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Einführung in die Interpretationstechnik der objektiven Hermeneutik

Titel: Einführung in die Interpretationstechnik der objektiven Hermeneutik

Hausarbeit , 2006 , 15 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Olga Herbel (Autor:in)

Pädagogik - Wissenschaftstheorie, Anthropologie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Methode der qualitativen Sozialforschung, der Objektiven Hermeneutik. Dies ist ein wissenschaftliches Verfahren, das auf eine rationale und überprüfbare Auslegung und Interpretation von Texten, Protokollen oder Interviews abzielt.
Das Wort "Hermeneutik" stammt aus dem Griechischen "hermeneuen", was auslegen oder aussagen bedeutet. Dabei ist mit Interpretation und Auslegung das methodische Vorgehen gemeint, in welchem der Wissenschaftler zur Erkenntnis dessen kommt, was der Text meint.
Hermeneutische Verfahren dienen also dazu, die Beobachtung, den Sinn von Menschlichen Dokumenten, insbesondere von Texten zu erfassen und zu verstehen.
Als Entwickler der Objektiven Hermeneutik gilt Ulrich Oevermann. Im Gegensatz zu anderen qualitativen Verfahren wie beispielsweise den traditionellen Hermeneutiken geht es in der Objektiven Hermeneutik also nicht nur darum einen vom Autor intendierten Sinn nachzuvollziehen, sondern den latenten Sinn, also die Struktur des Textes zu ermitteln. So soll das methodische Aufdecken latenter Sinnebenen in Texten ermöglicht werden, die darauf einer Feinanalyse unterzogen werden, d.h., es folgen ein erweiterndes Verfahren der Sinnauslegung und ein sequentielles Vorgehen (Wikpedia).
Bei der Auswertung der Texten lassen sich zwei wesentliche Aspekte unterscheiden:
1. Die dem Verfahren zugrunde liegende Annahmen über soziale Wirklichkeit
2. Die konkreten methodischen Operationen bei der Interpretation Untersuchungsgegenstand der Objektiven Hermeneutik sind immer Texte, genauer:
Textprotokolle, da die Objektive Hermeneutik wie auch jedes hermeneutisches Verfahren davon ausgeht, dass sich die sinnhafte Welt durch Sprache konstituiert und in Texten manifestiert. Diese können sich durchaus auf nicht- sprachliches Material beziehen, wobei protokollierte sprachliche Aussagen meist im Mittelpunkt der Analyse stehen. Was aber für die Forschung als Material vorliegt, ist immer ein Protokoll über beobachtete nicht-
sprachliche Handlungen -, da andere Datengrundlagen für die Interpretation nicht effektiv sind.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodologische Grundlagen der Objektiven Hermeneutik

2.1 Textinterpretation als Wirklichkeitswissenschaft

2.2 Der Text als regelerzeugtes Gebilde

2.3 Fallstruktur - Rekonstruktion

2.4 Fallrekonstruktion als Sequenzanalyse

2.5 Latente Sinnstruktur

2.6 Fallstruktur- Generalisierung

3. Die Prinzipien der objektiv-hermeneutischen Textinterpretation

4. Operationalisierung der Methode

4.1 Vor der Textinterpretation: Fallbestimmung und Interaktionseinbettung

4.2 Die Interview –Frage

4.3 Erzählen von Geschichten

4.4 Lesartenbildung

4.5 Konfrontation der Lesarten mit dem Kontext und Bildung der Fallstrukturhypothesen

5. Erläuterung der Anwendung des Verfahrens anhand eines Beispiels

6. Schlussteil

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit widmet sich der systematischen Einführung in die Methode der Objektiven Hermeneutik als Verfahren der qualitativen Sozialforschung. Das primäre Ziel ist es, den methodischen Prozess der Textinterpretation – von der ersten Sequenzanalyse bis zur Bildung gesicherter Fallstrukturhypothesen – transparent und nachvollziehbar darzulegen.

  • Methodologische Fundierung der objektiven Textinterpretation
  • Strukturanalyse latenter Sinnzusammenhänge
  • Operationalisierungsschritte: Fallbestimmung und Sequenzanalyse
  • Einsatz von Lesartenbildung und Kontrastierungstechniken
  • Anwendung des Verfahrens am Beispiel von Lehrerinterviews

Auszug aus dem Buch

Die Prinzipien der objektiv-hermeneutischen Textinterpretation

Im Folgenden werden die Interpretationsprinzipien des hermeneutischen Verfahrens erläutert, die eine Analyse von Interview-, Interaktions- oder anderen Protokollen ermöglichen. In einem abduktiven Verfahren werden Lesearten gebildet, die eine Fallstrukturhypothese darstellen. Folglich wird diese Fallstrukturhypothese an den anderen Textsequenzen solange überprüft, bis sich die anfängliche Fallstrukturhypothese bestätigt oder von neuen abgelöst wird.

Bei der Textinterpretation gilt es, folgende fünf Prinzipien zu beachten: Kontextfreiheit, Wörtlichkeit, Sequentialität, Extensivität und Sparsamkeit.

Das Prinzip der kontextfreien Textanalyse verlangt, den Text als eigenständiges Wirklichkeitsgebilde zu fixieren. Es gilt, die Bedeutung der Äußerung als solche zu verdeutlichen. Dies geschieht durch die Konstruktion gedankenexperimenteller Kontexte, in denen die Äußerung als wohlgeformt und stimmig erscheint. Kontextfreiheit bedeutet nicht, dass die Umstände einer Handlung nicht wichtig seien zum Verständnis ihrer Bedeutung, sondern ihre Einbeziehung erst nach der kontextfreien Bedeutungsklärung richtig ist (Wernet 2000, 21f).

