In dieser Arbeit werden neben der Person Johst auch die Verantwortlichkeiten und Funktionen der RSK, sowie die Auswirkungen auf die Schriftsteller und ihr Wirken in Deutschland beleuchtet.
Eine Personenanalyse Johsts soll dabei helfen, dessen Rolle als Instrument des NS-Apparates besser zu verstehen und einzuordnen. Dabei werden die Annährung des 1890 Geborenen an die Gedankenwelten des Nationalsozialismus (NS) nachvollzogen sowie sein anschließender Aufstieg zum Führungspersonal der zweiten Reihe.
Als Präsident einer untergeordneten Berufsorganisation stand Johst nicht an der Spitze der NS-Hierarchie. Dennoch kann – aufgrund seiner schriftstellerischen Tätigkeit, seines Einflusses auf die Literatur dieser Zeit als Präsident der RSK sowie seiner persönlichen Freundschaft mit dem Reichsführer SS, Heinrich Himmler – davon ausgegangen werden, dass Johst Einfluss auf die NS-Ideologie und die Gleichschaltung der Literatur ausgeübt hat.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Reichsschrifttumskammer
3.1 Aufbau
3.2 Aufgaben und Zielsetzung
4. Hanns Johst
4.1 Die frühen Jahre
4.2 Politische Orientierung
4.3 Verankerung im Nationalsozialismus
4.4 Präsidentschaft der Reichsschrifttumskammer
4.5 Nachkriegszeit
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Hanns Johst, einem einflussreichen Schriftsteller und Vertrauten Heinrich Himmlers, als Präsident der Reichsschrifttumskammer (RSK). Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern er als Instrument des NS-Apparates maßgeblich zur literarischen Gleichschaltung in Deutschland beitrug und wie sein politischer Werdegang sowie seine Ideologie seine Funktion in diesem System prägten.
- Biografische Analyse von Hanns Johst und seiner Entwicklung zum Nationalsozialisten
- Struktur und Aufgabenbereiche der Reichsschrifttumskammer (RSK)
- Einfluss von Ideologie und Literatur auf die NS-Gleichschaltung
- Verhältnis zwischen Johst und Heinrich Himmler
- Rezeption und Aufarbeitung nach 1945
Auszug aus dem Buch
4.3. Verankerung im Nationalsozialismus
Angesichts der oben geschilderten weltanschaulichen Übereinstimmungen zwischen Johst und den Nationalsozialisten erscheint es folgerichtig, dass Johst als eines der ersten und aktiven Mitglieder des 1928 vom NS-Chefideologen Alfred Rosenberg gegründeten nationalsozialistischen Kampfbundes für deutsche Kultur (KfdK) figurierte. Dieser sollte die Kulturorganisation übernehmen und die NS-Weltanschauung jenen Menschen vermitteln, die durch die Massenveranstaltungen der Partei nicht erreicht werden konnten. Der KfdK betitelte den Dichter Johst als prominenten Förderer des Vereins. Im April 1929 erschien in den Mitteilungen des KfdK ein Hinweis von Johst mit einer Abfuhr an Thomas Mann. Der Demokrat Mann wurde zu einem Feindbild, dessen humanitäre und internationale Grundhaltung sich nicht mit Johsts Anspruch an die völkische Ausrichtung der Dichtkunst vereinbaren ließ. In den 1930er Jahren drängte Johst gar auf eine Inhaftierung Manns.
