Das ambivalente Verhalten von Trimalchio gegenüber seinen Sklaven in Petrons "Satyrica" (11. Klasse Latein)

Ein zweiter Seneca? Zu Trimalchios (pseudo-)humanem Umgang mit seinen Untergebenen als zeitloses Thema


Unterrichtsentwurf, 2018

23 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sachanalyse: Satire im Lateinunterricht

2. Ein zweiter Seneca? Zu Trimalchios (pseudo-)humanem und ambivalentem Umgang mit seinen Sklaven als zeitloses Sujet
2.1 Einbettung der Lehrprobenstunde in die aktuelle Unterrichtssequenz und Lehrplanbezug
2.2 Geplanter Stundenverlauf unter Einbezug der angestrebten Kompetenzen
2.3 Tabellarische Übersicht zum geplanten Stundenverlauf

3. Literaturverzeichnis
3.1 Primärmedien
3.2 Sekundärliteratur
3.3 Internet- und Bildquellen

4. Anlagen
4.1 Text mit Hilfen
4.2 Übersetzung
4.3 zusätzliche Vokabeln
4.4 AB (leer und ausgefüllt)
4.5 Comic von Spann 1982

1. Sachanalyse: Satire im Lateinunterricht

Petrons einzigartiges Werk Satyrica stellt einen Archetyp des europäischen Schelmenromans dar und zählt zu den wichtigsten Quellen des Vulgärlateins. Aus literarästhetischer und wirkungsgeschichtlicher Perspektive sind die modern anmutende Erzähltechnik und Figurengestaltung wichtige Faktoren für die Prominenz dieses prosimetrischen Romans im Unterricht und in der Populärkultur. […] Nicht nur aus diesen Gründen hat dieses satirische Werk, das u.a. das geschmacklose Gebaren einer halbgebildeten, neureichen römischen Oberschicht fokussiert und parodiert, seit einigen Jahrzehnten seinen festen Platz im schulischen Curriculum der Oberstufe.1

Im Rahmen der Sequenz „ridentem dicere verum ‒ Satirische Brechungen“ werden in der Qualifikationsphase 11/2 satirisch-humorvolle Werke wie die Satyrica von Petron oder die Satiren des Horaz thematisiert.2 Zum Einsatz von antiker Satire im Unterricht meint der Altphilologe Riemer Folgendes:

Die antike Satire ist uns näher als man annehmen möchte. Sie kann gerade im altsprachlichen Unterricht sehr attraktiv sein. Schülerinnen und Schüler sind aus heutigen Wahrnehmungsgewohnheiten heraus (man denke an Karikaturen/Cartoons, Satire in Film und Fernsehen, Kabarett und Comedy) offen für satirische Heiterkeit und sicherlich leicht dafür zu gewinnen, zwischen seichter Unterhaltung (Sketch) und sublimer Satire zu unterscheiden.3

Diese Ansicht Riemers trifft m.E. zu, weil sich auch in der Postmoderne diverse satirische Formate großer Beliebtheit bei Heranwachsenden und jungen Erwachsenen erfreuen, wie z.B. „Switch reloaded“, „Kalkofes Mattscheibe“, „die heute-show“ oder Böhmermanns kontrovers diskutiertes „Neo Magazin Royale“. Der moderne Begriff ‚Satire‘ bezeichnet also eine geistreiche und kritische Haltung, die in jeder Art von Lit. oder Kunst gefunden werden kann: ‚die scherzhafte kritische Verzerrung des Vertrauten‘.4

Die Satyrica weisen somit (post-)modernistische Tendenzen5 auf, da sie sich ähnlich wie die Satire-Sendungen der Postmoderne eklektisch Figurenensembles und Ereignisse herausgreifen und diese spielerisch, also mit augenzwinkerndem Charakter, und ohne einheitliche Sinnstiftung ad absurdum führen.

