Deutsche Periodika zur Zeit der Märzrevolution 1848


Referat (Ausarbeitung), 2008

21 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Neuordnung nach den Befreiungskriegen
2.1 Eroberung durch Napoleon
2.2 Soziale Neuorientierung
2.3 Freiheitskriege

3. Verfassung, Repression und Hunger
3.1 Karlsbader Beschlüsse
3.2 Wirtschaftlicher Wandel und Pauperismus

4. Die Märzrevolution
4.1 Vormärz
4.2 Straßenschlachten
4.3 Volksversammlung und Grundrechte
4.4 Krise und Zusammenbruch

5. Die Periodische Presse vor und um
5.1 Wichtige Periodika des Vormärz und der Revolution
5.1.1 Der Rheinische Merkur
5.1.2 Der Wächter am Rhein
5.1.3 Die (neue) Rheinische Zeitung
5.1.4 Struve und das Mannheimer Journal
5.1.5 Seeblätter, Volksfreund, Deutsche Volkszeitung
5.1.6 Das „Professorenblatt“
5.2 Presse und Zensur
5.3 Pressefreiheit um
5.4 Politische Berichterstattung

6. Bedeutung der Revolution für die weitere Entwicklung der periodischen Presse in Deutschland

Quellen

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit soll ein allgemeiner Überblick über die Zustände in Deutschland unmittelbar vor und während der deutschen Revolution von 1848/49 hinsichtlich der periodischen Presse geschaffen werden.

Um die diese Zustände beschreiben zu können, bedarf es einer kurzen Rückschau auf die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im davor liegenden halben Jahrhundert, insbesondere im Zeitraum des Vormärz. Diese Retrospektive muss sich sowohl auf die Entwicklungen innerhalb des deutschen Bundes, als auch auf signifikante Ereignisse in den umliegenden Nationen und weiterreichende internationale Veränderungen beziehen. In der Folge werden verschiedene bedeutende Zeitungs-publizistische Organe präsentiert und deren Entwicklung unter Bezug auf die jeweils geltenden Zensurgesetze- und Praktiken beschrieben. Abschließend soll kurz erläutert werden, welchen Einfluss die Geschehnisse und Entwicklungen in den Jahren 1848/49 auf den weiteren Verlauf der deutschen Zeitungs-Geschichte hatten.

2. Neuordnung nach den Befreiungskriegen

Als historischer Einstiegspunkt soll hier die Entstehung des Deutschen Bundes gewählt werden.

Nach der ersten französischen Revolution 1789, in der Vertreter des dritten Standes durch eine provisorisch gegründete Nationalversammlung und eine „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ die alte feudalabsolutistischen Herrschaftsform ersetzt hatten, ergriff Napoleon Bonaparte als militärischer Führer und 1804 als selbst ernannter Kaiser die Macht in der jungen Republik und begann damit ganz Europa mit Krieg zu überziehen.

2.1 Eroberung durch Napoleon

„Im April 1792 beginnt eine mehr als zwei Jahrzehnte dauernde Kriegsepoche“, die zuerst von großen Erfolgen der napoleonischen Revolutionsarmee gekennzeichnet war und die dazu führte, dass Napoleon binnen weniger Jahre ein Herrschaftsgebiet erringen konnte, welches beinahe das komplette Europa umfasste. Nach Siegen über österreichische und russische Truppen und eine regionale Neuordnung

Süddeutschlands, musste sich auch Preußen in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 geschlagen geben. Bereits im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 erkannte das Reich diese Neuordnungen offiziell an. Durch die Ereignisse in den folgenden Jahren verlor „die Landkarte des Reiches […] einen guten Teil ihrer Buntscheckigkeit“[1]. Neben einschneidenden territorialen Veränderungen verlor die Kirche, im Zuge der Säkularisierung ihrer Güter, an weltlicher Macht und Einfluss. Dies „bedeutet zugleich einen wichtigen Schritt zur Auflösung der überkommenen feudalen und ständischen Gesellschaft“[2], wie sie zuvor noch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation über mehr als 800 Jahre fast unverändert geprägt hatte.

