Lehrerbild und Lehrerbildung - Kritik und Perspektiven


Seminararbeit, 2005
20 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Lehrerbild
1.1 Der derzeitige Zustand
1.2. Kritik am derzeitigen Lehrerbild

2. Lehrerbildung
2.1. Die derzeitige Lehrerbildung
2.2. Die Entwicklung der Ausbildung in den letzten Jahrzehnten
2.3. Kritik an der Lehrerbildung
2.4. Vergleich mit der Lehrerbildung in den U.S.A

3. Reformvorschläge und deren Konsequenzen für die Lehrerbildung

4. Fazit

Literatur

0. Einleitung

In dieser Arbeit geht es um einen Vergleich zwischen dem Lehrerbild und der Lehrerausbildung in Deutschland und um die Probleme, die es sowohl beim Lehrerbild als auch bei der Ausbildung gibt. Das Lehrerbild, das hier beschrieben wird, setzt sich aus den Erwartungen und Ansichten Außenstehender (z.B. Eltern) und dem Selbstbild der LehrerInnen zusammen.

Zuerst wird auf den derzeitigen Zustand der Erwartungshaltung an den Lehrer eingegangen. Der Teil, der sich mit dem Lehrerbild befasst wird dann mit einer Kritik am derzeitig herrschenden Lehrerbild abgeschlossen.

Der zweite Teil dieser Arbeit handelt von der Ausbildung zur Lehrkraft. Erst wird hier wieder die derzeitige Lehrerausbildung dargestellt und danach wird ein Blick auf die Entwicklung der Lehrerausbildung in den letzten Jahrzehnten geworfen. Im Anschluss folgt dann wieder eine Kritik am derzeitigen Ausbildungssystem und am Ende dieses Punktes wird die Lehrerausbildung in Deutschland mit der Lehrerausbildung (und auch der Lehrerberuf allgemein) in den U.S.A. verglichen. Hierbei beziehe ich mich in erster Linie auf eigene Erfahrungen, da ich vor einiger Zeit für 2 Semester in den U.S.A. einen Teil der dort herrschenden Lehrerausbildung genießen durfte.

Nachdem sich die Arbeit nun mit der Lehrerausbildung und deren Entwicklungen beschäftigt hat, beschäftigt sich das nächste Kapitel mit Reformen der Lehrerausbildung (wie sie derzeitig in der einschlägigen Literatur diskutiert werden) und mit den möglichen Konsequenzen, die auftreten könnten, falls diese Reformen wirklich in Kraft treten sollten. Schließlich wird diese Arbeit durch ein Fazit des Autors abgeschlossen.

1. Lehrerbild

Das Lehrerbild, das heute in unserer Gesellschaft herrscht, ist sehr unterschiedlich, komplex und variabel. Während einige den Lehrer immer noch so sehen, wie er vor Jahrzehnten gesehen wurde (als reinen Wissens-Vermittler), fordern andere von den Lehrkräften, sich auch mit den neuesten Entwicklungen unserer Gesellschaft (z.B. höhere Individualität der Jugendlichen) auseinander zu setzen. Allgemein lässt sich hier noch anmerken, dass der Beruf des Lehrers/der Lehrerin ständig im Fokus der Öffentlichkeit zu sein scheint, und dass scheinbar jeder eine Meinung bezüglich der Aufgaben von Lehrkräften hat. Im Folgenden wird nun genauer auf das Bild des Lehrers eingegangen.

1.1 Der derzeitige Zustand

Wenn es um die heutigen Anforderungen eines Lehrers/einer Lehrerin geht, wird allgemein die gezielte Planung, Organisation, Gestaltung und Reflexion von Lehr-Lern-Prozessen genannt.[1] Karl-Oswald Bauer beschreibt das folgendermaßen:

Pädagogen sind auf Handlungen spezialisiert, durch die Situationen entstehen, in denen Menschen – eben ihre Klienten – durch persönliche Lernprozesse bedeutsame Kompetenzen hinzuerwerben, ihre Handlungsfähigkeit und Autonomie gewinnen, wiedergewinnen oder erweitern. Von Pädagogen geschaffene Lernumgebungen entstehen meist in institutionellen Kontexten, sie sind organisiert. Pädagogen sind also Spezialisten für das Schaffen von Lerngelegenheiten, allerdings nicht beliebiger Lerngelegenheiten, sondern solcher institutionell gestützter Lernmöglichkeiten, die geeignet sind, subjektive und kulturelle Ziele und Werte zu vermitteln[2].