2. Ein zweiter Seneca? Zu Trimalchios (pseudo-)humanem und ambivalentem Umgang mit seinen Sklaven als zeitloses Sujet

Im Folgenden soll das Werk der Satyrica fokussiert werden, allem voran die Cena Trimalchionis, welche laut Riemer weiterhin im schulischen Curriculum en vogue ist:

Als Schullektüre sehr beliebt sind zwei Abschnitte des Romans, in denen das Trio [Enkolp, Askylt und Giton; Anm. M.S.] gar nicht im Mittelpunkt steht, sondern die Figur des Freigelassenen und Neureichen Trimalchio, zum anderen die Matrone von Ephesus.6

Zu dieser Aussage ist flankierend anzumerken, dass dies zwar auf die Cena zutrifft; jedoch findet die Episode der Matrone von Ephesus in aktuellen Petron-Ausgaben keine Berücksichtigung mehr und wird somit im Unterricht seit dem G8 auch immer weniger gelesen, weil durch die Stundenreduktion die Zeit fehlt.7 Die schillerndste und kaleidoskopartig an divergierenden Charaktereigenschaften zusammengesetzte Figur aus Petrons satirischem Roman ist zweifelsohne die des Neureichen Trimalchio. Bei der Lektüre sind die Stellen von dessen inhuman-human wirkendem Umgang mit seinen Sklaven besonders einprägsam und aus modern-humanistischer Sicht abschreckend. Laut Kenzler war eine schlechte Behandlung von Sklaven nichts Ungewöhnliches. Jedoch setzte zur Kaiserzeit ein Umdenken ein, das auch das zwiespältige Verhalten Trimalchios z.T. erklärt:

Unzuverlässige [Sklaven] wurden zur Bestrafung in Kellerzellen gebracht und in eiserne Vorrichtungen gelegt. Die allmähliche Einsicht, Sklaven als Menschen zu betrachten, resultierte nicht allein aus Humanität. Vielmehr standen handfeste ökonomische Überlegungen im Vordergrund. Gewinne ließen sich besser durch Sklaven erzielen, deren Arbeitskraft nicht durch unbotmäßige Brutalität gedämpft wurde. […] Neureiche wie die Kunstfigur Trimalchio, die für jeden Bereich einen eigenen Sklaven hatten, da es als arm galt, einem Sklaven mehrere Aufgaben zu geben, blieben aber die Ausnahme.8

Aus diesem Grund wurde als Lehrprobenthema eine differenzierte Analyse der Figur des „dreifachen Königs“ gewählt, was sein sprechender Name, der der Typenkomödie eines Menander oder Plautus entsprungen zu sein scheint, eigentlich bedeutet. Die Vorsilbe Tri bezeichnet nämlich ‚drei‘ und malchus bedeutet ‚König‘. Die Analyse des gestörten Verhältnisses zwischen Trimalchio und seinen Sklaven bereitet zugleich auf das Lateinabitur vor, in dem immer wieder Aufgaben gestellt werden, die auf eine Fokussierung der ambivalenten Charakterzüge der in sich widersprüchlichen Figur des Trimalchio abzielt: vgl. z.B. Abitur 2002: „Beschreiben sie in knappen Worten die Haltung, die Trimalchio in der Cena Petrons seinen Sklaven gegenüber einnimmt! Zwei Gesichtspunkte genügen.“

2.1 Einbettung der Lehrprobenstunde in die aktuelle Unterrichtssequenz und Lehrplanbezug

Die Lektüre der Cena Trimalchionis als Herzstück der Satyrica läuft bereits seit acht Wochen. Bislang wurde im Rahmen der Sequenz die Gattungsvielfalt der Satyrica lehrplankonform besprochen, sodass die Schüler bei der Lektüre der Satyrica des Petron erkennen […], wie der Autor mit raffinierten literarischen Techniken Unzulänglichkeiten der kaiserzeitlichen Gesellschaft ironisch bloßstellt.9