Es folgten, vor allem in Preußen, Reformkonzepte, wie etwa die „ Reform der preußischen Heeresverfassung“, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts „den bereits im Absolutismus begonnenen Prozeß der modernen Staatsbildung fortführten“[3].

2.2 Soziale Neuorientierung

Hatten unter dem ancien régime noch große Anteile der Bevölkerung als Unfreie oder Leibeigene unter zahlreichen Junkern als Bauern gearbeitet, so veränderte sich die Soziale Ordnung im Reich nun dahingehend, dass „Formen persönlicher Leibeigenschaft […] aufgehoben […], die Dienste der Bauern […] gegen Bezahlung abgelöst […] [und] Grund und Boden […] frei verkäufliche Wirtschaftsgüter [wurden]“[4]. Zweifellos waren dies essenzielle Meilensteine auf dem Weg zur individuellen Mündigkeit der Bürger, auch wenn von Grundrechten im heutigen Sinn noch nicht die Rede sein konnte.

2.3 Freiheitskriege

In Russland stieß Napoleons grande armé 1812 erstmals auf ernstzunehmenden und überwältigenden Widerstand. 1813 wurde der französische Heerführer schließlich von den „verbündeten preußischen, österreichischen und russischen Truppen“[5] geschlagen und zum Rückzug gezwungen. Bereits ein Jahr später traten die Fürsten und Gesandten der Koalitionsmächte Russland, Großbritannien, Österreich und Preußen, sowie Abgesandte anderer europäischer Länder mit den Unterhändlern des besiegten Frankreich auf dem Wiener Kongress zusammen, um über die zukünftigen europäischen Verhältnisse zu verhandeln. Obwohl im restaurativen Sinne die alten Zustände wieder hergestellt werden sollten, blieb „die territoriale Neuordnung Deutschlands unangetastet“[6]. Die Folge war ein lockerer Staatenbund, der als „Deutscher Bund“ in die Geschichte einging und bereits 1817 von dem Jenaer Studenten Riemann auf dem Wartburgfest scharf kritisiert wurde.

Indem eine, im Licht früherer Verhältnisse, überschaubarere Anzahl einzelner Staaten im Deutschen Bund zusammengeschlossen wurden, rückte aber auch in den Köpfen der Anhänger einer wachsenden liberalen Bewegung die nationale Einheit der Deutschen Staaten einen Schritt näher. Außerdem hatte 1792 in Mainz „die erste Republik auf deutschem Boden“ bestanden. Dieser Zustand hatte zwar nicht lange vorgehalten, machte ein republikanisches Deutschland aber wesentlich vorstellbarer.

3. Verfassung, Repression und Hunger

In den Jahren nach 1815 flammten die Hoffnungen auf ein liberaleres Deutschland erneut auf und der Widerstand gegen das restaurative System verstärkte sich vor allem an den Universitäten, da die in der Bundesakte unter Artikel 13 zugesicherten landesständischen Verfassungen vor allem, im süddeutschen Raum, großzügig verwirklicht wurden. Diese Hoffnungen wurden allerdings durch die verschärft restaurative Gesetzgebung nach der Ermordung des russischen Staatsrates August von Kotzebue, durch den Studenten Karl Ludwig Sand 1819, wieder weitgehend zu Nichte gemacht.

3.1 Karlsbader Beschlüsse

Nachdem sich auf dem Wartburg Fest 1817 hunderte Studenten, Anhänger der neu aufkommenden Burschenschaften, in der Nachfolge der Widerstandbewegung in den Freiheitskriegen, offen gegen das bestehende System ausgesprochen hatten, wurde die Stimmung hinsichtlich liberalen Gedankenguts in Regierungskreisen zunehmend negativer. Nach der Ermordung Kotzebues, sahen sich die Regierenden, allen voran Metternich, darin bestätigt, dass eine organisierte antimonarchische Strömung innerhalb des deutschen Bundes bestehe und nach einem erneuten Revolutionsversuch trachte. Um dem entgegenzuwirken verschärften sich seine repressiven und restaurativen Bemühungen in Form der Karlsbader Beschlüsse im September 1819. Mit Ihnen erschuf Metternich ein „polizeiliches Überwachungssystem zur Unterdrückung der liberalen und nationalen Bewegung“[7]. Hauptaugenmerk lag in diesen Beschlüssen auf der Pressezensur, die solche Druckschriften betraf, welche mehr als 20 Bögen oder 320 Seiten fassten, war also offenbar auf die periodische Presse angelegt.

