Sport als Behandlungsmöglichkeit bei Depressionen. Ursachen und Therapieansätze


Hausarbeit, 2021

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Depressionen
2.1 Ursachen
2.2 Therapie
2.2.1 medikamentöse und somatische Therapieansätze
2.2.2 psychotherapeutische Verfahren
2.2.3 Sport als Behandlungsmöglichkeit

3 Diskussion

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Bis vor einigen Jahren waren psychische Erkrankungen noch ein Thema über das so gut wie nie geredet wurde. Dies galt nicht nur für den öffentlichen Diskurs, son­dern auch für das familiäre Umfeld. Mittlerweile sind solche Störungen aber in den Fokus der Gesellschaft gerückt. Insbesondere die Krankheitsbilder der Depression und des Burn-outs erfahren eine große mediale Aufmerksamkeit. Dies ist zum Teil auch der Tatsache geschuldet, dass immer mehr bekannte Menschen offen über ihre Erkrankung sprechen. Spätestens nach dem Suizid des weltberühmten Komikers Robin Williams, bei dem sich im Nachhinein herausgestellt hat, dass er unter ande­rem an Depressionen gelitten hat, wurde vielen Menschen bewusst, dass theoretisch jeder an einer depressiven Störung erkranken kann. Dies wird auch daran deutlich, dass laut Schätzungen weltweit 350 Millionen Menschen an dieser Störung erkrankt sind (Bundesgesundheitsministerium, 2020, o. S.). Dadurch entstehen, neben dem Leid der Betroffenen und deren Angehörigen, auch hohe gesellschaftliche Kosten durch Behandlung und Arbeitsausfall.

Wenn man diese Faktoren betrachtet, stellt sich natürlich die Frage, ob es Behand­lungsmöglichkeiten gibt, die weniger Kosten erzeugen und (mehr oder weniger) einfach in den Alltag integriert werden können. Läuft man durch die Stadt, sieht man fast an jeder Ecke Fitnessstudios, Jogger oder Menschen, die sich zum Sport im Park treffen. Dadurch stellt sich dem Autor dieser Arbeit die Frage, ob Sport eine geeignete Behandlungsmöglichkeit für Depressionen ist.

Um dieser Frage nachzugehen wird zunächst darauf eingegangen, was Depressio­nen sind, welche Symptome dadurch entstehen können und welche unterschiedli­chen Formen es gibt. Im Anschluss daran werden unterschiedliche Theorien für die Entstehung dieser Störung genannt. Als nächstes wird sich diese Arbeit den unter­schiedlichen Möglichkeiten der Behandlung widmen. Hier wird zuerst ein kurzer Blick auf die pharmakologischen und somatischen und danach auf psychotherapeu­tische Ansätze geworfen. Danach rückt der Fokus auf die Frage, ob Sport ein ge­eignetes Mittel gegen Depressionen ist. Abschließend wird diese Arbeit mit einem kritischen Ausblick im Rahmen eines Fazits beendet.

Zur Vereinfachung des Leseflusses wird im Folgenden die männliche Schreibform gewählt, gemeint sind jedoch stets alle Geschlechter.

2 Depressionen

Der Begriff Depression leitet sich von dem lateinischen Wort deprimere ab und bedeutet so viel wie herunterdrücken, niederdrücken (Berking & Radkovsky, 2012, S. 29). Dabei handelt es sich um eine der am häufigsten auftretenden psychischen Störungen. Es wird von einer Prävalenzrate von ca. 25 % bei Frauen und 12 % bei Männern ausgegangen (Berking & Radkovsky, 2012, S. 32). Wie bereits erwähnt bedeutet dies, dass laut Schätzungen ca. 350 Millionen Menschen weltweit betrof­fen sind. Frauen leiden dabei etwa doppelt so häufig wie Männer an einer Depres­sion (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011, S. 887; Berking & Radkovsky, 2012, S. 32).

