Am Beginn der Arbeit steht ein Blick auf die „Wiederentdeckung“ des Aristoteles in der (politischen) Philosophie des 20. Jahrhunderts. Dem folgen eine Darstellung der „Krise der Moderne“ und der daraus resultierenden Wiederbegründung politischer Wissenschaft. Anschließend soll Strauss’ „Entdeckung“ der politischen Philosophie der Antike und der „exoterisch-esoterischen“ Lehre behandelt werden. Zum Schluss wird noch auf seine Rezeption der politischen Lehre des Aristoteles, vor allem im Hinblick auf dessen Naturrechtslehre eingegangen.
Leo Strauss ist zu Recht als eine der wirkungsmächtigsten Figuren der politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts bezeichnet worden. Sein Werk umfasst praktisch die komplette abendländische Denkgeschichte, von deren Beginn bis in die Gegenwart hinein. Sein großes Anliegen und gewissermaßen sein Lebensziel war die Rehabilitation der, seiner Meinung, nach von der Moderne zu Unrecht diskreditierten Tradition, genauer der griechischen Antike, und in Verbindung damit die Neubegründung der politischen Philosophie in deren klassischem Sinne. Das machte ihn zu einer der umstrittensten Figuren der politischen Philosophie seiner Zeit, da er sein Denken auf ein scheinbar weit entferntes Erkenntnisideal gründete und diesem Ideal gleichzeitig einen unmittelbaren und praktischen Bezug zur Gegenwart attestierte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in das Thema
2. Die Wiederentdeckung des Aristoteles
3. Leo Strauss
3.1. Biographie
3.2. Die Krise der Moderne
3.3. Die Wiederbegründung politischer Wissenschaft
3.4. Strauss’ „Entdeckung“ der politischen Philosophie der Antike
3.5. Die „exoterisch-esoterische“ Lehre
3.6. Strauss und die politische Lehre des Aristoteles
3.6.1. Naturrecht
3.6.2. Die Natur des Menschen
3.6.2.1. Natur und Herrschaft des „Pöbels“
3.6.2.2. Natur und Herrschaft der „Vornehmen“
3.6.3.2. Natur und Herrschaft der „Weisen“
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das politische Denken von Leo Strauss und dessen Rezeption aristotelischer Philosophie, um Strauss’ Ziel der Wiederbegründung der politischen Philosophie in der Moderne zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Die Rehabilitation der antiken politischen Philosophie durch Leo Strauss.
- Die Bedeutung der „exoterisch-esoterischen“ Lehre für die Interpretation klassischer Texte.
- Strauss’ Interpretation der aristotelischen Anthropologie und Naturrechtslehre.
- Das Verhältnis von Philosophie und politischer Herrschaft bei Strauss und Aristoteles.
- Die Auswirkungen von Strauss’ Denken auf das zeitgenössische politische Selbstverständnis.
Auszug aus dem Buch
3.5. Die „exoterisch-esoterische“ Lehre
Berühmtheit erlangte Strauss mit seiner (Wieder-) Entdeckung der in Vergessenheit geratenen Kunst des „esoterischen“ Schreibens. Der Philosoph hat laut Strauss ein Interesse daran, potentielle Mitdenker „heranzuzüchten“, müsse dazu aber an die Öffentlichkeit gehen, um „[...] the qualified citizens, or rather their sons, from the political life to the philosophic life“ zu führen. Damit jedoch entziehe er dem Gemeinwesen dessen „beste“ Söhne, was ihn dazu zwinge, dieses Vorhaben im Verborgenen durchzuführen. Die politische Herausforderung des Philosophen besteht nach Strauss also darin, einerseits (wie oben beschrieben) äußere Konformität mit innerer Nonkonformität zu verbinden und andererseits einige Wenige vom „natürlichen Zauber“ des bürgerlichen Daseins zu befreien. Die nachsokratischen Philosophen meisterten diese Aufgabe, indem sie eine „Kunst des Schreibens“ entwickelten. In diesem Sinne verfasste Schriften enthalten eine doppelbödige Kommunikation, sie sprechen verschiedene Leser auf mehreren Ebenen an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in das Thema: Das Kapitel verortet Leo Strauss in der modernen politischen Philosophie und thematisiert seinen Anspruch auf eine Rehabilitation der klassischen griechischen Antike.
2. Die Wiederentdeckung des Aristoteles: Hier wird der Rückgriff auf aristotelische Denkmuster im 20. Jahrhundert als Reaktion auf die Krise der modernen politischen Theorie beschrieben.
3. Leo Strauss: Dieser Abschnitt bietet einen biografischen Abriss und beleuchtet die Zäsur im Denken von Strauss durch das Erleben totalitärer Regime.
