Bereits vor über 30 Jahren postulierte Charles P. Kindleberger, dass die Tage des Nationalstaates als ökonomisch bedeutsame Einheit gezählt seien (Hu: 1992, 108), und bis heute ist der Bedeutungsverlust des Staates eine häufig vertretene These geblieben. So formuliert Dirk Messner (2004, 20): The new world economy is marked by competition between local clusters [...], global cities [...], global city regions [...] and global value chains [...] that no longer know national boundaries. Dabei wird die Entstehung und Entwicklung transnationaler Unternehmen (TNU) häufig als Argument für das angebliche Ende der wirtschaftlichen Bedeutung von Nationalstaaten herangezogen: It has been the rise of the TNC [transnational corporation] – especially of the massive ´global´ corporation – that is seen to pose the major threat to the autonomy of the nation-state (Dicken: 2003, 198). Daher wird in dieser Hausarbeit die Bedeutung von Nationalstaaten in der globalen Wirtschaft anhand transnationaler Unternehmen untersucht. Zunächst wird auf die Bedeutung des Nationalstaates im Allgemeinen eingegangen, um anschließend seine Rolle für transnationale Unternehmen zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Globalisierung und der Nationalstaat
2.1 Begriffsklärung
2.2 Historische Entwicklung
2.3 Es lebe der Staat!
3. Das „heimatlose“ transnationale Unternehmen?
3.1 Quantitative Betrachtung
3.2 Qualitative Betrachtung
3.3 Entwicklung eines Modells zu den Beziehungen zwischen
Nationalstaat und TNU
3.4 Fallbeispiel BMW
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die fortbestehende Bedeutung des Nationalstaates für transnationale Unternehmen (TNU) in einer zunehmend globalisierten Wirtschaft und prüft kritisch die These vom „heimatlosen“ Konzern.
- Wirtschaftliche Bedeutung des Nationalstaates
- Globalisierungsprozesse und grenzüberschreitende Aktivitäten
- Theoretische Modelle der Verankerung von TNU
- Quantitative Analyse der Internationalität (TNI)
- Fallstudie zur Internationalisierungsstrategie der BMW Group
Auszug aus dem Buch
3.1 Quantitative Betrachtung
Aus dem Transnationalitätsindex (TNI) eines Unternehmens lässt sich ableiten, wie international es ausgerichtet ist. Der TNI ergibt sich aus dem Mittel aus Auslands und Gesamtvermögen, Auslands- und Gesamtumsatz, sowie dem Mittel aus im Ausland Beschäftigten und der Insgesamt Beschäftigten eines Unternehmens. Der TNI der 100 weltweit führenden transnationalen Unternehmen ist in Tabelle 1 dargestellt. Immerhin die ersten 57 Unternehmen in der Rangliste erreichen einen TNI von über 50, sind also nach den im Index berücksichtigten Kriterien stärker im Ausland tätig als in ihrem Heimatland. Der durchschnittliche TNI aller hier dargestellten Unternehmen liegt mit 52,6 auch noch knapp zugunsten der Auslandsaktivitäten. Allerdings rechtfertigt das Ausmaß der Auslandsaktivitäten der wenigsten TNU die Annahme, dass das Ursprungsland des Unternehmens bedeutungslos geworden sein könnte. Nur 16 TNU weisen einen Index über 75 auf. Dicken schlussfolgert: „On this measure, therefore, there is little evidence of TNCs having the share of their activities outside their home countries that might be expected if they were global firms“ (Dicken: 2003, 224).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich des vermeintlichen Bedeutungsverlusts des Nationalstaates angesichts der Globalisierung und der Zunahme transnationaler Unternehmen.
2. Die Globalisierung und der Nationalstaat: Definition der zentralen Begriffe und Analyse der historischen Entwicklung sowie der fortbestehenden Regulierungsrolle des Staates.
3. Das „heimatlose“ transnationale Unternehmen?: Theoretische und quantitative Untersuchung der nationalen Verankerung von Konzernen sowie Entwicklung eines Modells zur Wechselbeziehung zwischen Staat und Unternehmen, beispielhaft illustriert am Fall BMW.
4. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass Unternehmen trotz globaler Ausrichtung weiterhin stark national verankert sind und Nationalstaaten eine zentrale Rolle behalten.
Schlüsselwörter
Nationalstaat, Globalisierung, Transnationale Unternehmen, TNU, Standortwettbewerb, Wirtschaftspolitik, Standortverlagerung, Internationalisierung, Transnationalitätsindex, TNI, BMW, Unternehmenszentrale, Heimatland, Gastländer, Weltwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob Nationalstaaten im Zuge der Globalisierung an ökonomischer Bedeutung verlieren oder ob transnationale Unternehmen weiterhin stark in ihren Heimatländern verwurzelt bleiben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Regulierungsrolle des Staates, den Bedingungen der Standortwahl für Konzerne und der theoretischen Einbettung transnationaler Unternehmen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, die These von „heimatlosen“ globalen Konzernen zu hinterfragen und die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Nationalstaaten und Unternehmen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es erfolgt eine literaturgestützte theoretische Analyse, ergänzt durch eine quantitative Auswertung des Transnationalitätsindex sowie eine qualitative Fallstudie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Nationalstaatsbegriffs, eine quantitative Untersuchung der Internationalität führender Konzerne und ein Modell der wechselseitigen Beeinflussung.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Globalisierung, Nationalstaat, Transnationale Unternehmen (TNU), Transnationalitätsindex (TNI) und Standortwettbewerb.
Warum wurde BMW als Fallbeispiel gewählt?
BMW wurde aufgrund des höchsten Transnationalitätsindex unter den deutschen Automobilherstellern ausgewählt, um die Transformation vom regionalen zum globalen Akteur bei gleichzeitiger Bindung an den Standort Deutschland zu verdeutlichen.
Welche Rolle spielt das Heimatland laut dem entwickelten Modell?
Das Modell verdeutlicht, dass das Heimatland als organisatorisches Zentrum fungiert, in dem wesentliche Entscheidungsprozesse und Kernkompetenzen konzentriert bleiben.
Kann von „heimatlosen“ Unternehmen gesprochen werden?
Nein, das Fazit der Arbeit betont, dass selbst global agierende Konzerne weiterhin durch nationale institutionelle, kulturelle und politische Rahmenbedingungen geprägt sind.
- Quote paper
- Yvonne Studtfeld (Author), 2008, Die Bedeutung des Nationalstaates im Zeitalter der Globalisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113146