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Die doppelte Benachteiligung von Migrantenkindern

Wie defizitäre Schulleistungen und Disparitäten im Bildungssystem eine erfolgreiche Zukunft verbauen

Title: Die doppelte Benachteiligung von Migrantenkindern

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Marcus Sommer (Author)

Didactics for the subject German - Pedagogy, Linguistics
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Bundeskanzlerin Angela Merkel macht sich Sorgen. Über das deutsche Bildungssystem und insbesondere um die Migrantenkinder, welche genau dieses Schulsystem so miserabel fördert. Die Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg sei in Deutschland zu hoch, bemängelte sie bei einer Konferenz zu Integration und Bildung im Herbst 2007. Sie fordert ein, dass alle Kinder die gleichen Chancen haben müssten. Merkel warnt: „Wir können auf kein einziges Talent verzichten!“ (Focus 2007).
Derzeit wird allerdings genau das getan.
Auf etliche Talente wird verzichtet, wenn laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung bundesweit im Schnitt 19,4 % der ausländischen Jugendlichen die Schule abbrechen und keinen Schulabschluss erreichen. Am deutlichsten sind die Alarmzeichen in den deutschen Großstädten: In Berlin scheiterten 2002 laut GEW-Berechnungen 32% an ihrem Hauptschulabschluss (Weil 2002, S. 15).
Seit der ersten PISA-Studie (Programme for International Student Assessement) wissen wir, dass im deutschen Bildungssystem einige Schieflagen existieren. Denn auf etliche „Talente“ wird auch verzichtet, wenn der aktuellen Schulleistungsstudie der OECD zufolge „knapp die Hälfte der Ausländerkinder […] nicht einmal in Mathematik die Basis-Aufgaben“ schaffen und „fünfzig Prozent der Zugewanderten […] im Lesen die elementare Kompetenzstufe 1 nicht erreichten“ (Kippel 2006, S. 32).
Die Sprach- und Lesekompetenz sind für das Bildungsschicksal der zentrale „Knackpunkt“ (Brizic 2008, S. 5). Und die Ergebnisse, die die Internationale Grundschul-Leseuntersuchung (IGLU ) diesbezüglich vermeldet, sind dramatisch. Demnach hätten Schüler mit Migrationshintergrund gegenüber Schülern ohne Migrationshintergrund einen Leistungsrückstand auf der Leseskala von 48 Punkten (Schwippert 2007, S.266) – statistisch betrachtet, bedeutet dies einen Unterschied von einer halben Standardabweichung; für die Jugendlichen geht damit ein erheblicher Verlust an Lebensqualität und gesellschaftlicher wie ökonomischer Teilhabe verloren. Die empirischen Untersuchungen sind brisant. Immer häufiger stellt sich derzeit die Frage, wie gut Migrantenkinder in der deutschen Schule integriert sind? Inwieweit unterscheiden sich die Schulleistungen (insbesondere die Lese- und sprachlichen Leistungen) von Schülern mit Migrationshintergrund von einheimischen deutschen Schülern? Und, gibt es demzufolge eine Chancenungerechtigkeit zwischen beiden Gruppen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung: Deutsche, Ausländer, Migrationshintergrund

2.1 Operationalisierung der Begrifflichkeiten

2.2 Migrantenkinder im deutschen Bildungssystem

3 Empirische Ergebnisse zur Sprach- und Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund am Beispiel von IGLU 2006 und PISA 2006

3.1 Methodischer und inhaltlicher Exkurs

3.2 Lesekompetenzen von Schülern mit Migrationshintergrund im Vergleich

3.2.1 Ergebnisse bei PISA 2006

3.2.2 Ergebnisse bei IGLU 2006

3.3 Die Folgen der defizitären Sprachbeherrschung: Ergebnisse für andere Teilbereiche

4 Migranten auf dem Abstellgleis: Eine (kurze) Analyse der Bildungschancen von Migrantenkindern

4.1 Verteilung von Schülern im deutschen Schulsystem

4.2 Unterschiedliche Bildungsabschlüsse

4.3 Chancenungerechtigkeit nach der Grundschule

5 Ursachen für die großen Leistungsunterschiede zwischen Migrantenkindern und Deutschen

5.1 Erklärungsansätze auf der individuellen Ebene

5.2 Erklärungsansätze auf der institutionellen Ebene

6 Synthese

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund in Deutschland. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse von Lese- und Deutschkompetenzen sowie deren Auswirkungen auf den schulischen Erfolg, die Integration und die spätere Berufsperspektive im Vergleich zu Schülern ohne Migrationshintergrund.

