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Die Rolle des Klassenlehrers an der Waldorfschule

Title: Die Rolle des Klassenlehrers an der Waldorfschule

Seminar Paper , 2007 , 16 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Maik Bubenzer (Author)

Pedagogy - The Teacher, Educational Leadership
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In einer Zeit der hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland wird die Frage nach Bildung und Schule immer lauter. „Bildung ist der Schlüssel zu Wohlstand und sozialer Anerkennung“, stellte kürzlich Bundespräsident Horst Köhler bei seiner Eröffnungsrede des Weltkongresses der Bildungsinternationalen in Berlin fest. Im Bericht „Bildung in Deutschland“ werden vier Parameter des Bildungsbegriffs genannt. Die „Leistungsfähigkeit, die individuelle Entfaltung, die ökonomische Wettbewerbsfähigkeit und der soziale Zusammenhang eines Landes“ sind die wesentlichen Ziele der Bildung. Wie soll eine Schule am Anfang des 21. Jahrhunderts aussehen? Ist das viergliedrige Schulsystem noch sinnvoll? Es gibt zahlreiche Reformansätze in verschiedenen Bundesländern.
Ein Entwurf der nordrhein-westfälischen SPD sieht folgendes u.a. vor: „Die Gemeinschaftsschule nimmt die Kinder nach der Grundschule auf und ist bis zur Klasse 10 für deren Bildungserfolg verantwortlich. […] In den Klassen 5 und 6 findet für alle Kinder ein gemeinsamer Unterricht statt. Ab Klasse 7 kann nach gemeinsamer Entscheidung der Schule, der Schulträger und der Eltern beispielsweise ein vollständig integrierter Unterricht angeboten werden oder eine Differenzierung in Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialklassen erfolgen.“
Demgegenüber steht z.B. die Schüler Union NRW, die unter dem Motto „Nicht jedem das Gleiche, sondern jedem das Seine!“ sich mit der Aktionsseite www.rettet-unsere-schulen.de für den Erhalt und die Festigung des mehrgliedrigen Schulsystems ausspricht. Die CDU NRW startete kürzlich ihre größte Kampagne seit der Bundestagswahl 2005 mit dem Titel „Die SPD-Einheitsschule führt ins Chaos – Keine Experimente mit unseren Kindern“. Privatschulen erfreuen sich hingegen immer größerer Beliebtheit. Seit 1992 hat sich die Zahl der Privatschulen verdoppelt. 873.000 Schüler werden dort unerrichtet, das entspricht 5,7 Prozent der Gesamtschülerzahl. Ein Reformmodell, welches seit fast 90 Jahren bestand hat, ist die Waldorfschule. Die erste Schule dieser Art wurde nach Vorträgen von Rudolf Steiner vor Arbeitern der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik in Stuttgart im Jahre 1919 gegründet. Mit der Gründung einer Schule in Erfurt im Jahr 2006 wurde „die 200er-Grenze überschritten und auch im Jahr 2007 setzte sich der Trend mit der Gründung von fünf neuen Schulen fort“. In Deutschland wurden zu Beginn des letzten Schuljahres 2006/2007 „rund 808.700 Kinder eingeschult“, davon 0,8 Prozent in Freien Waldorfschulen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkungen

2. Struktur und Pädagogik der Waldorfschule

2.1. Das Beispiel der Freien Waldorfschule Oberberg

2.1.1. Organisation der Schule

2.1.2. Pädagogische Leitlinien

2.2. Was macht die Waldorfschule aus?

3. Die besondere Funktion des Klassenlehrers

3.1. Der Klassenlehrer an der Waldorfschule

3.2. Epochenunterricht

3.3. Zusammenarbeit im Kollegium und mit den Eltern

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Klassenlehrers an der Waldorfschule unter Berücksichtigung struktureller und pädagogischer Aspekte. Im Zentrum steht dabei die Hinterfragung des Klassenlehrerprinzips im Kontext der Waldorfpädagogik sowie dessen praktische Anwendung und Herausforderungen im Schulalltag.

  • Strukturelle Organisation und pädagogische Leitlinien der Waldorfschule am Beispiel der Freien Waldorfschule Oberberg.
  • Die Funktion und Aufgaben des Klassenlehrers in der Waldorfpädagogik.
  • Der Epochenunterricht als wesentliches Unterrichtselement.
  • Die Zusammenarbeit im Kollegium sowie die Einbindung der Eltern.
  • Kritische Reflexion der anthroposophischen Grundlagen und der Machtverhältnisse innerhalb der Waldorf-Selbstverwaltung.

Auszug aus dem Buch

3.3. Zusammenarbeit im Kollegium und mit den Eltern

Acht Jahre sind eine lange Zeit. „Es wird immer schwerer die Klassenlehrerzeit wirklich bis zur 8. Klasse zu Ende zu führen“27, meint z.B. auch Bruno Sandkühler, ehemaliger Waldorflehrer. „Ein tiefes und inniges Zusammenwachsen der Kinderschar mit ihrem Klassenlehrer“28 trete in der Praxis auf, postuliert Ernst Weissert. Der Ausspruch belegt eines in vielen Abhandlungen verbreitetes Phänomen. Schwierigkeiten werden von Beginn an ausgeschlossen. Das Motto „In der Waldorfschule kann es das nicht geben“ begegnet man in vielen Publikationen. Zum Teil wirken einzelne Kommentare nicht nur naiv, sondern beinhalten auch einen Grad von Verdrängung und Verleugnung. So ist auch in unserem nächsten Beispiel.

