Lebensmitteltransporte. Entsorgung und Verwertung von Lebensmitteln. Strategien gegen Lebensmittelverschwendung


Seminararbeit, 2020

23 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1 Entstehung von Lebensmittelabfällen

2 Entsorgung und Verwertung von Lebensmitteln

3 Strategien gegen Lebensmittelverschwendung

4 Fazit und Lösungsansätze in der Logistik

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1 Entstehung von Lebensmittelabfällen

Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und in Anbetracht der Tatsache, dass rund 840 Millionen Menschen weltweit nicht genug zu essen haben,1 rückt eine effiziente Nutzung bereits vorhandener Ressourcen immer weiter in den Mittelpunkt, so auch die der Lebensmittel. Die Vermeidung von Verlusten entlang der Wertschöpfungskette, aber auch neue Lösungen bzw. Alternativen zur Entsorgung von Lebensmitteln, tragen hier maßgeblich dazu bei.2

Lebensmittelabfälle sind erst seit dem 30.05.2018 auf europäischer Ebene in der Abfallrahmenrichtlinie gesetzlich definiert,3 was die Aktualität der Thematik widerspiegelt. Demnach sind Lebensmittelabfälle alle Lebensmittel4, die der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates entsprechen und zu Abfall5 werden.6 Die Entsorgung von Erzeugnissen, die bei der Produktion von Nahrungsmitteln entstehen, aber nicht für den menschlichen Konsum angedacht sind, wird dementsprechend in dieser Arbeit außer Acht gelassen. Nichts desto trotz können Lebensmittelabfälle, die für die menschliche Ernährung angedacht waren, an der gesamten Wertschöpfungskette vom Produzenten bis hin zum Endverbraucher entstehen. Des Weiteren beziehen sich die folgenden Ausführungen auf die Differenzierung nach HAFNER et al. zwischen vermeidbaren Lebensmittelabfällen und nicht vermeidbaren Lebensmittelabfällen7. Zu vermeidbaren Lebensmittelabfällen zählen alle Lebensmittel, die zum Zeitpunkt der Entsorgung noch uneingeschränkt genießbar sind oder bei rechtzeitigem Verzehr genießbar wären.8

Unterschieden werden hierbei Verluste, die während des Produktionsprozesses einschließlich der Distribution entstehen, und Verluste, die der Endverbraucher verursacht.9 Abbildung 1 beruht auf einer Studie der Vereinten Nationen und stellt hierbei die Verteilung dieser zwei Entstehungsarten dar. Es werden die pro Kopf Verluste von Lebensmitteln weltweit zwischen sieben Regionen verglichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Pro-Kopf-Verluste von Lebensmitteln entlang der Logistikkette nach Weltregionen

Quelle: Gustavsson/Cederberg/Sonesson, 2011, S. 5 (online).

Diese Aufteilung lässt erkennen, dass in Regionen welche überwiegend aus Entwicklungsländern bestehen, der Anteil der Verluste während des Produktionsprozesses deutlich höher ist, verglichen mit den Verlusten die durch den Endverbraucher entstehen. In Regionen, die sich aus Industrieländern zusammensetzen, werden hingegen deutlich mehr Lebensmittel durch den Endverbraucher entsorgt.10

Die Gründe hierfür lassen sich aus den Ursachen der Verluste ableiten. Lebensmittelverluste, die während des Produktionsprozesses auftreten, werden hauptsächlich durch unzureichende Handhabung der Lebensmittel zwischen der Ernte und dem Verbraucher verursacht. Unzulängliche Erntetechnik, unsachgemäßer Transport, fehlerhafte Lagerung und eine ungenügende Infrastruktur sind hier beispielhaft zu nennen.11 Diese Problematiken treten verstärkt in Entwicklungsländern durch fehlende Technologien, unzureichendes Wissen sowie mangelhafte Regulation der Regierung auf. Vor allem empfindliche Produkte, für die beispielsweise eine ununterbrochene Kühlkette erforderlich ist, stellen hier ein Problem dar.12 Die Entstehung von Lebensmittelverlusten in Industrieländern wie Deutschland und die Entsorgung dieser soll in den folgenden Ausführungen im Fokus stehen.13 Jedoch gilt es zu beachten, dass viele der in Industrieländern konsumierten Lebensmittel aus Entwicklungs- und Schwellenländern kommen.14 Weshalb für eine genaue Betrachtung von Verlusten entlang der Produktionskette das Einbeziehen dieser unabdingbar ist.

