Um zu klären, ob „The Birthday Party“ unter die Definition des Absurden Theaters passt, muss erst untersucht werden, was „absurd“ eigentlich bedeutet. Ionesco beschreibt das Absurde als etwas „which is devoid of purpose ... cut off from its religious, metaphysical and transcendental roots; man is lost, his actions become senseless, absurd, useless”.
Einem absurden Drama fehlen klar die Strukturen, die sonst ein sogenanntes “well-made” Drama ausmachen: sein Handlungsstrang ist oft zerrüttet und keine Lösungen für Konflikte werden genannt. Eigentlich kann man auch gar nicht von einer Handlung an sich sprechen, denn es ist eher eine Aneinanderreihung von Äußerungen, die im Kopf des Zuschauers eine statische und einfache Situation schaffen wollen.
Auch die Sprache selbst ist oft zu einem reduzierten Level zurückgekehrt. Oft geben Charaktere nur Gebrabbel von sich; sie benutzen Wortspiele, wiederholen Fragmente, und das, was auf der Bühne gesprochen wird, korrespondiert nicht mit dem, was getan wird. Gestik und Mimik bekommen mehr Bedeutung als Worte.
Die Charaktere sind häufig von der Welt ausgeschlossen und betrachten sich als Außenseiter, die in einem sinnlosen Umfeld leben müssen. Sie leben nur von Tag zu Tag, ohne genau zu wissen, weswegen sie hier sind (vgl. Becketts „Warten auf Godot“, in dem die einzige Beschäftigung von Vladimir und Estragon darin besteht, auf den mysteriösen Godot zu warten). Oft handeln die Charaktere auch völlig unerwartet und unlogisch, fast wie Marionetten, was wiederum beim Betrachter ein Gefühl des Komischen auslöst.
Inhaltsverzeichnis
1. HAROLD PINTERS BIOGRAPHIE
2. UNTERSUCHUNGEN ZU „THE BIRTHDAY PARTY”
2.1. „THE BIRTHDAY PARTY“ – EIN ABSURDES THEATERSTÜCK?
2.2. ALLTAGSSITUATIONEN IM STÜCK „THE BIRTHDAY PARTY“
2.2.1. DAS FRÜHSTÜCK
2.2.2. DIE TROMMEL
2.2.3. DIE GEBURTSTAGSFEIER
2.2.4. DAS KREUZVERHÖR
2.3. AUFBAU DER HANDLUNG IN „THE BIRTHDAY PARTY“
3. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Harold Pinters Drama „The Birthday Party“ unter den Gesichtspunkten des absurden Theaters, der Bedeutung alltäglicher Situationen sowie des strukturellen Handlungsaufbaus. Ziel ist es zu ergründen, wie die Zerstörung der Identität des Protagonisten Stanley durch externe Kräfte und gesellschaftliche Konformitätszwänge dargestellt wird.
- Biografische Hintergründe zu Harold Pinter
- Merkmale des absurden Theaters innerhalb des Stücks
- Analyse von Alltagssituationen (Frühstück, Trommel, Geburtstagsfeier, Kreuzverhör)
- Strukturelle Untersuchung des dramatischen Handlungsaufbaus
- Die Metaphorik von Individuum versus Organisation/System
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Das Frühstück
Das Frühstück kommt sowohl zu Beginn des ersten Aktes als auch am Ende des dritten Aktes, es ist also eine weitere Rahmenhandlung. Es zeigt die Routine eines verheirateten Ehepaares, die Beziehung zwischen Meg und Petey. Auch hier ist wieder die typische „pinteresque“ Ausgangszene geschaffen: zwei Leute in einem Raum. Allerdings ist die Konversation nicht gerade eine, die man üblicherweise erwartet:
Meg: Is that you, Petey? Pause. Petey, is that you? Pause. Petey?
Petey: What?
Meg: Is that you?
Petey: Yes, it’s me.
Megs Fragen scheinen überflüssig, die häufigen Wiederholungen erzeugen einen Effekt von Antikommunikation, die Unterhaltung scheint banal und seltsam und unlogisch. Doch sinnlos ist sie trotzdem nicht. Durch die Fragen geht Meg sicher, dass der Status quo in ihrer Beziehung gehalten wird, und dass Petey bereitwillig auf Megs dümmlich scheinende Fragen antwortet, zeigt eher seine gute Geduld und Respekt gegenüber seiner Frau. Die Routine hilft den beiden vielleicht auch, sich vor der drohenden Gefahr in Gestalt McCanns und Goldbergs zu verstecken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. HAROLD PINTERS BIOGRAPHIE: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Lebensweg von Harold Pinter, von seiner Kindheit in London über seine frühen künstlerischen Versuche bis hin zu seinem Durchbruch als Dramatiker.
2. UNTERSUCHUNGEN ZU „THE BIRTHDAY PARTY”: In diesem Hauptteil wird das Drama auf seine Absurdität hin analysiert, verschiedene wiederkehrende Alltagssituationen auf ihre Bedeutung für die Handlung untersucht und der dramatische Aufbau des Stücks erläutert.
3. ZUSAMMENFASSUNG: Das abschließende Kapitel fasst die Analyse zusammen und interpretiert Stanley als ein Individuum, das an der Zerstörung durch ein konformistisches System scheitert.
Schlüsselwörter
Harold Pinter, The Birthday Party, Absurdes Theater, Stanley, Identitätsverlust, Konformismus, Alltagssituationen, Rahmenhandlung, Antikommunikation, Dramaturgie, Organisation, Zerstörung, Individuum, Gesellschaftskritik, Rollentheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Harold Pinters Theaterstück „The Birthday Party“ im Kontext des absurden Theaters und untersucht dabei insbesondere die psychologische und strukturelle Zerstörung des Protagonisten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das absurde Theater, die Bedeutung von Routine und Alltagssituationen, der Konflikt zwischen dem Individuum und einem anonymen System sowie die Initiationsgeschichte des Protagonisten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Aufarbeitung der dramatischen Mittel Pinters, mit denen er den Zusammenbruch Stanleys und dessen Anpassung an gesellschaftliche Zwänge darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse und stützt sich dabei auf biographische Daten des Autors sowie auf soziologische Rollentheorien und Vergleiche mit anderen Vertretern des absurden Theaters, wie Samuel Beckett.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des absurden Charakters des Stücks, die detaillierte Analyse von Alltagsszenen wie dem Frühstück oder dem Kreuzverhör sowie die Analyse der dramatischen Struktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie „Absurdes Theater“, „Identitätsverlust“, „Systemkritik“ und „Konformismus“ stehen im Mittelpunkt der Untersuchung.
Welche Rolle spielt die „Trommel“ in der Analyse?
Die Trommel wird als Symbol für Megs Bemutterung und Stans Unfähigkeit zur Emanzipation gedeutet; ihre Zerstörung steht metaphorisch für das Ende von Stans bisheriger Identität.
Wie interpretiert die Autorin das Ende des Stücks?
Das Ende wird als vollständige Vernichtung der Individualität interpretiert, wobei die Organisation Stan als „neuen, konformen Menschen“ zurücklässt, während von den Widersachern nur noch leere Zeitungsstreifen als Überreste bleiben.
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- Christiane Menger (Author), 2002, Harold Pinter und sein Stück "The Birthday Party", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113165