In diesem Kontext sollen die Schüler auch die raffinierte Parodie der Schicht der Neureichen, einem Phänomen vor allem der Kaiserzeit, erkennen.10 Darüber hinaus thematisierte die Lehrkraft auch die Vergänglichkeitsmotivik in der Cena Trimalchionis mit Blick auf die These von Bernek11, demzufolge es sich bei dem Betreten der Räumlichkeiten des Trimalchio12 um einen Unterweltsgang, also eine Katabasis der Protagonisten im Sinne der Teilnahme an einer pompa funebris, handelt. Weitere Schwerpunkte bildeten die für das Abitur hochrelevanten Freigelassenengespräche und Trimalchios Umgang mit seiner familia. Des Weiteren analysierten die Schüler auch diverse Rezeptionsdokumente, allen voran den Comic zur Cena Trimalchionis von Rudolf Spann,13 Skizzen zur Cena Trimalchionis von dem bekannten Künstler Lovis Corinth14 oder Szenen aus der bekannten Verfilmung Satyricon von Fellini15. Einen wichtigen Ansatz zum Einbezug von Rezeptionsdokumenten der Hochkultur liefert zudem die neue Schulausgabe von Bernek, die u.a. das Gastmahl des Trimalchio fokussiert. So regt Bernek zum gezielten Vergleich mit motivisch, thematisch und darstellungstechnisch verwandten Passagen aus Thomas Manns Der Tod in Venedig oder Der Zauberberg bzw. Bertolt Brechts Theaterstück Herr Puntila und sein Knecht Matti an.16 Zudem orientiert sich die Ausgabe von Bernek an der „Projektliste Latein“ des ISB17. Diesem Wegweiser des KM folgend, wurden bisher die Szenen Trimalchio im Bad, Trimalchios Wandgemälde, der Auftritt des Gastgebers, Trimalchio als Philosoph und ausgewählte Passagen zu den Gesprächen der Freigelassenen Dama, Seleucus, Echion und Ganymed gelesen.18 Als Vorbereitung für die Lehrprobenstunde wurde der drakonische Umgang Trimalchios mit Sklaven nochmals anhand eines Arbeitsblatts ins Gedächtnis gerufen. Als Textstelle für die Lehrprobe wurde Satyrica 70,11-71,5 ausgewählt. Darin wird Trimalchio auf übertriebene Weise als Pseudo-Humanist stilisiert, weil er Sklaven als Menschen betitelt und sie wie seine Gäste gleichrangig in seinem Triclinium speisen lässt. Dazu kommentiert Schönberger treffend:

Wenn Trimalchio die Sklaven am Tisch Platz nehmen läßt, ist darin keine sog. manumissio per mensam zu sehen. Zwar bestand eine der möglichen Arten der Freilassung darin, dass der Hausherr den Sklaven zur Tafel heranzog, doch ist dies eine erst in viel späterer Zeit erwähnte Rechtsformel und Rechtshandlung. Eine Späterdatierung des Romans auf Grund dieser Szene (so Paoli) ist verfehlt. 71,1 zeigt ja klar, dass die Sklaven Trimalchios durch Testament freigelassen werden. – Wenn die „Lebensgefährtin“ des Sklaven contubernalis genannt wird, so deshalb, weil ein Sklave keine rechtsgültige Ehe schließen, sondern immer nur ein contubernium, ein (eheähnliches) Zusammenleben führen konnte.19

Schönberger ist hier zu Recht der Ansicht, dass die manumissio des Trimalchio erst durch sein Testament rechtskräftig wird. Ansonsten hätte im Beisein der Gäste eine Freilassung mit dem üblichen Ritus stattfinden müssen. Der oder die Sklaven hätten in diesem Fall vor dem Herrn knien sollen, wobei deren Häupter mit einer gekrümmten Filzkappe (pileus) bedeckt worden wären. Der Herr Trimalchio hätte in diesem Fall den Sklaven mit einem Stock berührt und sodann die symbolträchtigen Worte gebraucht: „Te manumitto“. Laut Schönberger mussten Sklaven danach die Freigelassenensteuer von 5% ihres Wertes oft selbst bezahlen.20 Zudem bezweifelt Schönberger, dass Trimalchios berühmter Ausspruch et servi homines sunt tatsächlich eine „Reminiszenz an Seneca, Epistulae 47,1f. und damit Parodie ist“21. In diesem Kontext sieht Olshausen das Phänomen der Freigelassenen positiv an und wertet dies als Fähigkeit und die Bereitschaft zur Integration irgendwie fremder Elemente [als] Grundzüge der römischen Gesellschaft dieser Jahre. In diesem Sinne war z.B. die Institution der Freilassung von Sklaven wirksam; denn auf die Freilassung folgte normalerweise die Eingliederung in die römische Bürgerschaft – in der ersten Generation erst einmal mit minderen politischen Rechten, die sich aber in den folgenden Generationen bis zur uneingeschränkten civitas Romana auswuchsen. Wo römische Heere in Zeiten der Expansion Eroberungen machten, von dort aus zogen Sklaven in Italien ein – sie kamen z.B. aus Nordafrika, aus Kleinasien [wie z.B. Trimalchio; Anm. M.S.] aus Syrien und aus Gallien.22

