Die Lehrperson als Löwe. Brüllen, um als Lehrperson Störungen in einer Schulklasse zu unterbinden


Studienarbeit, 2019

7 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1. Vorwort
1.2. Fragestellung

2. Was die Literatur zum Brüllen sagt
2.1. Brüllen ist nicht gleich Brüllen!
2.2. Brüllen im Unterricht?

3. Beobachtungen aus dem ersten Praktikum

4. Conclusio / Fazit

5. Bibliografie
5.1. Monografien
5.2 Veröffentlichte Artikel
5.3 Öffentliche Webseiten

1. Einführung

1.1. Vorwort

Was gibt es schöneres als Kinder glücklich lachen zu sehen? Dabei schmilzt das Herz und man kann es sich kaum vorstellen, dass diese kleinen Geschöpfe einem das Leben ganz schön schwer machen können. Doch manchmal verhalten sie sich in der Schulklasse wie Wölfe im Schafspelz. In einem neuen Setting, wie z.B. in einem Praktikum oder auch als Einsteiger mit einer neuen Klasse, kann es dann erstmal schwerfallen, sich in dem Rudel durchzusetzen und als Löwe unter den Wölfen aufzutreten. Um Schüler jedoch anleiten zu können und sie wieder ruhig zu bekommen, ist Führungsstärke immens wichtig. Denn so lautet «die Quintessenz aller schulischen Interaktionen: Entweder führt man-oder man wird geführt» (Hoegg Günther, 2012, S. 6). Eine von vielen pädagogischen Mitteln, um sich in einer Schulklasse zu behaupten und Störungen zu unterbinden, ist die Stimme zu erheben und lauter zu werden, sprich zu schreien oder, um es quasi in der Tiersprache auszudrücken, zu brüllen.

1.2. Fragestellung

Dieser Beitrag soll einen kleinen Einblick in die Nutzung des Brüllens als Lehrperson und dessen Wirkung bei Störungen, geben. Anhand von Literatur, Ratschlägen von erfahre­nen Lehrpersonen und schliesslich auch mithilfe meiner eigenen Erfahrungen im ersten Praktikum, wird dieses Thema näher beleuchtet und dabei der Versuch gewagt eine Schluss­folgerung mit einer Konsequenz für die Zukunft zu ziehen. Dabei wurde zunächst das Brül­len an sich untersucht und anschliessend die Wirkung auf die Störung und insbesondere auf den Schüler oder die Schülerin. Um diese Analysen abzurunden wurde folgende Fragestel­lung gewählt: Ist das Brüllen ein effektives und angemessenes pädagogisches Mittel, um die Aufmerksamkeit zu gewinnen und Störungen zu unterbinden? Was ist jedoch hierbei zu be­achten und wie können z.B. Studierende dies in ihren Praktika nutzen, um sich in einer «wil­den» Klasse durchzusetzen?

2. Was die Literatur zum Brüllen sagt

2.1. Brüllen ist nicht gleich Brüllen!

Bevor wir zur Frage kommen, ob Brüllen in der Erziehung und insbesondere im Un­terricht legitim und nützlich ist, muss zunächst einmal geklärt werden, was Brüllen eigent­lich ist und welche Unterschiede dabei existieren. Der Duden differenziert beim Brüllen zu­nächst erst einmal unter dem animalischen- , dem menschlichen Brüllen und dem sich heiser brüllen, als Zustand („Duden | brüllen | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft“, o. D.). In diesem Beitrag gehe ich jedoch nur auf die zweite Komponente ein, bei der die Handlung des Schreiens von Menschen gemeint ist.

Dieses Brüllen oder Schreien kann auch noch weiter untergliedert werden, in ein Mittel zur Kommunikation und in ein Mittel zur Expression. Ersteres wird auch als «taktisches Schreien» bezeichnet und hat die Intention der Person gegenüber das Fehlverhalten aufzu­zeigen und somit eine Änderung zu bewirken. Das Ziel dabei ist, wieder für Ruhe und Ord­nung zu sorgen. Letzteres Mittel hingegen, hat viel mehr die schreiende Person selbst im Fokus und wird somit zum therapeutischen Zweck. Dabei steht nicht die Bewältigung des Problems im Vordergrund, sondern einfach nur das Ausdrücken von Wut, Ärger und Frust­ration. Man spricht in diesem Fall des Brüllens auch von «Beherrschung verlieren».

Diese Unterschied zu kennen, ist für das nachfolgende Kapitel enorm wichtig, da es die Grundlage bietet, um eine ausgewogene Antwort auf die Fragestellung zu finden („Schü- ler/innen anschreien—Ein pädagogisch sinnvolles Mittel?“, 2015).

2.2. Brüllen im Unterricht?

Brüllen im Unterricht scheint keine Seltenheit in den Schulen zu sein, und damit sind nicht nur die lauten Schüler und Schülerinnen gemeint, sondern ebenso die Lehrpersonen, die auch mal ihre Lautstärke erhöhen. Laut einer Umfrage des Webportals Lehrerfreund, haben bereits über die Hälfte aller Lehrpersonen ein- oder mehrmals Schüler oder Schüle­rinnen angeschrien („Schüler/innen anschreien—Ein pädagogisch sinnvolles Mittel?“, 2015). Die entscheidenden Fragen dabei bleiben hier jedoch unbeantwortet: Wie haben sie das getan, aus welchem Grund haben sie geschrien und zu welchem Zweck?

