Good Governance zur Vorbeugung der Dutch Disease in Subsahara-Afrika


Hausarbeit, 2021

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1.) Einführung, Forschungsfrage und Aufbau der Arbeit

2.) Hauptteil
2.1.) Theoretische Grundlagen, Begriffe und Hypothesen
2.1.1) Theoretischer Rahmen und Konzeptspezifikation
2.1.2) Hypothesen
2.2.) Analyseverfahren, Datengrundlage und Operationalisierung der Variablen
2.2.1) Analyseverfahren
2.2.2) Datengrundlage
2.2.3) Abhängige Variable
2.2.4) Unabhängige Variablen
2.2.5) Operationalisierung
2.3.) Empirische Analysen und Hypothesenprüfung
2.3.1) Univariate Analyse
2.3.2) Bivariate Zusammenhangsanalysen
2.3.3) Multivariate Analyse, Ergebnisse und Prüfung der Hypothesen

3.) Zusammenfassung der Ergebnisse, Fazit und Ausblick

4.) Literaturverzeichnis

5.) Abbildungsverzeichnis

1.) Einführung, Forschungsfrage und Aufbau der Arbeit

Ein reichhaltiges Vorkommen an natürlichen Ressourcen stellt sowohl für die gesamtgesellschaftliche Ökonomie eines Landes als auch für den einzelnen dort lebenden Bürger einen Segen dar – sollte man meinen. In Wahrheit handelt es sich bei nationalem Ressourcenreichtum um Fluch und Segen zugleich.

„Ausgerechnet in jenen Staaten, die gewaltige Vorkommen an Öl, Gas oder Edelmetallen besitzen, herrschen Armut, Korruption und Misswirtschaft. Ginge es den Menschen in Nigeria, im Kongo oder in Russland ohne Rohstoffe besser?“ (vgl. Glüsing et. al. 2006: 124). Mit dieser Thematik setzte sich auch bereits das Nachrichtenmagazin Der Spiegel auseinander. In der Tat handelt es sich hierbei nach wie vor um ein nicht gänzlich gelöstes, politikwissenschaftliches Rätsel. Warum gelingt es etwa einem Land wie Norwegen in hohem Maße von seinem nationalen Rohstoffreichtum zu profitieren, während in anderen rohstoffreichen Ländern – insbesondere in vielen afrikanischen Ländern südlich der Sahara – bittere Armut in weiten Teilen der Bevölkerung vorherrscht? Im Kern mit dieser Problematik - den wirtschaftlichen und damit einhergehenden oftmals auch sozialen und politischen Problemen, wie sie gehäuft gerade in den rohstoffreichen afrikanischen Ländern südlich der Sahara auftreten – soll sich diese Arbeit beschäftigen und darstellen warum diese Probleme keine zwingende Folge des Rohstoffreichtums sein müssen, sondern warum diese durch eine entwicklungskonforme Regierungsführung („Good Governance“) vermieden werden können. Im Detail wird dabei insbesondere eine Ausprägung des Ressourcenfluches betrachtet werden, und zwar die „Dutch Disease“. Die herrschende Meinung in den Sozialwissenschaften geht aktuell davon aus, dass sich insbesondere politische Ansätze zur Erklärung des „Fluchs“ der Ressourcen eignen und erst nachfolgend wirtschaftliche, da „politics matter“ (zit. nach Tetzlaff 2016: 301). Betrachtet werden hier somit insbesondere die Auswirkungen unterschiedlicher Ausprägungen der Regierungsführung „Governance“ auf das Auftreten einer „Dutch Disease“. In ausformulierter Form lässt sich die Forschungsfrage dieser Arbeit daher folgendermaßen formulieren: Warum stellt „Good Governance“ ein wirksames Heilmittel gegen die „Dutch Disease“ in rohstoffreichen afrikanischen Ländern südlich der Sahara dar? In gebotener Kürze wird in der Arbeit anhand geeigneter historischer Beispiele kurz aufgezeigt werden, DASS Art und Güte der Regierungsführung grundsätzlich einen Einfluss auf das Auftreten der „Dutch Disease“ haben können – das Hauptaugenmerk der Arbeit soll aber auf die Klärung der Frage gerichtet werden, WARUM dieser Einfluss besteht. Die Frage ist gesellschaftlich und entwicklungspolitisch relevant, da die untersuchten Länder unterschiedlich erfolgreich mit den Herausforderungen ihres Ressourcenreichtums umgehen und aus den Ergebnissen der Arbeit daher mögliche politische Handlungsorientierungen hergeleitet werden könnten (vgl. Gröning & Busse 2011: 3). Wissenschaftlich relevant ist die Frage, weil sie den bisherigen Forschungsstand, der den allgemeinen Einfluss politischer Entscheidungen auf einen möglichen Ressourcenfluch bereits behandelt (zit. nach Tetzlaff 2016: 301) um den Aspekt des Einflusses politischer Maßnahmen speziell auf die „Dutch Disease“ ergänzt bzw. zumindest erweitert. Die Gliederung im Detail stellt sich dabei dar wie folgt: Im zweiten Abschnitt wird zunächst der theoretische Rahmen dargestellt und die zentrale abhängige Variable – nämlich das (Nicht-)Auftreten einer „Dutch Disease“ in diesem Zusammenhang verortet. Hiernach werden in diesem Abschnitt dann auf der Grundlage empirischer Beobachtungen und theoretischer Schlussfolgerungen verschiedene Hypothesen zwischen der Ausprägung der Regierungsführung und der Wahrscheinlichkeit bzw. der Intensität des Ausbruchs der „Holländischen Krankheit“ auf der Aggregatebene aufgestellt sowie das Analyseverfahren dargestellt. Daran anschließend werden sodann die Datengrundlage und die Operationalisierung der abhängigen sowie der unabhängigen Variablen dargestellt. Abschließend folgt die Präsentation der durchgeführten Aggregatdatenanalyse in dreistufigem Aufbau: Univariate Analyse der einzelnen Variablen, Bivariate Zusammenhangsanalysen und Multivariate Analysen. Abschließend werden im dritten Abschnitt nach einer kurzen Zusammenfassung der Befunde, diese vor dem Hintergrund der zuvor vorgenommenen, theoretischen Überlegungen diskutiert und ein Ausblick auf weitere Forschungsmöglichkeiten vorgenommen.

