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Goethes Rezeption des Genies

Zum Rezeptionsproblem in Goethes architekturtheoretischer Schrift "Von deutscher Baukunst. D. M. Ervini a Steinbach" (1772/73)

Title: Goethes Rezeption des Genies

Term Paper , 2021 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Paul Orru (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Anhand einer genaueren Analyse der Darstellung des Rezeptionsvorgangs in Goethes Baukunst-Aufsatz soll in der vorliegenden Arbeit gezeigt werden, warum es keinen Widerspruch darstellt, dass im Text einerseits der Geniekult des Sturm und Drang zur Geltung kommt und andererseits die entscheidende produktionsästhetische Rolle der Rezeption des Straßburger Münsters betont wird. Die These der Arbeit lautet, dass sich das Rezeptionsproblem dann lösen lässt, wenn die im Baukunst-Aufsatz dargestellte Rezeption zum einen als sensualistisches Erlebnis im Sinne einer ästhetischen Naturerfahrung und zum anderen als geniehafte Inspiration verstanden wird. Es wird sich zeigen, dass gerade aus dem Erlebnis- und dem Inspirationscharakter der Rezeption die Fähigkeit des Betrachters resultiert, im Sinne einer Nachfolge Erwins von Steinbach selbst geniehaft produktiv zu werden und dabei eine Kunst zu schaffen, die ihrerseits naturhaft und original ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Das Rezeptionsproblem in Goethes Baukunst-Aufsatz

2. Die Rezeption des Straßburger Münsters als sinnliche Erfahrung der Naturhaften

2.1. Die Betrachtung des Münsters als sensualistisches Erlebnis

2.2. Die Rolle der Rezeption des Naturhaften für das Kunstschaffen des Genies

3. Die Rezeption des Straßburger Münsters als geniehafte Inspiration

3.1. Kommunikative Inspiration im genieästhetisch-pantheistischen Sinne

3.2. Der inspirierte Rezipient als kongenialer Nachfolger

4. Fazit/Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das Rezeptionsproblem in Goethes architekturtheoretischem Aufsatz "Von deutscher Baukunst" und analysiert, wie die Betrachtung des Straßburger Münsters den Rezipienten zu eigenem künstlerischem Schaffen inspiriert, ohne dabei den Autonomiegedanken der Genieästhetik zu verletzen.

  • Das Spannungsverhältnis zwischen Genieästhetik und Rezeptionsprozess
  • Die ästhetische Wahrnehmung des Straßburger Münsters als "sinnliches Erlebnis"
  • Die Rolle der Natur-Analogie in der Genieästhetik des Sturm und Drang
  • Kommunikative Inspiration als performativer Akt der künstlerischen Selbstverwirklichung

Auszug aus dem Buch

2.1. Die Betrachtung des Münsters als sensualistisches Erlebnis

In Goethes Baukunst-Aufsatz stellt sich die Rezeption des Straßburger Münsters als subjektive sensualistische Erfahrung dar. So wird den Theorien des „guten Geschmacks“ klassizistisch orientierter Kunstgelehrsamkeit, die die „verworrenen Willkürlichkeiten gotischer Verzierungen“ verurteilt, der unmittelbare Gefühlseindruck durch die Kathedrale entgegengesetzt:

Mit welcher unerwarteten Empfindung überraschte mich der Anblick, als ich davor trat. Ein ganzer, großer Eindruck füllte meine Seele, den, weil er aus tausend harmonierenden Einzelnheiten bestand, ich wohl schmecken und genießen, keineswegs aber erkennen und erklären konnte.

Heinrich Bosse und Ursula Renner weisen darauf hin, dass die ästhetische Wahrnehmung des Münsters „nur sinnlich und gefühlsmäßig, nicht mehr diskursiv realisiert werden kann“; dies liege an der „disparate[n] Mannigfaltigkeit des Bauwerks“, die sich „nicht zu einem Kunsturteil zusammen[schließt], sondern [...] im Staunen [verharrt], und im Staunen erschließt sich die Gestalt.“ Damit folgt die Ablehnung gegenüber einer klassizistisch-gelehrsamen Rezeption gotischer Baukunst unter anderem aus der Überzeugung, dass der Versuch, die Vielgestaltigkeit des Münsters diskursiv zu erfassen, scheitern muss. Das bedeutet jedoch nicht, dass die gefühlsmäßige Wahrnehmung des Gebäudes einer ästhetischen Erkenntnis grundsätzlich im Weg steht: Während bei der Schilderung der ersten Begegnung mit dem Münster noch eine Opposition zwischen „schmecken und genießen“ einerseits und „erkennen und erklären“ andererseits herrscht, sieht sich der Sprecher nach mehrmaligem und eingehenderem Betrachten des Bauwerks dazu imstande, „zugleich zu genießen und zu erkennen.“ Dass das begeisterte Lob des Betrachters auf einer ästhetischen Erkenntnis basiert, die durch die bzw. mit der sinnlichen Erfahrung des Bauwerks entsteht, betont auch Robert Krause:

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Das Rezeptionsproblem in Goethes Baukunst-Aufsatz: Diese Einleitung führt in die Forschungsdiskussion ein und formuliert die zentrale Fragestellung, wie die Rezeption des Straßburger Münsters als produktionsästhetischer Prozess zu verstehen ist.