In Industrieländern ist die Ursache für die Entsorgung von Lebensmitteln während des Produktionsprozesses hauptsächlich Überproduktion. Durch eine zu geringe Nachfrage, spezielle Handelsnormen oder Qualitätsstandards kann dieser nicht unerhebliche Anteil, wie Abbildung 1 zu entnehmen ist, zustande kommen. Die Schuld wird hierfür hauptsächlich dem Handel zugeschrieben, der durch Fehlkalkulationen, Warenrückgaben und Auftragsstornierungen nicht nur selbst Lebensmittel entsorgen muss, sondern diese Verluste auch an Produzenten auslagert.15 Weiterhin zu erwähnen sind große Verluste die durch die Gastronomie und andere Großküchen in öffentlichen sowie privaten Einrichtungen16 verursacht werden.17 Lebensmittelabfälle die direkt durch den Transport oder andere logistische Prozesse entstehen, fallen in Deutschland durch eine gut ausgebaute logistische Infrastruktur eher gering aus.18

Lebensmittelverluste verursacht durch den Endverbraucher stellen in Industrieländern allerdings das größte Problem dar. In Deutschland werden rund 52 % aller weggeworfenen Lebensmittel durch private Haushalte erzeugt.19 Die Ursachen hierfür sind zahlreich. Beispielhaft zu nennen ist eine schlechte Einkaufsplanung, bei der Lebensmittel gekauft werden, die den eigenen Bedarf übersteigen. Große Produkteinheiten sowie die vielfältige Auswahl an Lebensmitteln bestärken diese Entwicklung. Weiterhin sorgen eine oft ungenügende Aufbewahrung und Lagerung in privaten Haushalten für eine Reduktion der Haltbarkeit und Frische. Grund hierfür sind fehlendes Produktwissen, aber auch die fehlenden technischen Möglichkeiten. Das Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums (im Folgenden: MHD) stellt durch Unklarheit über die genaue Bedeutung durch den Verbraucher einen weiteren Faktor dar.20 Des Weiteren sind Gründe wie der demografische Wandel, bei dem sich die Anzahl an Single-Haushalten erhöht,21 die Urbanisierung, welche für eine Verlängerung der Lieferketten sorgt, sowie das steigende Einkommen und damit sich veränderte Verbraucherverhalten aufzuführen.22

2 Entsorgung und Verwertung von Lebensmitteln

Nach einer vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft beauftragten Studie, entstehen in Deutschland jährlich durch die genannten Ursachen rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittelabfall.23 Die Entsorgung dessen gilt als wichtige Aufgabe zur Sicherung der Gesundheit von Menschen und zur Wahrung des Umweltschutzes.24 Jedoch stellt sich diese Aufgabe als großes, unter anderem logistisches Problem dar, welches durch die zunehmende Bevölkerungszahl aber auch den steigenden Grad der Urbanisierung und damit der Menge von anfallendem Müll auf wenig Raum erschwert wird.25 Nach § 20 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes haben Stadt- und Landkreise als öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger in Deutschland die Aufgabe der Abfallentsorgung zu bewältigen.26 Trotzdem können sich genaue Regelungen zur Entsorgung von Kommune zu Kommune unterscheiden. Die Mülltrennung ist jedoch gesetzlich vorgeschrieben, weshalb es gilt, Lebensmittelabfälle in der Biotonne ohne Verpackungen zu entsorgen.27 Im Sinne der Behälterlogistik erfüllt diese mehrere Funktionen. Sie schützt den Abfall vor Wechselwirkungen28 mit der Umwelt und erleichtert die Lagerung sowie den Transport ungemein.29 Durch die örtlichen Behörden wird die Biotonne in regelmäßigen Abständen geleert, diese Aufgabe kann auch an private Unternehmen weitergegeben werden.30 Sonderregelungen gibt es hingegen für alle Lebensmittelunternehmer, die in Produktions-, Verarbeitungs- oder Vertriebsstufen von Lebensmitteln tätig sind. Hierbei müssen Lebensmittelabfälle immer so rasch wie möglich aus den Räumen, in denen mit Lebensmitteln umgegangen wird, entfernt werden, um eine Anhäufung zu vermeiden. Zudem müssen diese Abfälle in verschließbaren Behältern gelagert werden. Für die Lagerung und Entsorgung sind geeignete Vorkehrungen zu treffen, um den Abfall frei von Tieren und Schädlingen zu halten. Zuletzt sind die Lebensmittelabfälle nach geltendem Gemeinschaftsrecht zu entsorgen und dürfen dabei Lebensmittel weder direkt noch indirekt kontaminieren.31