2.) Hauptteil

2.1.) Theoretische Grundlagen, Begriffe und Hypothesen

2.1.1) Theoretischer Rahmen und Konzeptspezifikation

Was sind Ressourcen und wann ist ein Land als ressourcenreich einzustufen? Hinsichtlich der Definition des Ressourcen-Begriffs gibt es verschiedene Herangehensweisen – die des lockeren Sprachgebrauchs, biologische, ökonomische, Definitionen der Rohstoffwirtschaft sowie (entwicklungs)politische (vgl. Stockmann et al. 2016: 278). Diese Aufzählung ist nur beispielhaft und erhebt keinen Anspruch abschließend sein zu wollen. Für das hiesige Erkenntnissinteresse ist insbesondere die politikwissenschaftliche Herangehensweise an den Ressourcen-Begriff interessant. Nachdem in dieser Arbeit ein Hauptaugenmerk auf das (Nicht)Auftreten der „Dutch Disease“ gelegt werden soll und es sich hierbei – das sei an dieser Stelle kurz vorweggenommen – um ein wirtschaftliches Phänomen handelt, welches den Export großer Rohstoffmengen voraussetzt (womit z.B. Wasser und Humankapital wegfallen), ist hier der Begriff der „extern sensitiven Ressourcen“ – wie in Basedau und Mehler verwenden - besonders geeignet. Unter Ressourcen verstanden werden in dieser Arbeit also sämtliche Energieträger (z.B. Uran, Öl, Gas, Kohle) und industriell genutzten Rohstoffe und Mineralien wie Gold, Kupfer, Platin und Diamanten (vgl. Basedau & Mehler 2003: 39). Rohstoffreichtum wiederum liegt in einem Land nach herrschender Meinung dann vor, „wenn der Export natürlicher Ressourcen relativ hohe Ressourceneinkünfte für den Staat erzeugt – im Vergleich zu Ländern auf dem gleichen Entwicklungsniveau nur ohne solche Ressourcen“ (vgl. Tetzlaff 2016: 298). Als nächstes Konzept soll der Begriff der „Dutch Disease“ definiert werden. Bei der „Dutch Disease“ handelt es sich um ein volkswirtschaftliches Phänomen, bei der es im Rahmen einer Verschiebung der Wirtschaftssektoren zu einer Deindustrialisierung des exportierenden Gewerbes kommt. Grund hierfür ist ein Wechselkursmechanismus – der „Export großer Mengen von Rohstoffen lässt Außenhandelsüberschüsse entstehen, die zu einer Aufwertung der eigenen Landeswährung führen“ (Tetzlaff 2016: 300). Der damit einhergehende Konkurrenzdruck schädigt insbesondere die durch die Subventionierung des Rohstoffsektors ohnehin bereits benachteiligte Gewinnmarge der Industrie und Landwirtschaft – dort kommt es folglich zu einem Abzug von Faktoren (Geld und Arbeitskräfte) zu Gunsten des Rohstoff– und Dienstleistungssektors (vgl. Budina et al. 2007: 11). Der dadurch entstehende Mangel an Kapital und Arbeitskräften im Agrar– und Industriesektor bringt gesamtgesellschaftliche Wohlstandsverluste in Form von aufgeschobenen Investitionen in den beiden betroffenen Wirtschaftssektoren und einem Rückgang der Eigenversorgung der Bevölkerung mit inländischen Produkten mit sich (vgl. Frankel 2010: 19). Abschließend soll nun noch das Konzept „Good Governance“ definiert werden. Etymologisch gesehen leitet sich der Begriff „Governance“ ursprünglich vom griechischen Wort „kubernan“ ab, was bedeutete, einen Wagen oder ein Schiff zu lenken (vgl. Seywald 2002). Ende der 1980er Jahre bekam der Begriff – insbesondere in der Variante „Good Governance“ eine neue, veränderte Bedeutung. Kreiert wurde dieses Begriffskonstrukt dabei zunächst von der