In dieser Zeit kam es zum ersten Kontakt mit Heinrich Himmler, der das Gründungsprotokoll des KfdK 1928 unterzeichnete. Johst identifizierte sich immer tiefer mit dem Nationalsozialismus und so ließ er 1931 in den von Hitler herausgegebenen Süddeutschen Monatsheften den Satz drucken: „Aufgabe und Gabe der nationalistischen Bewegung sei es, mit den politischen Mitteln der Macht, die kulturelle Pflicht unserer Idee zu verwirklichen.“ Bei einer öffentlichen Massenveranstaltung 1931 hielt Johst einen Vortrag, der die Absicht verfolgte, den jungen Zuhörern die Bedeutung der Sprache im Daseinskampf eines Volkes näherzubringen. Denn durch Kunst könnte die Ideologie des Nationalsozialismus noch auf einem anderen Weg ans Volk gebracht werden. Johst exponierte sich als Kulturprogrammatiker der NS-Bewegung, als er z.B. eine Skizze mit spezifischer nationalsozialistischer Ästhetik mit dem Titel „Kunst unter dem Nationalsozialismus“ entwarf und es in dem Sammelband Was wir vom Nationalsozialismus erwarten veröffentlichte.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage zur Rolle Hanns Johsts als Präsident der Reichsschrifttumskammer im Kontext der literarischen Gleichschaltung ein.
3. Reichsschrifttumskammer: Dieses Kapitel erläutert den Aufbau der RSK sowie ihre zentralen Aufgaben als Instrument der staatlichen Überwachung und ideologischen Lenkung des Kulturbetriebs.
4. Hanns Johst: Dieser Hauptteil beleuchtet den Lebensweg Johsts, von seiner frühen Prägung und politischen Radikalisierung bis hin zu seiner Funktion als NS-Kulturfunktionär und seiner Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
5. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst Johsts Rolle als Propagandaschriftsteller zusammen und diskutiert die Diskrepanz zwischen seinem Wirken im NS-Regime und seiner faktischen Rehabilitierung nach 1945.
Schlüsselwörter
Hanns Johst, Nationalsozialismus, Reichsschrifttumskammer, literarische Gleichschaltung, Heinrich Himmler, Propaganda, völkische Literatur, Kulturpolitik, NS-Ideologie, NS-Regime, Literatur, Biografische Analyse, Schlageter, Dritte Reich, Entnazifizierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Karriere und den ideologischen Werdegang des Schriftstellers Hanns Johst, insbesondere seine Rolle als Präsident der Reichsschrifttumskammer während des Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die literarische Gleichschaltung durch das NS-Regime, die Funktionsweise der Reichsschrifttumskammer, die enge persönliche Verbindung zwischen Johst und Heinrich Himmler sowie die Auswirkungen der NS-Ideologie auf die zeitgenössische Dichtkunst.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, welche Rolle Hanns Johst als Präsident der Reichsschrifttumskammer bei der literarischen Gleichschaltung in Deutschland spielte und wie er sein Amt zur Durchsetzung NS-konformer Literatur nutzte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer biografischen Personenanalyse, die historische Quellen und wissenschaftliche Sekundärliteratur verknüpft, um Johsts Handeln in den historischen Kontext des Dritten Reiches einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den Lebensweg von Hanns Johst, seine politische Orientierung, seine Verankerung im Nationalsozialismus, seine Tätigkeiten als Präsident der Reichsschrifttumskammer sowie seine Situation in der Nachkriegszeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem Hanns Johst, Reichsschrifttumskammer, literarische Gleichschaltung, NS-Ideologie, Heinrich Himmler und völkische Literatur.
Inwiefern beeinflusste die Freundschaft zu Heinrich Himmler Johsts Karriere?
Die persönliche Freundschaft zu Himmler fungierte als wichtiger Protektionsfaktor, der Johst in seiner Karriere als NS-Kulturfunktionär stützte und ihm ermöglichte, politischen Einfluss in der NS-Hierarchie auszuüben.
Wie verlief die Entnazifizierung für Hanns Johst?
Obwohl er zunächst als Hauptschuldiger eingestuft wurde, führten spätere Revisionsverfahren dazu, dass das Entnazifizierungsverfahren eingestellt wurde und er als „Mitläufer“ bzw. letztlich als faktisch rehabilitiert galt.
- Arbeit zitieren
- Ben Schuster (Autor:in), 2021, Hanns Johst. Seine Rolle als Präsident der Reichschrifttumskammer für die literarische Gleichschaltung in der NS-Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1130749