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Umbruchphasen im Russland der Frühen Neuzeit als Ausgangspunkt einer Machtanalyse nach Foucault

Title: Umbruchphasen im Russland der Frühen Neuzeit als Ausgangspunkt einer Machtanalyse nach Foucault

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 30 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Tobias Nolteklocke (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Herrschaft bzw. Machtausübung wird nicht allein von „oben nach unten“ ausgeübt, vielmehr bestehen in der Mentalität der Herrscher und Beherrschten „Andockpunkte“, die zu einem Austausch führen. Neben rationalen Elementen (z.B. materielle Anreize) können auch
irrationale Elemente wie Religion, Traditionen solche Andockpunkte darstellen. Mithilfe dieser Andockpunkte kommt es bei der Machtausübung gleichzeitig zu Verhandlungen über dieselbe
zwischen den Akteuren. Es bildet sich eine spezifische Form des Herrschens heraus, welche mit dem Begriff der Gouvernementalität umschrieben werden kann. Der Begriff der Gouvernementalität deutet darauf hin, dass Herrschaftsausübung auch über Interessensgegensätze hinweg auf kollektive Mentalitäten aufgelagert ist. Dabei kommt es zur Akzeptanz von Herrschaft, die als vernünftig, notwendig oder als unvermeidlich angesehen
wird. Es ergibt sich einerseits also eine Herrschaft im Einverständnis mit den Beherrschten, die andererseits allerdings nicht unumschränkt gilt, sondern zwischen den beteiligten Akteuren
immer neu verhandelt wird. Diese Perspektive auf Machtverhältnisse, die auf die Arbeiten des Franzosen Michel Foucault zurückgeht, wird auf seine Anwendbarkeit für das Russland der frühen Neuzeit überprüft.
Hauptthese ist dabei, dass die Macht der russischen Zaren nicht unumschränkt war, sondern durch ein spezifisches Machtgefüge durch den Adel begrenzt wurde.
Untersuchungsgegenstand sind also die Machtverhältnisse zwischen den Zaren und dem Russischen Adel. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich vom 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.
Da der Hauptzweck dieser Arbeit die Darlegung eines theoretischen Ansatzes und die Prüfung seiner Anwendbarkeit auf das Verhältnis zwischen Zar und Adel ist, wird in dieser Arbeit im Hinblick auf die historischen Fakten von einem Referenztext ausgegangen. Ausgewählt wurde der Aufsatz „Der russische Adel von 1700 bis 1917“ von Manfred Hildermaier, der sich nach eigener Aussage nicht mit politischer Macht beschäftigt. Es wird sich jedoch zeigen lassen, dass mit dem Ansatz von Foucault aus diesem Text Aussagen über die Machtverhältnisse im Russland der frühen Neuzeit erarbeitet werden können. An geeigneter Stelle werden zudem
aktuellere Arbeiten herangezogen oder auf diese verwiesen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Definitionen und Begrifflichkeiten des Russischen Adels

3. Der Begriff der Gouvernementalität

3.1 Michel Foucault und die Entwicklung seines Ansatzes

3.2 Macht und Herrschaft

3.3 Machtanalyse

4. Machtanalyse im Russland der Frühen Neuzeit

4.1 Die Regentschaft von Ivan IV.

4.2 Die Regentschaft von Peter I.

4.3 Die Regentschaft von Katharina II.

5. Stärken und Schwächen des Ansatzes

5.1 Stärken

5.2 Schwächen

6. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Machtverhältnisse im Russland der Frühen Neuzeit (15. bis 18. Jahrhundert) unter Anwendung des machtanalytischen Konzepts der "Gouvernementalität" nach Michel Foucault. Ziel ist es zu belegen, dass die Macht der russischen Zaren keineswegs unumschränkt war, sondern in ein komplexes, stetig neu verhandeltes Geflecht aus wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen Zar und Adel eingebunden war.

  • Analyse der Interaktionen zwischen Zarentum und russischem Adel
  • Anwendung des Foucaultschen Konzepts der Gouvernementalität auf historische Umbruchphasen
  • Untersuchung von Machttechniken und Herrschaftszuständen unter den Zaren Ivan IV., Peter I. und Katharina II.
  • Kritische Reflexion der Anwendbarkeit machttheoretischer Ansätze auf historische Quellen
  • Diskussion von Regierungstechnologien wie Lehenssystemen und der Rangtabelle

Auszug aus dem Buch

4.1 Die Regentschaft von Ivan IV.

Mit der Krönung Ivans (1530-1584) zum Zar im Jahr 1547 beginnt die Darstellung. Während der Regentschaft des von der Nachwelt mit dem Beinamen „der Schreckliche“ versehenen Zaren kam es zu einschneidenden Veränderungen im Verhältnis zwischen Zar und Adel.

