Ich möchte versuchen in dieser Hausarbeit darzustellen, welche Auswirkungen die immer
weiter voranschreitende Modernisierung der Gesellschaft auf die „Öffentlichkeit“ und die
„Arbeit“ nach Hannah Arendts Definition hat.
Auch vor Deutschland machte die Industrielle Revolution und die Modernisierung der
Produktionsverhältnisse nicht halt. Die Erstellung von Produkten und Dienstleistungen, und
damit die Arbeit der Menschen, ist einer steten Veränderung und Weiterentwicklung
unterworfen. In deren Folge ging in wachsendem Maße ein Ersatz der menschlichen
Arbeitskraft durch Maschinen vonstatten. In der Folge dessen gerieten und geraten auch heute
noch mehr und mehr Arbeitsplätze in Gefahr abgebaut zu werden. Der massive Stellenabbau
und die damit einher gehende steigende Arbeitslosigkeit, die in vielen Fällen auch eine soziale
Isolation der Betroffenen nach sich zog, legt die Frage nahe, ob und wie Arendts Definition
von Arbeit und von Öffentlichkeit auch heute noch zutreffen.
In dieser Arbeit werde ich anhand der Definition von Öffentlichkeit nach Hannah Arendt
versuchen darzustellen, welche Beziehung zwischen dem Arendtschen Begriff von Arbeit und
ihrem Verständnis von Öffentlichkeit sichtbar wird. Hierzu ist noch anzumerken, dass ich
mich hauptsächlich auf das Buch „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ von Hannah Arendt,
das 1958 zunächst in der USA erschien, beziehen werde. Dieser Umstand, dass seitdem
fünfzig Jahre vergangen sind und die Modernisierung stets weiter vorangeschritten ist, erklärt
auch, dass eventuell ihre damaligen Definitionen – zumindest partiell – nicht mehr zutreffen.
In dem benannten Buch wird des weiteren ausführlich auf die Begrifflichkeiten „das
Arbeiten“, „das Herstellen“ und „das Handeln“ eingegangen. Ich werde mich jedoch fast
ausschließlich auf die Begrifflichkeiten der Arbeit und der Öffentlichkeit konzentrieren und
die anderen nur randläufig streifen. In diesem Abschnitt der Arbeit möchte ich die von Hannah Arendt erstellte Definition der
Öffentlichkeit betrachten, skizzieren und versuchen darzulegen, für welche Inhalte
„Öffentlichkeit“ bei Hannah Arendt steht.
Die Öffentlichkeit kann auch als „das Gemeinsame“ bezeichnet werden, eine „Mitwelt“, die
klar von der Dingwelt getrennt ist. Zu dieser gehören nach Arendt zwei miteinander
verzahnte Phänomene die jedoch nicht identisch sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.Die Öffentlichkeit nach Hannah Arendt
3.Die Arbeit nach Hannah Arendt
4. Arbeitslosigkeit und soziale Isolation heute
4.1.Lebensstile und Milieus
5.Arbeit heute
6 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Auswirkungen der modernen gesellschaftlichen Entwicklung auf das Verständnis von „Öffentlichkeit“ und „Arbeit“ basierend auf den Definitionen von Hannah Arendt, um zu klären, inwiefern diese Konzepte unter den Bedingungen zunehmender Automatisierung und Arbeitslosigkeit heute noch Bestand haben.
- Hannah Arendts theoretische Fundierung von Öffentlichkeit und Arbeit
- Die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf soziale Isolation und politische Partizipation
- Transformation des Arbeitsbegriffs im Zuge der Industrialisierung und Globalisierung
- Zusammenhang zwischen Lebensstilen, Milieus und gesellschaftlicher Ausgrenzung
Auszug aus dem Buch
3.Die Arbeit nach Hannah Arendt
Hannah Arendt beginnt mit ihren Betrachtungen des Arbeitsbegriffs in der Antike. „Da die Menschen der Notdurft des Lebens unterworfen sind, können sie nur frei werden, indem sie andere unterwerfen und sie mit Gewalt zwingen, die Notdurft des Lebens für sie zu tragen.“ Hiermit wird festgestellt, dass die körperliche Arbeit – nicht jedoch die „werkenden Hände“ – in der damaligen Gesellschaft verachtet wurde. Diese Arbeit war jedoch nur für „nichtmenschliche“ Wesen, wie etwa Sklaven, vorgesehen. Gleichzeitig wurde diese mindere Tätigkeit jedoch als notwendig für das Gemeinwesen der Bürger angesehen. Dies lag in der Natur, war gewissermaßen gottgegeben, dass „es notwendige Beschäftigungen gibt, die ihrer Natur nach „sklavisch“ sind, nämlich dem Leben und seiner Notdurft versklavt“ Aus diesem Blickwinkel war es in der Antike nicht notwendig, die Sklaverei zu verteidigen. Sie wurde „durch die Natur der Sache (als) gerechtfertigt“ angesehen. Die Verachtung der Tätigkeiten, die ihrer Natur nach lebensnotwendig waren – so also der Notdurft des Lebens unterworfen - rührte daher, dass sie nichts Dauerhaftes hinterließen. „Denn es ist ja grade das Kennzeichen der Arbeit, dass sie nichts objektiv Greifbares hinterlässt, dass das Resultat ihrer Mühe gleich wieder verzehrt wird und sie nur um ein sehr Geringes überdauert.“ Auf diese Art und Weise wurde auch eine Abgrenzung geschaffen zwischen den Menschen und dem „Animal laborans“.