Unterrichten erfordert sowohl fachliche als auch fachwissenschaftliche Kompetenz. Dazu kommen noch fachdidaktische und pädagogisch-psychologische Kompetenzen, um das Anforderungsprofil abzurunden. In unserer Gesellschaft wird unter „Erziehen“ verstanden, dass LehrerInnen intentional Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung der Lernenden nehmen und gezielt mit Sozialisationseinflüssen umgehen können. Weitere Kompetenzen, die von Lehrkräften erwartet werden, sind Moderation, Teamentwicklung, Projektarbeit, Zeitmanagement und Leitbildentwicklung. Das die Lehrkraft für die Schüler einen immensen Vorbild-Charakter hat ist hier wohl selbstverständlich. Weiter wird erwartet, dass Lehrkräfte ihre Arbeit ständig reflektieren, um sie so zu optimieren. Ein hochkompetenter Lehrer vermag es, dass in der Lerngruppe ein gutes Arbeitsklima herrscht, er erzeugt hohe Lernbereitschaft und minimiert Unterrichtsstörungen[3].

Was, nach Ansicht vieler Experten und vieler Lehrkräfte, außerdem eine wichtige Rolle für eine erfolgreiche Berufsausübung spielt ist die Lehrerpersönlichkeit. Unter „Lehrerpersönlichkeit“ wird dabei verstanden: ein Ensemble von Eigenschaften, die erstens zentral für eine erfolgreiche Berufsausübung sind, sich zweitens nicht trennscharf umreißen lassen und drittens den Charakter des „Nichterlernbaren“ tragen.[4] Im Bezug auf die Lehrerpersönlichkeit gibt es allerdings sehr unterschiedliche Meinungen. Es gibt Stimmen, die dafür plädieren, dass Menschen zum Lehrer geboren (oder eben auch nicht geboren) werden, wohingegen es auch Meinungen gibt, die sagen, dass eine Lehrerpersönlichkeit durch gute Ausbildung entwickelt werden kann.

Ein weiteres Merkmal, dass heute dem Lehrer oft zugeschrieben wird, ist seine proaktive Einstellung. Damit ist gemeint, dass er nicht nur seine täglichen Aufgaben erfüllt sondern darüber hinaus die Verantwortung und Initiative ergreift, um Lebens- und Arbeitsumstände für sich selbst und andere Menschen zu verbessern. Ein Beispiel hierfür wäre, wenn eine Lehrkraft außerhalb der Arbeitszeit einem schwachen Schüler Nachhilfe gibt, oder wenn er versucht, familiäre Probleme eines Schülers zu lösen. Die eigene berufliche Weiterbildung der Lehrkraft sei ein anderes Beispiel, denn die momentane Schulstruktur sieht nicht vor, dass Lehrer für Weiterbildungsmaßnahmen entlohnt werden. Man kann sagen, dass das Bild der Lehrkräfte heutzutage sehr viele problematische Facetten hat, da von den Lehrern nicht mehr nur erwartet wird, die Schüler zu unterrichten und auf den Beruf vorzubereiten, sondern zusätzlich, soziale Probleme verschiedenster Art zu lösen und somit erzieherische Aufgaben zu übernehmen, die früher den Eltern der Schüler zukamen (welche diese nun aber nicht mehr erfüllen können oder wollen).

1.2 Kritik am derzeitigen Lehrerbild

Problematisch am derzeitigen Lehrerbild ist ganz sicher, dass die Einstellungen und Werthaltungen (die auch im Punkt 1.1 genannt wurden) nicht spezifisch sind und somit für eine Vielzahl von Berufen zutreffen. Daraus erwächst unter anderen das Problem, dass sich fast jeder (Eltern, usw.) für qualifiziert erachtet, den Lehrer in seiner Arbeit zu kritisieren und dass eine Vielzahl an Menschen denkt, dass auch sie (ohne jegliche Ausbildung) den Lehrerjob ausführen könnten, da sie ja als Eltern gewissermaßen auch Experten in der Erziehung sind. Eine Lösung dieses ersten Problems wäre die Herausbildung pädagogischer Professionalität. Dadurch würden Lehrkräfte dann endlich als das wahrgenommen, was sie sind – als professionelle Experten in der Erziehung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen. Zur Herausbildung dieser pädagogischen Professionalität bedarf es aber einer Vielzahl von Reformen und Änderungen – sowohl in der Ausbildung von Lehrern als auch in der Weiterbildung und in der Interaktion im Kollegium. Auf Reformen, die eine Professionalisierung von Lehrkräften ermöglichen, wird zu einem späteren Zeitpunkt näher eingegangen.