3.2 Wirtschaftlicher Wandel und Pauperismus

Ein rasantes Fortschreiten technologischer Entwicklungen und neuer Methoden vor allem auf dem Agrarsektor, der „mit einem Anteil von mehr als 50% der Beschäftigten nach wie vor den wichtigsten Wirtschaftszweig bildete“[8] und des Handels, der Kommunikation, Produktion und Transport, prägten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dies hatte unter anderem zur Folge, dass die Bevölkerungszahl Mitteleuropas dramatisch ansteigt. „Der hohe Geburtenüberschuß [war] teils durch eine zurückgehende Sterblichkeit, teils durch die nun – nach Aufhebung ständischer Beschränkungen – auch in den unteren Schichten stark zunehmende Zahl von Familiengründungen bedingt“[9].

Die befreiten Bauern konnten aber nur selten selbstständige Existenzen gründen oder führen, wodurch eine breite bäuerliche Unterschicht entstand und stetig anwuchs, in der das Leben am Existenzminimum zur Regel wurde. Ebenso profitierten nicht alle Handwerkszweige von den neuen wirtschaftlichen Freiheiten und der Überwindung innerbündischer Grenzen. „Viele Handwerker […] steigen so in die soziale Unterschicht ab, deren Existenz dauernd gefährdet ist“[10]. Missernten in den Jahren 1816/17 und noch einmal 1846/47 führten darüber hinaus dazu, dass große Teile der deutschen Bevölkerung Hunger leiden mussten und sich ein dementsprechend explosives soziales Klima aufbauen konnte.

4. Die Märzrevolution

Die Unterdrückungsmethoden, ermöglicht durch die Karlsbader Beschlüsse, ungerechte Steuern, Hungersnöte und generelle staatliche Bevormundung gaben den liberalen Gruppierungen, die sich in den einzelstaatlichen Parlamenten gebildet hatten, genug Grund, um vor allem in Süddeutschland immer wieder Politik gegen die Völkerversammlung in Wien zu machen. Vor allem aber auch eine generelle Stimmung des politischen Aufbruchs im übrigen Europa, schaffte eine die Revolution vorbereitende Atmosphäre in Deutschland.

4.1 Vormärz

Bereits die Freiheitsbewegung in Griechenland, war von der deutschen Bürgerschaft begrüßt und unterstützt worden. Ebenso wurden die Entwicklungen in Polen und die französische Julirevolution von 1830 mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. In Folge ,oder teilweise zur gleichen Zeit, hielt in verschiedenen Staaten, auch in solchen des deutschen Bundes, „die bisher Reformen verweigert haben“[11] ein gemäßigter Liberalismus Einzug, wie etwa in Hannover, Braunschweig, Hessen-Kassel und Sachsen. Den Höhepunkt dieser liberalen Bewegungen bildete der Marsch zur Burgruine in Hambach, „eine der machtvollsten Kundgebungen der liberalen und nationalen Kundgebungen […] für Pressefreiheit, Verfassungsreformen und die nationalstaatliche Einigung Deutschlands“[12]. Mit rigorosen reaktionären Beschlüssen, versuchte der Deutsche Bund diesen Strömungen allerdings schon 1832 bis 1834 wieder zu unterdrücken. Eine Folge des staatlichen Drucks war die Enthebung und Vertreibung von sieben Göttinger Professoren, die sich „öffentlich gegen den neuen hannoverschen König Ernst August stellen“[13]. Steigende soziale Spannungen, der Weberaufstand von 1844 und die 1847 einsetzende zweite Wirtschaftskrise bereiteten nun immer rasanter den Weg zum revolutionären Aufbegehren.