Wenn ein Kind mit seinem Lehrer nicht zurechtkommt, was passieren kann und wird, ist eine Problemlösung nicht immer einfach. Helmut Eller schlägt vor, dass zunächst ein klärendes Gespräch mit den Eltern erfolgen soll. Die sogenannte Positivitätsübung ist dann der zweite Schritt. Lehrer und Schüler sollen an dem Anderen das Positive wahrnehmen und das Negative hinten anstellen. Der ehemalige Waldorflehrer erwähnt an keiner Stelle institutionelle Konsequenzen.

Das mag auch mit der schwierigen Frage der Machtverteilung innerhalb einer Waldorfschule zu tun haben. Rüdiger Iwan, ehemaliger Waldorflehrer, hat in seinem kürzlich erschienenen Werk „Die neue Waldorfschule“ die Praxis der Konferenzen in Frage gestellt. Die Selbstverwaltung der Schule ohne Hierarchie und Direktor, die wie in Kapitel 2.1.1. beschrieben einen strukturellen Vorteil ausmachen soll, ist nach Iwan ein „kultivierter Dilettantismus“29. Die Machtfrage in der Waldorfschule sei ungeklärt, denn „informell bilden sich Hierarchien, Machtstrukturen“30. Diese Einschätzung hat auch Auswirkungen auf die Klassenlehrer-Funktion. Wenn sich bei Problemen von Klassenlehrern mit Schülern und Eltern kein Gremium gibt, welches die Konfliktlösung effektiv und fair vorantreiben kann, ist das ein klarer Standortnachteil gegenüber Schulen, wo die Schulleitung das letzte Wort hat.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorbemerkungen: Einführung in die aktuelle bildungspolitische Debatte in Deutschland und Vorstellung des Modells der Waldorfschule.

2. Struktur und Pädagogik der Waldorfschule: Darstellung der organisatorischen Grundlagen und pädagogischen Leitlinien anhand der Freien Waldorfschule Oberberg.

3. Die besondere Funktion des Klassenlehrers: Untersuchung der spezifischen Aufgaben des Klassenlehrers, der Unterrichtsform des Epochenunterrichts sowie der kooperativen Strukturen.

4. Fazit: Zusammenfassende kritische Reflexion über die Rolle des Klassenlehrers und die Zukunftsfähigkeit der Waldorfpädagogik im aktuellen Bildungssystem.

Schlüsselwörter

Waldorfschule, Klassenlehrerprinzip, Waldorfpädagogik, Rudolf Steiner, Epochenunterricht, Anthroposophie, Freie Waldorfschule Oberberg, Schulentwicklung, Reformpädagogik, Lehrerrolle, Elternarbeit, Bildungsdebatte, Schulorganisation, Selbstverwaltung, Lehrerkonferenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit befasst sich mit der spezifischen Rolle und den Aufgaben des Klassenlehrers im Kontext der Waldorfpädagogik.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die strukturellen Rahmenbedingungen von Waldorfschulen, das Klassenlehrerprinzip, den Epochenunterricht sowie die Kooperation innerhalb des Kollegiums und mit der Elternschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die pädagogische und strukturelle Funktion des Klassenlehrers kritisch zu beleuchten und vor dem Hintergrund aktueller bildungspolitischer Diskussionen zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Fallbetrachtung der Freien Waldorfschule Oberberg, um theoretische Konzepte mit der Schulpraxis abzugleichen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das Beispiel der Waldorfschule Oberberg, definiert die Rolle des Klassenlehrers, beschreibt den Epochenunterricht und reflektiert die Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Eltern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Klassenlehrerprinzip, Epochenunterricht, Waldorfpädagogik, Anthroposophie und Reformpädagogik.

Wie ist das Verhältnis zwischen Förderverein und Trägerverein an der Waldorfschule Oberberg organisiert?

Der Förderverein fungiert als Eigentümer der Liegenschaften, während der Trägerverein den Schulbetrieb verantwortet und beide Gremien eng in der Selbstverwaltung kooperieren.

Welche Kritik äußert die Arbeit am Epochenunterricht?

Kritisiert wird insbesondere die mögliche Überforderung der Lehrkraft durch die Fächervielfalt sowie die zum Teil starren Vorgaben, die einen freien Lernprozess einschränken könnten.

Warum wird die Machtverteilung an der Waldorfschule problematisiert?

Die Abwesenheit einer klassischen Schulleitung führt laut dem Autor und zitierten Kritikern dazu, dass Machtstrukturen informell entstehen und bei Konflikten effektive Lösungsinstanzen fehlen können.

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Details

Title
Die Rolle des Klassenlehrers an der Waldorfschule
College
University of Cologne  (Institut für Vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften)
Course
Reformpädagogik
Grade
2,0
Author
Maik Bubenzer (Author)
Publication Year
2007
Pages
16
Catalog Number
V113188
ISBN (eBook)
9783640135677
ISBN (Book)
9783640135882
Language
German
Tags
Rolle Klassenlehrers Waldorfschule Reformpädagogik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Maik Bubenzer (Author), 2007, Die Rolle des Klassenlehrers an der Waldorfschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113188
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