Die Depression zählt im ICD 10 zu den affektiven Störungen (F3). Darunter ver­steht man Erkrankungen, die mit einer Veränderung des Antriebs und der Stim­mung einhergehen. Neben den Depressionen zählen auch die Manie und die bipo­lare Störung zu den affektiven Störungen. (Caspar, Pjanic & Westermann, 2018, S. 55). Die Hauptsymptome einer Depression sind die niedergedrückte Stimmung, Anhedonie (d. h. Interessen- und Freudlosigkeit) und ein verminderter Antrieb. Da­neben gibt es noch eine Reihe weiterer Symptome, die bei dieser Erkrankung auf­treten können. Dazu zählen affektive Beschwerden wie Traurigkeit, Gefühl der in­neren Leere, Einsamkeit und Ängste, aber auch kognitive Symptome wie Hoff­nungslosigkeit, vermehrtes Grübeln, Selbstunsicherheit, Konzentrationsstörungen oder Gedanken an den Tod. Auch motivational-behaviorale Anzeichen können da­runterfallen. Hier gehört z. B. der soziale Rückzug sowie eine verlangsamte Spra­che und Motorik dazu. Daneben können auch somatische Beschwerden wie Schlaf­störungen, Appetit- und Gewichtsveränderungen und Libidoverlust auftreten (Ber- king & Radkovsky, 2012, S. 30f.; Caspar et al., 2018, S. 56). Da ca. 40 - 80 % der von Depression betroffenen Menschen Suizidgedanken haben und auch ein erhöh­tes Suizidrisiko besteht, sollte vor allem in der therapeutischen Arbeit ein genaues Augenmerk auf diese Tatsache gelegt werden (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011, S. 889; Berking & Radkovsky, 2012, S. 32).

Da wohl jeder Mensch das ein oder andere Mal an mindestens einem der Symptome leidet, sollte erwähnt werden, dass eine kurzzeitige und leichte depressive Verstim­mung noch keinen Krankheitswert hat. Erst wenn mindestens zwei der Hauptsymp­tome über mindestens zwei Wochen auftreten, spricht man von einer depressiven Episode (Caspar et al., 2018, S. 56). Eine depressive Episode kann dabei zwischen zwei Wochen und mehreren Jahren dauern. Durchschnittlich beträgt die Erkran­kungszeit ca. fünf Monate (Berking & Radkovsky, 2012, S. 39). Je nach Anzahl der Nebenkriterien kann man zwischen einer leichten, einer mittleren und einer schwe­ren Depression unterscheiden (Berking & Radkovsky, 2012, S. 31f.). Daneben kann es auch zu einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen kommen. Dies ist der Fall, wenn zu den Krankheitszeichen der Depression noch ein wahnhaftes Erleben hinzukommt. Hierbei kann es sich z. B. um einen Verarmungs­oder Schuldwahn handeln (Caspar et al., 2018, S. 56). Eine weitere Unterscheidung kann anhand der Anzahl der Episoden getroffen werden. Bei ca. 25 % kommt es im Verlauf des Lebens nur zu einer dieser Episoden. Weitere 45 % durchlaufen min­destens zwei solcher Phasen. Hier spricht man dann von einer rezidivierenden de­pressiven Störung. Bei ca. 30 % kommt es zu einer Episode, die länger als zwei Jahre dauert. Dies wird dann als eine chronische Depression bezeichnet (Caspar et al., 2018, S. 57). Um ein ähnliches Krankheitsbild handelt es sich bei der Dysthymie. Hier werden nicht alle Kriterien erfüllt, die für das Vorliegen einer Depression be­nötigt werden. Zudem sind die Symptome weniger stark ausgeprägt, liegen aber mindestens über einen Zeitrahmen von zwei Jahren vor. Wenn sich zusätzlich zu der Dysthymie noch eine Depression entwickelt, spricht man von einer double de­pression (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011, S. 882; Caspar et al., 2018, S. 56). Da­neben gibt es noch zwei weitere Störungen, die unter das klinische Bild einer De­pression fallen. Dies ist zum einen die saisonale affektive Störung und zum anderen die postnatale Depression. Die saisonale affektive Störung tritt dabei vor allem in der dunklen Jahreszeit auf. Die postnatale Depression kann bei einer Frau innerhalb von zwei Jahren nach der Geburt entstehen (Berking & Radkovsky, 2012, S. 30).