Legt man den im vorherigen Kapitel dargelegten Ansatz der Machtanalyse an und sucht nach Belegen im oben genannten Text von Hildermeier, so wird man zunächst für die Ebene der strategischen Beziehungen und der Herrschaftszustände allgemein in der folgenden Passage, in der Hildermeier auf die neuere Forschung zur Schreckensherrschaft von Ivan IV. Stellung nimmt, fündig:

„Vielmehr ist im Gegenteil gezeigt worden, dass der Hochadel den Aufstieg des Moskauer Großfürsten ganz entscheidend gefördert hat: Es waren die „freien“ Gefolgsleute der Teilfürsten, die der Attraktion des Stärkeren erlagen und in großer Zahl zum neuen Oberherren überliefen.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, die Machtverhältnisse zwischen Zaren und Adel anhand von Foucaults Konzept der Gouvernementalität neu zu bewerten.

2. Definitionen und Begrifflichkeiten des Russischen Adels: Hier werden die wesentlichen Begriffe für die russische Adelsstruktur und die soziale Differenzierung der Schichten innerhalb des Zarenreichs erläutert.

3. Der Begriff der Gouvernementalität: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Foucaultschen Ansatzes, insbesondere die Unterscheidung zwischen strategischen Beziehungen, Herrschaftszuständen und Regierungstechnologien.

4. Machtanalyse im Russland der Frühen Neuzeit: Im Hauptteil wird die historische Entwicklung der Machtverhältnisse unter Ivan IV., Peter I. und Katharina II. anhand der eingeführten machttheoretischen Konzepte analysiert.

5. Stärken und Schwächen des Ansatzes: Hier erfolgt eine methodische Reflexion über die Erklärungskraft sowie die praktischen Limitationen des gewählten machtanalytischen Ansatzes.

6. Fazit und Ausblick: Das Fazit bestätigt die Hauptthese, dass die Macht der Zaren strukturell begrenzt war, und schlägt eine weitergehende Forschung unter Einbeziehung der unteren sozialen Schichten vor.

Schlüsselwörter

Gouvernementalität, Michel Foucault, Machtanalyse, russischer Adel, Zarentum, Herrschaftszustände, Regierungstechnologien, Russland, Frühe Neuzeit, Rangtabelle, Ivan IV., Peter I., Katharina II., Machtbeziehungen, politische Geschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Machtstruktur im Russland der Frühen Neuzeit, speziell die Beziehung zwischen dem Zarentum und dem Adel.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Machtverhältnisse, die soziale Rolle des Adels, die Entwicklung der Regierungsform und die Interaktion mit der staatlichen Zentralgewalt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist der Nachweis, dass die Macht der russischen Zaren nicht absolut war, sondern in einem ständigen Aushandlungsprozess mit dem Adel stand.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt den machttheoretischen Ansatz der "Gouvernementalität" von Michel Foucault, um historische Texte neu zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert konkret die Herrschaftsphasen von Ivan IV., Peter I. und Katharina II. und zeigt, wie sich die Machtverhältnisse in diesen Perioden verschoben.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Gouvernementalität, Machtbeziehungen, Zarentum, russischer Adel und Regierungstechnologien geprägt.

Inwiefern beeinflusste die Rangtabelle die Machtverhältnisse?

Die Rangtabelle diente als Regierungstechnologie, um den Adel durch Dienstpflichten zu disziplinieren, was jedoch zu andauerndem Widerstand führte.

Was war das zentrale Problem der Zaren bei der Machtausübung?

Die Zaren waren trotz ihrer autokratischen Fassade auf die Kooperation und das Handeln des Adels angewiesen, was ihre Handlungsspielräume einschränkte.

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Details

Title
Umbruchphasen im Russland der Frühen Neuzeit als Ausgangspunkt einer Machtanalyse nach Foucault
College
Ruhr-University of Bochum  (Historisches Institut)
Course
Polnischer und Russischer Adel in der Frühen Neuzeit
Grade
1,3
Author
Tobias Nolteklocke (Author)
Publication Year
2008
Pages
30
Catalog Number
V113229
ISBN (eBook)
9783640136704
ISBN (Book)
9783640140084
Language
German
Tags
Umbruchphasen Russland Frühen Neuzeit Ausgangspunkt Machtanalyse Foucault Polnischer Russischer Adel Frühen Neuzeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Nolteklocke (Author), 2008, Umbruchphasen im Russland der Frühen Neuzeit als Ausgangspunkt einer Machtanalyse nach Foucault, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113229
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