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Psycholinguistik

Kognitive Anforderungen der Textproduktion

Title: Psycholinguistik

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christin Kießling (Author)

Speech Science / Linguistics
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Innerhalb der Linguistik existieren verschiedene Ansätze zur Betrachtung von
Texten. Der konversationsanalytische Ansatz behandelt Texte als Träger
sprachlicher Interaktion unter Einbeziehung von Beschreibungskonstrukten aus der
Sprechakttheorie. Beim textlinguistischen Ansatz werden Texte unter dem Blickpunkt
des Struktur- und Formkontrastes analysiert und beschrieben. Der
psycholinguistische Ansatz betrachtet Texte im Hinblick auf den Sprecher als
Sprachplaner und -erzeuger, wobei Wissensvoraussetzungen und textspezifische
prozesssteuernde Faktoren eine Rolle spielen. (Stutterheim/Kohlmann 2003)
Die Sprachproduktion ist ein vernachlässigtes Teilgebiet der Psycholinguistik,
besonders gilt dies für die Textproduktion, denn es existiert kein einziges
ausgearbeitetes Modell für den gesamten Textproduktionsprozess aus
psycholinguistischer Sicht. Es gibt allenfalls Untersuchungen über einzelne
Prinzipien und Prozesse der Textproduktion. (Herrmann/Hoppe-Graff 1989) Daher ist
es schwierig eine umfassende Behandlung dieses Teilgebietes zu liefern.
In dieser Arbeit ist von Interesse, welche Herausforderungen sich dem
Sprachproduzenten bei der Äußerung komplexer sprachlicher Einheiten – über die
Wort- und Satzplanung hinaus – stellen. Welche kognitiven Prozesse finden bei der
Planung von Texten (vor allem auf makrostruktureller Ebene) statt? Ein Text ist in
diesem Zusammenhang als satzübergreifende komplexe sprachliche Äußerung zu
verstehen. (Stutterheim/Kohlmann 2003) Dabei soll vernachlässigt werden, ob es
sich um schriftlich oder mündlich produzierte Texte handelt. Vor allem der Aspekt der
Adressatenorientierung und der Kohärenzherstellung sind in dieser Arbeit von
Bedeutung.
Zunächst möchte ich ein allgemeines Sprachbenutzermodell einführen, welches die
grundlegenden kognitiven Prozesse der Sprachproduktion behandelt. Anschließend
werden kurz zwei Beschreibungsmodelle kognitiver Aspekte der Textproduktion
dargestellt. Darauf aufbauend sollen dann Stufen der Textproduktion in Anlehnung
an Herrmann und Hoppe-Graff (1989) ausführlich behandelt werden. Und schließlich
möchte ich Textordnungsprobleme, welche Feilke (1988) aufzeigt, behandeln, mit
welchen ein Textproduzent über die Planung einzelner Sätze hinausgehend
konfrontiert wird. Zur Veranschaulichung sollen schlussendlich die zuvor
herausgearbeiteten Prinzipien und Prozesse am Beispiel der Produktion einer
Erzählung betrachtet werden.

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

2. Psycholinguistische Aspekte der Sprachproduktion – Das Sprachbenutzermodell

3. Modelle zur Beschreibung psycholinguistischer

3.1. Beschreibungsmodell von Kintsch

3.2. Story-Grammar von Rummelhart

3.3. Zusammenfassung: Aussage der Modelle über psycholinguistische Aspekte der Textproduktion

4. Stufen der Textproduktion

4.1. Fokussierung

4.2. Selektion und Linearisierung

4.3. Enkodierung

5. Textordnungsprobleme

6. Kognitive Aspekte der Textproduktion am Beispiel des Erzählens

7. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die komplexen kognitiven Anforderungen, die bei der Planung und Produktion von Texten über die einfache Satzebene hinaus entstehen. Ziel ist es, den Textproduktionsprozess aus psycholinguistischer Sicht zu beleuchten, indem verschiedene Modelle der Sprachproduktion und Textstrukturierung analysiert und auf ihre Anwendbarkeit bei der Bewältigung von Textordnungsproblemen geprüft werden.

  • Grundlegende psycholinguistische Modelle der Sprachproduktion und ihre Grenzen bei der Textplanung.
  • Stufenmodell der Textproduktion: Fokussierung, Selektion, Linearisierung und Enkodierung.
  • Systematisierung von Textordnungsproblemen (Ausdrucks-, Überzeugungs-, Inhalts- und Gestaltungsproblem).
  • Analyse der kognitiven Anforderungen am spezifischen Beispiel des Erzählens.

Auszug aus dem Buch

4.2. Selektion und Linearisierung

Es werden nicht alle Informationen, die der Textproduzent fokussiert, verbalisiert, sondern einzelne Komponenten des Fokus selegiert. Dieser Prozess wird Input-Selektion genannt: die selegierten Informationen werden zum Input der anschließenden Versprachlichung gemacht. Zudem werden mehrere Fokuskomponenten in einer bestimmten Reihenfolge selegiert und sprachlich enkodiert, diesen kognitiven Prozess bezeichnet man als Input-Linearisierung. (Herrmann/Hoppe-Graff 1989)

Um die Versprachlichung des gewünschten Ausschnitts aus der eigenen Wissensbasis der jeweiligen Zielsetzung angemessen zu gestalten, sind Selektionskriterien notwendig. Je nach Standardisierung des jeweils produzierten Textes können die Selektionskriterien mehr oder weniger individuell bzw. standardisiert sein. (Stutterheim/Kohlmann 2003)