An diesen Beispielen macht Olshausen auch die „Multikulturalität des römischen Reichs in der frühen Kaiserzeit“ fest und bezeichnet die Region Campanien m.E. zu Recht als „besonders aktive[n] ethnische[n] melting-pot – wofür die Cena Trimalchionis beispielhaft zeugt“23. Somit weist die Figur des Trimalchio in meinen Augen nicht nur groteske, sondern auch realistische Züge auf, weil er als neureicher Freigelassener aus der heutigen Türkei ein (mehr oder weniger) gelungenes Beispiel für Integration ist. Denn bei seinem Gastmahl beherbergt er als ehemaliger Einwanderer zahlreiche römische Gäste. Somit scheinen in Petrons Werk die Durchlässigkeit der römischen Gesellschaft und die Aufstiegsmöglichkeiten durch Handel ein Schlüssel zur erfolgreichen Einbürgerung zu sein. Etwas überspitzt könnte man vielleicht Folgendes formulieren: Wie viel könnte unsere heutige Gesellschaft noch immer von den Römern lernen, vor allem in diesem Punkt, dass ein Leistungsansporn mit Aussicht auf Erfolg durch harte Arbeit viele Flüchtlinge wohl besser integrieren könnte als ein Dahinvegetieren in provisorischen Unterkünften. Denn auch Trimalchio ist immerhin durch Fleiß, Ehrgeiz und Aufstieg im Handel zu einer finanziell bedeutenden, wenn auch nur halbgebildeten Persönlichkeit herangereift. Unruh verweist hierbei jedoch plausibel auf die Künstlichkeit der literarischen Figur des Trimalchio und betont somit, dass die fiktive Komponente nicht zu vernachlässigen ist:

Was Seneca über reich gewordene Freigelassene in seinen Schriften schildert, wird von Petronius in allen Facetten beim „Gastmahl“ ausgebreitet. In der Figur des Trimalchio, eines zu Reichtum gekommenen Freigelassenen, werden alle Klischees zusammengefasst.24

Um den Schülern zu demonstrieren, dass das antike Phänomen einer halbgebildeten Schicht an Superreichen auch in der (Post-)moderne weiterexistiert, wurden sie mit aktuellen Beispielen konfrontiert, was der Lerngruppe gut gefiel und den Unterricht auflockerte: „Die Geissens“ (auch in der Parodie von „Switch Reloaded“), „Die Yottas“ und „Jens Hilbert“ (zusätzlich als Satire von Oliver Kalkofe). Dies lockerte die Übersetzungsarbeit auf und motivierte die Schüler, Vergleiche zur Kaiserzeit anzustellen.