  • Empirische Analyse der Lese- und Sprachleistungen anhand von PISA- und IGLU-Studien
  • Untersuchung der Chancenungerechtigkeit und Verteilung im deutschen Schulsystem
  • Kritische Reflexion individueller und institutioneller Erklärungsansätze für Leistungsdisparitäten
  • Analyse der Folgen mangelnder Sprachbeherrschung für den gesamten Schulerfolg
  • Diskussion bildungspolitischer Notwendigkeiten zur Förderung von Migrantenkindern

Auszug aus dem Buch

Die Folgen der defizitären Sprachbeherrschung: Ergebnisse für andere Teilbereiche

Wie bereits angedeutet wurde, haben die defizitären Sprachkenntnisse Folgen weit über den Deutsch-Unterricht hinaus. Die PISA-Ergebnisse lassen die Schlussfolgerung zu, dass sich die sprachlichen Defizite „kumulativ in [anderen] Schulfächern auswirken, so dass Personen mit unzureichendem Leseverständnis in ihrem Kompetenzerwerb beeinträchtig sind“ (Prenzel 2007, S. 38). Denn auch andere Unterrichtsfächer verlangen für die Bearbeitung der Aufgaben einen nicht zu unterschätzenden Grad an Lesekompetenz.

So sind in Deutschland die mittleren Kompetenzunterschiede in allen Domänen zulasten der Jugendlichen mit Migrationshintergrund besonders hoch und betragen für manche Migrationsgruppen bei PISA 2006 etwa 100 Punkte (vgl. Walter/Taskinen 2007, S. 338). Erschreckend ist insbesondere die Tatsache, dass „die durchschnittlichen Kompetenzen der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die selbst im Einwanderungsland geboren wurden, sogar noch unter den durchschnittlichen Kompetenzen von Jugendlichen liegen, die zusammen mit ihren Eltern nach Deutschland eingewandert sind“ (ebd.) liegt. Die Probleme werden über mehrere Generationen hinweg also nicht per se kleiner, sonder sogar größer.

PISA 2006 zeigt, dass Unterschiede bei der naturwissenschaftlichen Kompetenz enorm sind. Mit durchschnittlich 73 Punkten ist Deutschland zudem das Land, mit den größten Kompetenzunterschieden zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund. (vgl. ebd., S. 358).

Jugendliche ohne Migrationshintergrund erreichen bei der naturwissenschaftlichen Kompetenz 553. Jugendliche der ersten Generation erhalten 79 Punkte weniger und Jugendliche der zweiten Generation sogar 95 Punkte weniger (vgl. Walter/Taskinen 2007, S. 359). An mangeldem Interesse der Schüler kann diese enorme Differenz jedenfalls nicht erklärt werden. Denn hier zeigt sich den Untersuchungen nach, dass in Deutschland „keine statistisch bedeutsamen Unterschiede im durchschnittlichen Interesse“ für Naturwissenschaften bestehen (ebd., S. 361).

Für die mathematischen Kompetenzen sind die Ergebnisse für PISA 2006 ähnlich (Walter/Taskinen 2007, S. 358). Schüler mit Migrationshintergrund hängen ihren Altersgenossen deutlich hinterher!

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Problematik der Bildungsbenachteiligung von Migrantenkindern in Deutschland dar und definiert das Ziel, die sprachlichen Leistungen sowie deren Folgen für den Bildungserfolg zu analysieren.

2 Begriffsklärung: Deutsche, Ausländer, Migrationshintergrund: Dieses Kapitel operationalisiert die verwendeten Begriffe und erläutert die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung von Migrantenkindern über die bloße Staatsangehörigkeit hinaus.

3 Empirische Ergebnisse zur Sprach- und Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund am Beispiel von IGLU 2006 und PISA 2006: Hier werden die Ergebnisse großer Schulleistungsstudien herangezogen, um den Leistungsrückstand von Schülern mit Migrationshintergrund bei der Lese- und Sprachkompetenz aufzuzeigen.