Weltbank. In der Studie mit dem Titel „Sub-Saharan Afrika. From Crisis to Sustainable Growth. A Long-Term Perspective Study“ wurde „Good Governance“ definiert wie folgt: „a public service that is efficient, a judicial system that is reliable and an administration that is accountable to its public“ (World Bank 1989: xii). Abgeleitet vom ursprünglichen Wortlaut umfasst der Bedeutungskern des Begriffs also einen effizienten öffentlichen Sektor, ein verlässliches Rechtssystem und Verantwortlichkeit der Regierenden gegenüber der Bevölkerung. Hintergrund der Begriffsschöpfung war die Suche einer Antwort auf die Frage, warum die westliche Geberwelt trotz entsprechender Bemühungen zahlreiche entwicklungspolitische Misserfolge hinnehmen musste (vgl. Tetzlaff 2016: 49). Die Antwort verdichtete sich in der Kurzformel „Bad Governance“ und der Rezeptur „Good Governance“. Als Erscheinungsbilder von „Bad Governance“ sah die Weltbank ein nicht verlässliches Rechtssystem, ein leistungsschwaches öffentliches Management, fehlende „accountability“, mangelnde Transparenz und „Rent Seeking“ sowie Korruption seitens der Eliten (vgl. Stockmann et al. 2016: 398). Hieraus hat die Weltbank entsprechende Reformforderungen abgeleitet. Bei „Good Governance“ handelt es sich somit (auch) um ein normatives Postulat. Seit der originären Schaffung des Begriffs „Good Governance“ unterlag dieser vielen Anpassungen, An – sowie Auslagerungen und drohte zu einem „Catch-All“-Terminus zu werden (vgl. Stockmann et al. 2016: 401). Als für das hiesige Forschungsvorhaben besonders geeignete Interpretation von „Good Governance“ erscheint – wegen seiner Kompaktheit - eine Definition des Begriffs, die sich aus der ursprünglichen Definition des „Bad Governance“-Begriffs der Weltbank ableitet und die im Umkehrschluss für das Konzept von „Good Governance“ die nachfolgenden Wesensmerkmale umfasst: eine effiziente Verwaltung, Korruptionsbekämpfung, Transparenz, „Rule of law“ sowie Rechenschaftspflicht der Regierung. Wann von Ressourcenreichtum gesprochen werden kann, wurde oben bereits erläutert. In diesem Zusammenhang sind nun noch die weiteren Konzepte „Good Governance“ und „Dutch Disease“ zu verorten. Naheliegender Weise würde man zunächst einmal einen positiven Einfluss von nationalem Ressourcenreichtum auf den allgemeinen Wohlstand eines Landes vermuten, aber auch auf die Güte der dortigen Regierungsführung – jedoch ist oft das Gegenteil der Fall (vgl. Busse & Gröning 2011: 1f.). Das Land Botswana aber ist ein Paradebeispiel im Hinblick darauf, wie ein aus Bodenschätzen gewonnener Reichtum sinnvoll genutzt werden kann. Mit 13 Millionen Karat Förderung pro Jahr war Botswana zwischenzeitlich der weltweit größte Produzent von Diamanten. Zwischen 1970 und 2006 konnte Botswana sein BIP verfünffachen (vgl. Seitz 2009: 191f.). Warum aber sieht es in Ländern wie Nigeria und dem Kongo, die hinsichtlich Rohstoffvorkommen eigentlich ähnlich günstige Voraussetzungen hätten, derart gravierend anders aus (vgl. Frankel 2010: 3)? Diesen angedeuteten, oftmals inversen Zusammenhang zwischen dem Rohstoffreichtum eines Landes und dem Wohlstandslevel der dortigen Bevölkerung verdeutlicht die nachfolgende Abbildung zum Zusammenhang zwischen Rohstoffreichtum und Wachstum des BIP sehr eindrücklich.

