ADHS. Merkmale und mögliche Behandlungsmethoden bei Kindern


Hausarbeit, 2020

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
2.1 Störungsbild
2.2 Ursachen
2.3 Klassifikation
2.4 Diagnostik
2.5 Behandlungsmöglichkeiten
2.5.1 medikamentöse Therapie
2.5.2 nicht medikamentöse Therapie

3 Diskussion

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, ist eine Thema­tik, die sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Forschung ein großes Interesse erfährt. Bei einer Suche nach dem Schlagwort „ADHS“ in einer gängigen Suchma­schine erscheinen z. B. 7.690.000 Treffer. Zudem handelt es sich hierbei um ein stark diskutiertes Thema. Die einen gehen davon aus, dass es sich bei ADHS um eine Modediagnose handelt, die anderen sehen eine ernst zu nehmende Krankheit, die vielfältigen Auswirkungen auf die Betroffenen und deren soziales Umfeld ha­ben kann.

Aber nicht nur die Tatsache, dass es sich hierbei um ein gesellschaftlich präsentes Thema handelt macht diese Erkrankung interessant. Die Prävalenz ist ein weiterer Punkt, der zeigt wie relevant diese Thematik ist. In Deutschland scheinen 4 % der Kinder und Jugendlichen an dieser Störung zu leiden (Banaschewski et al., 2017, S. 150). Eine Weltweit durchgeführte Metaanalyse kommt zu einer Prävalenz von 5,29 % (Polanczyk, Lima, Horta, Biederman & Rohde, 2007, S. 945).

Bei einer Krankheit, die so häufig unter Kindern und Jugendlichen auftritt, stellt sich natürlich die Frage was ADHS überhaupt ist und welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt. Das Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, einen kurzen Überblick über ADHS zu geben und anschließend auf die verschiedenen Behandlungsmög­lichkeiten bei Kindern einzugehen.

Um sich diesem Ziel anzunähern, wird zuerst ein kurzer Blick auf das Störungsbild und die möglichen Ursachen von ADHS geworfen. Bevor sich diese Arbeit dann der Diagnostik widmet, werden noch die beiden gängigsten Klassifikationssysteme etwas genauer beleuchtet. Als nächstes werden verschiedene Möglichkeiten der Be­handlung vorgestellt. In diesem Kontext wird zwischen einer medikamentösen und einer nicht medikamentösen Therapie unterschieden. Anschließend wird diese Ar­beit mit einem kritischen Ausblick im Rahmen des Fazits beendet.

Zur Vereinfachung des Leseflusses wird im Folgenden die männliche Schreibform gewählt, gemeint sind jedoch stets alle Geschlechter.

2 Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Wenn man an den Begriff der Aufmerksamkeitsstörung denkt, hat wahrscheinlich jeder das Bild von einem „Zappelphilipp“ im Kopf, der sich nicht stillhalten kann und sofort von allem ablenken lässt. Häufig wird ADHS dabei als eine Art Mode­diagnose bezeichnet (Gawrilow, 2016, S. 20). Dass dies nicht der Fall ist, wird deut­lich, wenn man sich die Geschichte dieses Krankheitsbildes ansieht. Man geht da­von aus, dass die Störung schon lange existiert. Diese spielt aber aufgrund einer starken sozialen Vernetzung, der früheren Aufgabenteilung (die nur wenig Ablen­kungen zuließ) und einem strengen Erziehungsstil im Leben der Leute keine große Rolle gespielt (Neuy-Bartmann, 2014, S. 20).

Insgesamt handelt es sich bei dieser Störung um eine der am häufigsten diagnosti­zierten Verhaltensstörungen des Kinder- und Jugendalters (Lauth & Schlottke, 2019, S. 32). Aufgrund der unterschiedlichen Klassifikationssystemen (auf die in einem anderen Kapitel etwas genauer eingegangen wird) kommt es zu Schwankun­gen der Prävalenz. Jungen scheinen aber häufiger von ADHS betroffen zu sein als Mädchen (Döpfner, Frölich & Lehmkuhl, 2013, S. 5)..

