Die vorliegende Arbeit soll der Fragestellung nachgehen, inwiefern Almodóvar die Stierkampfthematik in seinem Film aufgreift und welche Auswirkung seine Inszenierung auf die Wahrnehmung der Geschlechterrollen von Mann und Frau hat. Dabei wird im ersten Schritt ein psychoanalytischer Deutungsversuch von Männlichkeit im Stierkampf vorgestellt und die daraus resultierenden Erkenntnisse im Analyseteil vergleichend mit einbezogen. Mittels einer Personencharakterisierung der beiden Protagonisten Diego und Maria im Hinblick auf ihre Geschlechtsidentitäten werden die Elemente des Stierkampfes, die sich im Film wiederfinden, beschrieben und ihre Bedeutung für die Wahrnehmung von Weiblichkeit und Männlichkeit herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung
2. Eine psychoanalytische Deutung des Stierkampfes
3. Die Darstellung von Geschlechterrollen anhand des Stierkampfes
3.1 Die Androgynität Diegos
3.2 Die Androgynität Marías
3.3 Die Aufhebung von Geschlechterrollen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Pedro Almodóvar die Stierkampfthematik in seinem Film MATADOR inszeniert und welche Auswirkungen diese Darstellung auf die Wahrnehmung von Männlichkeit und Weiblichkeit hat. Dabei wird analysiert, wie der Regisseur mit traditionellen Geschlechterrollen bricht und das Publikum durch die Ambivalenz der Protagonisten zur kritischen Hinterfragung althergebrachter Identitätsmuster anregt.
- Psychoanalytische Analyse der Stierkampf-Symbolik
- Darstellung und Dekonstruktion von Machismo-Strukturen
- Androgynität und Geschlechteridentität der Protagonisten Diego und María
- Einsatz filmischer Mittel zur Identitäts-Konfusion
Auszug aus dem Buch
Die Androgynität Diegos
Almodóvar inszeniert die beiden Figuren Diego und María in sehr ambivalentem Stil. Sie können, ähnlich wie in der zuvor ausgeführten Theorie, als die Protagonisten einer corrida, nämlich Stier und Torero, wahrgenommen werden. Bei genauerem Betrachten lassen sich beide Akteure dieses „menschliche[n] Stierkampf[es]“ (Maurer Queipo 2005: 135) ebenfalls keiner eindeutigen Geschlechterkategorie zuordnen.
Der Stierkampflehrer Diego ist selbstverständlich an sein biologisch männliches Geschlecht gebunden und erscheint auch sonst auf den ersten Blick klassisch maskulin. Bereits zu Beginn des Films wird man als Zuschauer Zeuge seiner Nekrophilie, als er zu alten Splatterfilmen masturbiert (Almodóvar 2011: 00:00:18-00:02:02). Es scheint, als würde er besonderen Gefallen daran finden, junge, attraktive Frauen dabei zu beobachten, wie sie auf grausame Art getötet werden. Später erfährt man, dass ihm nicht allein das Zusehen besonderen Reiz verschafft, sondern dass er selbst aktiv wird und seine weiblichen Stierkampfschülerinnen vergewaltigt und anschließend tötet. Auch im weiteren Verlauf des Films offenbart er stellenweise seinen dominanten Charakter, beispielsweise als María in seiner Stierkampfschule versucht, ihn wie gewohnt mit einer Haarnadel zu töten (Almodóvar 2011: 00:41:23-00:42:00). Er reagiert kurzerhand, hält zuerst ihr Handgelenk mit Vehemenz fest, drängt sie an die Wand und wirft dann ihre Haarnadel zu Boden. Als sie versucht sich zu bücken, tritt er auf ihre Hand und verwehrt ihr so den Zugriff auf das Mordinstrument. Auch wenn er María in seinem Auto durch Madrid verfolgt und ihr bis ins Kino hinterherläuft, stellt er einen Mann dar, der weiß, was er will und sein Gegenüber unter Druck setzt (Almodóvar 2011: 00:35:11-00:36:37). Er ist also in diesen Situationen kein passiver Charakter, sondern agiert mit Dominanz und gewisser Aggressivität, beides Eigenschaften, die in der westlichen Welt oft dem Stereotyp des Männlichen zugeschrieben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung: Das Kapitel führt in die thematische Auseinandersetzung von Männlichkeit und Weiblichkeit im Film MATADOR ein und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Eine psychoanalytische Deutung des Stierkampfes: Es wird die Symbolik des Stierkampfes analysiert und aufgezeigt, wie traditionelle Deutungsmuster den Stierkampf mit dem Geschlechtsakt parallelisieren.
3. Die Darstellung von Geschlechterrollen anhand des Stierkampfes: Dieses Hauptkapitel untersucht die androgynen Züge der Protagonisten Diego und María sowie die bewusste Aufhebung klassischer Rollenbilder im Film.
3.1 Die Androgynität Diegos: Analyse der ambivalenten Natur des Protagonisten, der trotz maskuliner Dominanz auch weiblich konnotierte Schwächen aufweist.
3.2 Die Androgynität Marías: Untersuchung der Figur María, deren Erscheinungsbild und Handlungen sie zwischen klassischen Weiblichkeitsidealen und männlich besetzten Rollen oszillieren lassen.
3.3 Die Aufhebung von Geschlechterrollen: Synthese der Beobachtungen zur Auflösung binärer Geschlechtereinteilungen und der Inszenierung des finalen Liebestodes.
4. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse, wobei betont wird, dass Almodóvar keine einfachen Antworten liefert, sondern ein komplexes Paradoxon menschlicher Geschlechteridentitäten konstruiert.
Schlüsselwörter
Pedro Almodóvar, MATADOR, Männlichkeit, Weiblichkeit, Stierkampf, Geschlechterrollen, Androgynität, Psychoanalyse, Identität, Corrida, Geschlechtsidentität, Filmgeschichte, Spanischer Film, Gender-Switch, Machtverhältnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Film MATADOR von Pedro Almodóvar unter dem Aspekt der Darstellung von Männlichkeit und Weiblichkeit.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die symbolische Deutung des Stierkampfes, die Dekonstruktion des spanischen Machismo und die Ambivalenz der Geschlechterrollen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Almodóvar durch die Inszenierung der Stierkampfthematik klassische Geschlechterkonzepte aufbricht und hinterfragt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine psychoanalytische Betrachtungsweise mit einer filmwissenschaftlichen Personencharakterisierung verknüpft, um die Rollen der Protagonisten zu deuten.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der beiden Protagonisten Diego und María, deren androgynes Auftreten und die Parallelen zwischen ihrem Verhalten und dem rituellen Stierkampf.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Androgynität, Corrida, Geschlechterrollen, Maskulinität und symbolische Macht.
Inwiefern spielt die Haarnadel eine Rolle für die Symbolik?
Die Haarnadel dient als weibliches Utensil, das in der Funktion einer Mordwaffe (ähnlich dem Degen eines Toreros) das traditionelle Rollenbild von Täter und Opfer umkehrt.
Wie endet die Analyse des Films hinsichtlich der Geschlechterrollen?
Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Almodóvar keine lineare Metamorphose zeigt, sondern den Zuschauer in einer Ungewissheit über die tatsächlichen Rollenverhältnisse zurücklässt.
- Arbeit zitieren
- Maren Buchner (Autor:in), 2021, Pedro Almodóvars Verständnis von Männlichkeit und Weiblichkeit im Film "MATADOR", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1132961