Auch das Prinzip der Wörtlichkeit ist unumgänglich, soll der Text als Ausdruck von Wirklichkeit ernst genommen werden. Dieses Prinzip entspricht der Annahme der textförmigen Wirklichkeit, zudem ist die wörtliche Textinterpretation zwingend, um dem Textverstehen als intersubjektiv überprüfbare Operation gerecht zu werden. Die Bedeutungsrekonstruktion darf den tatsächlich artikulierten Text in seiner protokolliert vorliegenden Gestalt nicht ignorieren, da er die wissenschaftliche Datenbasis ist (Wernet 2000, 23f).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Grundlagen der Objektiven Hermeneutik ein und definiert sie als rationales Verfahren der qualitativen Sozialforschung zur Erschließung latenter Sinnstrukturen.

2. Methodologische Grundlagen der Objektiven Hermeneutik: Das Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente, insbesondere die Annahme, dass soziale Wirklichkeit textförmig ist und menschliches Handeln auf regelgeleiteten Prinzipien basiert.

3. Die Prinzipien der objektiv-hermeneutischen Textinterpretation: Hier werden die fünf zentralen Interpretationsprinzipien (Kontextfreiheit, Wörtlichkeit, Sequentialität, Extensivität und Sparsamkeit) detailliert definiert und für die wissenschaftliche Praxis begründet.

4. Operationalisierung der Methode: Dieses Kapitel beschreibt den praktischen Arbeitsprozess von der Fallbestimmung über die Interviewanalyse bis hin zur sequenzanalytischen Bildung von Fallstrukturhypothesen.

5. Erläuterung der Anwendung des Verfahrens anhand eines Beispiels: Anhand eines Lehrerinterviews wird der gesamte Interpretationsprozess konkret demonstriert, um die theoretischen Schritte methodisch zu veranschaulichen.

6. Schlussteil: Das Schlusskapitel fasst die Bedeutung der Objektiven Hermeneutik für die Analyse sinnstrukturierter Welten zusammen und verweist auf deren vielfältige Anwendungsmöglichkeiten.

Schlüsselwörter

Objektive Hermeneutik, Qualitative Sozialforschung, Textinterpretation, Fallrekonstruktion, Sequenzanalyse, Latente Sinnstruktur, Fallstrukturhypothese, Regelgeleitetheit, Textprotokoll, Interaktionseinbettung, Lesartenbildung, Sozialwissenschaft, Fallbestimmung, Intersubjektivität, Habitusrekonstruktion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet eine fundierte Einführung in die Objektive Hermeneutik, ein qualitatives Forschungsverfahren, das darauf abzielt, soziale Wirklichkeit durch die systematische Interpretation von Texten und Protokollen verstehbar zu machen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die methodologischen Grundlagen der Regelgeleitetheit sozialen Handelns, die Prinzipien der textanalytischen Arbeit sowie die operative Umsetzung in konkreten Forschungsprojekten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Vermittlung der methodischen Schritte, die notwendig sind, um von einem Textprotokoll zu einer wissenschaftlich gesicherten Fallstrukturhypothese zu gelangen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird die Methode der Objektiven Hermeneutik angewandt, die sich durch ein sequentielles Vorgehen, den Einsatz gedankenexperimenteller Lesarten und die Konfrontation mit dem Kontext auszeichnet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die methodologische Fundierung, die Erläuterung der fünf zentralen Interpretationsprinzipien sowie eine detaillierte Anleitung zur operationalen Durchführung der Fallanalyse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Objektive Hermeneutik, Sequenzanalyse, Fallstruktur, Textinterpretation und latente Sinnstruktur.

Wie unterscheidet sich die Objektive Hermeneutik von anderen Verfahren?

Im Gegensatz zu Verfahren, die lediglich auf die Intention des Autors abzielen, fokussiert die Objektive Hermeneutik auf die latente, durch soziale Regeln erzeugte Struktur des Textes, die unabhängig vom subjektiven Willen der Handelnden existiert.

Welche Rolle spielt das Fallbeispiel im Text?

Das Lehrerinterview dient als empirische Illustration, um den komplexen Prozess der Interpretation – von der ersten Eingangssequenz bis zur Hypothesenbildung – für den Leser greifbar und nachvollziehbar zu machen.

Warum ist die Unterscheidung zwischen Fallbestimmung und Interaktionseinbettung wichtig?

Diese vorbereitenden Schritte sind essenziell, um das Forschungsinteresse klar zu fokussieren und den spezifischen Status des Textprotokolls zu bestimmen, bevor die eigentliche Feinanalyse beginnt.

Was besagt das Sparsamkeitsprinzip in diesem Kontext?

Es dient der methodischen Absicherung, indem es fordert, dass nur solche Lesarten gebildet werden dürfen, die direkt durch den Text erzwungen sind, um voreilige oder unbegründete Interpretationen zu vermeiden.

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Details

Titel
Einführung in die Interpretationstechnik der objektiven Hermeneutik
Veranstaltung
Einführung in die Interpretationstechnik der objektiven Hermeneutik
Note
2,0
Autor
Olga Herbel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V113076
ISBN (eBook)
9783640132379
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einführung Interpretationstechnik Hermeneutik Einführung Interpretationstechnik Hermeneutik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Olga Herbel (Autor:in), 2006, Einführung in die Interpretationstechnik der objektiven Hermeneutik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113076
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