Der größte Teil der Bioabfälle wird nach der Abholung beim Erzeuger auf eine Mülldeponie verbracht. Der gewerbliche Transport von Abfällen erfordert eine sogenannte „Anzeige“, welche nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz und der Verordnung über das Anzeige- und Erlaubnisverfahren für Sammler, Beförderer, Händler und Makler von Abfällen sicherstellt, dass der Beförderer gewisse Anforderungen an Zuverlässigkeit und Fachkunde aufweist. Zusätzlich sind Fahrzeuge, mit denen Abfälle gewerblich transportiert werden, mit weißen Warntafeln zu versehen auf denen die Aufschrift „A“ deutlich zu lesen ist.32 Während weltweit den Mülldeponien vor allem bedingt durch eine stetig wachsende Bevölkerungsanzahl der Platz ausgeht,33 sinkt gleichzeitig die Anzahl der Mülldeponien in Deutschland.34 Dies liegt hauptsächlich an der steigenden Verwertung des Mülls, welche durch die schweren Umweltfolgen, die durch eine zu lange Lagerung entstehen, vorangetrieben wird.35 Um den Abfall weiter zu verwerten, wird er verbrannt, hierbei dient die freigesetzte Wärme zusätzlich der Energieerzeugung. Als Nebenprodukte werden allerdings neben den Treibhausgasen viele umweltschädliche Stoffe freigesetzt, die zudem gefährlich für die menschliche Gesundheit sind.36 Weshalb auf andere umweltfreundliche Alternativen in der Biomüllverwertung gesetzt wird. Hierzu wird der Abfall entweder zu Kompostierungs- oder Vergärungsanlagen gebracht. Das Kompostierungsverfahren sorgt dafür, dass aus organischen Abfällen ein Pflanzennährstoff bzw. Dünger wird.37 Beim Vergärungsverfahren entsteht zusätzlich zum Pflanzendünger Biogas,38 welches in der Strom- oder Wärmeproduktion zum Einsatz kommt.39 In Deutschland gibt es laut dem Statistischen Bundesamt 738 solcher Biogasanlagen.40 Eine weitere Möglichkeit, die Lebensmittelabfälle als Ressource wieder zu verwerten, ist sie als Tierfutter einzusetzen. Dies hat den Effekt, den enormen Einfluss, den die Tierzucht auf den Klimawandel sowie die Umwelt hat, etwas zu senken.41 Es wird geschätzt, dass in der EU bereits 3,5 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle zu Tierfutter verarbeitet werden.42

[...]


1 Vgl. Struble/Aomari, 2003, S. 1046.

2 Vgl. Grunwald/Kopfmüller, 2012, S. 107–115.

3 Vgl. Schmidt et al., 2019, S. 18 (online).

4 Als Lebensmittel werden nach europäischem Lebensmittelrecht alle Stoffe oder Erzeugnisse bezeichnet, die für den menschlichen Konsum bestimmt sind. Vgl. Art. 2 (EG) Nr. 178/2002.

5 Unter Abfall wird jeder Stoff oder Gegenstand verstanden, dessen sich sein Besitzer entledigt, entledigen will oder entledigen muss. Vgl. Art. 3 (EG) Nr. 98/2008.

6 Vgl. Art. 1 Abs. 3 c (EU) Nr. 851/2018.

7 Zu nicht vermeidbaren Lebensmittelabfällen werden alle Abfälle gezählt, die im Zuge der Zubereitung entfernt werden. Hierbei existieren nicht essbare Bestandteile wie Knochen, Bananenschalen, usw. und essbare Bestandteile wie beispielsweise Kartoffelschalen.

8 Vgl. Hafner et al., 2012, S. 13 (online).

9 Vgl. Priefer/Jörissen, 2014, S.22.

10 Vgl. Nitsche/Figiel, 2016, S. 22.

11 Vgl. Hensel, 2009, S. 102–105 (online).

12 Vgl. Grethe/Dembélé/Duman, 2011, S. 33–37 (online).

13 Aufgrund von restriktiven Beschränkungen wird in dieser Arbeit nicht weiter auf Entwicklungen außerhalb Europas bzw. Deutschlands eingegangen.

