Mit dieser Arbeit versuche ich zu zeigen, dass Deutschland mit der Unterzeichnung der ersten Anwerbeabkommen eine Entwicklung zu einem Einwanderungsland durchläuft. Am Ende beantworte ich die These, ob Deutschland ein Einwanderungsland ist und dabei wird im Verlauf der Arbeit dem Leser eine Perspektive geboten, inwieweit politische Entscheidungen diese Entwicklung beeinflusst haben können.
Die Migration in Deutschland lässt sich in vier Phasen unterteilen. Von 1955 bis 1973 spricht man von der Gastarbeiterphase. Diese Zeitspanne, die auch als Anwerbephase bezeichnet wird, ist dem Namen entsprechend vor allem durch die Unterzeichnung von Anwerbeabkommen mit den "Mittelmeer-Staaten" gekennzeichnet. Im Jahre 1973 beginnt die Phase der ersten Integrationsversuche. Diese dauert bis 1981 an. Hier sind vor allem zwei wesentliche Punkte zu nennen. Einerseits ist ein Anwerbestopp verkündet worden, andererseits wurden Maßnahmen eingeleitet, die das gesellschaftliche Leben der bisher eingewanderten Ausländer betreffen. Ab 1981 geht die Abwehrphase los, die 17 Jahre später, 1998, endet. In diese Zeit fällt ein wichtiges geschichtliches Ereignis. Damit ist der Mauerfall 1989 gemeint.
Der Zusammenbruch der sozialistischen Systeme in Osteuropa löst eine erneute Einwanderungswelle nach Deutschland aus. Dies hat eine Änderung des Asylrechts zur Folge: Die „Drittstaatenregelung“. Zudem ist in diesem Zeitraum insbesondere das Inkrafttreten des Ausländerrechts eine wichtige politische Maßnahme. Anfang der 1990er Jahre erstreckt sich das Bewusstsein über die Integrationsproblematik auf weite Teile der Bevölkerung aus. Seit 1998 bis zum heutigen Tag besteht die Akzeptanzphase. Zwei rechtliche Regelungen vereinfachten die Situation der Migranten in Deutschland. Auf der einen Seite wird durch das Reform des Staatsangehörigkeitsrechts die Einwanderungssituation faktisch anerkannt und auf der anderen Seite ist mit dem Zuwanderungsgesetz das bestehende Ausländerrecht neugestaltet worden. Außerdem rief man den „Integrationsgipfel“ ins Leben, um eine Plattform für Diskussionen zu schaffen, die Probleme der Zuwandererintegration thematisieren. Auch die „Islamkonferenz“ ist eine Möglichkeit den Gedankenaustausch zwischen dem deutschen Staat und der Muslime zu fördern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einleitende Gedanken
1.2 Fragestellung der Arbeit
1.3 Vorgehensweise
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Migration
2.2 Personen mit Migrationshintergrund
2.3 Aussiedler und Spätaussiedler
2.4 Flüchtlinge
3. Phasen der Migration in Deutschland von 1955 bis heute
3.1 Kurze Zusammenfassung
3.2 Gastarbeiterphase (1955-1973)
3.3 Konsolidierungsphase (1973 – 1981)
3.4 Abwehrphase (1981 – 1998)
3.5 Akzeptanzphase (ab 1998)
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Migrationspolitik in Deutschland seit 1955, um zu analysieren, ob sich das Land in diesem Zeitraum faktisch zu einem Einwanderungsland entwickelt hat, und beleuchtet dabei den Einfluss politischer Entscheidungen auf diesen Prozess.
- Historische Phasen der Migration in Deutschland von 1955 bis heute
- Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen und politischen Steuerung
- Bedeutung von Gastarbeitern, Aussiedlern und Asylsuchenden für die Bevölkerungsentwicklung
- Diskurs über Integration und gesellschaftliche Anerkennung als Einwanderungsland
Auszug aus dem Buch
3.2 Gastarbeiterphase (1955 – 1973)
Am 20. Dezember 1955 unterzeichnete die amtierende deutsche Bundesregierung das erste Anwerbeabkommen. Das Kabinett Adenauer II einigte sich mit Italien und warb so um junge italienische Arbeitskräfte. Unter der Führung Adenauers schloss die CDU weitere Abkommen mit Ländern aus der Mittelmeerregion. 1960 Spanien und Griechenland, 1961 die Türkei und 1963 Marokko. Das Wirtschaftswunder löste aufgrund von erfolgreichen politischen Rahmenbedingungen, wie die Einführung der sozialen Marktwirtschaft, der Zugehörigkeit zum Marshall-Plan und der gelungenen Währungsreform, in den 1950er Jahren hohen materiellen Wohlstand aus. Der wirtschaftliche Aufschwung in Westdeutschland minderte die Zahl der arbeitslosen deutschen Bürger stark, sodass Arbeitskräfte in einigen Wirtschaftsbranchen fehlten. Den Arbeitskräftemangel versuchte die Politik mit Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte zu decken. Dadurch kamen die Anwerbeabkommen für den deutschen Arbeitsmarkt zustande.