2.1 Störungsbild

Gekennzeichnet ist ADHS durch die Symptome Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität. Diese Verhaltensauffälligkeiten können sowohl in Kombina­tion als auch getrennt voneinander auftreten (Lauth & Schlottke, 2019, S. 22 f).

Die Unaufmerksamkeit zeigt sich darin, dass der Betroffene sich leicht ablenken lässt und Probleme damit hat, eine angefangene Aufgabe zu Ende zu bringen. Durch die leichte Ablenkbarkeit kommt es zusätzlich noch zu einer Häufung von Flüch­tigkeitsfehlern und Vergesslichkeit. So ist es z. B. keine Seltenheit, dass ein Kind, das an ADHS leidet, seine Jacke oder etwas Anderes in der Schule liegen lässt. Die Hyperaktivität ist wohl das Symptom, das für außenstehenden am leichtesten beo­bachtet werden kann. Hierbei handelt es sich um eine motorische Überaktivität, die dafür sorgt, dass es dem Kind schwer fällt still zu sitzen (Gawrilow, 2016, S. 22 f).

Das impulsive Verhalten ist durch schnelle und unüberlegte Handlungen gekenn­zeichnet. So platzen Kinder z. B. mit der Antwort heraus, bevor die Frage ganz gestellt wurde oder gehen einer riskanten Aktion nach, ohne die Folgen zu beden­ken. (Döpfner, Frölich & Wolff Metternich, 2019, S. 11).

Der Verdacht, dass ein Kind an ADHS leidet, wird oft zuerst in der Vorschule oder Grundschule gestellt. Im Kindergarten können sich eine erhöhte Unruhe und Wut­anfälle zeigen (Döpfner et al., 2019, S. 12). Aufgrund der gestiegenen Anforderun­gen an die Aufmerksamkeit, gestaltet sich der Übergang in die Grundschule als schwierig (Petermann & Schmidt, 2018, S. 9 f). Diese Phase wird aber nicht nur von den Kindern, sondern auch von den Eltern als besonders belastend erlebt (Geb­hardt, 2016, S. 269). Neben den schulischen Problemen haben solche Kinder auch häufig Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen zu Gleichaltrigen und neigen dazu sich häufiger zu verletzen (Lauth & Schlottke, 2019, S. 19 f).

Neben den eigentlichen Symptomen kann es noch zu einer Reihe von komorbiden Störungen kommen. Es wird davon ausgegangen, dass ca. 2/3 der Betroffenen noch an anderen Störungen leiden, was die Diagnostik erschwert. In diesem Kontext, kann zwischen gleichzeitig oder später auftretenden Problemen unterschieden wer­den. Zu den gleichzeitig auftretenden Problemen zählen z. B. aggressives und dis­soziales Verhalten, Depressivität, Angststörungen sowie Lern- und Leistungsstö­rungen. Störungen, die zu einem späteren Zeitpunkt im Leben auftreten können, sind z. B. Substanzabhängigkeiten oder Persönlichkeitsstörungen. Es sollte aber auch erwähnt werden, dass Menschen, die unter ADHS leiden, positive Eigenschaf­ten wie Harmoniebedürftigkeit, Kreativität und ein großer Gerechtigkeitssinn zu­geschrieben werden (Gawrilow, 2016, S. 23). Wenn man sich das Krankheitsbild ADHS ansieht, fällt auf, dass nicht nur die damit verbundenen Probleme sehr viel­fältig sind, sondern auch die möglichen Ursachen.

2.2 Ursachen

ADHS ist eine Störung, die seit einigen Jahrzehnten sehr stark untersucht wird. So verwundert es nicht, dass sich im Laufe der Zeit auch viele Theorien entwickelt haben, die sich mit den Ursachen beschäftigen (Tschuschke, 2019, S. 102 ff).

Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass es nicht einen einzelnen Auslöser gibt, sondern viele Faktoren, die bei der Entstehung zusammen spielen (Nigg zitiert nach Gawrilow, 2016, S. 61).

Eine große Rolle, aber nicht die einzige, scheinen dabei die Gene zu spielen (Döpf­ner et al., 2019, S. 21 f). So konnte in einigen Studien nachgewiesen werden, dass es zu einem gehäuften familiären Auftreten von ADHS kommt. Hier liegen sowohl Ergebnisse aus Zwillingsstudien als auch aus Adoptionsstudien vor (Gawrilow, 2016, S. 66). In diesem Zusammenhang sollte aber beachtet werden, dass nicht ein einzelnes, sondern die Kombination verschiedener Gene für ADHS verantwortlich gemacht werden (Franke, Neale & Faraone, 2009, S. 1). Je nachdem welche Studien man betrachtet, wird von einer Heredität zwischen 70 und 80 % ausgegangen (Mül­ler, Candrian & Kropotov, 2011, S. 82). Letzten Endes wird davon ausgegangen, dass die Gene lediglich das Risiko für ADHS erhöhen, aber nicht die alleinige Ur­sache dafür sind (Lauth & Schlottke, 2019, S. 63 f).

Die genetische Disposition scheint sich dabei auf die Entwicklung des Gehirns und den Neurotransmitterstoffwechsel auszuwirken. Auch hier gibt es wieder unter­schiedliche Theorien welche Neurotransmitter für die Symptome der ADHS ver­antwortlich gemacht werden können. Ein Botenstoff, bei dem weitgehende Einig­keit besteht, ist das Dopamin. Hier wird davon ausgegangen, dass die Symptome dieser Störung durch einen Dopaminmangel im Gehirn ausgelöst werden (Gawri­low, 2016, S. 66 f). Aber auch diese Theorie wird gelegentlich kritisiert. Hüther (2004) merkt in diesem Zusammenhang z. B. an, dass die Ursache-Wirkung Bezie­hung noch nicht abschließend geklärt wurde (zitiert nach Tschuschke, 2019, S. 109). Neben dem Dopamin werden aber auch die Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin, Acetylcholin und Monoaminooxidase diskutiert (Müller et al., 2011, S. 82 ff; Tschuschke, 2019, S. 113).

Neben den genetischen Ursachen spielen aber auch pränatale Bedingungen, die Umwelt und psychosoziale Faktoren eine Rolle. So liegt z. B. eine Korrelation zwi­schen dem Alkohol- und Nikotinkonsum in der Schwangerschaft und dem Auftre­ten von ADHS vor (Gawrilow, 2016, S. 70). Aber auch ein erhöhter Stress in der Schwangerschaft (Class et al., 2014, S. 6) oder ein reduziertes Geburtsgewicht kor­relieren mit diesem Krankheitsbild (Gawrilow, 2016, S. 70). Auch die Ernährungs­gewohnheiten von Kindern sind immer wieder unter Verdacht gestanden. Dies ließ sich bisher aber noch nicht bestätigen. Auch wenn der Verzicht auf bestimmte Nah­rungsmittel im Einzelfall hilfreich sein kann, kann dieser Punkt vernachlässigt wer­den. Die psychosozialen Faktoren scheinen dabei eine verstärkende oder hem­mende Wirkung auf die Symptomatik zu haben (Döpfner et al., 2019, S. 21 f; Gawrilow, 2016, S. 68). Wie bereits erwähnt gibt es zwei Klassifikationssysteme für psychische Störungen. Im folgenden Kapitel wird ein genauerer Blick auf diese Systeme geworfen.

