Die Bildung der Frau im 18./19. Jahrhundert


Ausarbeitung, 2020

6 Seiten, Note: 12


Leseprobe

Bildung der Frau im 18./19. Jahrhundert

Bildung war fur Frauen nicht immer selbstverstandlich. Lange Zeit wurde Frauen Bildung vorenthalten und Frauen wurden als geistig minderwertig gesehen. Ihr Platz war im Haus und ihre Aufgaben und Pflichten als Hausfrau, Mutter und Gattin waren alles was sie zu lernen hatte. Auch heute noch ist Bildung fur Frauen ein bedeutsames Thema. Es ist noch lange nicht erreicht, dass Bildung fur Frauen weltweit genauso ein Recht ist, wie fur Manner. Die folgende Ausarbeitung beschaftigt sich mit der Bildung der Frau im 18. und 19. Jahrhundert und soll aufzeigen, welche Rolle die Frau in Europa damals hatte und wie sie fur ihr Recht auf Bildung kampfen musste.

Nachdem die Franzosische Revolution nur fur Manner Freiheit, Gleichheit und Bruderlichkeit implizierte, mussten sich die Frauen selber aufmachen um fur ihre Burgerinnenrechte zu kampfen. Die Revolution hatte Menschenrechte, Demokratie- Konzepte und deren Umsetzung zum Ziel. Das boomende Nachrichtenwesen in Form von beispielsweise Zeitungen oder Journalen fuhrten dazu, dass die Ereignisse aus Frankreich europaweit bekannt wurden. (vgl. Vahsen 2008, o. S.)

Das Zeitalter der Aufklarung propagierte in der ersten Halfte des 18. Jahrhunderts das Bild der gelehrten Frau. In diesem Rollenbild sollte die Frau gebildet und intellektuell sein. Dabei ist anzumerken, dass zu dieser Zeit noch keine systematische Madchenbildung vorhanden war. Zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde dieses Rollenbild durch den „naturlichen Geschlechtscharakter“ der Frau abgelost. Die sogenannte Geschlechtsvormundschaft sorgte dafur, dass die Frau kein mundiger, autonomer Mensch, sondern stattdessen Vater, Bruder oder Ehemann unterstellt war. Zu ihren „naturlichen Geschlechtseigenschaften“ zahlten Tugend, Sittsamkeit und FleiB und ihre Rolle war die der Ehefrau und Mutter. Daraus folgte, dass die Frau raumlich vom Mann abgegrenzt wurde, denn ihr Ort war das Haus und der Ort der Manner war die Offentlichkeit. Diese Ideologie galt fur die Frauen des Burgertums, in Abgrenzung zum Adel und fur Frauen der Arbeitsschicht war sie nicht denkbar, denn die Erwerbstatigkeit der Frau wurde fur den Unterhalt der Familie gebraucht. (vgl. ebd.)

Der Inhalt und das Ziel der Madchenerziehung wurde im 18. Jahrhundert durch ein bis dahin unbedeutendes Argument der ,,querelle de femmes“ gegen die wissenschaftliche Bildung von Frauen bestimmt. Die Debatte uber die Geschlechterordnung fuhrte somit dazu, die burgerlichen Frauen zur Hausfrau, Mutter und Gattin zu erziehen. (vgl. Jacobi & Weimar 1992, S. 124)

,,Die normativen Vorstellungen vom Wesen der Geschlechter und die bestehende ge- schlechtliche Arbeitsteilung gaben die Basis fur unterschiedliche Bildungsentwurfe fur Manner und Frauen des Burgertums ab“ (Mayer 1999, S. 22).

In der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts wurde die neue Definition des Geschlechterverhaltnisses beispielsweise durch Schriften von Rousseau zum Ausdruck gebracht. Diese neue Definition des Geschlechterverhaltnisses fuhrte zu der klaren Dominanz des Mannes und einer dienenden Bestimmung der Frau. (vgl. Jacobi & Weimar 1992, S. 124)

Die Vorstellungen und Ideen Rousseaus zur weiblichen Bildung, die er in seinem Werk „Emil“ zum Ausdruck brachte, gelten als Einschnitt in die Entwicklungsgeschichte der weiblichen Bildung (vgl. Brokmann-Nooren 1994, S. 255).