Das aus heutiger Sicht in der Antike wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen den Tätigkeiten war also nicht dasjenige zwischen der körperlichen und geistigen Arbeit, sondern das einerseits der privaten (quasi nicht sichtbaren) und andererseits der öffentlichen Tätigkeit. Da die sklavische Tätigkeit nicht nur aufgrund ihrer Gebundenheit an die Notdurft des Lebens minder geachtet, sondern auch als ausschließlich private Verrichtung betrachtet wurde, musste sie in dieser Irrelevanz im Öffentlichen keiner besonderen Wertschätzung gewürdigt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Auswirkungen der gesellschaftlichen Modernisierung auf Arendts Definitionen von Arbeit und Öffentlichkeit im Kontext von Stellenabbau und sozialer Isolation zu hinterfragen.
2.Die Öffentlichkeit nach Hannah Arendt: Dieses Kapitel definiert Öffentlichkeit als „das Gemeinsame“ und als eine „Mitwelt“, die über die bloße Dingwelt hinausgeht und für das Realitätsgefühl sowie die politische Existenz des Menschen unerlässlich ist.
3.Die Arbeit nach Hannah Arendt: Hier wird der historische Wandel des Arbeitsbegriffs von der antiken Verachtung der lebensnotwendigen Tätigkeit hin zur modernen Definition über Produktivität und Konsumgüter betrachtet.
4. Arbeitslosigkeit und soziale Isolation heute: Das Kapitel analysiert, wie Arbeitslosigkeit heute zu sozialer Isolation, Entpolitisierung und dem Verlust des Anschlusses an die öffentliche Welt führen kann.
4.1.Lebensstile und Milieus: Dieser Abschnitt verknüpft die soziologischen Begriffe von Milieus und Lebensstilen mit Arendts Theorie, um zu verdeutlichen, wie Alternativlosigkeit und Arbeitslosigkeit gesellschaftliche Ungleichheitsspiralen verstärken.
5.Arbeit heute: Dieses Kapitel thematisiert die Transformation der Arbeitswelt durch moderne Technik, die Konsumgesellschaft und Globalisierung, wodurch Arbeit zunehmend ihren Charakter als sinnstiftende, öffentliche Tätigkeit verliert.
6 Zusammenfassung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass Arendts Begriff der Öffentlichkeit weiterhin aktuell ist, während ihr Arbeitsbegriff durch die moderne Entwicklung weitestgehend entwertet wurde.
Schlüsselwörter
Hannah Arendt, Arbeit, Öffentlichkeit, Vita activa, Arbeitslosigkeit, soziale Isolation, Produktivität, Konsumgesellschaft, Globalisierung, Entpolitisierung, soziales Milieu, zoon politicon, Moderne, Gesellschaftsgefüge, industrielle Revolution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit?
Die Arbeit untersucht, wie moderne gesellschaftliche Transformationsprozesse, insbesondere die fortschreitende Industrialisierung und Globalisierung, die theoretischen Konzepte von "Arbeit" und "Öffentlichkeit" nach Hannah Arendt beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die historische und aktuelle Bedeutung von Arbeit, der Verlust von Öffentlichkeit durch Arbeitslosigkeit sowie die daraus resultierende soziale Isolation und Entpolitisierung der Betroffenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu analysieren, ob Hannah Arendts Definitionen von Arbeit und Öffentlichkeit in einer Zeit des massiven Stellenabbaus und veränderter Lebensstile noch Gültigkeit besitzen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, bei der Hannah Arendts Hauptwerk "Vita activa oder Vom tätigen Leben" mit aktuellen gesellschaftlichen Phänomenen in Bezug gesetzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung von Arendts Begriffen, die Analyse der heutigen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit sowie eine Untersuchung des Wandels des Arbeitsbegriffs und der modernen Konsumgesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Hannah Arendt, Arbeit, Öffentlichkeit, soziale Isolation, Arbeitslosigkeit und die Transformation zur Konsumgesellschaft.
Wie unterscheidet sich Arendts antiker Arbeitsbegriff vom heutigen Verständnis?
In der Antike wurde Arbeit als minderwertige, notwendige Tätigkeit betrachtet, die nicht öffentlich war. Heute hingegen wird Arbeit über Produktivität definiert und ist als zentraler gesellschaftlicher Integrationsfaktor stark aufgewertet worden.
Welchen Zusammenhang sieht die Autorin zwischen Arbeitslosigkeit und Politik?
Die Autorin argumentiert, dass der Verlust von Arbeit oft mit einem Verlust an öffentlicher Sichtbarkeit einhergeht, was die Betroffenen in die soziale Isolation drängt und sie entpolitisiert, da sie nicht mehr am öffentlichen Handeln teilnehmen können.
Was ist laut der Arbeit die größte Gefahr der aktuellen Entwicklung?
Die größte Gefahr besteht darin, dass eine wachsende Zahl an Menschen durch Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung den "Nährboden der Veränderung" verliert und somit die politische Kultur durch eine zunehmende Entpolitisierung der Gesellschaft stirbt.
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- Katarina Hoberg (Author), 2007, Zur Beziehung zwischen dem Arendtschen Arbeitsbegriff und ihrem Verständnis von Öffentlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113170