Abbildung 1: Zusammenhang zwischen Rohstoffreichtum und GDP

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Oomes & Kalcheva, 2007, S.6

Zur Erklärung dieses überraschenden Phänomens muss man sich das Beispiel Botswanas etwas genauer ansehen. Schnell erkennt man, dass man es dort u.a. mit funktionierenden Verfassungsorganen, einer geringen Korruptionsrate, einer verantwortungsbewussten politischen Führung, makro-ökonomischen Anpassungsmaßnahmen betreffend den Wechselkurs, die Bankzinsen und die Löhne im öffentlichen Sektor (zit. nach Tetzlaff 2016: 325), sowie wirtschaftlichem Erfolg und einem verhältnismäßig hohen Wohlstand innerhalb der Bevölkerung (vgl. Schicho 1999: 130) zu tun hat. Dabei wäre auf Grund des gegebenen Rohstoffreichtums die Gefahr der „Holländischen Krankheit“ auch in Botswana durchaus gegeben. Im Gegensatz zu anderen afrikanischen Ländern fallen die Einkünfte aus dem Diamantenabbau dort aber nicht der Korruption der herrschenden Elite zum Opfer, sondern werden im Rahmen verantwortungsvollen Regierungshandelns einem Zukunftsfonds zugeführt, der auch Nachfolgegenerationen vom Reichtum des Landes profitieren lässt (vgl. Seitz 2009: 114). Die Grundannahme dieser Arbeit ist daher zunächst einmal, dass in Staaten, in denen „Good Governance“ praktiziert wird, die Politik sowie das Wirtschafts- und Verwaltungssystem weitsichtiger, verantwortungsbewusster sowie insgesamt leistungsstärker und die Gefahr der „Dutch Disease“ (welche Ressourcenreichtum voraussetzt) dort – im Gegensatz zu Staaten mit „Bad Governance“ - geringer ist. Worin genau diese vermuteten Wirkungszusammenhänge zwischen „Governance“ und der „Dutch Disease“ bestehen, soll Thema dieser Arbeit sein. Die verschiedenen Ausprägungen von „Governance“ zunächst einmal außer Acht lassend, muss zuerst festgehalten werden, dass nachgewiesene Zusammenhänge jedenfalls zwischen dem (Rohstoff-)Reichtum eines Landes und der „Dutch Disease“ in Form von Wohlstandsverlusten in der Gesellschaft dieses Landes bestehen. Historisches Beispiel hierfür wären die Niederlande der 1960er Jahre (zit. nach Tetzlaff 2016: 300). Bestehen daneben aber auch Zusammenhänge zwischen der Art und Güte der Regierungsführung und der Wahrscheinlichkeit, dass es in rohstoffreichen Ländern (Subsahara-Afrikas) zum Phänomen der „Dutch Disease“ kommt? Das wissenschaftliche Paradoxon, welches die Konzepte „Ressourcenreichtum“, „Good Governance“ und „Dutch Disease“ zusammenführt, ist das Rätsel des Fluchs des Ressourcenreichtums – welches auch den hier alles umspannenden theoretischen Rahmen bilden soll. Eine mögliche Form der Ausprägung des Ressourcenfluchs wäre – neben der Volatilität von Rohstoffen und der Tendenz „to give rise to a fight over existing resources“ (Oomes & Kalcheva 2007: 6) - eben die „Holländische Krankheit“. Der Wirkungsmechanismus, der den Zusammenhang zwischen Rohstoffreichtum und dem Ressourcenfluch in der Ausprägung der „Dutch Disease“ erklären soll, wäre – wie oben bereits angedeutet - das „Good-Governance“-Theorem bzw. die Gegenüberstellung von „Good Governance“ und „Bad Governance“, welche auch den Schwerpunkt dieser Arbeit bilden soll, denn es wäre „fatal anzunehmen, dass sich dieser „Fluch“ nicht durchbrechen ließe. Letztlich kommt es auf den Umgang mit den Ressourceneinnahmen und den genannten Begleiterscheinungen an“ (Kriews 2014: 28). Wie der zu Beginn der Arbeit zitierte Spiegelartikel mit den Beispielen der mit Rohstoffreichtum gesegneten, jedoch mit vorherrschender Armut gleichermaßen gestraften Staaten Nigerias und des Kongos einerseits, aber der ebenso bereits genannte Fall Botswanas anderseits zeigen, können keine ohne Weiteres verallgemeinerbaren Schlussfolgerungen dahingehend gezogen werden, dass ein Überfluss an Rohstoffen („Paradoxon des Überflusses“) zwangsläufig zu Armut der Bevölkerung führen muss (vgl. Stockmann et al. 2016: 285ff.). In Anbetracht der Tatsache, dass die Weltbank bereits im Hinblick auf schwer erklärbare, entwicklungspolitische Enttäuschungen die Art und Güte der Regierungsführung als einen möglichen Erklärungsfaktor hierfür sah, liegt die Vermutung nahe, dass die Ausprägung von „Governance“ auch ein möglicher Grund dafür sein kann, dass in manchen Ländern von einem „Segen der Ressourcen“ und in anderen vom einem „Fluch der Ressourcen“ – welcher im Rahmen dieser Arbeit in der Ausprägung der „Dutch Disease“ betrachtet wird - gesprochen werden kann (vgl. Kriews 2014). Hier interessiert also inwieweit die einzelnen Erscheinungsmerkmale von „Good Governance“ in rohstoffreichen Ländern Sub-Sahara Afrikas einen Einfluss auf das Auftreten und die Ausprägung einer „Dutch Disease“ haben. Unter anderem wegen der bereits angesprochenen und konträren Beispiele Nigerias und des Kongos einerseits und Botswanas andererseits wird zunächst ein eindämmender Einfluss von „Good Governance“ auf die „Dutch Disease“ vermutet. Die einzelnen in dieser Arbeit näher untersuchten Wesensmerkmale von „Good Governance“ ergeben sich aus der Aufzählung auf Seite 6 der Arbeit. Hieraus werden nun im Folgekapitel konkrete Hypothesen abgeleitet.

