Sechsunddreißig Jahre nach der Unterzeichnung des Vertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik über die deutsch-französische Zusammenarbeit, landläufig besser unter der Kurzbezeichnung Elysée-Vertrag bekannt, erschien es mir interessant, im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit für die Staatsprüfung der Frage nachzugehen, welche Rolle dem Deutschunterricht in Frankreich und dem Französischunterricht in Deutschland zukommt. Darüber hinaus wollte ich zumindest in Ansätzen auch darstellen, wie es um die Verbreitung beider Sprachen im Partnerland im allgemeinen bestellt ist.
Wie der Titel dieser Erörterung andeutet, erstreckt sich die Untersuchung nicht auf das gesamte Schulwesen, sondern beschränkt sich auf allgemein-bildende Schulen im Sekundarbereich. Die Entscheidung, den berufsbildenden Bereich wie auch den Primarbereich unberücksichtigt zu lassen, erschien mir notwendig, um den Rahmen nicht zu sprengen.
Im übrigen war ich bemüht, ein möglichst umfassendes Bild der gegenwärtigen Lage zu vermitteln.
Die Arbeit gliedert sich in fünf Hauptteile
Inhaltsverzeichnis
0. EINLEITUNG
1. PROBLEMAUFRIß
1.0 Allgemeines
1.1 Vertragliche Fundamente
1.2 Das Deutsch-Französische Jugendwerk
1.3 Austausch von Fremdsprachenassistenten
1.4 Zum Fremdsprachenbedarf in der Gesellschaft
2. DEUTSCHUNTERRICHT IN FRANKREICH
2.0 Allgemeines
2.1 Historische Einführung
2.2 Fremdsprachenunterricht im Sekundarbereich
2.3 Relevante Faktoren bei der Sprachenwahl
2.4 Deutsch im Hexagon: Ein aussterbendes Fach?
2.5 Motivation für mehr Deutsch in Frankreich
3. FRANZÖSISCHUNTERRICHT IN DEUTSCHLAND
3.0 Allgemeines
3.1 Historische Einführung
3.2 Fremdsprachenunterricht im Sekundarbereich
3.3 Französischunterricht in Deutschland
3.3.1 Übersicht
3.3.2 Baden-Württemberg
3.3.3 Bayern
3.3.4 Berlin
3.3.5 Brandenburg
3.3.6 Bremen
3.3.7 Hamburg
3.3.8 Hessen
3.3.9 Mecklenburg-Vorpommern
3.3.10 Niedersachsen
3.3.11 Nordrhein-Westfalen
3.3.12 Rheinland-Pfalz
3.3.13 Saarland
3.3.14 Sachsen
3.3.15 Sachsen-Anhalt
3.3.16 Schleswig-Holstein
3.3.17 Thüringen
3.4 Zusammenfassung
4. SYNTHESE
4.1 Zum Schwierigkeitsbegriff
4.2 Motivation bei Wahl und Abwahl
5. PERSPEKTIVEN
5.1 Bilinguale Zweige: Qualität statt Quantität?
5.2 Die Weichenstellung: Diversifizierung oder Monopol
5.3 Beseitigung von „unlauterem“ Wettbewerb
5.4 Plädoyer für eine offensive Vermarktungsstrategie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die aktuelle Rolle des Deutschunterrichts in Frankreich und des Französischunterrichts in Deutschland im allgemeinbildenden Sekundarschulbereich zu untersuchen und zu analysieren, welche Faktoren die Verbreitung der jeweiligen Partnersprache beeinflussen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob die 1963 im Elysée-Vertrag gesetzten Ziele erreicht wurden oder welche Hindernisse einer erfolgreichen Verankerung beider Sprachen entgegenstehen.
- Analyse der bilateralen vertraglichen Grundlagen und Institutionen wie dem DFJW.
- Untersuchung der historischen und aktuellen Situation des Fremdsprachenunterrichts in beiden Ländern.
- Identifikation relevanter Faktoren bei der Sprachenwahl durch Schüler und Eltern.
- Synthese von Schwierigkeitsbegriffen und Motivationslagen bei der Sprachenwahl und -abwahl.
- Perspektiven für bilinguale Bildungsgänge und Vermarktungsstrategien zur Förderung der Partnersprachen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Vertragliche Fundamente
Die deutsch-französische Zusammenarbeit in den Bereichen Schule, berufliche Bildung und Hochschule wird durch eine Reihe von bilateralen Übereinkommen geregelt, an deren Anfang der Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik über die deutsch-französische Zusammenarbeit steht, der am 22. Januar 1963 in Paris unterzeichnet wurde und landläufig unter der Kurzbezeichnung Elysée-Vertrag bekannt ist.