Im Rahmen der Diagnostik ist es besonders wichtig, die vorhandenen Symptome sowie den zeitlichen Verlauf und die Intensität zu erfassen. Dies kann sowohl über ein klinisches Interview als auch über Fragebögen geschehen (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011, S. 884; Berking & Radkovsky, 2012, S. 33f.). Differenzialdiagnos- tisch sollten organische Ursachen und Störungen durch psychotrope Substanzen ausgeschlossen werden (Caspar et al., 2018, S. 56). Aber auch der Verlust eines geliebten Menschen kann zu einem ähnlichen Erscheinungsbild führen (Berking & Radkovsky, 2012, S. 33). Da im Normalfall der erste Ansprechpartner bei Be­schwerden der Hausarzt ist, ist es in diesem Zusammenhang besonders interessant, dass laut einer Studie von Beesdo-Baum et al. (2018, S. 56) Depressionen in Haus­arztpraxen häufig nicht als solche erkannt werden. Eine Möglichkeit, die sich posi­tiv auf die Diagnostik beim Arzt auswirken könnte, ist das Erkennen der Ursachen für eine Depression.

2.1 Ursachen

Wie bereits erwähnt handelt es sich bei Depressionen um eine der am häufigsten auftretenden psychischen Erkrankungen. Dadurch sind in den letzten Jahrzehnten viele unterschiedliche Erklärungsmodelle entwickelt worden. Mittlerweile geht man davon aus, dass bei der Entstehung dieser Krankheit viele verschiedene Fak­toren zusammenwirken (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011, S. 890; Berking & Rad- kovsky, 2012, S. 34; Wolfersdorf, 2011, S. 37). Aufgrund der Komplexität und der Vielzahl an unterschiedlichen Ansätzen werden hier nur einige kurz angeschnitten.

Auch wenn es viele unterschiedliche Theorien über die Erklärung von Depression gibt, scheint es doch gesichert zu sein, dass eine genetische Komponente bei der Entstehung der Depression vorhanden ist. So liegt z. B. eine Konkordanzrate von 50 % bei eineiigen Zwillingen und von 15 - 20 % bei zweieiigen Zwillingen vor. Diese Disposition sagt allerdings nichts darüber aus, welche biologischen Verände­rungen für das Auftreten der depressiven Symptomatik verantwortlich sind. Hier gibt es zum einen die Monoaminmangelhypothese. Diese geht davon aus, dass es aufgrund des Mangels von Monoaminen (Serotonin, Dopamin und Noradrenalin) zur Entstehung der Symptome kommt. Zum anderen gibt es die Theorie der Dysre­gulation der Hypothalamus - Hypophysen - Nebennierenrinden Achse. Diese führt zu einem erhöhten Cortisolspiegel und letztlich zu den Krankheitszeichen. Eine weitere Theorie geht von einer gestörten Neuroplastizität aus. Bei dieser Neuro­plastizitätshypothese wird von einer Störung der Anpassungsleistung des Gehirns ausgegangen. Dies kann z. B. aufgrund eines Traumas oder Stress entstehen (Ber- king & Radkovsky, 2012, S. 34f.).

Neben den biologischen Erklärungsmodellen gibt es auch noch einige, die die psy­chologische Ebene stärker gewichten. Hier gibt es zum einen die Verstärker-Verlust Theorie von Lewinsohn (1974). Diese geht davon aus, dass Depressionen aufgrund des Mangels an positiven Verstärkern entstehen. Durch die Symptomatik, die mit Rückzug und Passivität in Verbindung stehen, kommt es zu noch weniger positiven Verstärkern. Der Betroffene befindet sich also in einem Teufelskreis. Zu beachten ist aber, dass auch die Krankheitszeichen kurzfristig als positive Verstärker gesehen werden können. So kann es z. B. zu einem sekundären Krankheitsgewinn kommen, wenn die Person eine verstärkte Aufmerksamkeit durch das Umfeld erhält (zit. n. Berking & Radkovsky, 2012, S. 36). Zum anderen gibt es noch das kognitive Mo­dell der Depression nach Aaron Beck (1970). Hier wird davon ausgegangen, dass es aufgrund von Erfahrungen in der Kindheit und Lernprozessen zu negativen Sche­mata kommt. Diese negativen Kognitionen beziehen sich dabei auf das Selbst, die Welt und die Zukunft des Betroffenen (zit. n. Beesdo-Baum & Wittchen, 2011, S. 894f.; Berking & Radkovsky, 2012, S. 37). Ein weiteres Modell stammt von Selig­man (1995, S. 75ff.). In der Theorie der erlernten Hilflosigkeit wird davon ausge­gangen, dass es aufgrund der Erfahrung eines Individuums, keinen Einfluss auf die Umwelt und die Sachen die einem zustoßen zu haben, zur Entstehung der Depres­sion kommt.