14 Vgl. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, 2019 (a), S. 6–7 (online).

15 Vgl. Kreutzberger/Thurn, 2012, S. 322–323.

16 Hiermit werden Großverbraucher einbezogen wie Hotels, Krankenhäuser, Kinderbetreuungsstätten, Schulen, Hochschulen, Alten- und Pflegeheime, Betriebskantinen, Justizvollzugsanstalten, usw.

17 Vgl. Hafner et al., 2012, S. 34–37 (online).

18 Vgl. Noleppa/Cartsburg, 2015, S. 10 (online).

19 Vgl. Schmidt et al., 2019, S. 58 (online).

20 Vgl. Art. 9 Abs 1 f) u. Anhang X Nr. 1 (EU) Nr. 1169/2011; Vgl. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, 2019 (b), online. Das MHD zeigt an, bis zu welchem Datum sich ein verpacktes Lebensmittel mindestens lagern und verzehren lässt ohne seine spezifischen Eigenschaften zu verlieren. Bei korrekter Lagerung können Lebensmittel häufig auch über dieses Datum hinaus verzehrt werden. Oft verwechselt und klar davon abzugrenzen ist das Verbrauchsdatum, bei dessen Ablauf aufgrund von bestehender Gesundheitsgefahr die Lebensmittel nicht mehr verzehrt werden dürfen. Häufig handelt es sich dabei um leicht verderbliche Lebensmittel und Medikamente.

21 Vgl. Williams, 2007, S. 331–333. Die Pro-Kopf-Abfallraten von Single-Haushalten sind in der Regel höher als die von Haushalten mit mehreren Personen.

22 Vgl. Priefer/Jörissen, 2014, S. 38–42.

23 Vgl. Schmidt et al., 2019, S. 58 (online).

24 Vgl. Kranert, 2010, S. 1.

25 Vgl. Guerrero/Maas/Hogland, 2013, S. 220–232; Vgl. Kumar et al., 2017, S. 1–11.

26 § 20 KrWG.

27 Vgl. Umweltbundesamt, 2018, online.

28 Umweltverschmutzungen aber auch Schädlingsbefall sind Wechselwirkungen die verhindert werden sollen.

29 Vgl. Thoroe, 2011, S. 41.

30 § 22 KrWG.

31 Vgl. Anhang II Kapitel VI (EG) Nr. 852/2004.

32 Vgl. Deutscher Speditions- und Logistikverband e. V., 2016, S. 9–11 (online).

33 Vgl. Curry/Pillay, 2012, S. 200.

34 Vgl. Statista, 2020 (a), online.

35 Vgl. Newton, 2018, online.

36 Vgl. Sharma et al., 2013, S. 67–72.

37 Dieser Vorgang geschieht unter der Zufuhr von Sauerstoff und durch das Zersetzen des Materials durch Kleinstlebewesen und Mikroorganismen.

38 Der Vorgang der Gärung geschieht hingegen unter Ausschluss von Sauerstoff.

39 Vgl. Achinas et al., 2017, S. 299–307; Umweltbundesamt, 2012, S. 18–30 (online).

40 Vgl. Statistisches Bundesamt, 2018, online.

41 Vgl. Zu Ermgassen, 2016, S. 35–48.

42 Vgl. Quadram Institute, 2018, S. 2 (online).

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Lebensmitteltransporte. Entsorgung und Verwertung von Lebensmitteln. Strategien gegen Lebensmittelverschwendung
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mannheim, früher: Berufsakademie Mannheim
Note
2,0
Jahr
2020
Seiten
23
Katalognummer
V1131259
ISBN (eBook)
9783346495778
ISBN (Buch)
9783346495785
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Logistik, Entsorgung von Lebensmitteln, Entsorgung, Lebensmitteltransporte, Entsorgung von Lebensmittelabfällen, Entsorgung und Verwertung von Lebensmitteln, Strategien gegen Lebensmittelverschwendung, Lösungsansätze in der Logistik
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Lebensmitteltransporte. Entsorgung und Verwertung von Lebensmitteln. Strategien gegen Lebensmittelverschwendung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1131259

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