Sowohl in der Literatur als auch auf diversen Webplattformen wird darüber heiss diskutiert, ob es legitim ist, und wenn ja, wie und wann es auch förderlich ist, als Lehrperson zu brüllen. Beispielsweise heisst es in einem Bericht der Taz: «Natürlich sollten Lehrer Beitrag 1 | Benjamin Lizinger schreien dürfen. Alle anderen Menschen tun das schließlich auch» (Rupp et al., 2011). Auf der anderen Seite gibt es den Ratgeber des Lehrbuchverlages Cornelsen: «Ihre Stimme soll­ten Sie fest, aber leise und kontrolliert einsetzen und auf keinen Fall schreien» („Unterrichts­störungen“, 2018). Dazwischen gibt es aber auch die Meinung, dass Brüllen erlaubt sei, aber nicht ohne einen Grund und auch nur zu einem bestimmten Zweck, z.B. wenn eine akute Gefahr für einen Schüler bestünde (Rupp, 2011) oder sonst, wenn es in einem Klassenraum so laut zugehe, dass man die Aufmerksamkeit nur noch mit einem lauten «Stopp» oder «Ruhe» wieder gewinnen könne (Grimminger, 2008, S. 38). Hinzu kommt noch die rechtli­che Seite, die wie folgt eine Grenze zieht: «wenn in dem Schreien eine seelische Verletzung liegt, ist es dem Lehrer verboten» (Rode, Tarneden, & Sam, 2016, S. 39).

Letzteres zeigt somit einen gewissen Rahmen für das Brüllen auf. Es dürfe niemand direkt angeschrien und niedergemacht werden und «natürlich sollen Lehrer nicht ohne Grund schreien, wie auch sonst kein vernünftiger Erwachsener» (Rupp, 2011).

Die entscheidende Frage ist also, wie effektiv dieses pädagogische Mittel ist. Hierin scheiden sich die Geister und letztlich kann jede Lehrperson frei entscheiden, ob sie Ratge­ber zu pro Brüllen oder contra wählt. Jedoch muss sich jeder des Risikos bewusst sein, dass beim Brüllen Grenzen existieren und diese leicht überschreiten werden können.

Im nächsten Kapitel möchte ich meine Beobachtungen aus dem ersten Praktikum einfliessen lassen, und damit einen Rat geben.

3. Beobachtungen aus dem ersten Praktikum

In meinem ersten Praktikum gab es nur selten Momente, in denen Lehrpersonen ihre Lautstärke auf so ein Level brachten, dass man es Brüllen nennen könnte. Aber, wenn sie ihre Stimme erhoben, dann geschah es in unruhigen Situationen, in der Schüler und Schüle­rinnen laut dazwischenriefen oder mehrmals den Unterricht durch ihr Verhalten störten. Hierbei rief die Lehrperson ziemlich laut den Namen des jeweiligen Schülers oder der Schü­lerin und gab dann eine bestimmte Anweisung, bspw. «Setze dich an deinen Platz!» oder «Hör auf damit!». Dabei schaute die Lehrperson mit strengem Blick den oder die Betroffene an und wählte einen sehr ernsthaften Wortlaut. Daraufhin gehorchten die Schüler und Schü­lerinnen und wurden still. Allerdings hielt das nicht lange und erneut musste die Lehrperson wieder eingreifen und manchmal sogar Sanktionen ankündigen und durchsetzen. Diese hat­ten meist einen länger anhaltenden Effekt als nur das einfache laute Rufen des Namens und der Anweisung.

Beitrag 1 | Benjamin Lizinger Aus diesen Erfahrungen schliesse ich, dass Brüllen wirksamer ist, wenn es mit nach­folgenden Konsequenzen für die störenden Schüler und Schülerinnen gekoppelt wird. Diese Kombination wirkt womöglich authentischer und zeigt mehr Durchsetzungsstärke gegen­über Kindern als nur der Gerbrauch einer lauten Stimme.

4. Conclusio / Fazit

Ist nun Brüllen ein legitimes und effektives Mittel? Mit den Aussagen aus der Lite­ratur und den eigenen Erfahrungen aus dem ersten Praktikum, komme ich zu dem Schluss: Ja, mit Einschränkungen. Keinesfalls dürfen Schüler oder Schülerinnen dabei zu Schaden kommen, weder körperlich noch seelisch. Zudem sollte nicht in einer expressionistischen Weise gebrüllt werden, um einfach nur den eigenen Frust und Ärger auszudrücken. Stattdes­sen sollte auf eine Verhaltensänderung seitens der Schüler fokussiert werden. Um dies zu erreichen, empfiehlt es sich nach dem Brüllen, dem betroffenen Schüler oder der Schülerin angemessene Sanktionen aufzuerlegen.

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Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Die Lehrperson als Löwe. Brüllen, um als Lehrperson Störungen in einer Schulklasse zu unterbinden
Hochschule
Pädagogische Hochschule St. Gallen
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
7
Katalognummer
V1131122
ISBN (eBook)
9783346498045
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brüllen, Schreien, Sanktionen, BSK, Lehrperson
Arbeit zitieren
Benjamin Lizinger (Autor:in), 2019, Die Lehrperson als Löwe. Brüllen, um als Lehrperson Störungen in einer Schulklasse zu unterbinden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1131122

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