Denken wir heute an König Artus, so haben wir zahlreiche Filme und Bilder vor Augen, in denen Artus den prototypischen christlichen Herrscher voller Gerechtigkeit, Gnade und Großzügigkeit verkörpert. Das Schwert im Stein und die Tafelrunde, Monumente seines christlichen Handelns, sind weit geläufige Motive, die auch immer wieder in Artusunabhängigen Kontexten auftauchen. Die mittelalterliche Literatur bietet unzählige Möglichkeiten in die Heldentaten der Artusritter einzublicken, die in ihrem (zumindest größtenteils) tugendhaften und unerschrockenen Handeln eine wichtige Vorbildfunktion erfüllen.
Die Figur des Artus entstammt allerdings eigentlich der keltisch-walisischen Mythologie.
Zum ersten Mal findet sie Erwähnung in den Erzählungen des „Mabinogion“, einer
Sammlung von walisischen Prosa-Erzählungen aus dem Mittelalter. König Artus ist also ursprünglich in einer heidnischen Kultur anzusiedeln.
In den letzen Jahren wurden jedoch wiederum Stimmen laut, die behaupteten, dass der sagenhafte König Artus auf die historische Figur des römischen Feldherrn Lucius Artorius Castus zurückgehe, seine Wurzeln also im Soldatentum lagen.
Anhand von Beispielen aus der Literatur und Kunst des Mittelalters und des „Victorian Age“, in dem es zum „Arthurian Revival“ kam, möchte ich zeigen, auf welche Weise diese drei verschiedenen Ursprungskontexte Einfluss auf die Rezeption der Sagengestalt genommen haben und wie sie sich gegenseitig bedingen, um die Artusgestalt in all ihren Facetten darstellen zu können. Für Britische Legenden ist es nicht ungewöhnlich, dass sie zwar auf den Taten einer
historischen Persönlichkeit beruhen, im Laufe der Zeit aber auch andere folkloristische Personen in den Sagenkreis eingewoben werden und dadurch eine neue Form der Legende kreiert wird.
Die Legende von König Artus geht vermutlich auf mehrere historische Personen zurück. Allerdings dürfte die Hauptvorlage für die Entstehung des Artusmythos der römische Feldherr Lucius Artorius Castus gewesen sein. Er zeichnete sich dadurch aus, dass er den Kampf gegen das Volk der Sarmaten für Rom entschied. Die Römer kämpften im ersten und zweiten Jahrhundert gegen die Sarmaten, und konnten dabei zwar einige Erfolge verzeichnen, allerdings gelang es ihnen nie, das Barbarenvolk ganz zu besiegen. Der Grund dafür war, dass die Sarmaten eine ausgezeichnete Kriegskunst zu Pferde entwickelt hatten und dadurch für die
römischen Infanteristen nahezu unerreichbar waren.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Mythologisierung der historischen Artusfigur
III. Artusliteratur im Mittelalter
III. 1) Das Mabinogion
III. 2) Robert de Boron: Merlin (Ende des 12. Jahrhunderts)
III. 3) Malory: Morte D`Arthur (1485)
IV. Artusdarstellungen im Mittelalter
IV. 1) Der Vulgate Zyklus
IV. 2) Die “Nine Worthies”
IV. 3) Die Kathedralen von Modena und Otranto
V. Artusdarstellungen im Victorian Age
V. 1) Die Präraffaeliten
V. 2) Beardsley
V. 2) Die Dyce-Fresken
VI. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss verschiedener Ursprungskontexte – keltisch-mythologisch, historisch-soldatisch und christlich-ideell – auf die wechselhafte Rezeption der Sagengestalt König Artus in Literatur und Kunst des Mittelalters sowie des "Victorian Age".
- Die historische Herleitung der Artusfigur vom römischen Feldherrn Lucius Artorius Castus.
- Die literarische Entwicklung vom keltischen Sagenhelden zum christlichen Idealkönig.
- Ikonographische Analysen von mittelalterlichen Manuskripten, Kathedralen und Wandteppichen.
- Die Neuinterpretation und das "Arthurian Revival" in der viktorianischen Ästhetik und Kunst.