2. Die Rezeption des Straßburger Münsters als sinnliche Erfahrung der Naturhaften: In diesem Kapitel wird untersucht, wie das Münster als ästhetisch-sinnliches Erlebnis wahrgenommen wird und in welcher Beziehung diese sinnliche Erfahrung zum Geniekonzept steht.

2.1. Die Betrachtung des Münsters als sensualistisches Erlebnis: Hier wird die Abkehr von einer diskursiven, klassizistischen Analyse zugunsten eines unmittelbar gefühlsmäßigen Erlebens des Bauwerks dargelegt.

2.2. Die Rolle der Rezeption des Naturhaften für das Kunstschaffen des Genies: Dieses Unterkapitel beleuchtet, wie der naturhaft-belebte Charakter des Bauwerks als Ausgangspunkt für eine eigene künstlerische Produktion des Betrachters fungiert.

3. Die Rezeption des Straßburger Münsters als geniehafte Inspiration: Hier wird die Rolle der Kathedrale als inspirierende Instanz analysiert, die eine kommunikative Verbindung zwischen dem Erbauer und dem Rezipienten herstellt.

3.1. Kommunikative Inspiration im genieästhetisch-pantheistischen Sinne: Dieser Abschnitt analysiert das Inspirationserlebnis als quasi-göttliche, pantheistisch konnotierte Begegnung mit dem Geist des Baumeisters.

3.2. Der inspirierte Rezipient als kongenialer Nachfolger: Hier wird dargelegt, wie die Inspiration den Rezipienten selbst zur künstlerischen Produktion befähigt und ihn in die Rolle eines kongenialen Nachfolgers hebt.

4. Fazit/Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Rezeption kein bloßes Nachahmen ist, sondern als produktionsästhetischer Akt die Autonomie des Genies unterstreicht.

Schlüsselwörter

Goethe, Von deutscher Baukunst, Straßburger Münster, Genieästhetik, Sturm und Drang, Rezeption, Produktionsästhetik, Sinnliche Erfahrung, Inspiration, Naturhaft, Architekturtheorie, Kunstschaffen, Erwin von Steinbach, Kongenialität, Autonomie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Rezeptionsproblem in Goethes berühmtem Essay "Von deutscher Baukunst" und untersucht, wie der Betrachter durch das Erlebnis der gotischen Architektur des Straßburger Münsters zu eigenem künstlerischen Handeln angeregt wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Genieästhetik des Sturm und Drang, die produktionsästhetische Bedeutung von Kunstrezeption, die Rolle der Natur in der ästhetischen Wahrnehmung und das Verhältnis zwischen Betrachter und künstlerischem Vorbild.

Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?

Die Arbeit möchte klären, wie das Rezeptionserlebnis des Straßburger Münsters mit dem Geniebegriff des Sturm und Drang in Einklang gebracht werden kann, ohne die geforderte Autonomie des schaffenden Künstlers zu untergraben.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Es handelt sich um eine literatur- und geisteswissenschaftliche Analyse, die den Text "Von deutscher Baukunst" eng am Wortlaut untersucht und in den Kontext zeitgenössischer kunsttheoretischer Diskurse und Forschungsbeiträge einbettet.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?

Der Hauptteil behandelt die sinnliche Wahrnehmung des Münsters als Erlebnis, die Bedeutung des Naturhaften für das künstlerische Schaffen, die inspirative Qualität der Begegnung mit dem Geist des Baumeisters sowie die Rolle des Rezipienten als kongenitaler Nachfolger.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Genieästhetik", "Produktionsästhetik", "sensualistisches Erlebnis", "Naturhaftigkeit", "Inspiration" und das spezifische Verhältnis von "Rezeption und Produktion" charakterisiert.

Wie löst der Autor den scheinbaren Widerspruch zwischen dem Genie-Ideal und dem Akt der Rezeption?

Der Autor argumentiert, dass das Rezeptionserlebnis nicht als passive Nachahmung zu verstehen ist, sondern als "künstlerisch ermächtigende Inspiration", die den Rezipienten befähigt, selbst wieder als schöpferisches Genie tätig zu werden.

Warum ist die "pantheistische" Komponente in dieser Arbeit von Bedeutung?

Die pantheistische Komponente spielt eine Rolle bei der sakralen Überhöhung des Baumeisters Erwin von Steinbach und erklärt, wie die Inspiration durch das Bauwerk eine fast religiöse Qualität annimmt, die den Betrachter zur eigenen Schöpfung anregt.

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Details

Title
Goethes Rezeption des Genies
Subtitle
Zum Rezeptionsproblem in Goethes architekturtheoretischer Schrift "Von deutscher Baukunst. D. M. Ervini a Steinbach" (1772/73)
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Course
Der junge Goethe
Grade
1,0
Author
Paul Orru (Author)
Publication Year
2021
Pages
18
Catalog Number
V1131269
ISBN (eBook)
9783346511645
ISBN (Book)
9783346511652
Language
German
Tags
goethes rezeption genies rezeptionsproblem schrift baukunst ervini steinbach
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Paul Orru (Author), 2021, Goethes Rezeption des Genies, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1131269
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