Nach Rousseau war es die weibliche Bestimmung dem Mann zu gefallen und er begrundete seine Ansicht, dass Manner und Frauen unterschiedliche Erziehung erhalten mussen damit, dass der Charakter und das Temperament von Frauen und Mannern unterschiedlich sind und es ein Nachteil fur die Frau ist, wenn man ihre eigenen Eigenschaften vernachlassigt, um bei ihnen die Eigenschaften eines Mannes zu fordern (vgl. ebd., S. 257).

Nennenswert ist dabei, dass er es fur wichtig halt, dass Frauen Wissen vermittelt wird, allerdings nicht ein gelehrtes Wissen, sondern vielmehr das Wissen daruber, welches Verhalten angemessen gegenuber Mannern ist. In seinen Augen sollte sich die gesamte Erziehung der Frauen auf die Manner konzentrieren und ihnen nahebringen, wie sie dem Mann gefallen und nutzlich sein konnen. (vgl. ebd., S. 258)

Als konkrete Wissensbestande nennt Rousseau musizieren, singen, tanzen, zeichnen, rechnen, lesen und schreiben und aus dieser Idealisierung der perfekten Frau macht Brokmann-Nooren (1994, S. 59) deutlich, dass man verstehen konnte, dass Rousseau „das kleine, hausliche Dummchen“ als Frauenideal anpreist. Sie zeigt auf, dass aus Rousseaus

Sicht die Ausbildung der Vernunft der Frau ebenfalls von hoher Bedeutung ist, dass sie

aber nur nachdenken soil, um herauszufinden, was im Herzen der Manner vor sich geht. Die Frau soll aus seiner Sicht angepasst sein und immer nur so viel oder so wenig Denkvermogen wie ihr Gegenuber zeigen. Daraus resultierend fordert er, dass die Frau ihren Geist wie ein Chamaleon an die Umwelt anpasst und dieser niemals als Selbst- zweck, also zur Erkenntnis der Welt, nutzen soll. (vgl. ebd., S. 259)

Die Aufgabe des Ehemannes ist es die Frau nach seinem Geschmack zu unterwerfen und nach seinem Vorbild zu vervollkommnen. Das einzige Ziel der Erziehung und der Wissensvermittlung ist es, dass die Frau ihrem Gatten eine qualifizierte Partnerin ist. (vgl. ebd., S. 260)

Des Weiteren beschreibt Rousseau, dass Frauen eine erhohe Verantwortung aufgrund ihrer Gebarfahigkeit fur moralische Beziehungen im Kulturstand haben, denn nur sie konnen wissen wer beispielsweise der Vater ihrer Kinder sei. Daraus folgt, dass ein hohes MaB an Ehrlichkeit und gesittetem Verhalten erwartet wird. Dabei ist zu beachten, dass Frauen nicht nur sittsam sein mussen, sondern auch von allen anderen fur sittsam gehalten werden mussen. (vgl. Felden von 1999, S. 31)

Der Platz der Frau wurde ins Zentrum der Familie gelegt und weitere Sprecher dieses Erziehungsziels wie zum Beispiel Campe beschrieben, dass die Erziehung durch Eitelkeit und Intellektualitat verfehlt wird (vgl. Jacobi & Weimar 1992, S. 125).

,,Im Zuge der Transformation der traditionalen in die moderne Gesellschaft entwickelte sich das auf die Bestimmung der Frau und den ,weiblichen Beruf bezogene Bildungskonzept zum theoretischen wie praktischen Leitbild der gesamten Madchenerziehung des 19. Jahrhunderts“ (Mayer 1999, S. 24).