Auszug aus dem Buch
III. 3) Malory: Morte D`Arthur (1485)
Der “Morte D`Arthur” von Malory ist der einzige mittelalterliche Text, der sich vorwiegend mit der Artusfigur selbst beschäftigt. Malory verbindet geschickt den keltischen Mythos mit der christlichen Legende und kreiert eine Artusfigur, die sich durch einen unglaublichen Facettenreichtum auszeichnet. Artus erhält seine Königswürde durch Gott, indem er das Schwert aus dem Stein zieht. Schon in jungen Jahren stellt er seine Bescheidenheit, seine Großzügigkeit und seine Gnädigkeit unter Beweis. Zudem etabliert er sich als ausgezeichneter Ritter. Er ist eindeutig der heroische Erobererkönig, ein aktiver, nimmermüder Streiter, der sein Weltreich aufbaut und vor keinem Kampf zurückschreckt. Artus wird als mutiger und heldenhafter Kämpfer dargestellt, wobei er teilweise bereits tollkühn wirkt und sich, wie beispielsweise durch den Kampf mit Pellinore, mutwillig in Gefahr bringt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die facettenreiche Figur des König Artus ein und skizziert die wissenschaftliche Fragestellung bezüglich seiner verschiedenen kulturellen und historischen Ursprungskontexte.
II. Mythologisierung der historischen Artusfigur: Das Kapitel beleuchtet die mögliche historische Identität von König Artus als römischer Feldherr Lucius Artorius Castus und dessen Verschmelzung mit keltischen Sagen.
III. Artusliteratur im Mittelalter: Hier werden zentrale literarische Werke wie das "Mabinogion", Robert de Borons "Merlin" und Malorys "Morte D'Arthur" hinsichtlich ihrer Artus-Darstellung analysiert.
IV. Artusdarstellungen im Mittelalter: Dieser Abschnitt untersucht, wie Artus in verschiedenen Kunstformen des Mittelalters, vom "Vulgate Zyklus" bis hin zu Kathedralenreliefs, visuell repräsentiert wurde.
V. Artusdarstellungen im Victorian Age: Die Untersuchung widmet sich dem "Arthurian Revival", insbesondere den Präraffaeliten sowie Künstlern wie Beardsley und William Dyce.
VI. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, wie der jeweilige Zeitgeist die Inszenierung des Artus-Mythos manipulierte und dem christlichen Kontext unterordnete.
Schlüsselwörter
König Artus, Artusmythos, Mittelalter, Victorian Age, Mabinogion, Malory, Vulgate Zyklus, Nine Worthies, Präraffaeliten, Ikonographie, Skriptographie, Lucius Artorius Castus, Gralssuche, Artusrezeption, Rittertum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die kulturelle Entwicklung und Darstellung der Artusfigur von ihren keltischen Ursprüngen bis hin zur viktorianischen Rezeption.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Mythologisierung historischer Personen, der literarischen Evolution des Artus-Bildes und der ikonographischen Auswertung mittelalterlicher sowie viktorianischer Kunstwerke.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich verschiedene Ursprungskontexte (keltisch, historisch, christlich) gegenseitig bedingen und die vielschichtige Artusgestalt formen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse, die Primärquellen (Literatur) und Sekundärquellen mit einer ikonographischen Betrachtung von Kunstwerken kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die literaturwissenschaftliche Analyse zentraler Texte des Mittelalters sowie die detaillierte Untersuchung mittelalterlicher und viktorianischer Kunstdarstellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Artusmythos, Mittelalter, Arthurian Revival, Ikonographie und die Verschränkung von keltischen und christlichen Motiven.
Warum spielt die Figur des Lucius Artorius Castus eine Rolle?
Er wird als historisches Korrelat diskutiert, auf dessen Soldatentum und Taten die Artus-Legende teilweise fußen könnte, bevor sie mythologisiert wurde.
Wie verändert sich die Darstellung von Artus im "Victorian Age"?
Im Victorian Age findet eine Rückbesinnung auf den keltisch-mystischen Mythos statt, wobei die Darstellung gleichzeitig durch den christlich-moralischen Anspruch staatlicher Auftraggeber beeinflusst bleibt.
- Quote paper
- Katrin Ehlen (Author), 2008, König Artus in Kunst und Literatur des Mittelalters und des Victorian Age, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113055