4.2 Straßenschlachten

Als Zündfunke der Revolution von 1848 fungiert das erneute Aufbegehren im benachbarten Frankreich, der Sturz des „Bürgerkönigs“ Jean-Philippe, sowie die revolutionären Bestrebungen anderer europäischen Ländern. Die Gründe unterschieden sich allerdings. Wenn man in Frankreich gegen eine „einseitige Interessenherrschaft des Großbürgertums, in Italien und Deutschland gegen die staatliche Zersplitterung, die Überreste der alten Feudalordnung und die absolutistische Staatsverfassung“[14] aufbegehrte, richteten sich in den osteuropäischen Ländern die Unruhen gegen Fremdherrschaft und soziale Ungerechtigkeit.

In Deutschland kam es vor allem auf dem Lande zu Tumulten und schließlich zur Formulierung der Märzforderungen nach „Pressefreiheit, Schwurgerichten und Volksverfassungen, [nach] Verfassungen in den Einzelstaaten und […] die Berufung eines deutschen Parlaments“[15]. Zu offenen Aufständen kam es in Folge auch in Wien und Berlin.

4.3 Volksversammlung und Grundrechte

Nachdem die anfänglichen Übergriffe in verschiednen Städten für die Revolutionäre entschieden werden konnten und in vielen Staaten des Bundes bereits Volksversammlungen einberufen wurden, stellte sich die Aufgabe, eine Nationalversammlung nach französischem Vorbild zusammen zu rufen, um daraufhin parlamentarisch legitimierte Reformen beschließen zu können. Zu einem Vorparlament zogen „am 30. März […] über 500 Männer in die Paulskirche“[16] ein. Am 18. Mai debattierte dann zum ersten Mal die Nationalversammlung in der erst im Jahre 1833 fertig gestellten Kirche. Parteien gab es in dieser Versammlung noch keine, sie kristallisierten sich erst in den Debatten heraus. So genannte „Klubs“ bildeten sich aus solchen Abgeordneten, die gleiche, oder ähnliche Interessen vertraten. Außerhalb der Paulskirche trafen sich Gleichgesinnte und führten Vorberatungen für das Plenum. Diese Gruppen „werden von manchen schon ‚Parteien’ genannt“[17].

[...]


[1] Deutscher Bundestag; Referat Öffentlichkeitsarbeit (Hg):Fragen an die Deutsche Geschichte: Wege zur parlamentarischen Demokratie. Bonn: Dt. Bundestag, Referat Öffentlichkeitsarbeit, 1996, S. 37.

[2] Deutscher Bundestag (1996), S. 38.

[3] Deutscher Bundestag (1996), S. 39.

[4] Deutscher Bundestag (1996), S. 41.

[5] Deutscher Bundestag (1996), S. 45.

[6] Deutscher Bundestag (1996), S. 46.

[7] Deutscher Bundestag (1996), S. 50.

[8] Deutscher Bundestag (1996), S. 54.

[9] Deutscher Bundestag (1996), S. 60.

[10] Deutscher Bundestag (1996), S. 61.

[11] Deutscher Bundestag (1996), S. 79.

[12] Deutscher Bundestag (1996), S. 81.

[13] Deutscher Bundestag (1996), S. 83.

[14] Deutscher Bundestag (1996), S. 92.

[15] Deutscher Bundestag (1996), S. 94.

[16] Deutscher Bundestag (1996), S. 101.

[17] Deutscher Bundestag (1996), S. 104.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Deutsche Periodika zur Zeit der Märzrevolution 1848
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Veranstaltung
Periodische Presse vor und während der Märzrevolution 1848
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V113111
ISBN (eBook)
9783640133178
ISBN (Buch)
9783668096646
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsche, Periodika, Zeiten, Märzrevolution, Periodische, Presse
Arbeit zitieren
Andreas Fingas (Autor:in), 2008, Deutsche Periodika zur Zeit der Märzrevolution 1848, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113111

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