Lernstrategien, Modelle der Selbstregulation und selbstgesteuertes Lernen. Eine kritische Auseinandersetzung


Hausarbeit, 2021

14 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Lernstrategien die in Zusammenhang zum selbstgesteuerten Lernen stehen

3. Modelle der Selbstregulation

4. Vor- und Nachteile vom selbstgesteuerten Lernen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die Relevanz des Konzeptes selbstgesteuertes Lernen ergibt sich aus der Problematik heraus, dass vielen Lehrenden bewusst ist, wie unterrichtet wird, nicht aber, wie der Mensch genau lernt.1 Ebenfalls notwendig wird die Auseinandersetzung mit dem selbstgesteuerten Lernen, da sie als Basis für einen schulischen Erfolg von Schüler*innen gilt, darüber hinaus sollte es der Wunsch von Schulen sein „Schülerinnen und Schüler als kompetente, fähige Lernende zu entlassen“.2 Somit ist das Thema besonders für Lehrende von großer Bedeutung, da diese in der Verantwortung stehen, Schüler*innen diese Fähigkeiten zu vermitteln.3 Des Weiteren wird es besonders für Schülerinnen und Schüler immer wichtiger, sich Wissen und Informationen schnell aneignen zu können, aufgrund der Globalisierung und der damit verbundenen Flut an Informationen sowie der Schnelllebigkeit dieser Medien.4 Doch nicht nur in der Schulzeit wird selbstgesteuertes Lernen von Menschen erwartet. Sowohl in der Ausbildung als auch im Berufs- und Alltagsleben wird es erforderlich, sich lebenslang selbstständig Kompetenzen aneignen zu können und bereits bekanntes Wissen upzudaten.5

Das Konzept des selbstgesteuerten Lernens beschreibt einen Lernvorgang, in dem die Lernenden selbstständig entscheiden, welche Inhalte sie auf welche Art und Weise und in welchem Tempo lernen. Der Lernende wird als „aktiv Handelnder beschrieben“ und kann die Lernergebnisse durch das eigenständige Engagement selbstständig beeinflussen6 indem er verschiedene Strategien nutzt.7 Die Lernenden können allein regeln, wie sie beim Lernen vorgehen und können selbstständig Ziele erreichen außerdem motivieren sich die Lernenden in einem hohen Maße selbst.8 Variablen, die in Zusammenhang mit dem selbstgesteuerten Lernen stehen, sind die kognitiven, die metakognitiven und die motivationalen Variablen. Unter die kognitiven Variablen fallen Wissen und Kompetenzen, die die Anwendung entsprechender Lernstrategien ermöglichen. Folgende metakognitive Variablen sind von Bedeutung. Zum einen die Planung als auch die Selbstreflexion. Zu motivationalen Variablen zählen die Selbstmotivation der Lernenden und die Beibehaltung des Lernens. Diese Kategorien können zu einem wirksamen Lernen beitragen.9 Synonym verwendet zum selbstgesteuerten Lernen werden auch die Begriffe „selbstbestimmtes Lernen“, „selbstorganisiertes Lernen“ oder „autonomes Lernen“. Das Wort Selbstregulation meint, dass jemand in der Lage ist seine Gedanken, Gefühle und Aktionen zielgerichtet einzusetzen.10 Alle Begriffe haben gemein, dass der oder die Lernende die zentrale Person des Geschehens ist. Sodass er oder sie selbstständig, dass eigene Lernen beeinflussen und steuern kann.11 Selbstgesteuertes Lernen unterscheidet sich von der Begrifflichkeit der Selbstständigkeit. So meint die Selbstständigkeit ein „abstraktes Erziehungsziel“, beim selbstgesteuerten Lernen geht es „konkret darum, das eigene Lernen in die Hand zu nehmen“. Somit liegt die Selbstständigkeit auf einer „übergeordneten Zielebene“.12 Lehrende stehen den Lernenden bei dem selbstgesteuerten Lernen unterstützend zur Seite und sind dafür verantwortlich, dass das selbstgesteuerte Lernen bestmöglich funktioniert, Lernende werden dementsprechend dazu aktiviert, das Lernen zu lernen.13