Eine Theorie, die die verschiedenen Ansätze vereinen möchte, ist das Vulnerabili­täts-Stress-Modell. Hier kommt es durch genetische Einflüsse und Umweltereig­nisse zu einer erhöhten Vulnerabilität. Diese Anfälligkeit kann dann durch andere Faktoren wie z. B. psychologische und soziale Einflüsse abgeschwächt oder ver­stärkt werden. Zu einer Depression kommt es bei dieser Theorie allerdings nur dann, wenn neben der Vulnerabilität noch auslösende Faktoren (z. B. Stress oder belas­tende Lebensereignisse) hinzukommen (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011, S. 890f.).

Neben den bisher genannten Ursachen gibt es auch noch eine Reihe Risikofaktoren, die das Auftreten einer Depression fördern können. Dazu zählen der sozioökono­mische Status in Verbindung mit einem niedrigen Einkommen, Arbeitslosigkeit und ein niedriger Bildungsstand, kritische Lebensereignisse wie der Tod eines An­gehörigen oder eine Trennungserfahrung, ein Mangel an Bezugspersonen und der damit verbundenen sozialen Isolation, Schichtdienst, das Alter (Adoleszenz und Junges Erwachsenenalter) und das Geschlecht (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011, S. 886ff.; Berking & Radkovsky, 2012, S. 33; Caspar et al., 2018, S. 59).

2.2 Therapie

Genauso vielfältig wie die möglichen Ursachen für eine Depression sind auch die therapeutischen Ansätze. Die Spannbreite reicht hier von medikamentösen und psy­chotherapeutischen Verfahren bis hin zur Veränderung des Lebensstils. Ein Bei­spiel für eine Veränderung der Lebensgewohnheiten wäre das vermehrte Sporttrei­ben.

2.2.1 medikamentöse und somatische Therapieansätze

Wie bereits erwähnt scheinen einige Neurotransmitter eine Rolle bei der Entstehung von Depressionen zu spielen. So ist es nicht verwunderlich, dass die medikamen­töse Therapie eine der am häufigsten eingesetzten Behandlungsmöglichkeiten ist (Berking & Radkovsky, 2012, S. 39). Dabei wird versucht über eine Regulation der Transmitter im Gehirn eine Besserung der Symptomatik zu erreichen. Für die Be­handlung stehen eine Reihe von verschiedenen Medikamenten zur Verfügung. Die Wahl des Medikaments, die Dosis und die Dauer der Behandlung müssen deshalb individuell an den jeweiligen Patienten angepasst werden. Eine Verbesserung der Symptome stellt sich dabei meist nach 2 - 4 Wochen ein (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011, S. 898ff.). Zu Beginn der Behandlung spricht man von einer Akuttherapie. Das Ziel ist es eine Symptomfreiheit bzw. das Funktionsniveau des Betroffenen wiederherzustellen. Anschließend kommt für eine Dauer von 6 - 9 Monaten eine Erhaltungstherapie. Dabei geht es darum, einen Rückfall in die depressive Sympto­matik zu verhindern (Konrad, 2019, S. 2). Wolfersdorf (2011, S. 78ff.) merkt an dieser Stelle noch an, dass sowohl das Ansetzten als auch das Absetzten der Medi­kation schleichend passieren soll. An dieser Stelle sollte auch erwähnt werden, dass die Wirksamkeit von Medikamenten umstritten ist (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011, S. 901).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Sport als Behandlungsmöglichkeit bei Depressionen. Ursachen und Therapieansätze
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
2,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
17
Katalognummer
V1130986
ISBN (eBook)
9783346503183
ISBN (Buch)
9783346503190
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sport, behandlungsmöglichkeit, depressionen, ursachen, therapieansätze
Arbeit zitieren
Frederick Rumi (Autor:in), 2021, Sport als Behandlungsmöglichkeit bei Depressionen. Ursachen und Therapieansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1130986

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