Darin wird im Abschnitt über Erziehungs- und Jugendfragen zum Sprachunterricht grundsätzlich festgestellt: Die beiden Regierungen erkennen die wesentliche Bedeutung an, die der Kenntnis der Sprache des anderen in jedem der beiden Länder für die deutsch-französische Zusammenarbeit zukommt. Zu diesem Zwecke werden sie sich bemühen, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahl der deutschen Schüler, die Französisch lernen, und die Zahl der französischen Schüler, die Deutsch lernen, zu erhöhen.
Während der letzten 35 Jahre wurden zahlreiche weitere Abkommen zur Konkretisierung der im Elysée-Vertrag festgeschriebenen Ziele abgeschlossen. Von diesen möchte ich die für den Sekundarschulbereich relevanten im folgenden näher vorstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
0. EINLEITUNG: Einleitung in die Thematik der deutsch-französischen Bildungszusammenarbeit und methodisches Vorgehen.
1. PROBLEMAUFRIß: Überblick über bilaterale Verträge, das DFJW und den Stellenwert von Fremdsprachenkenntnissen in Gesellschaft und Wirtschaft.
2. DEUTSCHUNTERRICHT IN FRANKREICH: Analyse der historischen Entwicklung, Strukturen und Herausforderungen des Deutschunterrichts an französischen Schulen.
3. FRANZÖSISCHUNTERRICHT IN DEUTSCHLAND: Detaillierte Betrachtung des Französischunterrichts in den 16 Bundesländern sowie eine zusammenfassende Bewertung.
4. SYNTHESE: Zusammenführende Diskussion über den Einfluss des Schwierigkeitsbegriffs und der individuellen Motivation auf das Wahlverhalten von Schülern.
5. PERSPEKTIVEN: Skizzierung von Ansätzen zur Förderung der Partnersprache, insbesondere durch bilinguale Zweige und eine verbesserte Vermarktung.
Schlüsselwörter
Deutschunterricht, Französischunterricht, Sekundarbereich, Elysée-Vertrag, Fremdsprachenwahl, Sprachvermittlung, bilinguale Zweige, DFJW, Fremdsprachenassistenten, Schulwesen, Mehrsprachigkeit, Motivationsanalyse, Bildungszusammenarbeit, Fremdsprachenpolitik, Deutschland, Frankreich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Lage des Deutschunterrichts in Frankreich und des Französischunterrichts in Deutschland im allgemeinbildenden Sekundarbereich, um deren aktuellen Stellenwert und die Herausforderungen für die Sprachverbreitung aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die bilateralen Abkommen zwischen beiden Ländern, die organisatorische Einbettung des Fremdsprachenunterrichts in das jeweilige Schulsystem sowie die Faktoren, die zur Wahl oder Abwahl der Partnersprache führen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist eine Bestandsaufnahme, die analysiert, warum trotz politischer Willensbekundungen im Elysée-Vertrag die Verbreitung der Partnersprachen teilweise stagniert oder rückläufig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit beruht zu einem Großteil auf einer umfassenden Auswertung von statistischem Material, das von zuständigen Bildungsbehörden, Ministerien und Instituten bereitgestellt wurde, ergänzt durch die Analyse von Rahmenverträgen und empirischen Untersuchungen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den rechtlichen Grundlagen detaillierte Analysen für jedes deutsche Bundesland sowie für das französische Schulsystem unter Berücksichtigung von Schulformen, regionalen Unterschieden und Teilnehmerzahlen vorgenommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Fremdsprachenunterricht, deutsch-französische Zusammenarbeit, Diversifizierung, Schulsystem, Sprachenwahl, bilinguale Bildungsgänge und Motivationsfaktoren.
Warum wird Französisch in deutschen Schulen in der Oberstufe oft abgewählt?
Laut der Studie führt die Abwahl häufig zu einer Beschränkung auf Englisch als einzige Fremdsprache, bedingt durch den Wunsch nach einer einfacheren Lernsituation, mangelnde Attraktivität des Faches in der Oberstufe und die Möglichkeit, sich aufgrund administrativer Sonderregelungen von der zweiten Fremdsprache zu befreien.
Welche Rolle spielt das Prestige einer Sprache für deren Wahl an Schulen?
Das Prestige ist ein entscheidender Faktor; in Frankreich haftet dem Deutschen beispielsweise oft noch das Image einer schwierigen „Elitesprache“ an, was die Wahlentscheidung von Schülern und Eltern maßgeblich beeinflusst.
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- M.A. Frank Günther-Spohr (Author), 2000, Deutschunterricht in Frankreich und Französischunterricht in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113040