2.2 Geplanter Stundenverlauf unter Einbezug der angestrebten Kompetenzen

Zunächst erscheint die Lehrkraft den Schülern verkleidet als Trimalchio25, um den inszenierten Charakter der Cena auch in das Klassenzimmer zu übertragen und sie als spektakuläres Gastmahl darzustellen. Da dieses Festmahl mit seinem Gastgeber in jeder Facette geradezu parodistisch überinszeniert ist, passt dieser Einstieg m.E. gut zur Thematik um Luxus und Dekadenz im kaiserzeitlichen Rom. Zudem kann die Lehrkraft somit spannungsgeladen auf das zu analysierende Wandgemälde überleiten, das die Protagonisten der Satyrica in Trimalchios Triclinium entdecken. „Trimalchio“ begrüßt sodann seine „Gäste“ und lädt sie auf Latein zum Gastmahl ein. In der Mitte befindet sich ein Tisch mit einer ominösen Schriftrolle, in welcher eine manumissio26 dargestellt ist, die im zu übersetzenden Text eine zentrale Rolle spielt. Die Lehrkraft steigert die Spannung bei den Schülern, indem sie darauf verweist, dass diese gut aufpassen sollen, um herauszufinden, was der Inhalt der Rolle ist. Sodann präsentiert er ihnen als Einstieg ein Gemälde von Gustave Boulanger (1888) von einem antikisierend gestalteten Sklavenmarkt27. Darauf ist eine Art Rostra abgebildet, auf der deprimierte männliche und weibliche Sklaven zum Verkauf von einem Sklavenhändler dargeboten werden, der in der Mitte sitzt und in einem Prunkgewand genüsslich Nahrung zu sich nimmt. Während ihn die Frauen abgeschreckt ansehen – er hat ihnen womöglich Gewalt angetan –, stehen die männlichen Sklaven in resignierter Position da. Auffällig ist zudem ein Junge am linken Bildrand, der nackt ist und beschämt zu Boden blickt. Dessen Schicksal korreliert mit dem des Trimalchio, der ebenfalls als Knabe in Kleinasien, der heutigen Türkei, verkauft wurde. Dies sollen die Schüler anhand ihrer Vorkenntnisse herausfinden. Daraufhin legt die Lehrkraft die Rolle des Trimalchio wieder ab. Sodann folgt die Rechenschaftsablage, bei der ein Schüler die Zeilen 11-17 des neunten Kapitels aus der erwähnten Ausgabe von Bernek wiederholt. Damit die Schüler den Text größer und mit Markierungen zusammengehöriger Wörter bzw. mit noch zielführenderen Wortangaben vor sich haben, wird der Text aus Kap. 9 „Sklaven sind auch Menschen – zumindest manchmal“ für die Schüler zusätzlich aufbereitet, sodass sie den Text als Arbeitsblatt vor sich haben. Die Rechenschaftsablage wird durch fünf Nachfragen auf den drei unterschiedlichen Niveaustufen Reproduktion, Anwendung und Transfer abgerundet. Sodann findet im Lehrer-Schüler-Gespräch die Verbesserung der Hausaufgabe statt, die von Zeile 17-21 geht. In dieser findet sich die prominente Rede des Trimalchio vor Publikum, dass Sklaven auch Menschen sind. Sodann werden im Plenum weiterhin die Zeilen 22-25 übersetzt. Hier wird noch kein Methodenwechsel angestrebt, um genügend Zeit für die komplexe Interpretation zu haben. Aufgrund der ausführlichen Vorentlastung der Textstellen in der Vorstunde ist ein solcher an dieser Stelle m.E. auch nicht zwingend notwendig. Als Interpretation28 sollen die Schüler Trimalchios ambivalenten Umgang mit seinen Sklaven analysieren und zu dem Schluss kommen, dass sein Verhalten als zwiespältig anzusehen ist. Dazu erhalten sie ein vorstrukturiertes Arbeitsblatt. Zunächst wird im Plenum der humane Umgang mit passenden Textstellen thematisiert. Die Ergebnisse werden anhand des ABs gesichert, indem die Schüler zu den menschlichen Verhaltensweisen von Trimalchio auch die lateinischen Zitate nennen. Sodann fragt die Lehrkraft, ob dies schon immer so war, und sammelt in der noch freien Tabellenseite des ABs Beispiele für Trimalchios drakonischen Umgang mit Sklaven. Anschließend sollen die Schüler ein Fazit ziehen, das verdeutlicht, dass Trimalchios Umgang mit Sklaven ambivalent oder zwiespältig ist bzw. dass sein gewollt gönnerhaftes Verhalten nur vor Publikum inszeniert ist. Unmittelbar darauf sollen die Schüler im Rahmen eines Partnerpuzzles herausfinden, dass Trimalchio keineswegs ein neuer Seneca ist, weil ihm die philosophische Bildung fehlt. Dazu wird einerseits ein Auszug aus Senecas Sklavenbrief in Übersetzung aus der Ausgabe von Bernek29 gelesen, andererseits ein kurzer Text zur historischen Beziehung zwischen Seneca und Petron aus der Textfassung der Satyrica von Kattler und Streun30. Im Folgenden wird nun der Bogen zur Postmoderne gespannt. Die Lehrkraft verweist durch eine Provokation darauf, dass sie sehr froh ist, dass es heutzutage keine Sklaven mehr gibt. Sodann wird 45 Sekunden lang ein parodistisches Video der neureichen Millionäre der Geissens gezeigt, in dem Robert Geiss zu sehen ist, der in einem Interview konstatiert, dass er seine Angestellten geringschätzt. Dabei bezeichnet er die Afroamerikaner, die ihm Gepäck hinterhertragen und ihn dabei nicht anreden dürfen, äußert rassistisch als „Neger“, und die Chinesen, die seine Autos waschen, abwertend als „Ping-Pongs“.31 Die Schüler sollen dabei herausarbeiten, dass das heutige Verhältnis von protzenden Superreichen zu ihren Angestellten ähnlich sein kann wie zwischen Sklaveneigentümern und Sklaven im alten Rom. Jedoch besteht der Unterschied, dass diese „Handlanger“ im Gegensatz zur Antike das Recht auf Kündigung haben, Gehalt für ihre Tätigkeiten bekommen und für sie zum Schutz von Leib und Leben auch das Grundgesetz wie der wichtige § 1 gilt, der sich auf die Menschenwürde bezieht. Dies war in der Antike nicht so. Sklaven waren hier auf Gedeih und Verderb den Herren ausgeliefert. Als Fazit sollen die Schüler erkennen, dass es den Angestellten so mancher Neureicher trotz mancher Schikanen dennoch besser geht als bei den Römern. Als Vorletztes wird das Geheimnis um das Testament des Trimalchio, den Pileus und den Stab gelüftet und das Bild der manumissio wird feierlich als Zeichen für die Freilassung von Trimalchios Sklaven auf die Tafel gepinnt. Schließlich rundet die Hausaufgabenstellung zur Vertiefung der Thematik die Stunde ab.