2.1.2) Hypothesen

Wie bereits oben ausgeführt, konnte die Forschung zahlreiche unterschiedliche Bestimmungsfaktoren für „Good Governance“ identifizieren. Aus Gründen der notwendigen Vereinfachung sowie Datenverfügbarkeit werden in dieser Arbeit aber lediglich drei Ausprägungen, die den Kern von „Good Governance“ jedoch gut abbilden, näher betrachtet: Korruptionsbekämpfung, „Rule of law“ und eine effiziente Verwaltung. Vorläufige Hypothesen, die diese einzelnen Charakteristika von „Good Governance“ berücksichtigen und in einen Zusammenhang mit dem (Nicht-)Auftreten einer „Dutch Disease“ setzen, werden nachfolgend formuliert. Zunächst wird der Faktor „Korruptionsbekämpfung“ als Wesensmerkmal von „Good Governance“ unter die Lupe genommen. Eine korrupte Elite bzw. Regierung wird als entscheidender Grund dafür gesehen, dass bei der Bevölkerung vieler ressourcenreicher Länder wenig von diesem Reichtum ankommt und daher dort von einem Fluch der Ressourcen gesprochen werden kann. Eine korrupte bzw. „rent-seeking“ Landesregierung würde aller Voraussicht nach, Gelder, die aus Exportgeschäften mit den nationalen Ressourcen stammen, bestenfalls in eigennützige und weniger in volkswirtschaftlich sinnvolle Vorhaben investieren. Im schlimmsten Fall stellt Korruption in institutionell ungenügend ausgeprägten Ländern eine Möglichkeit dar, staatlichen Einkünfte direkt abzugreifen (vgl. Kriews 2014: 20). Als erste Hypothese wird daher formuliert:

H1: Je geringer die Korruptionsrate eines afrikanischen Landes südlich der Sahara ist, desto wahrscheinlicher ist dort das Ausbleiben einer „Dutch Disease“.

