Noch vor wenigen Jahren war es undenkbar, strafbare Handlungen des Managements öffentlich zu diskutieren. Verfehlungen und Fälle von Wirtschaftskriminalität wurden oftmals diskret behandelt. Den Unternehmen war vor allem daran gelegen, bei Bekannt werden von kriminellen Handlungen schnellstmöglich zur Normalität zurückzukehren und möglichst kein Aufsehen zu erregen. In den letzten Jahren ist jedoch eine deutliche Trendwende erkennbar. Große Skandale der jüngeren Vergangenheit haben dazu geführt, dass eine Reihe von Initiativen und Gesetzesnovellen auf den Weg gebracht wurden, um die Transparenz in Unternehmen und somit das Vertrauen in die Kapitalmärkte zu verbessern. Zu nennen sind hier beispielsweise die Novellierung des Wettbewerbsrechts, die Überarbeitung des Gesetzes zur Bekämpfung der Korruption, die Initiative zur Implementierung eines Corporate Governance Kodex in Deutschland oder die Vorgaben der SEC zur Einführung von Compliance Systemen als Folge des Sarbanes-Oxley Acts. Diese Entwicklungen hatten zur Folge, dass die Forschung auf dem Gebiet der Wirtschaftskriminalität Fortschritte machen konnte. Durch Befragungen von Unternehmen konnten Daten zu Art und Häufigkeit der Delikte sowie zur durchschnittlichen Schadenshöhe erhoben werden. Auch gibt es eine Reihe von Expertisen, die sich mit dem Umgang mit Wirtschaftskriminalität in Unternehmen beschäftigen. Offen ist jedoch die Frage geblieben, wie sich ein Unternehmen aus strategischer Sicht gegen strafbare Handlungen seines eigenen Managements schützen und rüsten soll. Die vorliegende Arbeit mit dem Titel „Kapitalgesellschaften als Opfer strafbarer Handlungen des Managements“ soll diese Lücke schließen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 HERANGEHENSWEISE
3 AKTUALITÄT
3.1 Allgemein
3.2 Gesellschaftliche Bedeutung
3.3 Wirtschaftliche Bedeutung
4 KAPITALGESELLSCHAFTEN
4.1 Allgemein
4.2 Die Aktiengesellschaft
4.2.1 Körperschaftlicher Aufbau
4.2.2 Die Hauptversammlung
4.2.3 Der Vorstand
4.2.4 Der Aufsichtsrat
4.2.5 Das obere und mittlere Management
4.3 Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung
4.3.1 Körperschaftlicher Aufbau
4.3.2 Die Gesellschafterversammlung
4.3.3 Die Geschäftsführer
4.3.4 Der Aufsichtsrat
5 DIE STRAFBAREN HANDLUNGEN
5.1 Allgemein
5.2 Vermögensmissbrauch
5.2.1 Überblick
5.2.2 Diebstahl und Unterschlagung
5.2.3 Betrugsdelikte
5.2.4 Untreuedelikte
5.2.5 Betriebsspionage
5.3 Korruption
5.4 Fälschung von Finanzdaten
5.5 Kartellrechtliche Verstöße
5.6 Umweltvergehen
6 MOTIVE FÜR STRAFBARES VERHALTEN
6.1 Allgemein
6.2 Druck
6.3 Gelegenheit
6.4 Rationalisierung
7 TÄTERTYPEN
7.1 Allgemein
7.2 Täter auf Unternehmerebene
7.3 Täter auf Managementebene
7.4 Beteiligte
8 SCHADENSERMITTLUNG
8.1 Allgemein
8.2 Direkter Schaden
8.3 Managementkosten
8.4 Strafen von Aufsichtsbehörden
8.5 Imageschaden
8.6 Verfahrensstrafe
9 SCHLUSSFOLGERUNG DER UNTERSUCHUNG
10 PRÄVENTION
10.1 Corporate Governance
10.2 Corporate Compliance
10.3 Organisationsstruktur
10.4 Personalauswahl
10.5 Personalbetreuung
10.6 Personalfreisetzung
10.7 Werkschutz
10.8 Interne Revision
10.9 Rechtsabteilung
10.10 Betriebsrat
10.11 Externe Stellen
10.12 Whistle-Blower-Hotline
10.13 Versicherungen
10.14 Notfallstrategie
11 VERHALTEN BEI ENTDECKUNG VON FEHLVERHALTEN
11.1 Allgemein
11.2 Untersuchungsmaßnahmen
11.3 Befragung
11.4 Vorgehen bei erwiesener Straftat
12 KONSEQUENZEN
12.1 Strafanzeige
12.2 Selbstanzeige
12.3 Selbstreinigung
12.4 Kündigung
12.5 Umstrukturierungen
12.6 Schadenswiedergutmachung
13 RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, eine strategische Schadensabwehrstrategie für Kapitalgesellschaften zu entwickeln, die als Opfer von strafbaren Handlungen ihres eigenen Managements agieren. Dabei wird analysiert, wie Unternehmen proaktiv Fehlverhalten begegnen und im Falle der Entdeckung von Straftaten schadensmindernde Maßnahmen ergreifen können, um sowohl materielle Verluste als auch Reputationsschäden zu minimieren.
- Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen und Pflichten von Organen in AGs und GmbHs
- Systematische Untersuchung verschiedener Deliktsarten im Bereich der Wirtschaftskriminalität
- Anwendung des „Fraud Triangle“-Modells zur Identifikation der Motivlage von Tätern
- Evaluation präventiver Maßnahmen wie Corporate Governance, Compliance und interner Kontrollsysteme
- Entwicklung von Handlungsanweisungen für den Notfall bei Entdeckung von Fehlverhalten
Auszug aus dem Buch
5.2 Vermögensmissbrauch
Unter dem Vermögen eines Unternehmens ist die Summe der in Geld bewertbaren materiellen und immateriellen Güter zu verstehen. Diese Definition des Vermögens ist sehr weit gefasst. Hieran wird deutlich auf welche Vielzahl von Vermögensgegenständen es Täter abgesehen haben können bzw. in welchen Bereichen Unternehmen Schaden zugefügt werden kann. Zu den materiellen Gütern zählen insbesondere Bargeld, Forderungen, Roh-, Halb-, Fertigwaren, Schrott, Betriebs- und Geschäftsausstattungen sowie Anlagevermögen. Zu den immateriellen Gütern zählen insbesondere Patent- und Markenrechte, Firmenwerte oder Forschungsergebnisse. Die Vielzahl der Vermögensgegenstände lässt vermuten, dass sich die größte Anzahl der Delikte in dieser Klasse finden. Weiterhin ist erkennbar, dass nahezu jeder Geschäftsbereich Gefahr läuft, Opfer von Mitarbeiterkriminalität zu werden. Die Delikte reichen hierbei von dem einfachen Diebstahl über Unterschlagung, Betrug und Untreue bis hin zu Betriebsspionage. Nach einer Studie der ACFE aus dem Jahre 2004 waren 90,2% der Straftaten durch Mitarbeiter in diesem Bereich angesiedelt. Den Unternehmen entstand ein durchschnittlicher Schaden i.H.v. 93.000 € pro Einzelfall.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der wachsenden Bedeutung des Themas Wirtschaftskriminalität und der Notwendigkeit einer strategischen Schadensabwehr für Unternehmen.
2 HERANGEHENSWEISE: Eingrenzung des Untersuchungsbereichs auf strafbare Handlungen des Managements in bereits bestehenden Kapitalgesellschaften.
3 AKTUALITÄT: Definition des Begriffs Wirtschaftskriminalität und Erläuterung der gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Relevanz durch den verursachten Vertrauens- und Vermögensschaden.
4 KAPITALGESELLSCHAFTEN: Analyse des körperschaftlichen Aufbaus von Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung sowie der jeweiligen Organe und deren Haftungssituation.
5 DIE STRAFBAREN HANDLUNGEN: Klassifizierung und Erläuterung der verschiedenen Deliktsgruppen wie Vermögensmissbrauch, Korruption, Fälschung von Finanzdaten und Kartellverstöße.