Das selbstgesteuerte Lernen steht der Fremdsteuerung entgegen. Jedoch ist es nicht sinnvoll, nur in diese zwei Kategorien zu unterschieden, denn es gibt viele Abstufungen des Lernens, die sowohl fremdgesteuerte als auch selbstgesteuerte Anteile beinhalten. Es kann von keiner absoluten Fremd- oder Selbststeuerung ausgegangen werden. Auf der einen Seite müssen Lernende Informationen immer selbstständig kognitiv bearbeiten. Auf der anderen Seite setzen sich die Lernenden mit externen Informationen auseinander, die auch Einfluss auf das Lernverfahren haben. Selbstgesteuertes Lernen setzt die Motivation des Lernenden voraus.14 Der Forschungsstand zum selbstgesteuerten Lernen variiert stark zwischen den europäischen Ländern. Während Deutschland, Portugal, die Niederlande und Norwegen schon viel zum selbstgesteuerten Lernen geforscht haben, gibt es in Frankreich, Italien und Großbritannien wenig Studien diesbezüglich, die das Thema explizit aufgreifen, hingegen werden dort oft Begriffe wie „self-education“ und „autonomes Lernen“ genutzt. Besonders in Hinblick auf das lebenslange Lernen gewinnt das selbstgesteuerte Lernen an Bedeutung.15

2. Lernstrategien die in Zusammenhang zum selbstgesteuerten Lernen stehen

Dieses Kapitel widmet sich verschiedenen Lernstrategien, die in Verbindung zum selbstgesteuerten Lernen stehen. Darunter fallen kognitive und metakognitive Strategien sowie Strategien zum Ressourcenmanagement.

Kognitive Strategien beinhalten „Strategien der Organisation und Elaboration, Strategien zum kritischen Prüfen und Strategien zur Wiederholung“. Organisationsstrategien werden genutzt, um neu gelernte Inhalte zu strukturieren und zu reduzieren, damit sie bestmöglich ins Arbeitsgedächtnis aufgenommen werden können und in Verbindung zu bestehendem Wissen zu setzen, beispielsweise durch Zusammenfassungen. Elaborationsstrategien können helfen neu gelernte Inhalte mit bereits vorhandenem Wissen zu verknüpfen und dienen somit als Grundlage für die Übermittlung von Wissen.16 Lernende können sich präzise Beispiele überlegen oder die neuen Inhalte in den eigenen Worten anders formulieren, um das neue Wissen besser zu verknüpfen.17 Die Strategien zum kritischen Prüfen unterstützen den Menschen dabei, gelernte Inhalte ins Langzeitgedächtnis zu befördern. Dies geschieht, indem eine kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten vorgenommen wird. Strategien zur Wiederholung helfen ebenfalls dabei, neue Inhalte im Langzeitgedächtnis abzuspeichern.18 Dabei gilt die Strategie des Wiederholens als Oberflächenstrategie, da diese lediglich dem Auswendiglernen dient. Organisations- und Elaborationsstrategien sowie solche zum kritischen Prüfen gelten als Tiefenstrategien, da diese darauf abzielen, dass Inhalte verstanden und mit dem Vorwissen verknüpft werden.19

Zu den metakognitiven Lernstrategien gehören „Strategien der Planung, der Überwachung und der Regulation“. Diese helfen den „Einsatz geeigneter Lernstrategien zu steuern, zu kontrollieren und zu regulieren“. Die Strategien der Planung liegen meist vor der eigentlichen Lernaktivität und setzen fest, welche speziellen Lernmethoden eingesetzt werden. Überwachungsstrategien dienen der Kontrolle der „qualitative[n] und der quantitative[n] Lernfortschritt[e]“.20 Mithilfe des permanenten Überwachens des Lernfortschritts können aufkommende Probleme schnell erkannt werden.21 Regulationsstrategien werden eingesetzt, um das Lernverhalten an die äußeren Gegebenheiten anzupassen. Sollte ein Lernender mehr Zeit zur Aneignung von Wissen benötigen, kann er individuell die Lerngeschwindigkeit verändern.22 Darunter fallen die „Selbstreflexion und die Selbstbewertung“.23

Zuletzt werden Strategien zum Ressourcenmanagement vorgestellt. Die Psychologen Pintrich und Kollegen unterteilen diese in externe und interne Ressourcenstrategien. Die Strategien zum Ressourcenmanagement bieten die Grundlage der Informationsverarbeitung, indem sie die Ressourcen, die zum Lernen benötigt werden, verfügbar machen. Externe Ressourcenstrategien verfolgen das Ziel zusätzliche fremde Informationen verfügbar zu machen, wie zum Beispiel durch den Einsatz von Fachliteratur. Interne Ressourcenstrategien hingegen unterstützen Personen beim Arbeiten. Darunter fällt „das Zeitmanagement, die Anstrengungsregulation sowie die Aufmerksamkeitssteuerung“.24