[...]


1 Stierstorfer, Hofschuster und Janka 2017, 13.

2 http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26534 (26.04.18)

3 Riemer 2017, 2.

4 Braund 2003/2012, 101.

5 Vgl. hierzu ausführlich Beck 1999 und Courtney 2003.

6 Riemer 2017, 5.

7 Vgl. u.a. Bernek 2017.

8 Kenzler 2007, 60.

9 http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26534 (27.04.18)

10 Vgl. http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26534 (27.04.18)

11 Vgl. Bernek 2017, 7.

12 Eine gewinnbringende Skizze zur Sitzordnung der Cena findet sich bei Daum (vgl. 1982/2002, 1). Daraus geht hervor, dass sich Trimalchio für sich selbst einen Platz nach Sitte eines Konsuls oder Prätors reserviert hat, welcher sich am unteren Rand des mittleren Bereichs der Liegen findet.

13 Vgl. Spann 1982.

14 Vgl. Stierstorfer, Hofschuster und Janka 2017, 14.

15 Vgl. Fellini 1969/2015.

16 Vgl. Bernek 2017.

17 Vgl. https://www.isb.bayern.de/download/19418/projektlisten_latein_q11_12_anlage_zu_kms_vom_29.6.2010_1.pdf (27.04.18)

18 Vgl. Pet. Sat. 27,1-46,1.

19 Schönberger 1992, 293.

20 Vgl. Schönberger 1992, 293.

21 Schönberger 1992, 293.

22 Olshausen 2007, 18f.

23 Olshausen 2007, 18f.

24 Unruh 2016, 52.

25 Dies soll auch die Motivation der Schüler für die anstehende Thematik steigern. Um dies zu erreichen, ist es laut Müller (2017, 178) wichtig, „Erstaunen hervor[zu]rufen“. Vgl. in diesem Kontext auch Bäcker 2010.

26 Vgl. Janka, Schauer, Stierstorfer et al. 2016, 73.

27 https://de.wikipedia.org/wiki/Gustave_Boulanger#/media/File:Boulanger_Gustave_Clarence_Rudolphe_The_Slave_Market.jpg (28.04.18)

28 Mit Blick auf schülerorientierte Interpretationsmethoden vgl. Doepner 2010.

29 Vgl. Bernek 2017, 23.

30 Vgl. Kattler und Streun 2012, 39.

31 Vgl. https://www.youtube.com/watch?v=E5jG3Gb5_U0 (28.04.18)

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Details

Titel
Das ambivalente Verhalten von Trimalchio gegenüber seinen Sklaven in Petrons "Satyrica" (11. Klasse Latein)
Untertitel
Ein zweiter Seneca? Zu Trimalchios (pseudo-)humanem Umgang mit seinen Untergebenen als zeitloses Thema
Note
1,00
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V1132884
ISBN (eBook)
9783346519658
ISBN (Buch)
9783346519665
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Latein, Satire, Petron, Satyrica, Sklaven, Trimalchio
Arbeit zitieren
Michael Stierstorfer (Autor:in), 2018, Das ambivalente Verhalten von Trimalchio gegenüber seinen Sklaven in Petrons "Satyrica" (11. Klasse Latein), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1132884

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