4 Migranten auf dem Abstellgleis: Eine (kurze) Analyse der Bildungschancen von Migrantenkindern: Das Kapitel untersucht die ungleiche Verteilung auf Schulformen und die daraus resultierenden Unterschiede bei Bildungsabschlüssen und Übergangsentscheidungen nach der Grundschule.

5 Ursachen für die großen Leistungsunterschiede zwischen Migrantenkindern und Deutschen: Dieser Abschnitt analysiert das multikausale Gefüge der Leistungsunterschiede, indem er Erklärungsansätze auf individueller sowie institutioneller Ebene gegenüberstellt.

6 Synthese: Die Synthese fasst die ernüchternden Ergebnisse zusammen, betont die Dringlichkeit bildungspolitischer Maßnahmen und fordert zur aktiven Hinterfragung und Veränderung bestehender Strukturen auf.

Schlüsselwörter

Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, Sprachkompetenz, Lesekompetenz, PISA-Studie, IGLU-Studie, Bildungschancen, Schulsystem, Leistungsunterschiede, institutionelle Diskriminierung, Bildungsabschluss, Integration, Schulerfolg, Chancengerechtigkeit, Sprachförderung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem, insbesondere in Bezug auf ihre sprachlichen Leistungen und den daraus folgenden eingeschränkten Bildungschancen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Lese- und Sprachkompetenz, die Verteilung von Schülern auf verschiedene Schultypen, der Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg sowie die Ursachenforschung für bestehende Leistungsunterschiede.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, den Einfluss des Migrationshintergrunds auf schulische Leistungen, den Schulerfolg und die gesellschaftliche Integration zu skizzieren und Disparitäten aufzudecken.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung und vergleichende Analyse empirischer Daten aus renommierten Schulleistungsstudien wie PISA und IGLU sowie auf den Rückgriff auf bildungssoziologische Fachliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die empirischen Befunde zu Sprach- und Lesekompetenzen, analysiert die realen Bildungschancen und Bildungswege von Migrantenkindern und reflektiert theoretische Erklärungsansätze für die beobachteten Disparitäten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, Schulleistungsstudien, Chancenungerechtigkeit und institutionelle Diskriminierung charakterisiert.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Typen von Migrantenkindern?

Die Arbeit unterscheidet zwischen Migrantenkindern erster Ordnung (in einem anderen Land geboren) und zweiter Ordnung (in Deutschland geboren, aber mit Eltern, die nach Deutschland immigrierten), um eine präzisere Analyse zu ermöglichen.

Welche Rolle spielt die Sprache im Schulerfolg laut der Analyse?

Die Sprachbeherrschung wird als zentraler "Knackpunkt" für den Bildungserfolg identifiziert, da sprachliche Defizite kumulativ in fast alle anderen Schulfächer hineinwirken und den Kompetenzerwerb generell beeinträchtigen.

Was sagt die Arbeit über die Erklärungsansätze auf der individuellen Ebene aus?

Empirische Studien legen laut der Arbeit nahe, dass Erklärungsansätze, die Disparitäten primär auf kulturelle Defizite oder mangelnde Bildungsaspiration der Eltern zurückführen, wenig erhellend sind und oft widerlegt werden können.

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Details

Title
Die doppelte Benachteiligung von Migrantenkindern
Subtitle
Wie defizitäre Schulleistungen und Disparitäten im Bildungssystem eine erfolgreiche Zukunft verbauen
College
Free University of Berlin  (Erziehungswissenschaft und Psychologie/ Arbeitsbereich Grundschulpädagogik)
Course
Didaktische Konzepte für das Fach Deutsch/ Deutsch als Zweitsprache
Grade
1,3
Author
Marcus Sommer (Author)
Publication Year
2008
Pages
22
Catalog Number
V113176
ISBN (eBook)
9783640135530
ISBN (Book)
9783656025399
Language
German
Tags
Benachteiligung Migrantenkindern Didaktische Konzepte Fach Deutsch/ Deutsch Zweitsprache
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcus Sommer (Author), 2008, Die doppelte Benachteiligung von Migrantenkindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113176
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