Darüber hinaus wird der Einfluss der „Rule of law“ (Rechtsstaatlichkeit) auf das Auftreten der „Dutch Disease“ hinterfragt. Das Rechtsstaatsprinzip und der gesetzlich garantierte Schutz von Eigentum gewährleisten zunächst einmal, dass sich eine produktive Tätigkeit für das Individuum wirtschaftlich rechnet und verhindern, dass womöglich versucht wird, eine Rente aus den Ressourceneinnahmen abzugreifen (zit. nach Kriews 2014: 19). Hier bestehen Berührungspunkte zu den bei der ersten Hypothese getätigten Ausführungen hinsichtlich der Korruption einer Landesregierung. Außerdem wird angenommen, dass in Ländern, in denen die Regeln befolgt werden und das staatliche Handeln unter der Aufsicht der Gerichte steht, die Gefahr einer „Dutch Disease“, die durch weitsichtiges Regierungshandeln vermieden werden könnte, geringer ist. Die zweite Hypothese lautet daher:

H2: Je rechtsstaatlicher eine Nation organisiert ist, desto geringer ist dort die Gefahr für das Auftreten einer „Dutch Disease“.

Abschließend wird der Punkt „Effiziente Verwaltung“ betrachtet. Es ist zu vermuten, dass in Ländern, in denen uneffektive Verwaltungsstrukturen und überflüssige Bürokratie vorherrschen, viele anderweitig dringend benötigte Gelder für unnötige Verwaltungsmaßnahmen ausgegeben werden und daher weniger Mittel für Maßnahmen zur Verfügung stehen, die eine „Dutch Disease“ verhindern bzw. zumindest eindämmen würden. Andererseits konnte die bisherige Forschung aufzeigen, dass eine kluge und effektive Verwaltung bzw. Mittelanwendung die „Holländische Krankheit“ (vgl. Liebig & Rondorf 2007: 1) verhindern können. Als letzte Hypothese wird daher formuliert:

H3: Je effizienter die öffentliche Verwaltung in Ländern der Vergleichsgruppe ausgeprägt ist, desto unwahrscheinlicher ist dort eine „Dutch Disease“.

2.2.) Analyseverfahren, Datengrundlage und Operationalisierung der Variablen

2.2.1) Analyseverfahren

Die im vorherigen Kapitel formulierten Hypothesen sind nun zu testen. Die Analyse hierzu soll im Rahmen quantitativer, statistischer Verfahren erfolgen – konkret im Rahmen einer Aggregatdatenanalyse und einer ökologischen Regressionsanalyse. Es soll im Rahmen dieser ökologischen Regressionsanalyse erklärt werden, warum gute Regierungsführung im Allgemeinen und in den Ausprägungen einer geringen Korruptionsrate, weitestgehender Rechtsstaatlichkeit und effektiver Verwaltung im Besonderen Umstände schaffen kann, die trotz Vorliegens von für die „Holländische Krankheit“ günstigen Voraussetzungen den Ausbruch dieser verhindern bzw. deren Ausprägungen zumindest eindämmen können. Nachdem erstens die „Dutch Disease“ ein wirtschaftliches Phänomen darstellt, welches idealerweise über mehrere Jahre beobachtet werden sollte und zweitens natürlich insbesondere jüngere Daten interessieren, werden als Untersuchungszeitraum vier Zeitpunkte in einem Zeitfenster von 14 Jahren von 2005 bis 2018 (jeweils im Rahmen einer Querschnittsanalyse) ausgewählt. Konkret handelt es sich bei diesen Zeiträumen um die Jahre 2005, 2009, 2014 und 2018. Zur Beantwortung der Forschungsfrage werden ausschließlich quantitative Verfahren eingesetzt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Good Governance zur Vorbeugung der Dutch Disease in Subsahara-Afrika
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
25
Katalognummer
V1130626
ISBN (eBook)
9783346499738
ISBN (Buch)
9783346499745
Sprache
Deutsch
Schlagworte
good, governance, vorbeugung, dutch, disease, subsahara-afrika
Arbeit zitieren
Benedikt Steinlehner (Autor:in), 2021, Good Governance zur Vorbeugung der Dutch Disease in Subsahara-Afrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1130626

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