Alternativ zum Konzept der getrennten Geschlechterrollen trat beispielsweise das Egalitatskonzept, dass davon ausging das Frauen genauso wie Manner autonome Subjekte sind, auf. Literatur und Medien waren damals Moglichkeiten fur Frauen sich politisch einzumischen, wenn auch im Sinne der burgerlichen Frauenrolle, wie es zum Beispiel Sophie von La Roche mit zahlreichen Beitragen zur Madchenerziehung tat. (vgl. Vahsen 2008, o. S.)

Weitere Gegenspieler bezeichneten die Gleichheit der Geschlechter als ein Recht der Natur und setzten sich fur den gemeinsamen Unterricht von Madchen und Jungen ein.

Hippel forderte beispielsweise 1792 den Ausbau eines gleichwertigen offentlichen Bildungswesens fur Madchen, das ihnen eine Chance auf eine Tatigkeit in Staat- und Gesellschaft ermoglicht. (vgl. Jacobi & Weimar 1992, S. 125)

Amalie Holst beschrieb in ihrer Schrift „Uber die Bestimmung des Weibes zur hoheren Geistesbildung“ von 1802, dass Manner aus dem Bedurfnis der Machterhaltung Frauen den Zugang zu hohere Bildung verwehren und argumentiert gegen Kants und Rousseaus Beweise fur die weibliche Minderwertigkeit. Sie verweist auf das Menschenrecht auf Bil- dung und fordert diese fur alle Frauen des burgerlichen Standes, denn sie sei eine unabdingbare Voraussetzung fur sowohl unverheiratete als auch verheiratet Frauen. (vgl. ebd., S. 126)

Die Lehrerin Betty Gleim brachte zum Ausdruck, dass man der weiblichen Besonderheit Aufmerksamkeit schenken sollte, nichtsdestotrotz forderte sie eine systematische Bildung fur Madchen, die eine umfassende Entwicklung ihrer Personlichkeit unterstutzen sollte. Gleim zieht in Ihren Schriften als eine der ersten Frauen den Staat zur Verantwortung fur die Madchenerziehung. (vgl. ebd., S. 127)

Louise Otto-Peters gab durch den Satz: ,,Die Teilnahme der Frau an den Interessen des Staates ist nicht ein Recht, sondern eine Pflicht.“, die Leitlinie fur die erste deutsche Frauenbewegung vor (vgl. Vahsen 2008, o. S.).

Letztendlich haben alle Texte von Frauen gemeinsam, dass sie sich fur eine uneingeschrankte geistige Egalitat von Frauen und Mannern aussprechen. Nach Rousseau lauten die Erziehungsziele fur Frauen die Entwicklung zu Gefugigkeit, Liebreiz und Sanftmut, um sie so zu einer harmonischen Ehe zu befahigen. Die umfassende gebildete Familienfrau verdeutlicht die Bildungsinhalte fur Madchen und Frauen mit den damit inbegriffenen weiblichen Aufgaben und Pflichten. (vgl. Brokmann-Nooren 1994, S. 266)

Um 1815 grundeten sich in Deutschland die ersten Frauenvereine, deren Mitglieder in Krankenhausern arbeiteten, Kleidung fur Soldaten herstellten und sich an Sammelaktionen beteiligten. Sie waren die Vorgangerinnen zu den spateren politischen Frauenvereinen. Die Unruhen die 1830 erneut in Frankreich entstanden, hatten auch Auswirkungen auf Deutschland und forderten eine neue Gesellschaftsordnung. Zugunsten eines Nationalstaats mit einer liberalen Verfassung, versammelte das Hambacher Fest von 1832 die Menschen, um die Politik zu verandern. (vgl. Vahsen 2008, o. S.)

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Details

Titel
Die Bildung der Frau im 18./19. Jahrhundert
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Geschichte der weiblichen Bildung - Historische und systematische Grundlagen der Erziehungswissenschaft
Note
12
Autor
Jahr
2020
Seiten
6
Katalognummer
V1132611
ISBN (eBook)
9783346503930
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung Frau Geschichte
Arbeit zitieren
Kimberley Krendl (Autor:in), 2020, Die Bildung der Frau im 18./19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1132611

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