3.1. Biographie: Detaillierte Darstellung des Lebensweges von Strauss, von seinen Studien in Deutschland bis hin zu seiner Professur in den USA.
3.2. Die Krise der Moderne: Analyse von Strauss’ Diagnose, wonach der Verlust antiker Weisheit durch Historismus und Positivismus zum Zusammenbruch der politischen Philosophie führte.
3.3. Die Wiederbegründung politischer Wissenschaft: Untersuchung von Strauss’ Bestreben, eine politische Wissenschaft in direkter Nachfolge zu Aristoteles zu etablieren.
3.4. Strauss’ „Entdeckung“ der politischen Philosophie der Antike: Dieses Kapitel beschreibt den Zugang von Strauss zur griechischen Philosophie über jüdisch-arabische Denker.
3.5. Die „exoterisch-esoterische“ Lehre: Erläuterung der von Strauss postulierten Kunst des Schreibens, die zwischen Botschaften für die breite Öffentlichkeit und eingeweihte Leser unterscheidet.
3.6. Strauss und die politische Lehre des Aristoteles: Untersuchung der spezifischen Interpretation aristotelischer Schriften durch Strauss, insbesondere mit Blick auf die politische Führung.
3.6.1. Naturrecht: Analyse des klassischen Naturrechtsverständnisses bei Strauss als Antwort auf die totalitären Herausforderungen der Gegenwart.
3.6.2. Die Natur des Menschen: Darstellung der aristotelischen Einteilung der Menschen in Pöbel, Vornehme und Weise aus der Sicht von Strauss.
3.6.2.1. Natur und Herrschaft des „Pöbels“: Kritische Auseinandersetzung mit der straussschen Lesart der aristotelischen Unterscheidung zwischen Sklaven und freien Bürgern.
3.6.2.2. Natur und Herrschaft der „Vornehmen“: Untersuchung der Bedeutung der Lebensform des Bürgers und ihrer Bedeutung für die Erziehung zum Staatsmann.
3.6.3.2. Natur und Herrschaft der „Weisen“: Analyse des philosophischen Lebens als höchstem Gut und der Rolle des Philosophen als Berater im Gemeinwesen.
4. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung über das Erbe von Leo Strauss und die ambivalente Diskussion innerhalb der Politikwissenschaft über seine Thesen.
Schlüsselwörter
Leo Strauss, Aristoteles, Politische Philosophie, Moderne, Naturrecht, Esoterik, Exoterik, Krise der Moderne, Politische Wissenschaft, Politische Bildung, Klassik, Staatsmann, Elite, Demokratiekritik, Philosophiegeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Denken von Leo Strauss, speziell seine Interpretation der aristotelischen Philosophie und seine Versuche, die klassische politische Philosophie für die Gegenwart zu rehabilitieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die politische Philosophie, das Naturrecht, die Bedeutung antiker Texte für die Moderne sowie die politische Rolle der Philosophen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Strauss Aristoteles rezipiert, um seine eigene Kritik an der Moderne zu begründen und ein antikes Ideal des Politischen zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine geistesgeschichtliche und politikwissenschaftliche Analyse, die den Fokus auf die Auslegung philosophischer Texte und deren historische Einordnung legt.
Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Kategorisierung der Menschen durch Strauss (Pöbel, Vornehme, Weise), die esoterische Lesart von Texten und das Konzept des Naturrechts.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Strauss, Aristoteles, Politische Philosophie, Moderne, Naturrecht, Exoterik, Esoterik und Philosophiegeschichte.
Warum spielt die „exoterisch-esoterische“ Lehre eine so zentrale Rolle für Strauss?
Sie dient als interpretatorisches Werkzeug, um in klassischen Schriften zwischen vordergründigen Aussagen für die breite Masse und verborgenen, „wahren“ Gedanken für wenige Eingeweihte zu unterscheiden.
Wie unterscheidet sich laut Strauss die Natur des Pöbels von der der Weisen?
Der Pöbel strebt nach bloßem Wohlbefinden und ist laut Strauss kaum zur philosophischen Tugend fähig, während der Weise das philosophische Leben sucht, um die höchste Stufe menschlicher Existenz zu erreichen.
Inwiefern beeinflusst Strauss’ Interpretation die Sicht auf die moderne Demokratie?
Strauss steht der modernen Massendemokratie kritisch gegenüber und bevorzugt ein aristokratisches Modell, in dem die Besten (die Weisen) die Führung des Staates steuern.
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- Fabian Uhl (Autor), 2006, Leo Strauss und die Entdeckung der politischen Philosophie der Antike, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1130639