Dass eine kohärente, für den Rezipienten nachvollziehbare Botschaft produziert werden kann, müssen die selegierten, zu verbalisierenden Informationen strukturiert werden. Diese Strukturierung beruht vor allem auf dem Prinzipien der Kohärenz, welche die inhaltliche Konsistenz einer Informationsstruktur gewährleistet. Kohärenzherstellung bedeutet im Hinblick auf die Textproduktion, durch Kohärenzmuster Schematizität zu erzeugen, die den Adressaten in die Lage versetzt, aus den einzelnen Informationsbausteinen eines Textes ein sinnvolles Ganzes zusammenzufügen und so eine Vorstellung der im Text konstruierten Realität zu bekommen. Kohärenz ist dabei die geforderte Beziehung zwischen den einzelnen inhaltlichen Komponenten. Ausgehend von der Intention, die den globalen Rahmen eines Textes festlegt sind die einzelnen Informationen so anzuordnen, dass ein Sinnzusammenhang sowohl auf lokaler Ebene (zwischen unmittelbar angrenzenden Äußerungen) als auch auf Episoden- und Textebene entsteht. (Stutterheim/Kohlmann 2003)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die psycholinguistische Betrachtung der Textproduktion ein und definiert Texte als komplexe, satzübergreifende sprachliche Äußerungen.

2. Psycholinguistische Aspekte der Sprachproduktion – Das Sprachbenutzermodell: Dieses Kapitel erläutert die kognitiven Module der Sprachproduktion und zeigt auf, dass Sprachproduktion als gleichzeitiger Prozess mehrerer Abhängigkeiten verstanden werden muss.

3. Modelle zur Beschreibung psycholinguistischer: Es werden Kintschs propositionale Tiefenstruktur und Rummelharts Story-Grammar-Theorie vorgestellt, um die kognitive Entlastung durch Schemata und propositionale Verknüpfungen aufzuzeigen.

4. Stufen der Textproduktion: Dieses Kapitel unterteilt den Produktionsprozess in die Phasen der Fokussierung, der Selektion und Linearisierung sowie der Enkodierung.

5. Textordnungsprobleme: Es werden vier grundlegende Dimensionen (Ausdruck, Überzeugung, Inhalt, Gestaltung) definiert, die jeder Textproduzent bei der Erstellung komplexer Texte lösen muss.

6. Kognitive Aspekte der Textproduktion am Beispiel des Erzählens: Anhand narrativer Texte wird veranschaulicht, wie standardisierte Schemata und Zeitlinearisierung die kognitive Last bei der Textproduktion reduzieren.

7. Zusammenfassung: Die Kapitelinhalte werden synthetisiert und das Fazit gezogen, dass Textproduktion eine komplexe Regulation kognitiver, motivationaler und affektiver Systeme darstellt.

Schlüsselwörter

Psycholinguistik, Textproduktion, Sprachbenutzermodell, Kognition, Fokussierung, Selektion, Linearisierung, Enkodierung, Kohärenz, Textordnungsprobleme, Narratives Erzählen, Propositionale Struktur, Schemata, Wissensbasis, Mentales Lexikon.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den psycholinguistischen und kognitiven Prozessen, die ablaufen, wenn Menschen komplexe Texte planen und produzieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind das Sprachbenutzermodell, die verschiedenen Phasen der Textproduktion (Stufenmodell) sowie die Herausforderungen der Textordnung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die kognitiven Herausforderungen zu identifizieren, die über die einfache Wort- und Satzplanung hinausgehen, wenn ein Sprecher oder Schreiber kohärente Texte produziert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse und Synthese bestehender psycholinguistischer Modelle (u.a. von Kintsch, Rummelhart, Herrmann & Hoppe-Graff) basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung von Beschreibungsmodellen, die detaillierte Darstellung der Stufen der Textproduktion, die Diskussion von Textordnungsproblemen und die Anwendung dieser Konzepte auf das Beispiel des Erzählens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist am besten durch Begriffe wie Psycholinguistik, Textproduktion, Kognitive Planung, Kohärenz und Textordnungsdimensionen charakterisiert.

Warum stellt die Textproduktion eine so große kognitive Herausforderung dar?

Da ein Text mehr ist als die Summe seiner Sätze, muss der Produzent ein komplexes Konzept strukturieren, inhaltliche Kohärenz wahren und dabei den Adressaten sowie die Situation berücksichtigen.

Wie helfen Schemata dem Textproduzenten bei der Arbeit?

Schemata (wie das Story-Schema) dienen als Entlastung für das kognitive System, da sie eine vorgefertigte Rahmenstruktur bieten, in die lediglich spezifische Variablen gefüllt werden müssen.

Was unterscheidet das "Ausdrucksproblem" vom "Überzeugungsproblem" nach Feilke?

Das Ausdrucksproblem fokussiert auf die expressive Ebene (Vermittlung subjektiver Einstellungen), während das Überzeugungsproblem die soziale Ebene und die Anpassung an das Vorwissen und die Bedürfnisse des Adressaten betont.

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Details

Title
Psycholinguistik
Subtitle
Kognitive Anforderungen der Textproduktion
College
Technical University of Chemnitz  (Angewandte Sprachwissenschaft)
Course
Textproduktion
Grade
1,3
Author
Christin Kießling (Author)
Publication Year
2006
Pages
20
Catalog Number
V113101
ISBN (eBook)
9783640133123
Language
German
Tags
Psycholinguistik Textproduktion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christin Kießling (Author), 2006, Psycholinguistik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113101
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