Die verschiedenen Lernstrategien verfolgen eine Verbesserung der Lernerfolge. Besonders meta- und kognitiven Strategien werden aufgrund der intensiven Verarbeitung von Inhalten vielversprechende Rollen nachgesagt. Dennoch ist nicht belegt, wie groß die tatsächliche Korrelation zwischen dem berichteten Einsatz der Strategien und den realisierten Lernerfolgen ist. Verschiedene Untersuchungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, von negativen Zusammenhängen bis hin zu Neutralen und Positiven. Diese Unstimmigkeit der Forschung liegt zum einen an der Ermittlung des Einsatzes der Lernstrategien und an fehlenden komplexen „Abstraktions- und Reflexionsvermögen“ von den Lernenden. Ein komplexes „Abstraktions- und Reflexionsvermögen“ wird jedoch bei der Beantwortung von Untersuchungsfragen vorausgesetzt. Außerdem fragen die Untersuchungen häufig ausschließlich nach der verwendeten Strategie, nicht aber in welcher Intensität diese genutzt wurde.25

[...]


1 Vgl. Straka (2000), S.163.

2 Nett, Götz (2019), S.79.

3 Vgl. Perels (2020), S.46.

4 Vgl. Perels (2020), S.46.

5 Vgl. Otto (2011), S.33.

6 Kopp, Mandl (2011), S.2.

7 Vgl. Perels (2020), S.46.

8 Vgl. Otto (2011), S.34.

9 Vgl. Otto (2011), S.34.

10 Perels (2020), S.46.

11 Vgl. Otto (2011), S.33.

12 Kraft (1999), S.837.

13 Vgl. Witt (2016), S. 2ff.

14 Vgl. Kopp, Mandl (2011), S.3.

15 Kopp, Mandl (2011), S.6.

16 Kopp, Mandl (2011), S.7.

17 Vgl. Selbstgesteuertes Lernen in Lern-, Interessen- und Erfahrungsangeboten an Schulen mit

Ganztagangebot, unter: https://bildungsserver.berlin- brandenburg.de/fileadmin/bbb/schule/Schulen in Berlin und Brandenburg/schulformen und sch ularten/ganztagsschulen/ Archiv/gestaltung/Selbstgesteuertes Lernen expertise.pdf, Abruf: 25.03.2021.

18 Vgl. Kopp, Mandl (2011), S.7.

19 Vgl. Perels (2020), S.47.

20 Kopp, Mandl (2011), S.7f.

21 Vgl. Selbstgesteuertes Lernen in Lern-, Interessen- und Erfahrungsangeboten an Schulen mit

Ganztagangebot, unter: https://bildungsserver.berlin- brandenburg.de/fileadmin/bbb/schule/Schulen in Berlin und Brandenburg/schulformen und sch ularten/ganztagsschulen/ Archiv/gestaltung/Selbstgesteuertes Lernen expertise.pdf, Abruf: 25.03.2021.

22 Vgl. Kopp, Mandl (2011), S.7f.

23 Perels (2020), S.47.

24 Kopp, Mandl (2011), S.7f.

25 Kopp, Mandl (2011), S.8f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Lernstrategien, Modelle der Selbstregulation und selbstgesteuertes Lernen. Eine kritische Auseinandersetzung
Hochschule
Universität zu Köln  (Humanwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Guten Unterricht gestalten
Note
1,0
Jahr
2021
Seiten
14
Katalognummer
V1131439
ISBN (eBook)
9783346501332
ISBN (Buch)
9783346501349
Sprache
Deutsch
Schlagworte
selbstgesteuertes Lernen, selbstbestimmtes Lernen, autonomes Lernen, Fremdsteuerung, Selbststeuerung, Motivation, Kognitive Strategien, metakognitiven Strategien, Ressourcenmanagement, Prozessmodell, Regelkreismodell, präaktionalen Phase, aktionale Phase, postaktionale Phase, Selbstreflektion, Schichtenmodell
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Lernstrategien, Modelle der Selbstregulation und selbstgesteuertes Lernen. Eine kritische Auseinandersetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1131439

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