6 MOTIVE FÜR STRAFBARES VERHALTEN: Verwendung des Fraud Triangle Modells zur Analyse der Motivationsfaktoren Druck, Gelegenheit und Rationalisierung.
7 TÄTERTYPEN: Charakterisierung der typischen Wirtschaftsstraftäter auf unterschiedlichen Hierarchieebenen innerhalb von Unternehmen.
8 SCHADENSERMITTLUNG: Aufschlüsselung der direkten und indirekten Schäden, inklusive Imageverlust und Kosten durch Ermittlungsverfahren.
9 SCHLUSSFOLGERUNG DER UNTERSUCHUNG: Fazit zur Abhängigkeit juristischer Personen von ihrem Management und zur Bedeutung präventiver Maßnahmen.
10 PRÄVENTION: Detaillierte Untersuchung von Instrumenten zur Schadensvermeidung, wie Corporate Compliance, interne Revision, Personalauswahl und Notfallstrategien.
11 VERHALTEN BEI ENTDECKUNG VON FEHLVERHALTEN: Handlungsoptionen für das Management bei Entdeckung von Unregelmäßigkeiten, inklusive Untersuchungs- und Befragungsstrategien.
12 KONSEQUENZEN: Darstellung rechtlicher und personeller Konsequenzen, wie Selbstanzeige, Strafanzeige und die Möglichkeiten der Schadenswiedergutmachung.
13 RESÜMEE: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Plädoyer für proaktives Handeln und gelebte Ethik als Produktionsfaktor.
Schlüsselwörter
Wirtschaftskriminalität, Kapitalgesellschaft, Management, Vermögensmissbrauch, Compliance, Schadensabwehr, Corporate Governance, Fraud Triangle, Untreue, Korruption, Prävention, Notfallstrategie, Schadensermittlung, interne Revision, Haftung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse strafbarer Handlungen durch das Management innerhalb von Kapitalgesellschaften und der Entwicklung einer effektiven Strategie zur Schadensabwehr.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die rechtliche Struktur von Kapitalgesellschaften, die Typologie von Wirtschaftsstraftätern, die Messung des Schadensausmaßes und die Implementierung präventiver Kontrollsysteme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Unternehmen aufzuzeigen, wie sie sich aus strategischer Sicht präventiv gegen kriminelles Handeln ihres eigenen Managements schützen und im Falle eines Schadensereignisses proaktiv reagieren können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie die Auswertung empirischer Studien namhafter Beratungsgesellschaften zur Wirtschaftskriminalität.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse strafrechtlicher Tatbestände (z.B. Untreue, Korruption), die Untersuchung der Motivlage mittels des „Fraud Triangle“ und die Darstellung konkreter Präventionsinstrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten über die Begriffe Wirtschaftskriminalität, Compliance, Corporate Governance, Schadensabwehr und Haftungsrisiken charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Haftung bei einer AG im Vergleich zur GmbH?
Die Arbeit legt dar, dass in beiden Fällen die Organe bei Pflichtverletzungen haften, wobei die Struktur der Aufsicht und die internen Kontrollbefugnisse in Abhängigkeit von der Gesellschaftsform variieren.
Warum spielt die Unternehmenskultur bei der Schadensabwehr eine so große Rolle?
Eine Kultur des Vertrauens und eine gelebte Null-Toleranz-Linie sind laut Autor entscheidend, um die moralische Hemmschwelle gegen Kriminalität zu erhöhen und zu verhindern, dass Fehlverhalten als „normal“ rationalisiert wird.
Welche Rolle spielt die „Verfahrensstrafe“ für ein betroffenes Unternehmen?
Die Verfahrensstrafe beschreibt den immateriellen Imageschaden durch öffentliche Berichterstattung während laufender Ermittlungsverfahren, der ein Unternehmen oft stärker trifft als der direkte finanzielle Schaden.
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- Diplom Wirtschaftsjurist (FH) Diplom Ingenieur (BA) B.Sc. (Hons) Sönke Lesser (Author), 2008, Die Kapitalgesellschaft als Opfer strafbarer Handlungen des Managements , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113106