabsichtlich) und die kritische Auseinandersetzung mit schichtspezifischen Sprachbarrieren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kommunikationsstörungen, Sprachbarrieren, die Unterscheidung zwischen restringiertem und elaboriertem Kode sowie Ansätze zur Förderung der Chancengleichheit.
Was genau versteht die Autorin unter schichtspezifischen Sprachbarrieren?
Hierbei wird Bezug auf die Theorie von Basil Bernstein genommen, wonach die soziale Umgebung und die Möglichkeiten der Sprachförderung das sprachliche Niveau und den Ausdrucksstil von Kindern maßgeblich prägen.
Warum ist die „Vorschulerziehung“ laut Autorin ein relevanter Lösungsansatz?
Da sich bereits im frühen Kindesalter Unterschiede in der sprachlichen Entwicklung manifestieren, wird die Vorschulerziehung als notwendiges Instrument diskutiert, um bildungsbedingte Sprachnachteile auszugleichen.
- Citar trabajo
- Jasmina Cirkic (Autor), 1999, Kommunikationsschwierigkeiten - was sie sind und wo sie auftreten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11303