Ein weiteres Problem, dass beim derzeitig herrschenden Lehrerbild auftritt ist, dass Lehrer auf einmal Aufgaben übernehmen sollen und müssen, die vor Jahrzehnten noch den Eltern zukamen. So erwarten Eltern heutzutage vielfach, dass sie ihre Kinder einfach in der Schule abgeben können, und damit jeglichen Erziehungsauftrag durchgeführt haben ohne selbst noch erzieherisch tätig zu werden. Das ist auch ein Grund dafür, dass das Lehrerbild heute zwischen dem „Bereitsteller von Lerngelegenheiten“ und dem „ganzheitlichen sozialpädagogischen Erzieher“ schwankt. Die Generation der Schüler hat in den letzten Jahrzehnten einen dramatischen Wandel durchgemacht. Erhöhte Individualisierung und Isolation unter den Jugendlichen, erhöhte Kriminalität und erhöhter Drogenkonsum und medien-bedingte Phänomene (z.B. Gewaltverherrlichende Computerspiele) seien hier nur einige Probleme, mit denen sich Lehrer heutzutage zusätzlich zum eigentlichen Bildungsauftrag auseinandersetzen müssen. Die Lehrerschaft heutzutage hat also täglich damit zu kämpfen, dass Außenstehende entweder ihren Beruf „herunterstufen“, in dem angenommen wird, dass ja jeder ein Lehrer sein könnte, oder dass von ihnen erwartet wird, ein kaum zu überschauendes Ausmaß an Aufgaben zu erfüllen, für die sie teilweise nicht einmal ausgebildet sind. Früher standen den Lehrkräften bei ihrer Arbeit die Eltern der Schüler unterstützend zur Seite – wohingegen gerade die Eltern heutzutage diejenigen sind, vor denen sich Lehrer (z.B. wegen schlechter Noten für das Kind) rechtfertigen müssen. So sind aus der Kooperation zwischen Eltern und Lehrkräften eher zwei Fronten entstanden, die sich nun gegenüber stehen. Man kann also sagen, dass das Bild, mit dem Lehrkräfte heutzutage leben müssen, zwischen den beiden Extremen des „großen sozialen Problemlösers“ und des „Versagers“ schwankt[5]. Addiert man all diese Probleme ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen, dass das heutige Lehrerbild sehr viel Konfliktpotenzial birgt, und dass die Lehrkräfte momentan oft nicht wissen, wo ihr Beschäftigungsgebiet endet. Im Bezug auf die Persönlichkeit der Lehrkräfte ist ein weiteres Problem, dass sie ihre Rollen oft nicht zu unterscheiden wissen. So schaffen es viele nicht, ganz klar zwischen ihrer Rolle als Lehrkraft und ihrer Rolle als Privatperson zu differenzieren, was zwangsläufig dazu führt, dass ihre ganze Person vom Lehrerberuf aufgesogen wird – und das führt nicht selten zum frühzeitigen Burn-Out. Ein wichtiger Schritt, die Probleme im momentanen Lehrerbild zu entschärfen, liegt in der Optimierung der Lehrerausbildung, auf die in Punkt 3 noch genauer eingegangen wird.

[...]


[1] Vgl. Bauer, Karl-Oswald: Kompetenzprofil: LehrerIn, erschienen in „Erziehungswissenschaft: Professionalität und Kompetenz“, 2002, Seite 50

[2] Bauer: „Pädagoge – Profession oder Nebenbeschäftigung?“, 2000, Seite 29

[3] Vgl. Bauer, Karl-Oswald: Kompetenzprofil: LehrerIn, erschienen in „Erziehungswissenschaft: Professionalität und Kompetenz“, 2002, Seite 53

[4] Vgl. Bauer, Karl-Oswald: Kompetenzprofil: LehrerIn, erschienen in „Erziehungswissenschaft: Professionalität und Kompetenz“, 2002, Seite 54

[5] vgl. Terhart, Ewald: „Lehrerbild und Lehrerbildung: Ansprüche und Möglichkeiten“, Seite 176

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Lehrerbild und Lehrerbildung - Kritik und Perspektiven
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Lehrerbild und Lehrerbildung
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V113194
ISBN (eBook)
9783640135707
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lehrerbild, Lehrerbildung, Kritik, Perspektiven
Arbeit zitieren
Florian Schumacher (Autor), 2005, Lehrerbild und Lehrerbildung - Kritik und Perspektiven, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113194

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