2.3 Klassifikation

Die gängigsten Systeme für die Klassifikation von psychischen Störungen sind der in Deutschland gebräuchliche ICD 10 (Dilling, Mombour & Schmidt, 2015) und in Amerika der DSM 5 (Falkai et al., 2018). Im ICD 10 wird ADHS unter der hyper­kinetischen Störung (F90) eingruppiert. Hier wird zwischen der „einfache Aktivi- täts- und Aufmerksamkeitsstörung“ (F90.0) und der „hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens“ (F90.1) unterschieden. Zudem gibt es noch die „sonstige hyper­kinetische Störung“ (F90.8). Hier müssen nicht alle Kriterien für eine hyperkineti­sche Störung erfüllt sein. Wenn zwar alle Kriterien erfüllt sind, aber keine Unter­scheidung zwischen einer F90.0 und einer F90.1 getroffen werden kann, wird dies als „nicht näher bezeichnete hyperkinetische Störung“ (F90.9) benannt. Wenn zwar eine Aufmerksamkeitsstörung, aber keine Hyperaktivität vorliegt, wird eine „sons­tige näher bezeichnete andere Verhaltens- und emotionale Störung mit Beginn in der Kindheit und Jugend“ (F98.8) diagnostiziert.

Laut dem ICD 10 müssen die Symptome Unaufmerksamkeit, Überaktivität und Un­ruhe übermäßig stark ausgeprägt und situationsübergreifend stattfinden, bereits vor dem siebten Lebensjahr begonnen haben und seit mindestens sechs Monaten beste­hen. Außerdem muss es aufgrund der Krankheitszeichen zu einer Beeinträchtigung oder zum Leiden des Betroffenen kommen. Die gezeigten Symptome dürfen zudem nicht Teil einer anderen Störung oder auf den Entwicklungsstand zurückzuführen sein (Dilling et al., 2015, S. 358 ff).

Bei der Unaufmerksamkeit müssen mindestens sechs der folgenden Symptome vor­liegen:

- häufige Unaufmerksamkeit und Flüchtigkeitsfehler,
- die Aufmerksamkeit kann nicht lange aufrechterhalten werden,
- hören oft nicht, was zu ihnen gesagt wird,
- Erklärungen werden oft nicht verstanden oder Aufgaben nicht erfüllt,
- schlechte Organisation der Aufgaben,
- Aufgaben, die Durchhaltevermögen erfordern, werden vermieden,
- Gegenstände können oft nicht gefunden werden,
- werden schnell abgelenkt,
- häufige Vergesslichkeit (Dilling et al., 2015, S. 358 ff).

Bei der Überaktivität müssen mindestens drei der folgenden Anzeichen auftreten:

- häufiges Zappeln vor allem mit den Händen und Füßen,
- stehen oft auf, obwohl erwartet wird, dass sie sitzenbleiben,
- können auch in unpassenden Situationen nicht aufhören zu laufen oder zu klettern,
- ruhige Tätigkeiten können nur schwer erledigt werden und es kommt zu ei­ner unnötigen Lautstärke,
- soziale Gegebenheiten können die Aktivität nicht verhindern (Dilling et al., 2015, S. 358 ff).

Für die Impulsivität muss nur eins der folgenden Symptome auftreten:

- geben oft eine Antwort, bevor die Frage ganz gestellt wurde,
- sind oft nicht fähig die Reihenfolge einzuhalten,
- fallen durch häufige Unterbrechungen und Störungen auf,
- haben häufig ein sehr reges Mitteilungsbedürfnis (Dilling et al., 2015, S. 358 ff).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
ADHS. Merkmale und mögliche Behandlungsmethoden bei Kindern
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V1130981
ISBN (eBook)
9783346499950
ISBN (Buch)
9783346499967
Sprache
Deutsch
Schlagworte
adhs, merkmale, behandlungsmethoden, kindern
Arbeit zitieren
Frederick Rumi (Autor:in), 2020, ADHS. Merkmale und mögliche Behandlungsmethoden bei Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1130981

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