Bundeskanzler Ludwig Erhard setzte diese Politik fort und schloss weitere Abkommen mit Südkorea 1963, Portugal 1964 und Tunesien 1965. Der Arbeitskräftemangel wurde zudem von der Absperrung der deutsch-deutschen Grenze im Jahr 1961 verschärft. Aus diesem Grund erschwerte sich der Arbeitskräftezuzug aus der DDR und die westdeutsche Politik wich auf Verträge hauptsächlich mit Mittelmeerstaaten aus. 1968 schloss die Koalition CDU und SPD unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger das letzte Anwerbeabkommen mit Jugoslawien ab. „Das damit entstandene System der „Gastarbeit“ wurde geprägt durch fünf Elemente: die staatliche Anwerbung, die permanente Kontrolle der Migranten, den Inländerprimat, die Tarifgleichheit und das Rotationsprinzip.“ Die ausländischen Arbeitnehmer waren auf dieser Basis sehr willkommen. Dies zeigt sich vor allem durch das offizielle Begrüßungskomitee der Millionsten bzw. des Zweimillionsten Gastarbeiters. Armando Rodrigues de Sá, der millionste Gastarbeiter, beispielsweise wurde im September 1964 von einer offiziellen Delegation mit einem Willkommensgeschenk begrüßt. Acht Jahre später erhielt der zweitmillionste Gastarbeiter, eine Jugoslawin, ebenfalls eine vergleichbare Zeremonie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Migration ein, erläutert die historische Dimension des Wanderungsverhaltens und formuliert die Forschungsfrage bezüglich Deutschlands Entwicklung zum Einwanderungsland.
2. Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden die für die Arbeit zentralen Fachbegriffe wie Migration, Personen mit Migrationshintergrund, Aussiedler und Flüchtlinge wissenschaftlich definiert.
3. Phasen der Migration in Deutschland von 1955 bis heute: Das Kapitel gliedert das Migrationsgeschehen in vier Phasen – Gastarbeiter-, Konsolidierungs-, Abwehr- und Akzeptanzphase – und analysiert die jeweiligen politischen Hintergründe und Auswirkungen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die These, dass Deutschland bereits seit den 1950er Jahren eine Entwicklung zum Einwanderungsland durchlaufen hat.
Schlüsselwörter
Migrationspolitik, Gastarbeiter, Einwanderungsland, Integration, Anwerbeabkommen, Asylrecht, Familiennachzug, Aussiedler, Bundesrepublik Deutschland, Zuwanderungsgesetz, demografischer Wandel, Staatsangehörigkeitsrecht, Integrationsgipfel, Islamkonferenz, Arbeitskräftemangel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Migrationspolitik in Deutschland im Zeitraum von 1955 bis zum Jahr 2016.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die historische Analyse der Migrationsphasen, die politische Steuerung durch Gesetze und Abkommen sowie die soziale Integration von Zugewanderten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu beantworten, ob Deutschland eine Entwicklung zum Einwanderungsland vollzogen hat und ob diese Bezeichnung gerechtfertigt ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historische und politikwissenschaftliche Analyse, gestützt auf Statistiken, Studien und politisch-rechtliche Dokumente.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier spezifische Phasen (Gastarbeiter-, Konsolidierungs-, Abwehr- und Akzeptanzphase) und beleuchtet die dazugehörigen politischen Entscheidungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Migrationspolitik, Integration, Anwerbeabkommen, Zuwanderungsgesetz und Einwanderungsland.
Wie bewertet der Autor die Auswirkungen des „Anwerbestopps“ von 1973?
Der Autor zeigt auf, dass der Anwerbestopp zwar die Erwerbsmigration beendete, jedoch paradoxerweise durch Familiennachzug zur dauerhaften Ansiedlung von Migranten führte.
Welche Rolle spielten die „Integrationsgipfel“ und die „Islamkonferenz“?
Diese Plattformen dienen als Instrumente zur systematischen Auseinandersetzung mit Integrationsproblemen und zur Förderung des Dialogs zwischen Staat und Zuwanderern.
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- Anonym (Author), 2016, Migrationspolitik in Deutschland. Von 1955 bis heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1131080